Was ist Positionsbewusstsein und wie meisterst du es
Die Bedeutung der Position beim Poker kann man gar nicht genug betonen. Dies ist eine der ersten Lektionen, die angehende Spieler lernen – und das aus gutem Grund.
Die Position spielt eine so wichtige Rolle, dass sie sich auf jeden Aspekt deiner Strategie auswirkt: von der Auswahl deiner Startblätter vor dem Flop bis hin zu deiner Spielweise nach dem Flop.
Wenn du in den Stakes aufsteigst und auf stärkere Gegner triffst, bist du schnell im Nachteil, sofern du dir nicht der Bedeutung der Position bewusst bist. Anders gesagt: Du brauchst ein gutes Positionsbewusstsein, um dein Spiel so weit voranzubringen, dass du die Low Stakes hinter dir lassen kannst.
Die Bedeutung der Position
In Position zu sein, verschafft dir einen riesigen Vorteil beim Poker, denn so bist du in jeder Einsatzrunde als Letztes am Zug. Deine Gegenspieler, die vor dir dran sind, verraten dir mit jedem Spielzug etwas über die Stärke ihres Blatts.
So kannst du genauer einschätzen, ob du in einer Hand vorne oder hinten liegst. Zudem gibt es dir die Flexibilität, die Höhe des Pots zu kontrollieren: Halte ihn mit einem Check oder Call gering, oder blähe ihn mit einem Einsatz oder Raise auf.
Wenn du vorne liegst, ist es in Position einfacher, Value rauszuholen – und wenn du hinten liegst, ist es einfacher, einen erfolgreichen Bluff durchzukriegen.
Die Position ist so entscheidend, dass deine Startblatt-Ranges und deine ganze Strategie für das Spiel nach dem Flop von ihr abhängen.
In Position zu sein, erlaubt es dir auch, mehr von der Equity deines Blatts zu verwirklichen. Selbst wenn zwei Spieler mit Blättern ähnlicher Stärke beginnen, holt der Spieler, der als Letzter an der Reihe ist, im Allgemeinen mehr Value aus seinen Gewinnerblättern raus und verliert mit seinen schwächeren Blättern weniger. Diese Fähigkeit, deine Equity effizienter zu verwirklichen, ist einer der Hauptgründe, weshalb die Position so große Auswirkungen auf deine Gewinnrate hat.

Startblatt-Ranges in den verschiedenen Positionen
Vor dem Flop brauchst du in früher Position eine deutlich stärkere Blattrange.
Der Unterschied ist enorm. Du solltest vor dem Flop von Under the Gun in der Regel nur mit den besten ca. 10% von Blättern ein Eröffnungs-Raise bringen. Diese Range besteht aus Premium-Blättern wie starken Pocket-Paaren und As-Bube bis As-König. Hinzu kommen der Balance halber einige wenige Bluffs.
In einer späten Position wie dem Hijack steigt die Anzahl der Startblätter, mit denen du in den Pot einsteigen kannst, auf rund 25 bis 30%. Diese bedeutend breitere Range beinhaltet alle Paare, die meisten Broadway-Blätter und weitere mittelstarke Suited-Blätter.
Und wenn du erst mal auf dem Button bist, kannst du mit ca. 50% der Startblätter ein Eröffnungs-Raise setzen. Wenn du es mit schwächeren Gegnern in den Blinds zu tun hast, ist dieser Anteil sogar noch höher. Zu dieser Range gehören Suited Connectors und Suited One Gappers, die meisten As-X-Blätter, Suited Könige, Suited Damen und mehr.
Das Kernprinzip
Je früher deine Position ist, desto tighter sollte deine Range sein.
Auf die Art machst du den Positionsnachteil während der Hand teilweise wieder wett.
Um dir ein gutes Positionsbewusstsein anzueignen, brauchst du ein solides Verständnis für diese Ranges.
