Ein Einblick in die verschiedenen Strukturen beim Turnierpoker
Jedes Pokerturnier hat seine eigene Struktur. Diese bestimmt u.a., mit welchen Startstacks gespielt wird, wie lange die Blind-Level andauern und wie die Preise ausgeschüttet werden. Ein Verständnis der Turnierstruktur hilft dir, jedes einzelne Turnier auf die richtige Art und Weise anzugehen.
Unabhängig davon, ob du Live- oder Online-Poker spielst, sollten die Informationen zur Turnierstruktur immer leicht zu finden sein: entweder auf den Anzeigetafeln mit der Uhr im Casino oder in der Lobby eines Online-Turniers. In diesem Artikel erklären wir dir, worauf du dabei achten solltest.
Buy-in und Startstacks
Das Buy-in, auch als Teilnahmegebühr bekannt, ist der Betrag, den du für die Teilnahme am Turnier bezahlen musst. Dabei handelt es sich um einen festen Betrag, der in der Regel aus deinem Beitrag zum Preispool sowie dem Rake und ggf. anfallenden Gebühren besteht.
Für die Zahlung des Buy-ins erhältst du eine bestimmte Menge Chips, die deinen Startstack darstellen. Die Höhe hängt vom jeweiligen Spiel ab. Du könntest, abhängig vom Turnier, beispielsweise 1.500 oder auch 50.000 Chips erhalten. Beim Turnierpoker solltest du deinen Chipstack immer in Big Blinds umrechnen, statt nur auf die Menge an Chips zu achten. Dies ist wichtig, damit du auf einen Blick erkennst, wie viel Handlungsspielraum du hast.
Wenn die Startstacks im Vergleich zu den Blinds des Startlevels hoch sind, wird also effektiv erst einmal mit großen Stacks gespielt (Deep-Stack-Spiel genannt). Beim Deep-Stack-Spiel hast du mehr Flexibilität bei deiner Strategie nach dem Flop. Im Gegensatz dazu steht das Spiel mit kleineren Stacks. Die für dich richtige Wahl hängt letztendlich von deiner persönlichen Präferenz ab.

Blindstruktur
Dies ist einer der wichtigsten Faktoren, die du bei der Betrachtung von Turnierstrukturen berücksichtigen solltest. Bei Pokerturnieren muss in jeder Hand ein Spieler den Small Blind und einer den Big Blind bezahlen (jeweils der Reihe nach, sodass jeder jeweils einmal pro Orbit dran ist). Diese Blind-Einsätze werden in regelmäßigen Abständen (bei jedem neuen Level) erhöht. Bei den meisten Turnieren kommen auch Antes zum Einsatz (oft in der Höhe des Big Blind), was den Preis in Chips pro Orbit noch weiter erhöht. Der Blind-Struktur kannst du entnehmen, in welchem Tempo das Turnier gespielt wird.
Bei Online-Turnieren wären beispielsweise 10 bis 15 Minuten eine typische Dauer für ein Blind-Level. Turbo-Turniere haben üblicherweise 5-Minuten-Blind-Level und Hyper-Turbo-Turniere 3-Minuten-Blind-Level. Beim Live-Poker dauern die Level länger, da das Kartengeben und Spielen in jeder Hand mehr Zeit in Anspruch nehmen. Eine schnellere Struktur hat eine höhere Varianz zur Folge, weil die Spieler dann schneller gezwungen werden, mit kleineren Stacks (gemessen an Big Blinds) zu spielen. Dies wiederum führt zu weniger Spielentscheidungen nach dem Flop.
Auch hier gilt: Wähl die Blind-Struktur aus, die dir am meisten zusagt und für die du genug Zeit hast. Wenn du in wenigen Stunden ein ganzes Turnier spielen willst, halte dich an die Turbo- und Hyper-Turbo-Events.
Und schau auch nach der Höhe der Blinds des ersten Levels im Verhältnis zu den Startstacks, damit du weißt, mit wie großen Chipstacks zu Beginn effektiv gespielt wird. Ein Beispiel: Du hast einen Startstack von 50.000 Chips. Wenn die Blinds bei 50/100 beginnen, hast du 500 Big Blinds, was ein extremes Deep-Stack-Spiel darstellt. Wenn die Blinds bei 500/1.000 beginnen, hast du 50 Big Blinds, was immer noch relativ viel ist, aber dennoch einen enormen Unterschied bedeutet.
Re-Entrys und späte Anmeldung
Wie bereits erwähnt, erhalten Spieler in Pokerturnieren einen Stapel Chips für ihr Buy-in. Wenn ein Spieler alle seine Chips verloren hat, kann er sich abhängig von den Turnierregeln, möglicherweise erneut in das Turnier einzukaufen (Re-Entry genannt).
