Die Psychologie des Foldens
Wir wissen alle, dass diszipliniertes Folden, wenn alle Indizien dafür sprechen, zum erfolgreichen Spielen dazugehört.
Diese Folds tatsächlich fertigzubringen, ist aber ein Kampf für sich. Egal wie richtig oder klug dein Fold ist: So richtig gut fühlt es sich nie an, das Blatt hinzuwerfen! Du hast gerade einen beachtlichen Pot aufgegeben, wie sollst du dich darüber freuen?
In diesem Artikel beschäftigen wir uns damit, warum Folden so unangenehm ist, wie es sich auf dein mentales Spiel auswirkt und was du tun kannst, um dem Fold-Button seinen Schrecken zu nehmen.
Warum fühlt sich Folden so mies an?
Schuld ist unser Hang zur Ressourcenerhaltung – oder was die Verhaltensökonomie die Versunkene-Kosten-Falle nennen. Wenn du Zeit, Mühe oder Geld für einen Pot aufgewendet hast, tut sich dein Verstand sehr schwer damit, das alles aufzugeben, selbst wenn Folden zweifellos die richtige Entscheidung ist.
Wir sind einfach nicht darauf programmiert, Ressourcen für etwas aufzuwenden, nur um sie dann loszulassen, ohne etwas zurückzubekommen.
Wenn du Geld auf ein Sparkonto einzahlst und die Bank dir später erklärt, dass sie alles verloren hat und dir nichts erstattet, wärst du wahrscheinlich außer dir vor Wut und Empörung – völlig zurecht.
Wir neigen instinktiv dazu, uns an die Dinge zu klammern, in die wir unsere persönlichen Ressourcen investiert haben. Leider ist das beim Poker oft das genaue Gegenteil davon, was sinnvoll wäre.
Es kommt oft vor, dass ein Board nichts für dein Blatt tut, aber der Range deines Gegners zugute kommt. Manchmal wacht ein tighter Spieler auf und raist deinen Value-Einsatz auf dem River. Ein passiver Freizeitspieler callt vielleicht deinen Turn-Einsatz und du verpasst alle deine Outs für einen Flush oder Straight.
In solchen Fällen musst du den Pot aufgeben, aber leicht ist es nie.
Mach dir klar, dass dein Drang, auf keinen Fall auf Fold zu drücken, nicht mehr ist als ein Überlebensinstinkt (Ressourcenerhalt), der im falschen Kontext zu Tage tritt. Beim Poker musst du deinem Verstand antrainieren, anders zu funktionieren. Du musst akzeptieren, dass du in manche Pots erst investieren musst, nur um sie dann aufzugeben.
Wenn du das nicht schaffst, wirst du zur Calling Station und verlierst eine der wichtigsten Gewinnstrategien: Starke Blätter gegen Gegner folden, die nicht oft genug bluffen.

Willenskraft und Folden
Folden erfordert eine Menge mentale Stärke und absolute Entschlossenheit. Du kannst dir deine Willenskraft wie eine Batterie vorstellen, die nur begrenzte Kapazität hat, bevor du sie wieder aufladen musst.
Bei besonders frustrierenden Sitzungen, wenn Gegner wiederholt mit starken Blättern um die Ecke kommen, die deine mittelstarken Karten schlagen, musst du vermutlich viele schwierige Folds zeigen. Das kostet viel Chips und Willenskraft. Nach einer halben Stunde voller Tiefschläge kann sich deine mentale Batterie komplett leer anfühlen.
Dann kommt vielleicht die eine knifflige Situation zu viel und bevor du dich versiehst, hast du den gefürchteten schlechten Call gemacht.
Was kannst du tun, damit du gar nicht erst in so einer Situation landest?
- Mach frühzeitig eine Pause. Wenn deine Sitzung schon mies anfängt und in den ersten 30 Minuten so weitergeht, steh vom Tisch auf, damit sich deine Willenskraft wieder aufladen kann.
- Denk daran, dass Varianz kein Gedächtnis hat. Dass die letzten drei Gegner jeweils das obere Ende ihrer Range hatten, macht es nicht unwahrscheinlicher, dass es beim nächsten wieder so ist. Betrachte es rein logisch, damit sich deine Vernunft gegenüber deinem emotionalen Impuls, unbedingt zu callen, durchsetzt.
- Konzentrier dich auf das Gesamtbild. Die meisten Sitzungen sind nicht so. Wenn du diese im Schadensbegrenzungsmodus überstehst, verbesserst du deine langfristigen Ergebnisse. Nach 50.000 Händen wird dieser Downswing kaum noch bemerkbar sein – es sei denn, du lässt dich zum Tilting hinreißen.
