Erklärung der Pokerpositionen
Die Pokerpositionen am Tisch bestimmen, in welcher Reihenfolge die Spieler am Zug sind. Die Position bezieht sich auf deinen aktuellen „Platz“ am Pokertisch. Der Dealer-Button und die Positionen wandern nach jeder Hand einen Platz weiter, sodass jeder Spieler nacheinander in jeder Position sitzt.
Deine Position ist einer der wichtigsten Faktoren für deine Pokerstrategie. Die Position ist so wichtig für das Spiel, dass sie auch Einfluss auf die Range an Startblättern hat, die du spielen solltest. Ganz grob gilt: In früher Position solltest du nur sehr wenige Blätter spielen, während du deine Blattrange in später Position deutlich erweitern kannst.
Der Button ist die begehrteste Position am Tisch. Auf dem Button bist du in jeder Einsatzrunde nach dem Flop immer als letztes dran. So weißt du schon, was deine Gegner gemacht haben, und hast mehr Informationen für deine Entscheidung.
In diesem Leitfaden erklären wir dir alles Wichtige rund um die Position am Pokertisch. Hier erfährst du, was die beste und schlechteste Position ist, wie die Position deine Pokerstrategie prägt und wie du deine Position am besten ausnutzt.
Positionen am Pokertisch
Ein Pokertisch mit neun Spielern lässt sich grob in frühe, mittlere und späte Position aufteilen. Dazu kommen noch der Small Blind und Big Blind, die ihre eigene Kategorie bilden, aber im Prinzip zur frühen Position zählen.

Blinds
Die beiden Spieler links vom Dealer nennt man die Blinds. Beide müssen „blind“ einen Einsatz abgeben, bevor sie überhaupt ihre Karten sehen. Der Big Blind zahlt einen Big Blind, während der Small Blind die Hälfte davon in den Pot gibt.
Die Blinds zählen zu den schlechtesten Positionen am Pokertisch. Im Blind bist du nicht nur gezwungen, Chips zu setzen, sondern bist auf dem Flop, Turn und River auch noch als erstes dran. Gegenüber den anderen Spielern, die am Pot beteiligt sind, hast du also einen deutlichen Nachteil.
Spieler in den Blinds, insbesondere im Big Blind, haben oft die richtigen Pot Odds, um einen Raise vor dem Flop zu callen. In dem Fall solltest du aber berücksichtigen, dass du auf dem Flop und in den weiteren Einsatzrunden außer Position bist. Dieser Nachteil kann die günstigen Pot Odds wettmachen.
Frühe Position
In früher Position sitzen die Pokerspieler links vom Big Blind. Diese Positionen nennt man „Under the Gun“ (UTG) und UTG+1.
In den Einsatzrunden vor dem Flop sind die Spieler in früher Position zuerst dran. Auch nach dem Flop sind sie gegenüber ihren Mitspielern oft außer Position. Deshalb sind UTG und UTG+1 die ungünstigsten Positionen.
Wenn du in früher Position sitzt, hast du sehr wenig Informationen dazu, was deine Gegner vorhaben. Das macht es umso schwieriger, selbst gängige Pokersituationen gut zu meistern. Insofern sind die Blattranges in früher Position sehr eng (tight genannt), denn es wäre einfach zu riskant, mittelmäßige Blätter zu spielen.
Mittlere Position
Als mittlere Position (MP) werden die Plätze zwischen UTG+1 und dem Platz direkt rechts vom Cutoff bezeichnet. Manchmal wird der Hijack auch als späte Position gewertet, weil er mehr Gelegenheiten zum Raisen bietet.
In mittlerer Position kannst du deine Startblatt-Auswahl etwas vergrößern. Im Vergleich zur frühen Position sind weniger Spieler nach dir dran. Es bleibt aber das Risiko, dass Gegner in später Position, die noch dran sind, callen oder raisen und dann einen Vorteil haben.
In dem Fall wärst du ab dem Flop außer Position. In mittlerer Position wird es also Zeit, etwas looser zu spielen und dir den Positionsvorteil zu sichern. Aber sei vorsichtig, wenn die Spieler hinter dir einsteigen.
Späte Position
Die späte Position ist bei Weitem die stärkste Position am Pokertisch. Dazu zählen der Dealer-Button, der die allerbeste Position bildet, zusammen mit dem Spieler direkt rechts vom Dealer, den man Cutoff nennt. Manchmal wird auch noch der Hijack zur späten Position gezählt.
