Die Zwecke von Einsätzen beim Poker
Wenn du am Pokertisch einen Einsatz machst, gibst du Chips in den Pot. Das ist in einer Einsatzrunde die erste aggressive Aktion. Damit legst du zugleich den Preis fest, den die anderen Spieler bezahlen müssen, wenn sie in der Hand bleiben wollen.
Zu wissen warum und wann du Einsätze bringen solltest, zählt zu den wichtigsten Fähigkeiten im Poker. Genauso wichtig ist zu wissen, wie viel du setzen solltest, wenn du dich entscheidest, in einen Pot einzusteigen.
Um den richtigen Zeitpunkt für einen Einsatz zu erkennen, musst du aber erstmal verstehen, wozu Einsätze eigentlich dienen. Grob gesagt, gibt es drei verschiedene Gründe, um einen Einsatz zu bringen:
- Value-Einsatz – um einen Pot aufzubauen und mit einem starken Blatt viel Wert, also Value, rauszuholen. Einen Value-Einsatz machst du in der Regel dann, wenn dein Blatt der Range deines Gegners überlegen ist und wenn dein Gegner vermutlich ein Blatt hat, für das er viele Chips riskiert. Das Ziel eines Value-Einsatzes ist, den Pot aufzubauen, damit du mit dem besten Blatt mehr Chips gewinnst.
- Bluff – um deine Gegner zum Folden zu bringen, damit du mit deinem schwachen Blatt gewinnen kannst. Bluffen ist in jedem Pokerspiel eine wichtige Fähigkeit. Damit kannst du Chips abräumen, ohne dass dein Blatt beim Showdown gewinnen muss. Bluffs helfen dir auch, deine Ranges für Value-Einsätze auszugleichen.
- Mischeinsatz – mit Mischeinsätzen (manchmal auch Protection Bets genannt), schützt du dein Blatt und zwingst Gegner, mehr zu bezahlen, um in der Hand zu bleiben. Mischeinsätze bieten sich mit einer Range aus mittelstarken Blättern an, die der Range deines Gegners teilweise überlegen, teilweise unterlegen sind.
In diesem Artikel erklären wir dir jeden Aspekt davon ausführlich. So verstehst du genau, welchem Zweck die verschiedenen Arten von Einsätzen dienen. Wir geben dir einige Beispiele mit an die Hand, damit du nachvollziehen kannst, wann und wie viel du bei den jeweiligen Einsatzarten setzen solltest.
Wir gehen auch auf die sogenannte Continuation Bet ein. Damit ist ein Einsatz auf dem Flop gemeint, den ein Spieler macht, der schon vor dem Flop aggressiv gespielt hat. Er fällt aber in eine der oben genannten Kategorien. Wir gehen noch auf komplexere Einsatzmuster wie Einsätze für Minimalwert und Semi-Bluffs ein.
Die Grundlagen von Pokereinsätzen
Bei einem Einsatz gibst du Chips in den Pot. Es ist die erste aggressive Aktion der Einsatzrunde und kann ein Zeichen von Stärke sein – oder eine Möglichkeit, den Pot mit einem Bluff abzustauben.
Am Live-Pokertisch schiebst du die Chips in die Mitte, um einen Einsatz abzugeben. Wenn du deine Einsatzhöhe nicht selbst ankündigst, zählt der Dealer die Chips, die du platziert hast, um deine Einsatzhöhe zu bestimmen.
Beim Onlinepoker bestimmst du deine Einsätze mithilfe des Einsatzschiebers oder du tippst deinen gewünschten Einsatzbetrag direkt ein. Du kannst auch vorbestimmte Einsätze einrichten, damit du die Einsatzhöhen, die du häufig nutzt, einfach auswählen kannst.
Einsätze sind eine Möglichkeit, mit starken Blättern Value rauszuholen, aber auch um Pots mit einem Bluff zu gewinnen.
So funktioniert Setzen im Vergleich zu deinen anderen möglichen Zügen:
- Setzen oder Checken – wenn du als erster Spieler dran bist oder die Spieler vor dir gecheckt haben, kannst du checken oder setzen. Wenn du checkst, gibst du keine weiteren Chips in den Pot. Wenn du setzt, entscheidest du selbst, wie viele Chips du in den Pot bringst. Die anderen Spieler müssen deinen Einsatz ebenfalls aufbringen, oder sie können ihr Blatt folden. Laut den Poker-Einsatzregeln könntest du an der Stelle auch folden. Mit einem Check erreichst du aber das Gleiche, ohne dass du dein Blatt aufgeben musst.
