Eine Einführung in Multiway-Pots
Multiway-Pots, also Pots mit mehreren Spielern, kommen bei bestimmten Spielformaten sehr häufig vor – insbesondere bei Full Ring-Cashgames mit niedrigen Einsätzen sowie in der frühen Phase von Multitisch-Turnieren (MTT). Doch selbst Spieler von 6-max Cashgames auf 50NL oder 100NL kommen oft genug in diese Lage.
Der Begriff Multiway-Pot beschreibt eine Spielsituation nach dem Flop, in der noch drei oder mehr Spieler in der Hand sind. Multiway-Pots erfordern bedeutende strategische Anpassungen, da Spieler hier tendenziell mit stärkeren Ranges weiterspielen, seltener bluffen und Equity anders verwirklichen als in Heads-up-Pots.
In dieser Einführung behandeln wir Folgendes:
- wann du in einem Multiway-Pot eine Lead Bet bringen solltest
- warum Top Pairs an Wert verlieren
- wie du deine Einsatzhöhe festlegst
- und welche Blätter am meisten von Schutzeinsätzen profitieren.
Wann du eine Lead Bet Range aufbauen solltest
Der durchschnittliche Spieler setzt in einem 3-Spieler-Pot seltener mit kleineren Paaren und unfertigen Blättern. Hinter seinen Einsätzen stehen in erster Linie stärkere Draws und solidere fertige Blätter. Das bedeutet, wenn der Flop deinen Gegnern nichts Tolles gebracht hat, wird er oft durchgecheckt. Wenn du also keine Lead Bet (den ersten Einsatz der Runde außer Position) bringst, kann es gut sein, dass sie den Turn kostenlos sehen. Auf einem Flop wie J♣7♥2♠ ist das nicht schlimm, weil es weniger mögliche Turn-Karten gibt, die deinem Top Pair gefährlich werden können. Auf einem derart „trockenen“ Board setzt der Preflop-Raiser höchstwahrscheinlich mit einer breiten Range eine C-Bet. Dies erlaubt es dir, vom Big Blind sehr viel passiver und trügerischer zu spielen. Angenommen, du sitzt im Big Blind und hast ein Blatt wie 7♣7♦, A♠J♠ oder Q♥J♥, mit dem du ein Raise vom Button und einen Call vom Small Blind gecallt hast: Es gäbe in dieser Situation keinen Grund für eine Lead Bet. Dieses Board kommt dem Raiser ziemlich oft zugute. Deshalb wäre es durchaus sinnvoll, je nach Blatt entweder ein Check/Raise oder einen Check/Call zu machen. Wir brauchen uns auch keine großen Sorgen darüber zu machen, dass unsere Gegner einfach aufholen, wenn sie kostenlos den Turn sehen. Mit A♠J♠ beispielsweise machen wir auf diesem Flop nur zu gern einen Check/Call, weil wir wissen, dass unsere Gegner auf dem Turn nur wenige Outs für das beste Blatt haben, wenn sie den Flop verpasst haben. Ein solches Top Pair-Blatt kann in dieser Situation also als „stabil“ oder „kaum angreifbar“ bezeichnet werden: Du musst damit nicht unbedingt gleich einen Schutzeinsatz abgeben oder in einer bis zwei Einsatzrunden Value generieren. Du kannst damit ruhigen Gewissens bis zum Turn warten, bevor du weiteres Geld in den Pot schiebst. Wenn eine nutzlose Turn-Karte kommt, kannst du deinen Plan durchziehen und selbst anfangen, einen Pot aufzubauen.

Lass uns jetzt ein Beispiel mit einer völlig anderen Flop-Struktur anschauen: 8♣7♣4♦. Auf diesem Flop wäre der Preflop-Raiser sehr viel weniger geneigt, eine C-Bet mit einem weniger starken Blatt zu setzen. Gleichzeitig ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass der Flop seinem Blatt nur wenig, wenn überhaupt was gebracht hat. Der Small Blind könnte an dieser Stelle mit einigen Blättern checken, mit denen er sehr gerne Einsätze auf dem Flop callen würde. Wenn niemand ein Blatt hat, mit dem er callen kann, haben wir mit einem Blatt wie 9♥9♠ immer noch guten Grund für eine Lead Bet, denn sie bietet uns eine Menge Schutz, indem sie Overcards unserer Gegner zum Folden bringt. Es kann bis zu vier verschiedene Overcards geben, die unser Blatt schlagen, wenn sie auf dem Turn zum Paar werden. In diesen Situationen gibt es drei Arten von Blättern, mit denen es sich sehr lohnt, eine Lead Bet zu setzen.
- Extrem starke Blätter, mit denen wir unbedingt den Pot aufbauen wollen, weil wir wissen, dass der Button zu oft ebenfalls checken wird, wenn wir checken, als dass ein Check/Raise Sinn ergeben würde. Dies könnten Blätter wie Sets, Two Pairs und Straights sein.
- Gefährdete Top Pairs und Overpairs, mit denen du Value rausholen musst, während das Board noch relativ ungefährlich ist, und du deine Equity gegen Gegner mit Overcards mit möglichen Outs schützen musst. Dies sind Blätter wie A♠8♠ und 9♦9♠.
- Mit Semi-Bluffs sollten wir auf einem so gefährlichen Board bei einem Multiway-Pot wählerisch vorgehen. Allerdings können wir die Value-Blätter in unserer Lead Bet Range an dieser Stelle mit einigen Flush Draws und Straight Draws ausbalancieren.