3-Bets vor dem Flop in Position
Bevor wir auf das Positionsbewusstsein nach dem Flop eingehen, lass uns kurz das Thema 3-Bets näher anschauen. Wenn du 3-Bets immer nur mit Premium-Blättern setzt, verpasst du einige sehr profitable Gelegenheiten, um den Pot zu stehlen oder in die Höhe zu treiben.
Wann ist also der richtige Zeitpunkt, um deine Range auszuweiten und einen gut getimten 3-Bet-Bluff zu wagen? Vielleicht hast du es schon erraten: wenn du in Position bist.
Je näher du am Button sitzt, desto unwahrscheinlicher ist es, dass die Spieler hinter dir callen oder ein gutes Blatt auf der Hand haben und eine 4-Bet bringen. Wenn deine 3-Bet vom ursprünglichen Raiser gecallt wird, kannst du in Position nach dem Flop aggressiv weiterspielen.
Gleichermaßen solltest du die Positionen deiner Gegenspieler berücksichtigen, wenn du eine 3-Bet erwägst, und dich an ihre Ranges anpassen.
So solltest du beispielsweise nicht oft gegen einen Raiser in früher Position eine 3-Bet setzen. Wie bereits erwähnt, sollte er eine sehr tighte Range aus Premium-Blättern haben. Er wird also wahrscheinlich nicht oft auf eine 3-Bet hin folden.
Am besten eignen sich aggressive Raiser in mittlerer bis später Position als Angriffsziel für deine 3-Bet-Bluffs. Diese Spieler folden tendenziell häufig, wenn sie auf Widerstand stoßen.
Du kannst auch profitabel vom Small Blind oder Big Blind 3-Bets gegen aggressive Raises von später Position bringen. Dies kann deinen Positionsnachteil ein Stück weit aufwiegen, indem du den Druck an deine Gegner zurückgibst.
Sei jedoch vorsichtig, dass du in den Blinds nicht zu viel foldest oder standardmäßig zu viele Calls machst, ohne einen Plan zu haben. Außer Position und ohne Initiative zu spielen, ist eine Herausforderung, aber Calls können immer noch eine gute Option gegen einen Gegner sein, der in später Position angemessen oft versucht, die Blinds zu stehlen. Dies gilt insbesondere im Big Blind.
Berücksichtige bei der Entscheidung, ob du callst oder eine 3-Bet setzt, Faktoren wie die Position des Raisers, die Häufigkeit seiner Eröffnungs-Raises, die Größe der Stacks und seine Spieltendenzen nach dem Flop. Gegen breitere Steal Ranges ist eine gemischte Strategie aus Calls und 3-Bets oft die beste Option.
3-Bets sind und bleiben im Allgemeinen eine mächtige Waffe, um Druck auszuüben, Pots vor dem Flop einzusacken oder mit Initiative um größere Pots zu spielen. Allerdings solltest du dies mit vorsichtig ausgewählten defensiven Calls ausbalancieren, anstatt Calls ganz durch 3-Bets zu ersetzen.

Positionsbewusstsein nach dem Flop
Dass die Position vor dem Flop so wichtig ist, liegt auch daran, dass der Positionsvorteil nach dem Flop bestehen bleibt. Dein Gegner ist in jeder Einsatzrunde der Hand zuerst an der Reihe, was dir jedes Mal nützliche Extrainformationen gibt, um fundiertere Entscheidungen zu treffen.
In Position zu sein, ist in jeder Situation ein bedeutender Vorteil:
- Mit einem Value-Blatt kannst du mehr Value durch Einsätze und Raises rausholen.
- Es bieten sich mehr Gelegenheiten für Bluffs basierend auf den Aktionen deiner Gegner.
- Du kannst die Höhe des Pots kontrollieren, wenn du Zweifel hast, ob du vorne liegst.
- Du kannst mit Draws oder Overcards an kostenlose Karten auf der nächsten Street kommen, um dein Blatt hoffentlich zu verbessern.
Du solltest immer versuchen, das meiste aus dem Positionsvorteil zu machen. Das kann bedeuten, dass du den Pot klein hältst, eine Menge Chips hineinbekommst oder ihn dir hier und jetzt holst.