- Callen, Raisen oder Folden – wenn schon jemand anders einen Einsatz gebracht hat, ändern sich deine möglichen Züge. Du kannst nicht mehr selbst setzen. Stattdessen kannst du den Einsatz deines Mitspielers callen, also genauso viele Chips in den Pot geben. Du kannst aber auch raisen, indem du mehr als die erforderlichen Chips in die Mitte bringst. Oder du entscheidest dich dagegen und foldest dein Blatt.

Überblick über die Einsatzrunden
Jede Hand findet im Verlauf von bis zu vier Einsatzrunden statt – vor dem Flop, auf dem Flop, Turn und River. Der Ablauf ist für jede Hand gleich:
- Alle Spieler erhalten jeweils zwei Startkarten – gefolgt von der ersten Einsatzrunde.
- Auf dem Flop werden die ersten drei Gemeinschaftskarten ausgelegt – gefolgt von der zweiten Einsatzrunde.
- Auf dem Turn kommt die nächste Gemeinschaftskarte – gefolgt von der dritten Einsatzrunde.
- Auf dem River wird die letzte Gemeinschaftskarte ausgelegt – gefolgt von der vierten und letzten Einsatzrunde.
Vor dem Flop kannst du keine klassischen Einsätze abgeben, weil der Small Blind und Big Blind als Eröffnungseinsätze der Hand dienen. Stattdessen hast du hier die Option, den Big Blind zu callen (das nennt man auch Limping), dein Blatt zu folden oder den Einsatz mit einem Raise zu erhöhen.
Wenn du vor dem Flop in einen Pot einsteigst, solltest du mit deiner gesamten Range ein Raise setzen. Damit legst du die Grundlage, um in den Einsatzrunden nach dem Flop effektive Einsätze zu bringen – egal ob du bluffst oder auf Value setzt.
Einsätze sind in allen drei Einsatzrunden nach dem Flop möglich. Die Spieler, die weiter in der Hand bleiben möchten, müssen mindestens genauso viel bezahlen wie der aktuelle Einsatz. Wenn nach der letzten Einsatzrunde noch zwei oder mehr Spieler am Pot beteiligt sind, geht die Hand zum Showdown. Wer das beste Blatt hat, gewinnt.
Einsätze für Value
Wenn du ein stärkeres Blatt als dein Gegner hast oder glaubst, dass du seiner Range voraus bist, ist dein Ziel, so viele Chips wie möglich zu kassieren. Dazu nutzt du Value-Einsätze. In dem Fall willst du, dass schwächere Blätter deinen Einsatz callen.
Value-Einsätze helfen dir, die Chipsausbeute von Gewinnerblättern zu maximieren. Sie sind ein zentraler Bestandteil der Pokerstrategie. Wenn du über mehrere Streets (also Einsatzrunden) hinweg Value-Einsätze bringst, kannst du riesige Pots aufbauen und möglicherweise sogar mit einem All-in um ganze Stacks spielen.
Beispiel eines Value-Einsatzes:
Du hast A♥ K♥ und der Flop bringt A♠ 5♥ 10♥ . Damit hast du das beste Paar – ein Top Pair aus Assen – mit dem besten Kicker. Dein Blatt könnte sich sogar zum Nut Flush verbessern, wenn auf dem Turn oder River ein weiteres Herz landet. In den meisten Fällen solltest du hier auf Value setzen, um den Pot aufzubauen und den Gewinn aus deinem starken Blatt zu maximieren. Auf dem Turn kannst du immer noch einen weiteren Value-Einsatz bringen, egal ob du den Flush triffst oder nicht.
Wann und wie du auf Value setzen solltest
Dass du mit den Nuts (dem bestmöglichen Blatt angesichts des Boards) Value-Einsätze bringst, versteht sich von selbst. Wann und wie viel du auf Value setzen solltest, ist hingegen etwas schwieriger. Dafür musst du deine Blattstärke im Vergleich zur Range deiner Gegner bewerten. Außerdem musst du Aspekte wie die Boardtextur, Stackgrößen und einiges mehr berücksichtigen.