In später Position waren vor dem Flop die meisten Spieler schon vor dir dran. Deshalb kannst du mit einer deutlich breiteren Range an Startblättern raisen. Wenn die Spieler in den Blinds callen, hast du ihnen gegenüber nach dem Flop den Positionsvorteil.
Deshalb kannst du in später Position selbst mit mittelmäßigen oder spekulativen Blättern mitspielen. Darauf gehen wir weiter unten näher ein.

Der Positionsvorteil beim Poker
Wie schon erwähnt spielt die Position eine sehr wichtige Rolle. Sie bestimmt nicht nur, in welcher Reihenfolge die Spieler dran sind, sondern prägt auch die Pokerstrategie. Die Position hat großen Einfluss auf die Blattauswahl vor dem Flop, auf die wir in Kürze genauer eingehen.
Aber schauen wir uns erstmal an, warum die Position dir nach dem Flop einen so großen Vorteil verschaffen kann:
Mehr Informationen
Wenn du als letztes dran bist, siehst du in jeder Einsatzrunde schon, was die anderen Spieler machen, bevor du deine Entscheidung triffst. Das verschafft dir einen riesigen Wissensvorsprung. So kannst du ihre Blattstärke besser einschätzen und dich entsprechend verhalten. Alle weiteren Vorteile, die die Position dir einbringt, gehen auf diese Extrainformationen zurück.
Potkontrolle und kostenlose Karten
Wenn du nach dem Flop in Position bist, bestimmst du das Ende der Einsatzrunde, denn du bist als letztes am Zug. Wenn du dir mit deinem Blatt nicht sicher bist oder ahnst, etwas Schwächeres zu haben, kannst du den Pot relativ klein halten. Calle einfach den Einsatz des Gegners oder checke hinterher. Auf diese Weise kannst du auch mit Draw-Blättern kostenlose Karten mitnehmen.
Value aufbauen
Als letzter Spieler einer Einsatzrunde hast du auch „das letzte Wort“, um den Pot mit Einsätzen oder Raises aufzublähen. Mithilfe der zusätzlichen Informationen aus den Zügen deiner Mitspieler kannst du passende Value-Bets und Raises setzen. Oder täusche etwas vor, um auf den späteren Streets abzukassieren.
Bluff-Gelegenheiten
In später Position hast du mehr Gelegenheiten zum Bluffen, sowohl vor als auch nach dem Flop. Du kannst die Gegner auf Anzeichen von Schwäche beobachten, etwa wenn sie auf dem Flop oder Turn checken. Mit einem Bluff bringst du Spieler außer Position in eine schwierige Lage. Außerdem kannst du dir so Pots ergaunern, wenn du keinen Showdown-Wert hast.

Wie du deine Eröffnungs-Ranges vor dem Flop an deine Position anpassen solltest
Die Position am Pokertisch kann dir sowohl vor als auch nach dem Flop einen riesigen Vorteil einbringen. Die richtige Pokerstrategie ist demnach, deine Startblatt-Ranges an deine Position am Tisch anzupassen. Dazu gehört, in früher Position tighter zu spielen und in später Position looser.
Hier ist ein kurzer Leitfaden zu Startblatt-Ranges je nach Position:
- Frühe Position – vor dem Flop ist sehr wahrscheinlich, dass ein Spieler, der nach dir dran ist, ein spielbares Blatt hat, mit dem er callt oder raist. Sofern nicht nur der Small Blind oder Big Blind callen, wärst du damit nach dem Flop außer Position. Aus früher Position empfiehlt sich, mit einer sehr engen Range an Pokerblättern zu beginnen. Under the Gun solltest du nur 10% deiner Blätter oder noch weniger spielen. Beschränk dich also auf Premium-Blätter mit einigen wenigen starken Bluffs.
- Mittlere Position – in mittlerer Position kannst du deine Range etwas erweitern und einige spekulative Blätter dazunehmen. Auch hier solltest du aber nur mit starken Blättern und wenigen Bluffs raisen, also rund 25% der Pokerblätter spielen.
- Späte Position – in später Position kannst du deine Range deutlich erweitern. Stiehl die Blinds oder spiele in Position um Pots. Deine Range kann allerlei mittelmäßige und spekulative Blätter umfassen, zum Beispiel Suited Connectors und One-Gappers. Auf dem Button kannst du rund 50% deiner Blätter spielen.
Poker außer Position spielen
Wenn du außer Position spielst, hast du keine der erwähnten Vorteile. Stattdessen bist du der Gnade deiner Gegner ausgeliefert, die dir gegenüber in Position sind. Deine Mitspieler lassen es sich wahrscheinlich nicht nehmen, diesen Vorteil in jeder Einsatzrunde auszunutzen.