Dein Gegner ist hingegen jedes Mal in der Defensive. Er kann nicht so einfach den ersten Einsatz bringen, weil er damit riskiert, dass jemand raist. Er sieht sich außer Position mit sehr viel schwierigeren Entscheidungen konfrontiert.
Außer Position spielen
Es ist also überhaupt nicht wünschenswert, außer Position zu spielen. Aber es kommt vor. Es ist unvermeidbar, es sei denn, du würdest in jeder Position außer auf dem Button immer folden. Wichtig ist, dass du die Fallstricke vermeidest, die das Spiel außer Position mit sich bringt.
Wenn du dich an die genannten Tipps hinsichtlich des richtigen Positionsbewusstseins hältst, hast du das Problem teilweise schon gelöst. Wenn du in früher Position nur mit einer bedeutend tighteren Range in Hände einsteigst, solltest du dich nach dem Flop in weniger kniffligen Situationen wiederfinden, da du dann oft ein starkes Blatt hast.
Es kommt aber auch vor, dass du in mittlerer oder später Position raist und von einem Spieler mit Positionsvorteil gecallt wirst. In diesem Fall hast du nicht unbedingt Asse oder ein ähnlich starkes Blatt.
In aller Regel solltest du versuchen, die Größe des Pots in Maßen zu halten, wenn du ein Blatt, das kein Premium-Blatt ist, außer Position spielst. Indem du mit schwachen Top Pairs und anderen mittelmäßigen Blättern checkst und callst, verlierst du nur ein Minimum, wenn du hinten liegst. Und du sorgst damit dafür, dass dein Gegner einige schwächere Blätter in seiner Range behält, die dir Value einbringen.
Aber übertreib es nicht mit dem Checken und Callen. Wenn du außer Position zu passiv wirst, bekommen kompetente Gegenspieler mit, dass sie dich leicht überrennen können. Entweder verwirklichen sie dann ihre Equity für umsonst mit Draws oder sie treiben dich mit deinen mittelmäßigen Blättern durch Bluffs in Form mehrerer Einsätze bis zum River aus der Hand. Wende Potkontrolle an, um das Risiko zu begrenzen, aber werde nicht zur Calling Station.
Ein Check-Raise kann auch außer Position ein sinnvoller Spielzug sein. Damit treibst du deinen Gegner mit Positionsvorteil in die Ecke und stellst ihn vor eine Entscheidung, bei der es um eine Menge Chips geht. Das kannst du sowohl mit sehr starken Blättern machen, um den Pot aufzubauen, als auch mit Semi-Bluffs wie starken Draws, um den Pot hoffentlich auf der Stelle einzusacken.
Gegen solche Gegner, die an ihrem Blatt kleben und nicht gerne folden, kannst du deine Check Raise Range auch manchmal auf mittelstarke Value-Blätter ausweiten. In diesen Situationen würdest du mit einem passiven Check/Call möglicherweise Value liegen lassen.
Fazit
Versuche im Allgemeinen, mit einem guten Positionsbewusstsein zu spielen, um kontinuierlich die Spielweise deiner Gegner zu deinem Vorteil auszunutzen, wenn du in Position bist. Und wenn du außer Position bist, gilt es, deinen Nachteil zu minimieren.
Ein gutes Positionsbewusstsein erlangst du nicht über Nacht – es erfordert Disziplin, um mittelmäßige Blätter früh zu folden, und Entschlossenheit, um in den richtigen Situationen Druck auszuüben. Aber wenn es erst mal Klick gemacht hat, wirst du feststellen, dass deine Entscheidungen im Vergleich zu denen deiner Gegenspieler sehr viel klarer werden.
Der Button ist nicht nur eine Markierung für den Dealer, er stellt auch den profitabelsten Platz am Pokertisch dar. Dies ist einer der Schlüsselaspekte, um beim Poker auf lange Sicht zu gewinnen.