Grundsätzlich gilt: Du kannst auf Value setzen, wenn dein Blatt stärker ist als der Durchschnitt der gegnerischen Range. Oder anders ausgedrückt – wenn du mehr Blättern überlegen bist als unterlegen, und wenn du glaubst, dass du Chips abräumen kannst, lohnt es sich, Value-Einsätze zu bringen.
- Relative Blattstärke – sofern du nicht gerade die Nuts hast, ist deine Blattstärke immer relativ zur Stärke deines Gegners. Bevor du einen Value-Einsatz machst, musst du herausfinden, ob du häufiger vorn liegst als zurück. Überleg dir auch, ob Gegner Blätter in ihrer Range haben, mit denen sie Chips gegen dich riskieren.
- Boardtextur – wenn die Boardtextur – also die Gemeinschaftskarten in der Mitte des Tisches – deinem Blatt zugute kommt, kannst du auf Value setzen. Wenn eher das gegnerische Blatt vom Board profitiert, übe mit Checken oder Check-Callen lieber Potkontrolle aus.
- Spieltendenzen deiner Gegner – deine Mitspieler haben eigene Tendenzen und Strategieansätze. Manche callen zu oft, andere nicht oft genug. Schwierigere Gegner raisen häufiger, um dich unter Druck zu setzen. Es ist wichtig, dass du dich anpasst – wie genau, erklären wir im Anschluss genauer.
- Einsatzhöhe – es gibt zwei Ansätze, um die richtige Einsatzhöhe zu bestimmen. Der eine Ansatz ist, die optimale Einsatzhöhe zu wählen, um deine Range aus Value-Einsätzen und Bluffs auszugleichen. Die andere Strategie ist, ausbeuterische Einsätze abzugeben, um schwächeren Gegnern so viele Chips wie möglich abzuknöpfen. Wenn du bemerkst, dass ein Gegner viel zu häufig callt (solche Gegner nennt man auch „Calling Station“), könntest du höhere Einsätze abgeben, um mehr Wert rauszuholen.

All-in gehen
Laut den Einsatzregeln in No Limit Texas Hold’em kannst du auch deinen gesamten Stack einsetzen. Dazu kannst du in allen vier Einsatzrunden All-in gehen.
Ein All-in-Einsatz für Value lohnt sich, wenn dein Blatt der gegnerischen Range weit überlegen ist. Auch das Verhältnis von Stack zu Pot sollte hoch genug sein, sodass ein All-in-Einsatz eine angemessene Einsatzhöhe ergibt.
Es kann aber mehrere Einsatzrunden dauern, bis es soweit ist. Ein Beispiel: Du setzt auf dem Flop und auf dem Turn – dann gehst du auf dem River mit einem Einsatz in Pothöhe All-in. Wenn die Stacks sehr klein sind, kannst du auch vor dem Flop oder auf dem Flop All-in gehen.
Wenn du einen All-in-Einsatz auf Value abgibst, willst du deinen Stack gegen ein schwächeres Blatt verdoppeln. Das ist ein riskanter Spielzug, der sich aber maximal lohnt, wenn es funktioniert.
Minimalen Wert rausholen
Die Blattstärke ist wie schon erwähnt relativ. Wenn du die Nuts hast oder ein Blatt, das ihnen nahekommt, ist es leicht, auf Value zu spielen. In dem Fall willst du schnell deinen Stack in die Mitte bringen, um von einer Range aus schwächeren Blättern abzukassieren.
Value-Einsätze mit weniger starken Blättern, die aber immer noch überlegen sind, sind etwas kniffliger. In diesem Fall musst du ein gutes Gleichgewicht finden. Wäge also sorgfältig ab, ob du checkst und callst, um den Pot zu kontrollieren, oder setzt und raist, um einen Pot aufzubauen und einen schönen Gewinn abzuräumen.
Ein Beispiel dafür wäre das Top Pair, wenn ein höheres Paar erscheint, oder das Board einen Flush ermöglicht. Es kann verlockend sein, hier sofort dicht zu machen und die Hand bis zum Showdown zu checken. Wenn du das zu unüberlegt machst, lässt du aber einiges an Value liegen.
