Drei Poker-Denkfehler, die du vermeiden solltest
Poker ist ein trügerisches Spiel, bei dem du schnell Denkfehlern auf den Leim gehen kannst.
Die folgenden drei Logikfallen gehören immer noch zu den häufigsten Fehlern, die Spieler heutzutage machen. Und im aggressiveren Pokerumfeld von heute werden diese Fehler oft umso mehr bestraft. Dabei lassen sie sich gut vermeiden.
„Hat sich nix geändert!“
Diesen Denkfehler machen viele, wenn auf einer Street eine scheinbar harmlose Karte landet. Ein Beispiel: Der Flop bringt K♥10♥6♠ und der Gegner raist deine Continuation Bet. Du callst und auf dem Turn kommt 2♣ – die bedeutungsloseste Karte an der Stelle überhaupt, oder? Klar: Diese Karte hat wahrscheinlich keinen Einfluss auf deine Equity gegen die Range deines Gegners. Aber diese Equity kann sich ganz schnell ändern, wenn dein Gegner auf dem Turn weiter Aggression zeigt.
Laut Spieltheorie wäre es jetzt völlig richtig, deine schwächsten Blätter, mit denen du bis hierhin gekommen bist, zu folden – denn dass die Turn-Karte das Board nicht verändert hat, heißt noch lange nicht, dass auch die Range deines Gegners gleich geblieben ist. Tatsächlich deutet sein Folgeeinsatz auf dem Turn darauf hin, dass sich seine Range weiter in Richtung Bluffs mit hoher Equity (etwa Flush Draws) und starken Value-Blättern verengt hat. Auf niedrigeren Stakes ist es durchaus üblich, dass Spieler auf dem Flop mit zahlreichen Blättern Check-Raise-Bluffs wagen und dann aufgeben, wenn sie ihre Gegner mit der Einsatzreihe nicht sofort zum Folden bringen.

Gegen aggressivere Spieler von heute sind nutzlose Turns hingegen oft eine mächtige Gelegenheit, weiter Druck auszuüben. Selbst wenn sich das Board selbst sehr wenig geändert hat, kann die Einsatz-Range deines Gegners nach der erneuten Aggression deutlich stärker werden.
Wie kommt der Denkfehler von „hat sich nix geändert“ überhaupt zustande? Die Ursache dafür ist ein Fehler in der Pokerlogik von Spielern. Dazu gehören auch Gedanken wie, „wenn es richtig war, auf dem Flop zu callen, liege ich immer noch richtig“. Der Spieler verwechselt hier etwas und geht davon aus, dass er nur beurteilen muss, ob er das beste Blatt hat – so als ginge es am Pokertisch um Hellseherei. Tatsächlich geben die Informationen, die ein Spieler hat, solche Urteile oft kaum her. Wenn ein Spieler also ständig behauptet, „ich glaube, ich hab das beste Blatt“ darfst du ruhig skeptisch werden.
Eine bessere Formulierung wäre: „Ich denke, ich habe genug Pot Equity, um in dieser Situation gegen seine Range zu callen.“ Wenn du es so betrachtest, kannst du anschließend einsehen: „Ich hatte genug Equity, um auf dem Flop zu callen, aber jetzt setzt der Gegner wieder. Daher denke ich, meine Equity ist deutlich gesunken.“ Mit dieser Einsicht entkräftest du den Mythos, dass es ein Widerspruch ist, auf dem Flop zu callen, und dann nach einem bedeutungslosen Turn zu folden. Die richtige Ausdrucksweise ist entscheidend, um diesen Denkfehler zu vermeiden. Das Stichwort lautet „Range“ – nicht „Blatt!“ Ranges ändern sich durch Aktionen, nicht nur durch ausgeteilte Karten.