Im Fall eines Freezeout-Turniers kann jeder Spieler sich nur einmal anmelden. In der Turnierlobby wird dir angezeigt, ob bzw. wie viele Re-Entrys möglich sind. Dabei kann die Anzahl zwischen einem Re-Entry und unbegrenzt vielen Re-Entrys liegen. Es ist gut, darüber Bescheid zu wissen und dein Bankroll-Management für Re-Entry-Turniere entsprechend zu planen.
Anmeldungen und Re-Entrys können nur innerhalb der späten Anmeldephase vorgenommen werden. Bei kleineren Turnieren läuft die späte Anmeldephase oft für ein oder zwei Stunden, während sie bei größeren Events mehrere Stunden oder sogar den ganzen ersten Tag andauern kann. In Re-Entry-Turnieren wird während der späten Anmeldephase oft aggressiver gespielt als sonst. Dies liegt daran, dass Spieler möglicherweise eher bereit sind, höhere Risiken einzugehen, weil sie wissen, dass sie sich erneut anmelden können.
Anzahl der Teilnehmer
Bei Turnieren gibt es üblicherweise eine Mindest- und eine Höchstanzahl von Teilnehmern. Das Turnier startet nur, wenn die Mindestanzahl erreicht wird, was in den meisten Fällen außer Frage steht. Manche Turniere haben auch eine Obergrenze, wie viele Spieler teilnehmen können.
Du kannst die aktuelle Teilnehmerzahl jederzeit vor und während des Turniers in der Turnieruhr-Anzeige oder der Turnierlobby einsehen. Dies gibt dir eine Vorstellung von der Größe des Teilnehmerfeldes und davon, wie viele Spieler du hinter dir lassen musst, um zu gewinnen. Je mehr Teilnehmer es gibt, desto größer ist der Preispool und desto länger dauert das Turnier voraussichtlich. Letzteres gilt insbesondere für Turniere mit langsameren Strukturen. Ein größeres Teilnehmerfeld bedeutet auch eine höhere Varianz, da der erste Platz statistisch gesehen schwieriger zu erreichen wird.

Preispools, Garantien und Auszahlungen
Während mehr und mehr Spieler dazukommen, wächst der Preispool stetig weiter an. Du kannst jederzeit vor und während des Turniers nachsehen, wie hoch der Gesamtpreispool aktuell ist. Auf die Art weißt du, um wie viel Geld gerade insgesamt gespielt wird.
Wenn das Turnier einen Garantiepreispool bietet, beispielsweise $1 Mio., wird auch mindestens $1 Mio. ausgeschüttet, selbst, wenn nicht genug Buy-ins zusammenkommen, um diesen Betrag zu erreichen. Wenn die Summe der Buy-ins nicht den garantierten Betrag erreicht, wird dies als Overlay bezeichnet. Dies macht das Turnier natürlich besonders attraktiv.
Die endgültigen Preisgelder werden erst nach Ende der späten Anmeldephase bekannt gegeben, wenn die Höhe des Gesamtpreispools feststeht. Ab diesem Zeitpunkt wird dir eine komplette Auflistung der Preise angezeigt. Darin erfährst du auch, wie hoch der Mindestpreis ist und wie viele Spieler insgesamt einen Preisgeldrang erreichen. Es wird dir eine komplette Liste aller Preise für alle Plätze bis hin zum Hauptpreis angezeigt.
Besondere Formate
In der Turnieruhr-Anzeige oder der Turnierlobby werden dir außerdem alle weiteren Informationen zum Spielformat angezeigt. Hierzu zählt beispielsweise, wie viele Spieler an jedem Tisch sitzen. Das übliche Format sieht Tische mit jeweils acht oder neun Spielern vor, doch lassen sich auch Turniere mit 6er-Tischen und in anderen Formaten wie Heads-up finden.
Ein weiteres Beispiel für ein besonderes Format sind Bounty-Turniere. Hierbei wird der Preispool aufgeteilt: Ein Teil wird in Form von regulären Preisgeldern ausgezahlt und ein anderer Teil in Form von Bounty-Preisen für das Rauswerfen anderer Spieler. Es gibt verschiedene Arten von Bounty-Turnieren, darunter solche mit progressiven Bountys und mit Mystery-Bountys. Bei Letzteren werden die Bounty-Preise zufällig bestimmt und jeweils erst offengelegt, nachdem ein Spieler einen anderen rausgeworfen hat.
Lies am besten die Informationen in der jeweiligen Turnierlobby, bevor du dich für ein Turnier anmeldest, damit du über die Einzelheiten und Bedingungen etwaiger spezieller Formate Bescheid weißt. Auf die Art bist du bestens vorbereitet, um das Meiste aus deiner Zeit an den Tischen herauszuholen.