Erfahrene Pokerspieler finden diesen Minimalwert. Dazu brauchst du ein gutes Gespür für die Range deiner Gegner. Die kannst du dann im Laufe der Hand und basierend auf ihren Aktionen weiter eingrenzen. Bei späteren Streets hast du im Idealfall eine ziemlich gute Vorstellung, wie dein Blatt abschneidet.
Vermeidbare Fehler bei Value-Einsätzen
Poker ist ein leichtes Spiel, wenn du das beste Blatt hast, denn damit kannst du kaum Chips verlieren. Bei Value-Einsätzen geht es aber darum, wie viel du gewinnen kannst – und das ist entscheidend für deine langfristige Bilanz. Hier sind einige Fehler, die du rund um Value-Einsätze vermeiden solltest:
- Value entgehen lassen – wenn du mit starken Blättern nicht auf Value setzt, weil du Angst hast, deine Gegner könnten etwas Besseres haben.
- Auf Value setzen, wenn du hinten liegst – bei Value-Einsätzen ist dein Ziel, schwächere Blätter zum Callen zu bringen. Wenn schwächere Blätter deinen Einsatz nicht callen würden oder wenn du befürchten musst, dass deine Gegner stärkere Blätter haben, solltest du Value-Einsätze sein lassen. In dem Fall ist Check-Folden oder Check-Callen die bessere Wahl.
- Zu wenig oder zu viel setzen – bei Value-Einsätzen ist die Einsatzhöhe entscheidend. Wenn du zu viel setzt, verjagst du Gegner, die ansonsten gecallt hätten, aus dem Pot. Wenn du zu wenig setzt, holst du nicht das Meiste an Chips raus und baust den Pot nicht für die nächsten Streets auf.
Einsätze als Bluff
Viele Leute, die wenig über Poker wissen, halten „Bluffen“ für ein zentrales Spielelement. Bluffen spielt natürlich eine wichtige Rolle beim Poker, aber du solltest es nur wagen, wenn realistisch ist, dass du deine Gegner damit zum Folden zwingst.
Beim Bluffen willst du deine Gegner mit deinem Einsatz dazu bringen, stärkere Blätter als deins zu folden. Und der letzte Aspekt dabei ist entscheidend: Deine Gegner müssen tatsächlich folden, sonst verpufft dein Bluff.
Wenn der Bluff funktioniert, schnappst du dir den Pot sofort, ohne dass du beim Showdown dein unterlegenes Blatt vorzeigen musst. Bluffen ist eine Gewinnstrategie, bei der du dir die Fold-Equity zu nutze machst – also deine Gewinnerwartung, wenn du Gegner zum Folden bringst.
Außerdem gleicht Bluffen deine Value-Einsatzranges aus. Wenn du mit der richtigen Häufigkeit bluffst, machst du es deinen Gegnern sehr schwer, zu durchschauen, ob du gerade ein starkes oder schwaches Blatt hast.
Beispiel für einen Bluff:
Du hast J♣ 10♣ in später Position und raist vor dem Flop. Der Spieler im Big Blind callt. Der Flop bringt K♠ 6♦ 4♦ und dein Gegner checkt. Du hast nur ein King-high-Blatt mit einem Buben als Kicker – ein sehr schwaches Blatt, das zudem wenig Chancen hat, sich zu verbessern. Es kann aber gut sein, dass dein Gegner genauso nichts Brauchbares hat.
Wenn dein Gegner checkt könntest du hier einen Bluff-Einsatz bringen, um vorzutäuschen, dass du ein Paar Könige hast. Selbst wenn dein Gegner ein stärkeres Blatt hat als du, zum Beispiel ein Ace-high, neigt er vermutlich dazu, zu folden.
Bluffen kann ein sehr komplexes Unterfangen sein. Bluffs gehen weit über eine Continuation Bet auf dem Flop hinaus. Geübte Spieler halten Bluff-Einsätze über mehrere Einsatzrunden hinweg bei, um einen Pot aufzubauen, den sie sich dann kurz vor dem Ziel unter den Nagel reißen. Das erfordert natürlich eine Menge Können, eine sichere Deutung der gegnerischen Blätter und nicht zuletzt starke Nerven.