Downswings und der Erwartungswert von Folds
Je länger deine schlechte Phase schon anhält, desto schwieriger wird es natürlich, die nötige Willenskraft aufzubringen, um weiter gegen starke Ranges zu folden.
Mach dir aber klar, dass Geld, das du nicht verlierst, genauso viel Wert ist wie Geld, das du gewinnst.
Mal angenommen, du foldest nach dem $50 River-Einsatz deines Gegners in einen $70 Pot. Deine tatsächliche Equity beträgt aber nur 10%, weil dein Gegner an dieser Stelle nicht oft genug blufft. Der Erwartungswert von Folds ist gleich null – das Geld, das du bereits investiert hast, ist verloren.
Entscheidend ist, ob du mit einem Call einen Teil dieses Gelds zurückzuerhalten kannst, oder ob dich der Call langfristig gesehen nur noch mehr Geld kostet.
Den Erwartungswert eines Calls kannst du ausrechnen, indem du jedes Ergebnis mit seiner Häufigkeit multiplizierst.
Der Erwartungswert von Calls
Den Erwartungswert eines Calls kannst du ausrechnen, indem du jedes Ergebnis mit seiner Häufigkeit multiplizierst.
Weil du in diesem Fall in nur 10% der Fälle gewinnst, sähe die Rechnung so aus:
(120 x 0,1) + (-50 x 0,9) = 12 – 45 = -$33
Durch deinen Fold hast du also effektiv $33 an Erwartungswert gewonnen – ein deutlicher Gewinn.
Wenn ein Downswing eine Weile anhält, kann es sich anfühlen, als würdest du im Pech ertrinken und als wären deine Erfolgschancen dauerhaft ruiniert. Das ist eine Täuschung, hervorgerufen durch eine emotionale Überreaktion auf die anhaltenden Verluste. Es ist normal, dass du dich so fühlst, aber es ist und bleibt ein Trugschluss.
Wenn du dir ein Diagramm von 100.000 Händen anschaust, ist ein Downswing aus 10.000 Händen vielleicht sichtbar, aber wie viel Schaden er anrichtet, hängt allein davon ab, wie du damit umgehst. Ein erfolgreicher Spieler, der Disziplin zeigt, hat auf lange Sicht trotzdem eine positive Bilanz. Ein Spieler, der unvernünftig und emotional reagiert, verspielt seinen Gewinnvorteil vielleicht völlig.

Ein gutes Gefühl beim Folden
Ob du es glaubst oder nicht, es ist möglich, ein gutes Gefühl beim Folden zu haben.
Der Schlüssel ist, dass du dein Unbewusstsein trainierst, Emotionen nicht mit dem finanziellen Ergebnis einer Hand, sondern mit der Qualität deiner Entscheidungen zu assoziieren.
Wichtig ist, dass du stolz darauf bist, wenn du eine Sitzung so makellos gespielt hast, wie es deine Pokerskills derzeit erlauben.
Ein gewisses Unbehagen oder Reue ob der verlorenen Chips ist nach dem Folden unvermeidlich. Lass dieses Gefühl vorüberziehen. Sobald der anfängliche Ärger verflogen ist, kannst du das Gefühl verstärken, dass du mit deinem Fold die richtige Entscheidung getroffen hast. Mit der Zeit lernt dein Verstand, positive Emotionen mit disziplinierten Entscheidungen statt kurzfristigen Ergebnissen zu assoziieren.
Wenn du deinen Fold zu schnell beurteilst – während der Jammer über den verlorenen Pot noch frisch ist – riskierst du, negative Assoziationen für die richtigen Spielentscheidungen zu entwickeln. Das musst du aktiv vermeiden.
Zusammenfassung
- Folden ist von Natur aus unangenehm. Wir sind darauf programmiert, uns an Dinge zu klammern, in die wir investiert haben, aber dieser Instinkt lässt sich abtrainieren.
- Willenskraft ist begrenzt. Mach Pausen, damit die Varianz deine Selbstdisziplin nicht mürbe macht.
- Ein Downswing ist nie so schlimm, wie er sich anfühlt – es sei denn, du lässt dich dazu hinreißen, nicht zu folden, wo es sinnvoll ist.
- Du kannst lernen, ein gutes Gefühl beim Folden zu entwickeln. Warte einfach ab, bis der anfängliche Frust verflogen ist, und bewerte deine Entscheidung dann mit klarem Kopf.