Sei bereit, ein schlechtes Top Pair niederzulegen
Wenn wir bei einem Multiway-Pot ein wackeliges Top Pair auf dem Flop bekommen, mag es das Beste sein, schon auf den ersten Einsatz hin zu folden. Denk daran, dass unsere Gegenspieler in einem Multiway-Pot weniger geneigt sind, Geld mit schwachen Bluffs oder mittelmäßigen Value-Blättern in den Pot zu geben. Anders gesagt: Ihre Einsatz-Ranges bestehen nun aus mehr starken fertigen Blättern und Draws mit höherer Equity. Es wird somit sehr viel schwieriger, mit dem vermeintlich besten Blatt zum Showdown zu kommen. Ein Beispiel: Der Spieler Under The Gun (UTG) macht ein Eröffnungs-Raise auf 2 BB, das zwei Spieler in Position callen, bevor wir mit A♠2♠ im Big Blind mitgehen. Auf dem Flop kommt A♣10♦5♥. Wir checken, um erstmal abzuwarten, was passiert. Eine Lead Bet wäre in dieser Situation unnötig und gefährlich, weil wir mit einem Check kostenlos Informationen gewinnen. Wir finden wahrscheinlich gleich raus, wie günstig dieser Flop für unsere Gegner ausgefallen ist, ohne dass es uns was kostet.
Bei Multiway-Pots wird die Blattstärke deutlich
Spieler neigen in Multiway-Pots im Allgemeinen dazu, ihr Blatt fast so zu spielen, als würden sie es offenlegen. Deshalb ist ein Check mit einem mittelmäßigen Blatt, um zu sehen, wie die Gegner reagieren, nun ein sehr guter Spielzug.
Spieler neigen in Multiway-Pots im Allgemeinen dazu, ihr Blatt fast so zu spielen, als würden sie es offenlegen. Deshalb ist ein Check mit einem mittelmäßigen Blatt, um zu sehen, wie die Gegner reagieren, nun ein sehr guter Spielzug.
In unserem Beispiel checken wir und der Spieler UTG legt 6 BB in den Pot von 8,5 BB. Die anderen Spieler vor uns folden, was auch für uns im Big Blind der richtige Spielzug ist. Die C-Bet-Range des Preflop-Raisers UTG in einem 4-Spieler-Pot würde uns wahrscheinlich zunichtemachen. Und auch die Semi-Bluffs, mit denen er diesen Spielzug macht, hätten erwartungsgemäß eine Menge Equity. Es ist sehr viel wahrscheinlicher, dass wir gegen seine Range weit hinten liegen, als dass wir gegen irgendeinen Teil davon vorne liegen. Es mag sich übertrieben anfühlen, ein Top Pair so schnell aufzugeben. Aber die Chips, die du in diesen Situationen sparst, sind das, was deine Gewinnrate wirklich in die Höhe treibt.

Mach niedrigere Einsätze gegen starke Spieler
Wenn wir vor dem Flop raisen und mit zwei starken und erfahrenen Gegnern zum Flop kommen, müssen wir bedenken, dass sie bei einem 3-Spieler-Pot seltener auf dem Flop fortfahren. Das heißt, dass ihre durchschnittliche Blattstärke höher ist, wenn sie weiter dabeibleiben. Ihre Range wird also immer stärker, je mehr Einsätze sie nach dem Flop callen. Angenommen, wir raisen vom Hijack (HJ) mit K♥10♥ und werden von zwei guten Spielern in den Blinds gecallt. Der Flop bringt 10♦6♣4♥, die Spieler in den Blinds checken und wir sind wieder am Zug. Wir haben auf jeden Fall einen Anreiz, mit diesem Blatt zu setzen. Wir holen somit Value aus schlechteren 10-X-Blättern und niedrigeren Paaren raus, während wir für Schutz sorgen, indem wir mehrere Overcards zum Folden bringen, bevor sie eine Chance haben, aufzuholen. Außerdem wollen wir, dass unsere Gegner für ihre Gutshot Straight Draws bezahlen müssen.
Das Problem ist: Mit einem großen Einsatz würden wir die Ranges unserer Gegner wahrscheinlich einengen, und zwar in eine für uns ungünstige Richtung. Wenn wir einen Einsatz in Höhe des Pots bringen, würden sie vermutlich nur mit Ranges dabeibleiben, die eine sehr gute Equity gegen uns haben. Es wäre also fraglich, ob unser Einsatz überhaupt als Value-Einsatz angesehen werden kann. Wir wollen uns schließlich nicht selbst gegen Sets und Blätter wie A♠10♥ isolieren! Ein besserer Spielzug wäre an dieser Stelle, rund 40% des Pots zu setzen. Auf die Art bringst du eine Menge schlechterer Blätter dazu, in der Hand zu bleiben, und du schützt dich gleichzeitig gegen Blätter wie Q♦J♦.
Isoliere dich nicht selbst gegen starke Ranges
Sei in Multiway-Pots vorsichtig, dass du die Ranges deiner Gegner nicht so weit einengst, dass deine Einsätze keine Value-Einsätze mehr sind.
Fazit
Es gibt bei Multiway-Pots noch viel mehr zu bedenken. Doch wenn du diese Tipps beherzigst, hast du schonmal einen Vorteil gegenüber den Spielern, die Multiway-Pots nicht viel anders als Heads-up-Pots angehen. Noch mal zur Erinnerung: Erwäge eine Lead Bet, wenn du außer Position bist und der Flop gefährlich erscheint, setz nicht zu viel auf One Pair-Blätter und bring niedrigere Einsätze mit mittelmäßigen Value-Blättern.