Wie und wann du bluffen solltest
Es reicht nicht, einfach eine Menge Chips in die Mitte zu werfen, um einen Pot zu stehlen. Das funktioniert aus mehreren Gründen nicht. Erstens ergibt die Story, die du erzählst, keinen Sinn. Geübte Spieler werden durchschauen, dass deine Einsätze nicht zu deiner Blattrange oder deinen bisherigen Zügen passen. Zweitens kann es leicht passieren, dass Gegner ein sehr starkes Blatt haben und callen, egal wie viele Chips du setzt.
Damit ein Bluff Erfolg hat, muss er ein Blatt repräsentieren, das du tatsächlich haben könntest. Angenommen, du hast vor dem Flop geraist, und dann gecheckt, als der Flop dir nichts gebracht hat. Auf dem Turn kommt ein As. Nachdem du vor dem Flop geraist hast, sind As-Paare in deiner Range. Wenn du jetzt setzt, kannst du dieses Blatt vortäuschen.
Ein durchdachter Bluff an der richtigen Stelle ist nicht von einem Value-Einsatz zu unterscheiden. Das macht es deinen Gegnern schwer zu entscheiden, ob sie callen oder folden sollen.
Du willst aber nicht nur ein realistisches Blatt repräsentieren, sondern deine Gegner auch zum Folden bringen. Das klappt in einigen Situationen besser als in anderen:
- Boardtextur – auf einem trockenen Board, das wenig Karten für Monsterblätter bereithält, ist das Bluffen einfacher als auf einem Board mit vielen Draw-Chancen. Auf einem trockenen Board haben deine Gegner entweder etwas, mit dem sich ein Call lohnt, oder nicht. Auf einem Board mit vielen Draw-Chancen haben deine Mitspieler dafür viele mögliche Blatt-Kombinationen, mit denen sie callen oder sogar raisen können.
- Spieltendenzen deiner Gegner – das beste Ziel eines Bluffs sind tighte Spieler. Tighte Spieler folden oft und würden zögern, einen Einsatz zu callen, sofern sie nicht das Top Pair oder etwas Besseres halten. Gegen Calling Stations oder schlechte Spieler solltest du seltener bluffen. Die neigen dazu, zu callen, egal wie clever dein Bluff oder wie schwach ihr eigenes Blatt ist.
- Position – ein Bluff-Einsatz ist deutlich einfacher, wenn du in Position bist. So weißt du schon, was deine Gegner machen, bevor du am Zug bist. Wenn Gegner bei ein oder zwei Streets checken, ist ihr Blatt vermutlich schwach. Und wenn dein Bluff auf dem Flop oder Turn gecallt wird und du in Position bist, hast du noch eine Gelegenheit, um nachzulegen.
- Das bisherige Spielgeschehen – das bisherige Einsatzverhalten in dieser Hand verrät dir eine Menge – unter anderem, ob dein Gegner ein Blatt hat, das er spielen will. Wenn die anderen hier genannten Faktoren stimmen, kannst du aber auch außer Position einen Bluff wagen, um die Schwäche der anderen auszunutzen.
- Blocker – Blocker nennt man Karten, die die Anzahl an starken Blattkombinationen deiner Gegner verringern. Wenn du beispielsweise das Kreuz-As auf einem King-high-Board mit drei Kreuz-Karten hältst, blockt dein As Flush-Kombinationen sowie Kombinationen wie As-König. Wenn du Blocker hast, ist die Chance geringer, dass andere Spieler das Blatt haben, das du repräsentierst.
Reine Bluffs oder Semi-Bluffs
Wenn du mit einem Blatt setzt, das keinerlei Equity am Pot hat, ist das ein reiner Bluff – zum Beispiel, wenn du bis zum River nichts getroffen hast und trotzdem einen Einsatz machst. Du setzt also darauf, dass deine Gegner folden, denn das ist deine einzige Chance, den Pot zu gewinnen.
Es gibt aber auch Semi-Bluffs, wenn du ein unterlegenes Blatt hast, das noch eine gewisse Equity am Pot bietet. Mit einem Semi-Bluff kannst du den Pot gewinnen, wenn du deinen Gegner zum Folden bringst, du hast aber auch die Chance, auf der nächsten Street auf Gold zu stoßen und dein Blatt zu verbessern.
Ein typisches Beispiel für Semi-Bluffs wären Einsätze mit Straight Draws oder Flush Draws. Wenn dein Gegner foldet, gewinnst du den Pot. Wenn er callt, hast du immer noch die Chance, dein Blatt zu vervollständigen, und kannst dann auf Value setzen.
