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Wie du im Small Blind die Oberhand behältst

Februar 24, 2026
von PokerStars Learn

Auf dem Small Blind Poker zu spielen ist schwer. Du sitzt in einer denkbar ungünstigen Position am Pokertisch, in der du fast unvermeidlich Chips verlierst: Vor dem Flop ist noch ein Spieler nach dir dran und nach dem Flop bist du in jeder Einsatzrunde außer Position. Wenn du dich nicht weiter damit beschäftigst, kann der Small Blind langsam, aber sicher zu einer deiner größten Schwachstellen für deine Gewinnrate werden.

Mit ein paar zielgerichteten Anpassungen an deinem Spiel kannst du deine Verluste in dieser Position aber deutlich senken und in den richtigen Spielen sogar kontinuierlich einen Profit vom Small Blind machen.

In diesem Artikel geben wir dir drei Tipps dazu, wie du im Small Blind das Spiel deiner Gegner ausnutzen kannst, um deine Ergebnisse in dieser Position deutlich zu verbessern.

1. Hemmungslos die Blinds stehlen

Das richtige Verständnis der mathematischen Logik beim Stehlen der Blinds kann dir eine Menge Value einbringen.

Ein Beispiel: Dein Gegner im Big Blind ist ein tighter Freizeitspieler. Er hat bis jetzt nicht viele 3-Bets gebracht und angesichts seiner mangelnden Aggression und Neigung zum Folden kannst du annehmen, dass er in der Verlustzone ist. Wenn du vom Small Blind ein Eröffnungs-Raise auf 2,5 BB setzt, wird er Blätter wie Dame-8 offsuit oder 7-5 suited vermutlich folden, weil er sich nicht wohl damit fühlt, solche Blätter zu verteidigen.

Dabei realisiert er nicht: Wenn er so gute Blätter auf ein 2,5 BB Eröffnungs-Raise hin niederlegt, foldet er viel zu viel. In der Praxis folden solche Gegner wahrscheinlich fast 60% aller Startblätter in Blind-gegen-Blind-Situationen. Gegen ein kleines Eröffnungs-Raise ist das eine Todsünde.

In unserem Beispiel folden alle vor dir und es bleiben nur dieser Gegner im Big Blind und du im Small Blind übrig. Du blickst in deine Karten und siehst zwei Bananen darauf. Diese Bananen bringen dir auf keinem Board irgendwas und zählen auch nicht als Pocket-Paar. Welche Karten auch immer als nächstes aufgedeckt werden – dein bestmögliches Blatt besteht immer aus den fünf Gemeinschaftskarten auf dem Board (du spielst also das Board).

Solltest du raisen oder folden?

Was ist das Schlimmste, was passieren kann? Jedes Mal, wenn dein Gegner deinen Versuch, die Blinds zu stehlen, mit einem Call erwidert, verlierst du den Pot. Es gibt keine profitablen Continuation Bets (C-Bets), keine Turn-Einsätze und keine Wunder, die dies verhindern.

Wenn du auf 2,5 BB raist, riskierst du effektiv 2 BB, da bereits 0,5 BB von dir im Pot sind. Du willst einen Pot in Höhe von 1,5 BB gewinnen: deine 0,5 BB und der 1 BB deines Gegners (zusammen das „tote Geld“ im Pot).

Damit du auf plus/minus null kommst, müsste dein Gegner mit folgender Wahrscheinlichkeit folden:

Risiko / (Risiko + Gewinn) = 2 / (2 + 1,5) = 57%.

Das heißt, wenn dein Gegner in mehr als 57% solcher Fälle foldet, bieten Raisen und Folden den gleichen Erwartungswert (EV).

So verrückt es auch klingen mag: Da dieser Gegner ca. 60% seiner Range foldet, können wir mit unseren zwei Bananen selbst dann jedes Mal ein Eröffnungs-Raise bringen, wenn wir davon ausgehen, dass wir nach dem Flop niemals den Pot gewinnen. Es ist unnötig zu sagen, dass dies niemals der Fall ist.

Wenn du das einmal realisiert hast, sehen Blätter wie 84 plötzlich ganz gut aus. Wir würden sogar Geld damit verdienen, wenn wir auf dem Flop nichts treffen könnten! Weil wir aber manchmal durchaus ein Paar Achten oder Vieren sowie hin und wieder auch ein Straight bekommen, ist es noch profitabler, damit das Stehlen der Blinds in Angriff zu nehmen.

Theoretisch sollte der Gegner um die 70% seiner Range gegen ein Raise in dieser Höhe verteidigen. Um dies in die Praxis umzusetzen, müsste er verstehen, dass ein Blatt nicht zu einem profitablen Call wird, weil es gut aussieht, sondern weil man in Position ist und sehr gute Pot Odds kriegt.

Spieler, die sich zu sehr auf die reine Stärke ihres Startblatts fixieren, laufen Gefahr, viel zu viel zu folden. Sie versäumen es, ihr Spiel an das ihrer Gegner anzupassen – was es dir leicht macht, ihre Spielweise auszunutzen.

