Wie du Limps deiner Gegner vor dem Flop zu deinem Vorteil nutzt
Die meisten Spieler wissen, dass es ein theoretischer Fehler ist, als Erster mit einem Call in den Pot einzusteigen. Doch wie genau nutzen wir es zu unserem Vorteil, wenn ein Spieler sich vor dem Flop für einen solchen Limp entscheidet?
Aggression zahlt sich aus
Limp-Ranges sind schwach, weil sie in der Regel nach oben hin begrenzt sind. Anders gesagt: Ein Limper hat nur selten eines der bestmöglichen Startblätter. Wenn wir raisen, um einen Limper zu isolieren, können wir also davon ausgehen, dass wir es nur selten mit einem Monsterblatt bzw. einem Re-Raise unseres Gegners zu tun bekommen. Deshalb sollten wir mit einer breiten Range auf Angriff gehen, insbesondere, wenn wir den Positionsvorteil haben. Hinzu kommt, dass Limper meistens keine besonders kompetenten Spieler sind, was einen großen Vorteil für uns bedeutet, wenn wir nach dem Flop gegen sie weiterspielen. Das Beste an einem Isolation-Raise ist, dass die meisten Limper das Raise callen, dann zuerst checken und schließlich auf einen Einsatz hin kleinlaut ihr Blatt niederlegen, wenn der Flop ihnen nichts bringt. Wenn der Gegner ein kämpferischer Spieler ist, der uns nach dem Flop Schwierigkeiten bereiten würde, wären wir wahrscheinlich ohnehin mit einem Raise in den Pot eingestiegen.
Behalte den Tisch im Auge
Wir müssen uns davor in Acht nehmen, dass die Spieler hinter uns mitbekommen, wie breit unsere Range für solche Isolation-Raises gegen Limper ist, und daraufhin mit einer breiteren Range 3-Bets bringen. Auch in dem Fall sollten wir mit einer breiten Range angreifen, aber vielleicht etwas niedrigere Einsätze wählen. Das gibt uns mehr Möglichkeiten zur Verteidigung und verringert gleichzeitig unseren Verlust, falls wir folden müssen. Es gilt also vorauszudenken.
Wenn hingegen passive Spieler, die viel callen, hinter uns sitzen, sollten wir höhere Einsätze für unser Isolation-Raise gegen den Limper erwägen, denn unser Ziel ist ja, als Einziger gegen einen schwächeren Gegner zu spielen. An Tischen, an denen die Spieler hinter uns inaktiv sind und auf ein Raise hin wahrscheinlich aus der Hand aussteigen, können wir wiederum hohe Einsätze wählen, um den Limper mit aller Härte zu bestrafen. Bedenke aber, dass nicht alle Limper friedfertige Spieler sind. Manchmal ist ein Limp auch eine Falle und der Limper erwidert dein Raise mit einem Re-Raise. Wenn du das jemals mitbekommst, mach dir eine Notiz davon! Dies hilft dir, in Zukunft Isolation-Raises mit mittelmäßigen Blättern gegen diesen Gegner zu vermeiden.

