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So erkennst du Situationen, in denen Spieler zu selten bluffen

April 30, 2026
von PokerStars Learn

Underbluffing liegt vor, wenn ein Spieler eine Einsatz- oder Raise-Range so aufbaut, dass sie weniger Bluffs enthält und mehr Value-Einsätze, als für eine ausgeglichene Strategie angebracht wäre.

Auf den Micro Stakes und Low Stakes ist Underbluffing sehr verbreitet. Wenn du es mit einem Gegner zu tun hast, der zu selten blufft, sind tighte Folds an der richtigen Stelle eine gute Möglichkeit, um deine Gewinnrate zu erhöhen. Hier sind einige Beispiele von Situationen, in denen ein durchschnittlicher Gegner nicht oft genug blufft, sodass du mit einem mittelmäßigen Blatt lieber auf den Call verzichtest.

Das Pokerspiel hat sich weiterentwickelt, doch das menschliche Element ist gleich geblieben. Spieler auf diesen Stakes sind tendenziell risikoscheu und würden eher checken und einen kleinen Pot verlieren, als einen großen Bluff zu wagen und das Risiko einzugehen, wie ein Depp auszusehen. Diese psychologische Tendenz bedeutet, dass Underbluffing in den heutigen Spielen eine beständige Realität bleibt.

In den heutigen Spielen musst du keine spektakulären Hero Calls machen, um ein höchst erfolgreicher Pokerspieler zu werden. Erfolg kommt oft daher, zu erkennen, wann die gegnerische Range von Value dominiert ist, und dann die Disziplin zu haben, zu folden. Es mag sich tight anfühlen, aber es ist auf Dauer der profitablere Spielzug.

1. Bei Boards mit verbundenen hohen Karten

Mal angenommen, ein durchschnittlicher tight-aggressiver, erfahrener Spieler im Cut-Off (CO) setzt das Eröffnungs-Raise und du bringst im Small Blind (SB) eine 3-Bet mit AK. Der Gegner callt und ihr kommt Heads-up zum Flop: KQJ. Du fährst vorsichtig mit einem Check fort. Dein Gegner hat an dieser Stelle eine ganze Menge sehr starker Blätter in seiner Range und den meisten tighten Spielern wird es in dieser Situation schwerfallen, Blätter für einen Bluff auszusuchen. Theoretisch sollte dein Gegenspieler Bluffs mit Blättern wie 10-10, 9-9, 8-8, 10-Bube suited, As-9 suited etc. bringen. Die meisten Spieler realisieren aber nicht, dass sie in dieser Situation Blätter, die nach Showdown Value aussehen, in Bluffs verwandeln sollten. Stattdessen spielen sie ihr Blatt auf einem solchen Flop fast so, als würden sie dir ihr Blatt offenlegen. Wenn der Gegner ebenfalls checkt, weißt du, dass seine Range wahrscheinlich schwach ist. In dem Fall sind Value-Einsätze auf dem Turn und River eine plausible Option. Wenn er jedoch anfängt, draufloszufeuern, solltest du mit Bedacht vorgehen.

In unserem Beispiel bringt dein Gegenspieler einen Einsatz in halber Pothöhe, den du zögernd callst. Auf dem Turn kommt 4, du checkst und diesmal setzt dein Gegner zwei Drittel des Pots. Dies ist eine Situation, in der dein Gegner viel zu selten blufft. Du müsstest es schon mit einem äußerst kreativen und aggressiven Gegner zu tun haben, um davon ausgehen zu können, dass er an dieser Stelle häufig genug blufft und du diesen Einsatz deshalb callen solltest. Also entscheidest du dich für einen tighten, aber sehr lukrativen Fold. Ein weiterer Call wäre ein großer Fehler gegen die meisten Spieler auf den niedrigeren Stake-Limits. Und selbst gegen einen fortgeschritteneren Gegner wäre es eine grenzwertige Entscheidung.

2. Wenn Draws vervollständigt werden könnten

Lass uns ein Beispiel dazu anschauen: Du verteidigst deinen Big Blind mit KQ gegen ein Eröffnungs-Raise vom Hijack (HJ) und auf dem Flop kommen Q92. Der Gegner macht einen Flop-Einsatz, den du callst. Nachdem auf dem Turn die 7 kam, setzt der Gegner wieder und du callst erneut. Auf dem River kommt 8 und der Gegner bringt einen dritten Einsatz, diesmal in Höhe von drei Vierteln des Pots. Die durchschnittliche gegnerische Einsatz-Range auf diesem Turn ist stark in Richtung fertige Blätter, Flush Draws und Straight Draws gewichtet. Es ist also fast unmöglich, dass dein Gegenspieler mit nichts auf der Hand an diesem River angelangt. Das bedeutet, seine River-Einsätze in diesen Situationen sind seltener ein Bluff, als sie es sein sollten.

