Drei Tipps, um deine Blinds zu verteidigen
Aus deinen Anfängen im Pokerspiel kennst du vermutlich noch den Tipp, keine mittelmäßigen Blätter außer Position zu spielen. In Short-handed-Formaten, bei denen die Blinds mit sehr breiten Ranges angegriffen werden, ist das aber genau die richtige Strategie. Fangen wir mit einer einfachen Rechnung an.
Der Erwartungswert (EV) beim Folden
Denk dran, dass dich ein Fold im Big Blind bezogen auf die ganze Hand 1 BB kostet. In dieser Hinsicht ist der EV also -1 BB. Viele der Blätter, die du im Big Blind verteidigen musst, kosten dich langfristig gesehen auch Geld, aber vielleicht kosten sie dich durchschnittlich weniger als 1 BB. Lass uns ein Beispiel dazu anschauen:
Du hältst J♠7♠ und ein aggressiver Stammspieler auf dem Button raist auf 2,5 BB. Ein Fold kostet dich 1 BB. Damit ein Call sinnvoller als ein Fold ist, musst du deine Investition von 1,5 BB langfristig zurückbekommen, und noch etwas obendrauf. So könntest du einen kleinen Teil des Big Blinds, den du investiert hast, wiederbekommen. Der EV eines Calls wäre vielleicht nur -0,8 BB statt -1 BB.
Nach deinem Call beträgt der Pot 5,5 BB (2,5 BB von euch beiden plus der aufgegebene Small Blind). Wenn du im Durchschnitt mehr als 1,5 BB zurückbekommst, ist dein Call vor dem Flop (Preflop) profitabel, denn du hast deine Investition und einen Teil deines Big Blinds zurückgewonnen, den du mit einem Preflop-Fold komplett aufgegeben hättest. Selbst wenn du mit deinem Preflop-Call auf lange Sicht immer noch Verluste machst, könnte Folden dich noch teurer zu stehen kommen.

Wichtig ist, dass du die Verteidigung deines Blinds als Strategie verstehst, mit der du deine Verluste minderst. Da du den 1 BB schon gesetzt hast, gehört er nicht mehr dir, sondern liegt im Pot. Deshalb sind alle Calls oder 3-Bets, die dir langfristig weniger als 1 BB Verlust bescheren, schon sinnvoller als Folden.
Die Frage ist also: Auf welchen Teil dieses Pots hast du durchschnittlich Anspruch, wenn du Faktoren wie dein Blatt im Vergleich zur gegnerischen Range, deine Position und das relative Skill-Niveau aller Spieler berücksichtigst?
Dein Blatt ist natürlich kein Monster, aber gegen eine 45% Eröffnungs-Range des Buttons, die du von einem aggressiven Gegner erwarten kannst, hast du beachtliche 42% Equity. Wegen deiner ungünstigen Position kannst du diese Equity natürlich nicht vollständig realisieren, aber durchschnittlich kannst du hier mit ungefähr einem Drittel des Pots rechnen. Damit dein Preflop-Call auf plus/minus null kommt, musst du nur 1,5 BB wieder reinholen – das sind 27% des Pots. Der Call hier ist also richtig, dann damit verlierst du statistisch gesehen weniger Geld als mit Folden.
3-Bets, um deinem Gegner Equity zu verwehren
Es ist völlig in Ordnung, deinen Big Blind zu verteidigen, indem du kleine Raises callst, doch ab und an solltest du deine Strategie auch mit 3-Bets aufmischen. Der Gedanke dahinter ist, dass du es einem Raiser in Position ziemlich leicht machst, wenn er immer den Flop sehen darf. Er ist in jeder Einsatzrunde als Letzter dran und kann die Potgröße effektiv kontrollieren. Denk auch daran, dass 60% der fünf Gemeinschaftskarten auf dem Flop erscheinen. Das bedeutet, dass ein Spieler auf dem Button, der vom Big Blind gecallt wird, 60% seiner Equity realisiert. Um diese 60% auf 0% zu senken, musst du den Raiser in später Position von Zeit zu Zeit dafür bezahlen lassen und ihn dazu zwingen, spekulative Calls mit schwächeren Blättern zu machen oder den ganzen Pot aufzugeben.