Wenn du also das nächste Mal einen tighten, passiven Spieler im Big Blind siehst, denk dran: 7-2 offsuit ist ein ziemlich gutes Blatt in dieser Situation.

2. 3-Bets statt callen

Im Small Blind ist es meistens eine schlechte Idee, das Eröffnungs-Raise eines Spielers vor dir zu callen.

Du wirfst zu deutlich schlechteren Pot Odds Geld in den Pot als der Big Blind. Und es ist noch ein Spieler nach dir am Zug. Das bedeutet, der Big Blind könnte versuchen, dich mit einer 3-Bet aus dem Pot zu verjagen (in diesem Szenario Squeeze genannt). Und wenn er callt, findest du dich außer Position gegenüber zwei weiteren Spielern wieder.

Mit einem Call vom Small Blind steigst du quasi mit der schlechtmöglichsten Version deines Blatts in den Pot ein. Du gibst die Initiative auf, lädst die Spieler nach dir praktisch dazu ein, dich anzugreifen, und du machst dir das Spiel nach dem Flop mit einer nach oben hin begrenzten Range schwerer, womit dich deine Gegner leicht unter Druck setzen können.

Wenn nicht gerade besondere Umstände vorliegen – z.B. ein sehr schlechter, looser und passiver Spieler im Big Blind, der niemals ein Squeeze-Raise setzt, oder ein Maniac, der praktisch immer einen Squeeze wagt – sollten Calls an dieser Stelle nicht Teil deiner Standard-Strategie sein.

In den meisten Fällen kannst du dich an diese einfache Faustregel halten: Wenn du mit einem Blatt keine 3-Bet im Small Blind bringen kannst, solltest du damit wahrscheinlich auch nicht callen.

Small-Blind-Faustregel

Wenn du mit einem Blatt keine 3-Bet im Small Blind bringen kannst, solltest du damit wahrscheinlich auch nicht callen.

Eine 3-Bet ermöglicht es dir, die Initiative zu ergreifen, Gegner loszuwerden und die Ranges vor dem Flop einzuengen. Mit einem Call erreichst du nichts davon.

Es gibt seltene Ausnahmesituationen, in denen ein Call sinnvoll ist, um die Spielweise deiner Gegner auszunutzen, die aber in aller Regel nicht für eine solide Small-Blind-Strategie relevant sind.

3. Multiway-Pots sind weniger attraktiv, als sie aussehen

Es ist schwierig und auch unprofitabel, außer Position mit mehreren Spielern um einen Pot zu spielen (Multiway-Pot genannt).

Schauen wir es uns als Beispiel an: Der Cutoff macht ein Eröffnungs-Raise auf 2,5 BB, der Button callt und du hältst im Small Blind 97. Vielleicht spürst du die bekannte Versuchung: „Was ist, wenn ich wie durch ein Wunder den perfekten Flop erlebe?“

Ein Call wäre an dieser Stelle klipp und klar ein verlierender Spielzug – es sei denn, einer der anderen Spieler macht in mehreren Einsatzrunden verheerende Fehler. Wenn wir davon ausgehen, dass der Big Blind foldet, steckst du 2 BB in einen Pot, in dem dann 8,5 BB liegen. Du brauchst also eine Equity von ungefähr 23,5% (2 / 8,5 = 23,5%), nur um auf plus/minus null zu kommen.

Wenn du dich mit einem Blatt wie 9 hoch in der schlechtesten Position am Tisch wiederfindest, ist es extrem schwer, deine Equity zu realisieren. Es kann sein, dass du in der Theorie nah rankommst, aber in einem tatsächlichen Spiel sorgen Faktoren wie mangelnde Information (hinsichtlich der Spielzüge deiner Gegner), eine limitierte Blattrange und ständiger Druck durch deine Gegner dafür, dass deine tatsächliche Equity weit unter dem liegt, was du brauchst.

Und obendrein musst du dir auch noch um Squeezes Sorgen machen. Sobald der Big Blind einen Squeeze versucht, sinkt deine Equity in diesen Fällen praktisch auf null, wodurch sich auch dein gesamter Erwartungswert dramatisch verschlechtert.

Wenn du außer Position mit einem grenzwertigen Blatt um einen Multiway-Pot spielst, spielst du im Prinzip nicht mehr um den Pot, sondern riskierst deinen ganzen Chipstack in einer Situation, in der alles gegen dich läuft. Deshalb ist in diesen Situationen die beste Entscheidung oft die einfachste: vor dem Flop folden und auf eine bessere Gelegenheit warten.

Bei der Disziplin im Small Blind geht es nicht darum, unbequeme Situationen zu vermeiden. Stattdessen geht es darum, dass du nicht in Situationen gerätst, in denen unangenehme Situationen und Verluste das wahrscheinlichste Ergebnis sind.

Wenn du dich erstmal an diese Anpassungen gewöhnt hast, fühlt sich der Small Blind im Poker weniger wie eine zusätzliche Steuer und mehr wie eine Gelegenheit an, einen Vorteil daraus zu schlagen.

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