Zwei mögliche Bluffs auf dem Turn, die sich nach wie vor nicht verbessert haben, sind König-10 und König-Bube. Diese Blätter werden aber durch deine Karten geblockt und machen nur einen kleinen Teil der gegnerischen Range aus. Der Gegner wird wahrscheinlich immer einen Value-Einsatz mit einem Straight oder Flush bringen, jedoch nicht immer bluffen, selbst, wenn er mit König-Bube an diesem Punkt angelangt. Um auf eine ausreichende Häufigkeit von Bluffs zu kommen, die dir hier Probleme bereiten würde, müsste dein Gegner zunächst zumindest hin und wieder einige weniger offensichtliche Bluff-Kandidaten für einen zweiten Einsatz auf dem Turn in seiner Range finden, wie 3-3 und As-6 suited. Und dann müsste er damit auf dem River weiter drauflosfeuern. Die meisten Spieler schaffen dies aber nicht und landen deshalb mit einer unausgeglichenen Range mit zu wenigen Bluffs auf solchen Boards. Dein Blatt ist hier ein klarer Fold, doch selbst einige stärkere Blätter wie 97 könntest du an dieser Stelle niederlegen, wenn man bedenkt, dass die gegnerische Range wahrscheinlich von Value-Blättern dominiert wird.

Die Logik dahinter ist einfach: Die meisten Gegner bluffen nur, wenn sie einen klaren Grund dafür haben, etwa einen verpassten Draw. Wenn diese Draws vervollständigt werden, werden ihre potenziellen Bluffs plötzlich zu Value-Blättern. Da sie nur selten weniger offensichtliche Blätter für einen Bluff aussuchen, wird ihre Range auf dem River extrem Value-lastig.

3. Multiway-Pots

Im Allgemeinen werden Leute in Multiway-Pots tighter, und das zu Recht. Doch, wenn sie es damit übertreiben, kann auch dies zu dem Problem des Underbluffing führen. Achte auf Situationen wie die folgende: Du callst mit 87 auf dem Button, nachdem der Hijack (HJ) den Pot eröffnet und der Cut-Off (CO) gecallt hat. Ihr kommt zu dritt zum Flop 987 und der HJ setzt die Hälfte des Pots. Du willst mit diesem Blatt angesichts der gefährlichen Boardstruktur lieber nicht raisen und callst, nachdem der CO ebenfalls mitgegangen ist. Auf dem Turn kommt 2. Der HJ checkt schnell und der CO setzt zwei Drittel des Pots. Um hier Bluffs in seiner Range zu haben, müsste der CO zuerst auf dem Flop mit einem nicht verbundenen 10-X-Blatt gecallt und dann einen relativ hohen Einsatz auf dem Turn gesetzt haben, der eine Flush-Karte gebracht hat, während noch ein Spieler nach ihm dran ist, der sehr wohl gerade den Flush getroffen haben könnte. Es erscheint sehr wahrscheinlich, dass der CO in einem solchen Multiway-Pot mit dieser Art von Draw-lastigem Board viel zu wenige Bluffs in seiner Range hat. In diesem Beispiel legst du deine niedrigsten zwei Paare also schnell nieder. Dies wäre wieder ein guter Fold gegen einen Gegner, der es nicht schafft, oft genug zu bluffen, um eine ausgewogene Spielweise an den Tag zu legen.

4. Wenn der Preflop-Raiser auf dem Flop checkt und dann callt

Im nächsten Beispiel eröffnet ein erfahrener Spieler im Small Blind den Pot und du callst im Big Blind. Der Flop bringt J62. Der Small Blind checkt und du setzt einen niedrigen Value-Einsatz/Schutzeinsatz mit einem mittelmäßigen Blatt wie 7-7 oder König-6 suited. Welches Blatt du genau hast, ist nicht so wichtig. Der Small Blind callt und auf dem Turn kommt 3, woraufhin ihr beide checkt. Die River-Karte ist 8. Du hast also immer noch ein mittelmäßiges Paar. Der Gegner macht den ersten Einsatz der Runde und setzt die Hälfte des Pots. Wäre es an dieser Stelle sinnvoll, zu versuchen, ihn beim Bluffen zu erwischen? Dein Gegner hat auf dem Flop gecheckt, statt eine C-Bet zu bringen, und dann deinen Einsatz gecallt. Eine Sache, die ein erfahrener Spieler in dieser Situation im Allgemeinen hätte, ist etwas mit Showdown Value. Anders gesagt: Es ist schwierig für deinen Gegner, an diesem River mit einem Blatt anzukommen, das schwach genug für einen Bluff ist. Die meisten Gegner machen es sich nicht zur Angewohnheit, ihre Range auszubalancieren, indem sie auf einem trockenen Board auf dem Flop mit nichts auf der Hand checken und dann callen. Daraus resultiert wieder, dass dein Gegner in dieser Situation nicht genug Bluffs in seiner Range hat, als dass es sinnvoll wäre, zu versuchen, ihn beim Bluffen zu erwischen.

Ein Check-Call auf dem Flop ist für gewöhnlich ein Anzeichen für irgendeine Form von Showdown Value. Die meisten Spieler tun sich sehr schwer damit, ein fertiges Blatt in den späteren Einsatzrunden in einen Bluff zu verwandeln. Wenn sie auf dem River den ersten Einsatz der Runde bringen, nachdem sie in den vorherigen Einsatzrunden passiv vorgegangen sind, sind sie in der Regel eher auf einen „Thin Value Call“ von dir aus als auf einen Fold.

Fazit

Es kommt immer wieder zu Situationen, in denen der Gegner nicht genügend Bluffs in seiner Range hat. Viele Spieler, die sich dessen nicht bewusst sind, callen dann ständig mit zu schwachen Blättern. Achte auf die Anzeichen dafür, dass dein Gegner wahrscheinlich nicht viele wertlose Blätter in seiner Range hat, und folde, wenn du sie erkennst.

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