Beispiel für einen Semi-Bluff:
Spieler A: 9♣ 8♣
Spieler B: A♣ J♠
Flop: 10♣ 7♠ 3♠
Spieler B raist aus später Position und Spieler A callt auf dem Button. Spieler B erwischt auf dem Flop nichts und checkt. Spieler A setzt mit seinem Straight Draw als Semi-Bluff. Spieler B entscheidet sich, zu folden. Auch wenn Spieler B den Einsatz gecallt hätte, könnte Spieler A noch gewinnen, wenn er auf dem Turn sein Blatt verbessert oder einen weiteren Einsatz bringt, um den Bluff fortzusetzen.
Bluffs über mehrere Streets hinweg
Manchmal reicht eine Street nicht, um deine Gegner zum Folden zu bringen. In dem Fall musst du über mehrere Streets hinweg Bluffs setzen, um eine überzeugende Story zu erzählen. Damit übst du hoffentlich genug Druck aus, damit die anderen aufgeben. Diese Art von Mehrfach-Bluffs nennt man auch Double oder Triple Barrel Bluffs.
Der zweite oder dritte Bluff-Einsatz hintereinander ist ziemlich riskant, denn jeder Einsatz wird teurer. Das Gleiche gilt aber auch für deine Gegner. Die sind genauso gezwungen, weitere kostspielige Entscheidungen zu treffen.
Wenige Spieler haben das Können oder die Nervenstärke, um einen Bluff über mehrere Streets hinweg aufrechtzuerhalten. Das kann dir zum Vorteil dienen. Wenn du auf dem Turn oder River wieder einen Einsatz bringst, kaufen deine Gegner dir eher ab, dass du wirklich ein Value-Blatt hältst.
Schauen wir uns ein ähnliches Beispiel wie oben an, diesmal mit einem Semi-Bluff über mehrere Streets hinweg.
Beispiel für einen Double Barrel Semi-Bluff:
Spieler A: 9♣ 8♣
Spieler B: A♣ J♠
Board: 10♣ 7♠ 3♠ 10♥
Spieler B checkt auf dem Flop, nachdem er vor dem Flop geraist hat. Spieler A setzt als Semi-Bluff, aber diesmal callt Spieler B den Einsatz mit Ace-high. Der Turn bringt 10♥ und Spieler B checkt wieder. Spieler A hat seinen Straight verpasst, hält bloß ein 9-high und es kommt nur noch eine Karte. Es scheint aber auch unwahrscheinlich, dass Spieler B ein Three of a Kind aus Zehnen hat. Andernfalls hätte er mit seinem Paar vermutlich eine Continuation Bet auf dem Flop abgegeben. Spieler A feuert den zweiten Bluff-Einsatz ab und setzt zwei Drittel des Pots. Spieler B foldet.

Häufige Fehler beim Bluffen
Bluffen ist eine entscheidende Fähigkeit beim Pokern, aber es ist wichtig, dass deine Bluffs häufiger Erfolg haben als fehlzünden. Beim Bluffen brauchst du eine reelle Chance, dass deine Gegner folden, damit der Einsatz profitabel ist. Vermeide diese häufigen Fehler bei Bluff-Einsätzen:
- Planlos vorgehen oder kein überzeugendes Blatt repräsentieren
- Bluffen, wenn Gegner eine starke Range haben
- Die Boardtextur nicht berücksichtigen
- Blocker ignorieren
- Bluffs gegen Calling Stations
- In Pots mit mehr als zwei Spielern zu häufig bluffen
Auf den letzten Aspekt sind wir noch nicht eingegangen, deshalb sollten wir ihn jetzt ansprechen. In einem Pot mit mehreren Spielern (auch Multiway-Pot genannt) ist es wahrscheinlicher, dass ein oder mehrere Spieler ihr Blatt getroffen haben. In solchen Pots brauchst du also stärkere Blätter, um profitable Value-Einsätze zu bringen, und solltest seltener bluffen.
Andere Einsatzarten beim Poker
Nicht jeder Einsatz passt in eine der beiden Kategorien von Value-Einsätzen oder Bluffs. Auch wenn die meisten Einsätze sich der einen oder anderen Kategorie zuordnen lassen, wollen wir uns hier noch einige Sonderfälle ansehen: Continuation Bets, Schutz-Einsätze und Einsätze mit einer Mischrange.
