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Verhaltensregeln und Etikette beim Live-Poker

September 25, 2025
von PokerStars Learn

Zum ersten Mal Poker live zu spielen, kann eine überwältigende Erfahrung sein. Ich erinnere mich noch heute daran, wie meine Hände zitterten, als ich als 18-jähriger Student im wöchentlichen Turnier meines Uni-Pokerclubs saß. Hier sind ein paar Tipps, die dir helfen sollen, am Pokertisch ein professionelles Verhalten an den Tag zu legen, auch, um den anderen um dich herum ein gutes Beispiel zu geben – denn die Wahrheit ist: Viele Live-Pokerspieler könnten eine Lektion in Sachen Pokeretikette gebrauchen!

Nimm deine Niederlagen mit Fassung und Respekt

Eines der Dinge, die mir die Lust am Live-Spiel nehmen können, sind die schrecklichen Wutausbrüche, die man früher oder später immer wieder von kindischen Mitspielern erlebt, nachdem man einen beachtlichen Pot gegen sie gewonnen hat. Ihr Groll und ihre Boshaftigkeit können den Spaß am Spiel ruinieren und für eine bittere Atmosphäre sorgen. Die Tatsache, dass diese Spieler denken, das Verlieren des Pots würde ihnen das Recht geben, sich ausfallend zu benehmen, ist einfach absurd. Diese Attitüde sollte niemals toleriert werden. Genauso, wie du ein solch törichtes und aggressives Verhalten nicht selbst zeigen solltest, wenn du verlierst, solltest du es auch nicht von deinen Gegenspielern dulden.

Ich sage es ganz ehrlich: Ich bin ein schlechter Verlierer. Allerdings ist der Pokertisch der einzige Ort in der Welt, an dem ich immer gelassen und respektvoll bleibe, wenn ich eine Niederlage einstecken muss. Warum? Weil Niederlagen unvermeidlich sind. Du wirst in deiner Pokerkarriere jede Menge großer Pots gegen alle möglichen Mitspieler verlieren. Niemand von ihnen hat dir etwas getan, was du ihm übel nehmen könntest. Wenn ein Gegner etwas macht, was du für einen schlechten Spielzug hältst, und dies dazu führt, dass du einen großen Pot verlierst, dann versuch einmal, die Situation aus seiner Perspektive zu betrachten. Gewinnt dieser Spieler normalerweise beim Poker? Höchstwahrscheinlich nicht. Auf lange Sicht wirst du deutlich mehr gewinnen als dieser Gegenspieler. Hat dieser Spieler es verdient, sich einen seiner seltenen glücklichen Gewinne von dir verderben zu lassen, nur weil du nicht jede Hand gewinnen konntest? Nein, Poker ist ein Spiel, bei dem auf kurze Sicht das Glück entscheidend sein kann, auf lange Sicht aber das Können zählt. Wenn du damit nicht umgehen kannst, gibt es viele andere Spiele, bei denen nur das Können ausschlaggebend ist und bei denen du niemandem außer dir selbst die Schuld geben kannst.

Zwei Spieler am Pokertisch geben sich einen Fistbump. Dies zeigt Respekt und Sportsgeist, wenn man beim Live-Poker eine Hand verloren hat.

Kein Nörgeln, Schmollen, Schimpfen oder Beschwerden über vermeintliches Pech

Es gibt kaum etwas Ermüdenderes als einen verlierenden Pokerspieler, der jedes Mal dem Kartendeck die Schuld gibt. Niemand wird dir glauben, dass du aus unerklärlichen Gründen von Natur aus mehr Pech hast als alle anderen – und niemand will es hören. Wir alle haben Tage, an denen immer nur die falschen Karten kommen und alles schiefgeht, was schiefgehen kann. Das ist nun mal Poker. Niemand will dem Jammern von jemandem zuhören, der nicht in der Lage ist, Verantwortung für seine eigenen schlechten Spielzüge zu übernehmen und sich nur auf die seltenen Gelegenheiten konzentriert, bei denen er wirklich mal durch Pech in Form von einer bösen Überraschung bzw. ungünstigen Karten einen großen Pot verloren hat. Wenn du das Verlangen hast, deinem Unmut über dein Pech Ausdruck zu verleihen, dann versuch einmal, diese Energie stattdessen dahin zu lenken, deine eigenen Fehler zu erkennen und zu beheben. Die meisten solcher griesgrämigen Spieler wollen gar nicht versuchen, sich zu verbessern, denn das würde das Risiko mit sich bringen, dass ihr Versuch scheitert. Einer der angenehmsten Aspekte des Live-Pokerspiels ist die soziale Interaktion. Ruiniere dies nicht, indem du alle mit einem eintönigen, deprimierenden Monolog nervst.

Trag deinen Teil zu einem fließenden Spielablauf bei

Live-Poker verläuft bekanntermaßen auf langsame Art und Weise: Volle Tische, teils angetrunkene Gegenspieler und viele Multiway-Pots tun ihr Übriges dazu. An Live-Tischen werden durchschnittlich rund 30 Hände pro Stunde gespielt. Im Vergleich dazu kann ein Profi-Onlinespieler, der an vier Zoom-Tischen gleichzeitig spielt, auf 1.000 Hände pro Stunde kommen. Vielleicht hältst du dich für einen Poker-Nerd, der gerne fünf Minuten damit verbringt, eine bestimmte Spielsituation komplett zu analysieren. Dies wäre jedoch ziemlich rücksichtslos und würde ungefähr der fünffachen Zeit entsprechen, die dir an einem Online-Tisch zur Verfügung stünde. Mach das Spiel nicht noch langsamer, als es aufgrund des Formats ohnehin schon ist. Nimm dir eine Minute Zeit, wenn eine große Entscheidung ansteht, aber gewöhne dir ansonsten ein fließendes und schnelles Spiel an: nicht nur der Etikette wegen, sondern auch, um nicht unnötig Informationen preiszugeben.