Mit welchen Blättern solltest du im Big Blind eine 3-Bet gegen solche Steal-Versuche setzen? Ein guter Ausgangspunkt ist, mit Blättern wie 10-10 oder besser, As-Dame offsuit oder besser, König-Dame suited oder besser sowie As-Bube suited oder besser immer eine 3-Bet gegen Raiser aus später Position zu bringen. Diese Blätter sind der Eröffnungs-Range deines Gegners sehr weit voraus und haben sogar noch Chancen, wenn er deine 3-Bet callt. Wenn du ein Blatt hast, das so eindeutig der Favorit ist, liegt es in deinem Interesse, den Gegner mehr dafür zahlen zu lassen, wenn er den Flop sehen will. Gib dem Spieler in Position nicht drei oder vier Karten kostenlos mit, wenn er eine so breite Range hat, während du mächtige Karten hältst.
Außerdem solltest du ab und zu mit Blättern 3-Bets bringen, die nach dem gegnerischen Call mittelmäßig dastehen und mit denen du den Pot lieber sofort einheimst. Damit verweigerst du dem Gegner jegliche Equity, wenn er ein schwaches Blatt hält. Mit Blättern wie 7-7 bis 9-9, As-10 offsuit bis As-Bube offsuit, König-Bube offsuit bis König-Dame offsuit, As-2 suited bis As-10 suited, König-9 suited bis König-Bube suited oder besser, Dame-10 suited oder besser, Bube-9 suited oder besser, 10-8 suited oder besser sowie 9-8 suited, 8-7 suited oder 7-6 suited kannst du als Big Blind nach einem Raise des Buttons entweder eine 3-Bet oder einen Call bringen. Auch wenn viele dieser Blätter nicht vorne liegen, wenn der Gegner deine 3-Bet callt, machen sie ihre mäßige Equity dadurch wett, dass sie dir den Pot oft genug ohne Gegenwehr vor dem Flop einbringen.
Denk bei 3-Bets in den Blinds aber daran, dass du den Rest der Hand außer Position spielst. Um diesen Nachteil auszugleichen, solltest du höhere Einsätze wählen (üblicherweise etwa das 3,5-Fache, gegen loose Gegner manchmal sogar noch mehr), um deine Fold Equity zu maximieren. Das macht es dem Eröffnungs-Raiser mathematisch schwierig, mit spekulativen Blättern dabei zu bleiben.
Setze oft und aggressiv 3-Bets, damit deine Gegner nicht glauben, sie können immer ungeschoren deine Blinds stehlen.
Profitipp
Behalte immer die Spieltendenzen deiner Gegner im Auge. Wenn ein Spieler eine breite Eröffnungs-Range hat, aber nach 3-Bets oft foldet, solltest du deine Bluff-Range deutlich erweitern. Bei der Verteidigung deiner Blinds geht es nicht nur um deine Karten, sondern auch um ein Verständnis der Dynamik zwischen der breiten Range des Gegners und deiner Fähigkeit, diese Spielweise auszunutzen.
Achte auf die Höhe der Eröffnungs-Raises.
Es macht einen großen Unterschied, ob du mit einem Eröffnungs-Raise von 2 BB oder 3 BB konfrontiert bist. Mit Blättern wie 8-5 suited, 9-8 offsuit oder As-5 offsuit ist die Verteidigung bei 2 BB Pflicht, während du gegen 3 BB die Waffen strecken solltest. Deine Pot Odds sind ein guter Anhaltspunkt dafür, wie gut dein Blatt zum Callen sein muss – hör auf sie.

Im heutigen Poker neigen viele Spieler auf dem Button zu einer Mindest-Raise-Strategie (also 2 Big Blinds). Gegen diese Einsatzhöhe sind deine Pot Odds so günstig, dass die optimale Strategie bedeutet: Verteidige deine Blinds mit einer extrem breiten Range an Blättern, einschließlich der meisten Connectors und Suited-Karten, damit dir nicht zu oft die Blinds gestohlen werden.
Gegen höhere Eröffnungs-Raises ist ein Call eine schlechtere Idee, denn dabei wird deine Investition im Vergleich zur Potgröße zu hoch. Wenn ein Spieler mit sehr hohen Einsätzen wie 3,5 oder 4 BB die Runde eröffnet, solltest du mit den meisten Blättern, die du nicht gleich foldest, eine 3-Bet bringen: So muss dein Gegner erstmal rechtfertigen, warum er mit einer breiten Range so viel Geld investiert. Mach dir bewusst, dass sich der EV beim Call eines niedrigen Raises im Vergleich zum Call eines großen Raises drastisch unterscheiden kann.
Fazit
Wenn du von einem Spieleinsteiger langsam zum fortgeschrittenen Spieler avancierst, musst du lernen, wann es Zeit wird, das Sicherheitsnetz von „Tight ist gescheit“ hinter dir zu lassen. Die Blind-Verteidigung bei Duellen in später Position ist einer der ersten Bereiche, in dem du diese Schritte wagen kannst.