Continuation Bets
Eine Continuation Bet (oder kurz „C-Bet“) liegt vor, wenn ein Spieler setzt, der vor dem Flop geraist hat. Ob der Spieler sich auf dem Flop tatsächlich verbessert hat, spielt dabei keine Rolle. Eine Continuation Bet setzt die Aggression vor dem Flop mit einer unbegrenzten Range fort. Das nennt man auch, die Initiative ergreifen.
Ein Beispiel: Spieler A raist in mittlerer Position und Spieler B callt im Big Blind. Die Range von Spieler B ist begrenzt, denn er hat gecallt, statt den Einsatz zu raisen. Die Range von Spieler A ist unbegrenzt – er könnte so ziemlich jedes Blatt bis hin zu Pocket-Assen haben. Dank seinem Range-Vorteil und seiner Initiative kann Spieler A bei zahlreichen Flops eine Continuation Bet setzen.
Eine Continuation Bet kann sowohl ein Value-Einsatz als auch ein Bluff sein – abhängig davon, ob du wirklich ein starkes Blatt hast. Es ist aber auch ein Beispiel für einen Mischrange-Einsatz, denn deine C-Bet-Range umfasst viele mittelstarke Blätter.
Mischrange-Einsatz
Bislang haben wir nur dazwischen unterschieden, mit einem starken Blatt auf Value zu setzen oder den Pot mit einem Bluff abzuräumen. Das nennt man eine polarisierte Einsatzstrategie: Entweder hast du ein Gewinnerblatt oder nicht.
Bei Einsätzen mit einer Mischrange setzt du hingegen auch mit mittelstarken Blättern. Solche Blätter sind der gegnerischen Range manchmal überlegen und manchmal unterlegen. Das kann dir helfen, deine Strategie auszubalancieren, und macht es deinen Mitspielern schwieriger. So ist es für sie noch undurchsichtiger, was du gerade hältst.
Einsätze zum Schutz
Der Ablauf einer Pokerhand bedeutet, dass das stärkste Blatt mit jeder neuen Karte wechseln kann. Es kann sein, dass das eine Blatt vor dem Flop vorn liegt, auf dem Flop von einem anderen Blatt überholt wird, bevor auf dem Turn und River ein drittes und viertes Blatt in Führung liegen.
Wenn dein stärkeres Blatt von einem anfangs schwächeren Blatt geschlagen wird, wirst du „out-drawn“. Der Sinn eines Schutzeinsatzes ist, dich genau davor zu schützen. Ein Schutzeinsatz ist ein Value-Einsatz, den du bringst, damit deine Gegner dafür bezahlen müssen, ihre Draws weiterzuspielen.
Wenn du ein starkes Blatt hast, das anfällig dafür ist, out-drawn zu werden, solltest du über einen Schutzeinsatz nachdenken. Das zwingt deinen Gegner, noch mehr zu bezahlen, um seinen Draw zu erhalten, oder seine Karten zu folden und dir den Pot zu überlassen, während dein Blatt noch in Führung liegt.
Beispiel eines Schutzeinsatzes:
Spieler A: J♣ J♠
Spieler B: A♥ 10♥
Spieler C: 5♥ 6♥
Flop: J♥ 7♥ 3♣
Mit einem Set Buben liegt Spieler A auf dem Flop vorn. Das Board bietet aber viele Draw-Chancen mit möglichen Straights und Flushes, die auf dem Turn oder River vervollständigt werden könnten. Spieler A kann sich mit seinem Blatt nicht leisten, zu checken oder zu callen, denn damit würde er riskieren, den anderen beiden Spielern kostenlos eine Draw-Karte zu bescheren. Er macht also einen großen Einsatz, um sein Blatt zu schützen.

Einsatzlimits verstehen – No Limit, Pot Limit, Fixed Limit
Pokerspiele unterscheiden sich in ihren Einsatzregeln und Einsatzstrukturen. Die Hauptarten sind Fixed Limit-, Pot Limit- und No Limit-Spiele:
- No Limit – in No Limit-Spielen kannst du so viel setzen, wie du willst. Du kannst jederzeit All-in gehen und deinen ganzen Stack in die Mitte werfen. Nutz deine Chips wie eine Waffe, um deinen Gegnern Chips und Geld abzunehmen. Baue mit Value-Einsätzen riesige Pots auf oder übe mit Bluffs Druck aus.