Außer Position hast du weniger Einfluss auf den Pot. Du findest weniger Gelegenheiten zum Bluffen und kannst mit deinen Value-Blättern weniger rausholen. Es ist eine knifflige Situation, also was ist die beste Strategie?
Größtenteils erledigt sich das Problem schon vor dem Flop. Indem du in früher Position nur starke Blätter raist, wird es unwahrscheinlicher, dass du nach dem Flop in grenzwertige Situationen gerätst.
Beachte aber: Sofern du nicht gerade auf dem Dealer-Button sitzt, kann dir auf jeder Position passieren, dass du nach dem Flop außer Position bist. Wenn du in später Position wie als Cutoff raist, callt dich vielleicht der Button. Oder du bist Hijack und der Cutoff geht mit.
Wenn du ein Monsterblatt hast, kannst du natürlich weiter setzen und für Value raisen. Und wenn der Spieler in Position Schwäche zeigt, kannst du an der richtigen Stelle auch einen Bluff wagen.
Grundsätzlich gilt aber: Wenn du dich nach dem Flop mit einem schwächelnden Blatt wiederfindest, ist Potkontrolle deine beste Strategie. Versuche, mit Checken und Callen zum Showdown zu gelangen, und entscheide auf jeder Street, ob du dabei bleiben willst.

Häufige Positionsfehler beim Poker
Die Bedeutung der Position ist eine der ersten Lektionen, die jeder neue Pokerspieler lernt. Dieses Verständnis ist die Grundlage für die Auswahl der Startblätter und ein wichtiger Faktor für deine Spielstrategie nach dem Flop. Hier sind einige häufige Fehler, die du in Hinblick auf die Position beim Poker vermeiden solltest:
- Position vor dem Flop ignorieren – es ist ein großer Fehler, aus jeder Position mit den gleichen Startblättern zu raisen. Deine Startblatt-Auswahl sollte direkt von deiner Position abhängen. Andernfalls wirst du dich vor wie nach dem Flop in vielen unangenehmen Situationen wiederfinden.
- Spekulative Blätter in früher Position spielen – in früher Position wie Under the Gun und UTG+1 solltest du nur richtig starke Blätter spielen. Konzentrier dich auf die Blätter, die gut mithalten können und deinen Positionsnachteil ausgleichen. Eine frühe Position ist nicht der richtige Zeitpunkt, um mit spekulativen Blättern zu raisen.
- Gelegenheiten in später Position verpassen – im Gegensatz dazu ist eine späte Position die Gelegenheit, um mit einer breiteren Range an Pokerblättern in Pots einzusteigen. Nutz deinen Positionsvorteil aus, um die Blinds zu stehlen oder Pots zu gewinnen. Lass dir die Gelegenheit, in später Position Chips zu gewinnen, nicht entgehen.
- Außer Position in kniffligen Situationen landen – wenn du am Pokertisch außer Position bist, ist das nach dem Flop ein enormer Nachteil. Wenn du das nicht beachtest, findest du dich regelmäßig in unangenehmen Situationen mit nicht besonders guten Blättern wieder: Dann bringt der Spieler nach dir einen großen Einsatz und du weißt nicht, was du machen sollst. Mit einer tighten Startblattauswahl in früher Position und Potkontrolle nach dem Flop kannst du diesen Fehler vermeiden.
Zusammenfassung
Pokerpositionen sind so bedeutend, weil du wichtige Informationen erlangst, wenn du nach den anderen Spielern am Zug bist. Wenn schon mehrere Spieler in den Pot eingestiegen sind, weißt du, dass du ein deutlich stärkeres Blatt brauchst, um mitzuspielen. Im umgekehrten Fall, wenn alle Spieler vor dir gefoldet haben, kannst du mit einer deutlich breiteren Range gegen die Blinds raisen.
Der Positionsvorteil geht auch nach dem Flop weiter. Auch hier weißt du schon, ob die anderen Spieler checken, setzen oder raisen. Das gibt dir einen genaueren Eindruck von ihrer Blattstärke und ihren Absichten. In Position findest du mehr Bluff-Gelegenheiten und kannst aus Value-Blättern mehr rausholen.
Grundsätzlich solltest du in später Position eine breitere Range an Pokerblättern spielen als in mittlerer Position. In früher Position solltest du deine Range dafür sehr eng halten.
Um den Einfluss der Pokerpositionen zu verstehen und auszunutzen, musst du dich mit der relativen Stärke von Pokerblättern vertraut machen und mehr über die Auswahl der Startblätter lernen.