Lass dich nicht auf tiefgehende Diskussionen über Strategie ein

Der Standard, was Handbewertungen angeht, ist an den Live-Pokertischen tendenziell sehr niedrig. Es wäre meistens vergebliche Mühe, zu versuchen, einen Live-Freizeitspieler zu belehren. In der Regel haben diese Spieler tief verwurzelte Ansichten über das Spiel, die oftmals unlogisch sind. Selbst, wenn deine Absichten noch so wohlmeinend sind, werden deine Bemühungen wahrscheinlich ins Leere laufen. Deine Versuche, jemandem Pokerstrategie beizubringen, sind nicht nur verschwendete Energie, sondern können auch den anderen am Tisch einen Hinweis darauf geben, dass du es ernst mit dem Spiel meinst. Dies kann dazu führen, dass andere es vermeiden, mit dir in eine Hand zu geraten, oder auch, dass sie mehr auf ihr Spiel achten, wenn sie es mit dir zu tun bekommen. Es verstößt deshalb gegen die Etikette, andere zu belehren, weil die meisten Leute an den $1/$2-Tischen nur des Spaßes halber dabei sind und keine Lust auf Lektionen über Spielstrategie haben. Ein solches Verhalten kann Freizeitspielern das Gefühl geben, dass sie nicht gut genug sind, und ihnen den Spaß am Spiel nehmen.

Ein glücklicher Pokerspieler feiert den Gewinn eines großen Pots und gibt dem Dealer anlässlich seines erfreulichen Erlebnisses am Pokertisch ein Trinkgeld.

Gib den Dealern in angemessenem Rahmen Trinkgeld

Einer meiner ersten Jobs war Croupier in Casinos. Manchmal macht dieser Job echt Spaß, besonders, wenn man an einem lebhaften Tisch ist und durch den ganzen Raum heiteres Gelächter dringt. Aber manchmal ist der Job des Dealers am Poker- oder Casinospieltisch auch eine monotone Angelegenheit. Es kommt oft vor, dass irrational denkende Menschen in ihrer Wut tatsächlich dem Dealer die Schuld für ein ungünstiges Ergebnis geben. Einmal hat jemand mit einem Stuhl über den Roulette-Tisch nach mir geschmissen, weil die Kugel bei meinem Dreh des Rads auf der „falschen“ Zahl gelandet ist. Und Dealer müssen sich jeden Tag aufs Neue das Gejammer und die Nörgelei derselben verlierenden Spieler anhören. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass das nach einer Weile recht strapaziös sein kann.

Wenn du also einen ansehnlichen Pot gewonnen hast, zieh es in Erwägung, ein kleines Trinkgeld zu geben. Dies führt dazu, dass die Motivation des Dealers hoch bleibt, und zeigt auch Respekt dafür, dass sie oder er einen eher monotonen Job macht, damit du deinen Spaß hast. Wenn du das Spielen ernst nimmst, musst du natürlich gleichzeitig an deine langfristige Gewinnrate denken und daran, welche Auswirkung zu großzügige Trinkgelder auf diese haben. Wenn du mit hoher Regelmäßigkeit zu viel Trinkgeld gibst, kann das Spiel für dich unrentabel werden – selbst, wenn du einen bedeutenden Vorteil hast. Gib regelmäßig kleine Trinkgelder, um deinen Respekt zu zeigen und gleichzeitig auf deine Gewinnrate zu achten.

Kein Durcheinanderbringen des Pots, Knicken der Karten, Offenlegen der Karten beim Folden, kein Auf-den-Tisch-Hauen usw.

Das sind die Verhaltensweisen eines egoistischen, rücksichtslosen Pokerspielers. Viele solcher Spieler legen auch in ihrem übrigen Leben ein derart rücksichtsloses Verhalten an den Tag. Doch bei anderen kommen diese unangenehmen Charakterzüge erst durch die Kombination aus starkem Wettbewerbscharakter und Glücksfaktor, die das Pokerspiel darstellt, zum Vorschein. Diejenigen, die durch Poker zu einem egoistischen Blödmann werden, sollten einmal einen selbstkritischen Blick auf sich werfen und sich daran erinnern, dass sie sich unter normalen Umständen nicht so benehmen würden.

Nur weil du verärgert bist über die blöde Karokarte auf dem River, ist das noch lange kein Grund, deine Karten in die Luft zu schmeißen, sodass sie vielleicht aufgedeckt auf dem Tisch landen, während die Hand noch läuft. Oder vielleicht hast du deinen ganzen Stack verloren, was natürlich kein schönes Gefühl ist. Dennoch hat der Typ neben dir sicher keine Lust, dir zuzuschauen, wie du wie ein Wilder mit der Faust auf den Tisch schlägst. Und der Dealer will wahrscheinlich auch nicht ein neues Kartendeck anfordern, weil du einen Knick in die Herzbube-Karte gemacht hast, als du wütend einen letzten Blick auf dein Blatt geworfen hast, bevor du es niederlegtest. Genauso wenig wird der Dealer Lust haben, im Pot herumzuwühlen, um deinen Einsatz ausfindig zu machen, weil du zu schluderig warst, um deine Chips ordentlich vor dich hin zu legen.

Sei einfach rücksichtsvoll. Poker und die Implikationen, die das Spiel für unser Ego haben kann, sind keine Entschuldigung dafür, die normalen gesellschaftlichen Verhaltensnormen über Bord zu werfen.

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