- Pot Limit – in Pot Limit-Spielen kannst du höchstens so viele Chips setzen, wie gerade im Pot sind. Diese Einsatzstruktur erlaubt immer noch aggressive Einsätze. Das Limit begrenzt aber, wie viel du rausholen kannst, sodass es weniger Gelegenheiten gibt, All-in zu gehen.
- Fixed Limit – in Fixed Limit-Spielen sind die Beträge für Einsätze und Raises vorgegeben. Üblicherweise gilt für die ersten beiden Einsatzrunden ein kleiner Einsatz in Höhe des Big Blinds und für die letzten beiden Einsatzrunden ein großer Einsatz in Höhe von zwei Big Blinds. Das macht es schwieriger, große Pots aufzubauen oder mit Bluffs Druck auszuüben.
Einsätze haben aber in Pot Limit- und Fixed Limit-Spielen den gleichen Zweck wie in No Limit-Spielen. Du kannst weiterhin auf Value, als Bluff oder mit einer Mischrange setzen.
Die Einsatzregeln der jeweiligen Pokervariante haben aber Auswirkungen darauf, wie du ein Spiel angehen solltest. Hier ist ein Vergleich der Einsätze in No Limit und Fixed Limit-Spielen.
Value-Einsätze
- No Limit-Spiele: Flexible Einsatzhöhen, du kannst mit starken Blättern maximalen Wert rausholen.
- Fixed Limit-Spiele: Es ist schwieriger, mit deinen stärksten Blättern viele Chips zu gewinnen, aber leichter, mit Einsätzen minimalen Wert rauszuholen.
Bluffs
- No Limit-Spiele: Du kannst mit hohen Einsätzen oder All-ins enormen Druck ausüben. Bluffen ist ein wichtiger Aspekt der No Limit Poker-Strategie.
- Fixed Limit-Spiele: Da die Einsätze begrenzt sind, sind Bluffs schwieriger und deine Gegner haben oft vorteilhafte Odds zum Callen. Bluffs kommen auch in Fixed Limit-Spielen vor, aber das richtige Timing ist umso wichtiger.
Pot-Odds und Schutz
- No Limit-Spiele: Du kannst vollendete Blätter gegen Draws schützen, indem du genug setzt, um Gegnern ungünstige Pot Odds für ihren Call zu bescheren.
- Fixed Limit-Spiele: Es ist schwieriger, vollendete Blätter zu schützen. In Limit-Spielen ist es billiger, die nächste Draw-Karte mitzunehmen.
Potkontrolle
- No Limit-Spiele: Du kannst den Pot mit Checks und Calls kontrollieren, aber das kann schwierig und teuer sein, weil deine Gegner in No Limit-Spielen massive Einsätze machen können.
- Fixed Limit-Spiele: Potkontrolle ist ein fester Bestandteil von Fixed Limit-Spielen und allgemein ist das Risiko, viele Chips zu verlieren, geringer.
Wie du mit der richtigen Einsatzhöhe deine Ziele erreichst
Der Zweck von Einsätzen bei Poker ist, entweder den Pot aufzubauen, um Value zu erhalten, oder den Pot mit einem Bluff-Einsatz abzustauben. Aber ob du setzt, ist nur die Hälfte der Entscheidung. Du musst dir auch überlegen, wie viel du setzen willst.
Nur mit der richtigen Einsatzhöhe kannst du deine Ziele erreichen. Die Einsatzhöhe sollte nicht verraten, wie stark dein Blatt ist. Vielmehr sollten deine Value-Einsätze und Bluffs gleich hoch sein, damit es deinen Gegnern schwerfällt, sie zu durchschauen.
Gegen sehr schwache Gegner kannst du deine Einsatzhöhen anpassen, um ihre Spieltendenzen auszunutzen. Bei einer Calling Station ergibt es zum Beispiel Sinn, noch mehr zu setzen, um mehr Value rauszuholen.
Die Einsatzhöhe sollte aber auch von anderen Faktoren abhängen. Berücksichtige immer die Boardtextur, deine Position, die Blattranges, das Verhältnis von Stack zu Pot usw. Schau dir unseren Leitfaden zu Einsatzhöhen an.