Wann du einen Limp mit einem Limp erwidern kannst
Es ist nicht zwingend erforderlich, in diesen Situationen immer nur zu raisen oder zu folden. Zu Beginn dieses Artikels haben wir Limps, um den Pot zu eröffnen, als Fehler bezeichnet. Das gilt allerdings nicht für Limps mit den richtigen Arten von Blättern und am richtigen Tisch, wenn vor uns schon jemand gelimpt ist. Hinterher zu limpen ist deshalb manchmal in Ordnung, weil der Limper vor uns dafür gesorgt hat, dass wir ohnehin schlechtere Chancen haben, dass es zum Heads-up-Pot kommt oder wir die Blinds einsacken. Der übliche Anreiz für ein Raise ist somit größtenteils nicht mehr gegeben. In diesen Fällen solltest du priorisieren, deine Equity zu realisieren statt deine Fold Equity. Wenn wahrscheinlich ist, dass mehrere Spieler zum Flop kommen, bist du besser mit Startblättern bedient, die zu starken, aber nicht offensichtlichen Blättern führen können, als mit mittelmäßigen Blättern aus hohen Karten. Wenn du ahnst, dass loose Spieler auf dein Isolation-Raise mit einem Call reagieren, kannst du mit schwachen, aber chancenreichen Blättern ebenfalls limpen, statt zu raisen. Dies könnten Blätter wie 8-7 suited und 4-4 sein. An Tischen, an denen dein Isolation-Raise häufig eine 3-Bet provoziert, solltest du auch mit Blättern erwägen hinterher zu limpen, mit denen du lieber keine 3-Bet siehst.
Die Höhe deines Raises
Dein Isolation-Raise sollte üblicherweise in Position ca. 4 BB und außer Position ca. 5 BB betragen.
Dass allgemein ein höheres Isolation-Raise ratsam ist, liegt daran, dass alle Spieler nach dir nun bessere Pot Odds kriegen. Höhere Einsätze helfen dir zudem, das Stack-zu-Pot-Verhältnis nach dem Flop besser zu kontrollieren. Dies wiederum macht es dir leichter, mit starken Blättern aufs Ganze zu gehen und Druck auf schwächere Ranges auszuüben. Es ist mehr „totes Geld“ im Pot. Dies gibt Spielern mit Blättern wie Suited Connectors und niedrigen Paaren, die ordentliche Implied Odds bieten und sich gut in Pots mit mehreren Spielern (Multiway-Pots) schlagen, einen Anreiz, in die Hand einzusteigen. Diesen Anreiz wollen wir ihnen nicht geben.
Für jeden zusätzlichen Limper im Pot können wir die Höhe unseres Raises um einen Big Blind erhöhen.
Wenn hinter dir sehr loose Spieler sitzen, kannst du einfach davon ausgehen, dass sie in den Pot einsteigen, und dein Raise entsprechend erhöhen. Wir wollen schließlich nicht, dass sie uns den Heads-up-Pot gegen den Limper vermasseln – insbesondere, wenn wir ein starkes Blatt wie König-Dame offsuit haben, mit dem wir viel lieber gegen nur einen Gegner statt gegen mehrere spielen.
An Tischen mit angriffslustigen Spielern vor uns, die oft 3-Bets bringen, wäre es hingegen völlig in Ordnung, die Größe des Raises auf 3 bis 3,5 BB zu verringern.
Lass uns ein paar Beispielhände anschauen, um das Gelernte auf die Probe zu stellen.
Beispiel 1
Du bist im Cut-Off in einem 6-max Cashgame. Ein looser und passiver Freizeitspieler im Hijack steigt mit einem Limp in den Pot ein. Hinter uns sitzen ein paar aggressive, erfahrene Spieler, die tendenziell oft 3-Bets setzen. Ich würde an dieser Stelle ein relativ niedriges Isolation-Raise auf 3,25 BB sowie eine etwas tightere Startblatt-Range als sonst empfehlen. Deine Range sollte so aussehen:

Beispiel 2
Du bist im Small Blind und ein sehr passiver Spieler, der viel callt, limpt auf dem Button. Wir haben zuvor gesehen, wie zurückhaltend dieser Spieler spielt: Er versucht einfach nur, Flops zu sehen in der Hoffnung auf ein starkes Blatt. Wenn er auf dem Flop nichts trifft, gibt er gerne auf. Im Big Blind sitzt ein tighterer Freizeitspieler, der kleine Raises mit einer breiten Range callt, aber vorsichtig wird, wenn der Pot größer wird. Was sollte unsere Strategie sein? Wir sollten eine sehr breite Isolation-Raise-Range und sehr hohe Einsätze wählen.

Beispiel 3
In unserem letzten Beispiel sitzen wir auf dem Button und zwei Spieler limpen in den Pot. Der Erste ist ein unberechenbarer Maniac, der ständig limpt und gelegentlich verrückte Spielzüge nach dem Flop macht. Der Zweite ist ein dir unbekannter, bislang jedoch tighter Spieler. Im Small Blind sitzt ein weiterer looser Maniac und im Big Blind ein Spieler, der eher wie ein Nit, also tight und vorsichtig, spielt. Abgesehen davon, dass wir dieses vielversprechende Spiel auf keinen Fall verlassen wollen – was ist unser Plan? Wir haben nur eine minimale Chance auf einen Heads-up-Pot. Höchstwahrscheinlich kommt es zu einem 3- oder 4-Spieler-Pot mit so gut wie keiner Fold Equity nach dem Flop. Es wäre an dieser Stelle besser, mit den meisten Blättern mit einem Call in den Pot einzusteigen, um für einen guten Preis den Flop zu sehen, als einen Pot in die Höhe zu treiben, den wir dann in den meisten Fällen aufgeben müssen. Mit den allerbesten Blättern können wir natürlich ein Isolation-Raise bringen, das wir enorm hoch ansetzen sollten, um die Anzahl an Gegenspielern in der Hand erfolgreich zu verringern. Im Folgenden findest du die richtige Range für diese Situation:

Bevor wir abschließen, sei noch einmal gesagt, dass Isolation-Raises gegen Limper eine der effektivsten Möglichkeiten sind, um die Spielweise deiner Gegner beim Poker zu deinem Vorteil auszunutzen.
Zusammenfassung
- Bring Isolation-Raises mit einer breiteren Range dann, wenn der Limper passiv ist, der Tisch tighter ist und hinter dir nicht allzu viele Spieler sind, die oft 3-Bets setzen.
- Wenn nach dir aggressive Spieler am Zug sind oder wenn du nur eine sehr geringe Chance hast, dass es zum Heads-up-Spiel kommt, solltest du deine Isolation-Raise-Range tighter gestalten.
- Wenn vor dir jemand gelimpt ist und die Fold Equity niedrig erscheint, limpe mit Blättern, die sich gut in Multiway-Pots spielen lassen.