„Ich setze, weil ich glaube, ich liege vorn“
Das Wichtigste vorweg: Du solltest nie „glauben, dass du vorn liegst“. Das Ziel ist immer, im Rahmen von Ranges zu denken – du kannst also glauben, dass du „der gegnerischen Range voraus bist“ oder „meistens“ vorn liegst. Wenn dich jemand fragt, wie viele Gänseblümchen du im Garten hast, und du antwortest „87“, wäre das geraten. Eine ungefähre Antwort wie „zwischen 50 und 1.000“ wäre hingegen weitaus realistischer. Bei der Poker-Blattdeutung funktioniert es genauso: Du kannst deinen Gegnern eine bestimmte Range von Blättern unterstellen, aber nicht ein konkretes Blatt.
Zum anderen gilt: Selbst wenn du relativ sicher bist, dass du der Range des Gegners voraus bist, reicht das vielleicht noch immer nicht für einen Einsatz. Der Einsatz muss einem Zweck dienen.
Du könntest für Value setzen, wenn du dir sicher bist, dass du der gegnerischen Range immer noch voraus bist, selbst wenn dein Gegner callt. Oder du könntest einen Schutzeinsatz abgeben, wenn du vermutest, dass du den Gegner so dazu bringst, zahlreiche Blätter zu folden, die noch mögliche Outs gegen dich haben. Wenn du hingegen mit einem starken Blatt setzt, das schlecht dasteht, wenn dein Einsatz gecallt wird, war der Einsatz in den meisten Fällen ein großer Fehler. Woher kommt also der Fehlschluss: „Ich setze, weil ich glaube, ich liege vorn“?
Dieser Logikfehler kommt zustande, weil viele Spieler Poker viel zu simpel als Wettbewerb von „wer hat den größten Stock“ betrachten. Das ist eine sehr instinktive Weise, über das Leben nachzudenken, und weist auf einen unkultivierten Denkprozess hin.
Dieser Fehler tritt auch in modernen Spielen häufig zutage, wo viele Spieler mit starken Blättern automatisch setzen. In vielen Situationen kann ein Check schwächere Blätter im Pot halten oder aggressive Gegner zu Bluffs verleiten. Dass deine Range vorn liegt, ist für sich genommen nicht Grund genug, um zu setzen.

Ich habe versucht, ______ zu repräsentieren.
Die Leerstelle wird meistens mit Bezug auf eine furchterregende Karte gefüllt, die gerade ausgeteilt wurde. Die häufigsten Beispiele wären „den Flush“ und „das As“. Hier übt sich der Spieler in der Rolle des Imitators. Er wählt seine Aktionen so, damit sie dem nahekommen, was er für die Züge eines Spielers hält, der gerade eine glückliche Karte auf dem Board getroffen hat. Das Problem ist, dass diese Imitation nur dann wirkt, wenn du weißt, wie dein Gegenüber sie interpretiert. Wenn du einen überzeugenden bayerischen Dialekt nachmachst, kannst du vielleicht jemanden aus Deutschland täuschen. Das Problem ist: Jemand aus Sri Lanka oder ein Esel würde den Akzent gar nicht erkennen.
Der Versuch, den Flush zu repräsentieren, ist so, als würdest du vor einem unbekannten Publikum einen bayerischen Dialekt nachmachen. Wenn du Glück hast, interpretiert dein Gegner deine Einsätze vielleicht so, dass er glaubt, du musst den Flush haben. Wenn du Pech hast, spielst du gegen einen Gegner, der deine Aktionen sofort als Bluff deutet. Und in anderen Fällen denkt dein Gegner überhaupt nicht drüber nach, was du machst! Sein Gedankengang kann buchstäblich sein, „och, ich calle mal“. Wie viel Erfolg erhoffst du dir mit deiner genialen Darbietung, wenn du es mit einem so unbedachten Gegner zu tun hast?
Der Punkt ist: Blätter bewusst zu repräsentieren, funktioniert nur, wenn es sehr wahrscheinlich ist, dass dein Gegner selbst nicht allzu viele starke Blätter hat, und wenn du gut beurteilen kannst, wie er deine Aktion vermutlich deutet. Deshalb scheitert das „______ repräsentieren“ beim Onlinepoker so oft von vornherein – zu viele Gegner sind dir unbekannt.
