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Donk Bets bei Flops mit niedrigen Paaren auf dem Board

April 16, 2026
von PokerStarsSchool

Eine Donk Bet liegt vor, wenn du vor dem Flop ein Raise gecallt hast und jetzt außer Position einen Einsatz abgibst, bevor der Spieler dran ist, der das Preflop-Raise gebracht hat (der Preflop-Raiser).

Donk Bets wurden früher als ein schwacher Spielzug angesehen, aber gemäß moderner Pokerstrategie können sie eine gute Methode sein, um dem Positionsvorteil deines Gegners bei bestimmten Boardtexturen entgegenzuwirken.

Warum du gewöhnlich keine Donk Bets setzen solltest

In der Regel sind Donk Bets ein irrationeller und unnötiger Spielzug. Tatsächlich sind Donk Bets in allen möglichen Situationen eine typische Spielweise von eher schlechten Freizeitspielern. Donk Bets sind für gewöhnlich ein Fehler, weil deine Call-Range im Big Blind gegenüber der Range des Preflop-Raisers im Nachteil ist. Darum solltest du in solchen Situationen sehr oft checken, um den Pot kleiner zu halten, und gleichzeitig diese Check-Range mit deinen besseren Blättern schützen. Ein Check-Raise mit einem Set wäre eine gute Idee, weil du deinen Gegenspieler so zuerst zu einem Einsatz mit einer sehr breiten Range bringst und anschließend mehr Chips in den Pot bekommst. Würdest du mit all deinen guten Blättern den ersten Einsatz in der Einsatzrunde setzen (in diesem Szenario Lead Bet genannt), wäre deine Check-Range viel zu schwach. Du müsstest dann fast immer folden, wenn dein Gegner eine C-Bet bringt.

Der Preflop-Raiser wird mit seiner stärkeren Range oft Einsätze bringen. Die Absicht dahinter ist, dich mit Blättern, die zwar eine gewisse Equity haben, jedoch zu schwach zum Weiterspielen sind, zum Folden zu bringen. Wenn der Gegner ohnehin sehr häufig Einsätze macht, ist eine Donk Bet wenig sinnvoll.

Es gibt einige Situationen, in denen es durchaus Sinn ergibt, eine bestimmte Donk Bet Range aufzubauen.

Donk Bets und der Erwartungswert (EV)

Auf optimale Spieltheorie ausgerichtete Solver-Programme liefern dir bei Eingabe der Ranges für jeden Spieler sowie der Flop-Karten einen gesamten EV-Wert für die Range jedes Spielers. Wenn der Pot zu Beginn des Flops beispielsweise bei $60 liegt, würden die EV-Werte der beteiligten Spieler zusammengenommen auf $60 kommen. Die zwei sich gegenüberstehenden Ranges kämpfen also sozusagen um diesen Geldbetrag. Es ist deshalb nicht im Interesse des BB-Callers, den Pot mit einer Donk Bet in die Höhe zu treiben, weil seine Range oft einen sehr niedrigen EV hat. Bei Flops, die seiner Range nicht zugutekommen, kann er im Durchschnitt vielleicht nur $20 bis $25 des Pots erwarten. Allerdings gibt es auch Flops, die dem BB-Caller sehr zugutekommen.

Bei welchen Flops kannst du also eine Donk Bet setzen?

Konzentrier dich auf Boards, die Overpairs des Preflop-Raisers schwächen, weil sie ein niedriges Trips möglich machen. Der Spieler im Big Blind hat bei diesen Flops mehr extrem starke Kombinationen in seiner Range als ein Preflop-Raiser in der Hijack-Position (HJ). Dies liegt daran, dass er mehr Kombinationen in seiner Preflop-Range hat als der Raiser, die ein solches niedriges Trips-Blatt erst möglich machen. Eine Menge extrem starker Blätter (Trips) in seiner Range erhöht den EV des Spielers außer Position. Beim Flop 664 beispielsweise hätte er abhängig von den Ranges durchschnittlich nahezu 50% des Pots oder sogar mehr als 50% zu erwarten.

Deshalb wird der HJ-Raiser in dieser Situation einen Check oft mit einem Check erwidern wollen, um den Pot klein zu halten. Mit den Overpairs in seiner Range wird er bei diesem Flop nur ungerne mehr Geld in den Pot legen. Und mit vielen As-X-Blättern erwidert er einen Check seines Gegners wohl lieber mit einem Check seinerseits.

Du kannst dieser Strategie entgegenwirken, indem du eine polarisierte Donk Bet Range aufbaust. Auf diese Art hast du die Chance auf einen großen Pot, wenn du entweder Trips hast oder ein gefährdetes Overpair, mit dem du den Gegner den Turn nicht „für umsonst“ sehen lassen willst. Um diese Range auszugleichen, kannst du hin und wieder auch die Lead Bet mit einem Draw oder Backdoor Draw als Bluff bringen.

Wie baust du eine Donk Bet Range auf?

Die Blätter, mit denen du bei solchen Boards mit niedrigen Paaren eine Donk Bet setzen solltest, lassen sich in vier grobe Kategorien unterteilen.

  1. Trips: Mit Donk Bets gewährleistest du hier, dass der Pot anwächst, und lässt deinem Gegenspieler zudem keine Chance, den Pot zu kontrollieren, wenn du die Nuts hast. Indem du sofort Geld in den Pot gibst, sorgst du für einen größeren Pot auf dem Turn. Dies wiederum führt zu einem exponentiell größeren Pot auf dem River, als möglich wäre, wenn ihr auf dem Flop beide gecheckt hättet.
  2. Gefährdete Overpairs und Paare auf dem Board: Ein Einsatz zu Beginn ergibt mit Blättern wie 10-10 und 9-9 auf einem Flop wie 553 eine Menge Sinn. So kannst du deine angreifbaren Blätter vor Overcards auf dem Turn schützen. Angenommen, der Gegner hat König-Dame. Entweder geht er mit deinem kleinen Einsatz mit, was großartig wäre, weil es für dich Value bedeutet – oder er legt sein Blatt nieder, was fantastisch wäre, weil du dann deine Equity bewahrst und den Pot zu 100% gewinnst statt nur zu 75%.
  3. Flush Draws: Wenn du ein Blatt hast, dass dir viele Outs für etwas Starkes bietet, spricht nichts dagegen, den Pot aufzubauen. Flush Draws sind in diesen Situationen natürlich die stärksten Semi-Bluffs. Du solltest nicht jedes Mal, wenn du einen Draw hast, eine Lead Bet setzen. Aber bei Draws mit viel Potenzial oder gar einem Nut Draw und gleichzeitig einem geringen Showdown Value ist eine Donk Bet oft der richtige Zug, etwa As-5 suited mit Flush Draw oder König-2 suited.
  4. Schwächere Bluffs: Theoretisch ist es wichtig, auf diesen Boards mit niedrigen Paaren hin und wieder auch eine Donk Bet mit einem Draw zu setzen, mit dem kein Nut Flush auf dem Turn möglich ist. Die Absicht dahinter ist, dass du manchmal auch bluffen kannst, wenn das Board einen Flush ermöglicht. Deshalb sollten nicht alle deine Bluffs Flush Draws sein. Für etwas Abwechslung in deiner Bluff-Range eignen sich hervorragend Backdoor Flush Draws, Gutshots und Open-ended Straight Draws. Da diese Blätter aber ziemlich schwach sind, musst du vorsichtig sein: Wenn du es mit einem cleveren Gegner zu tun hast, darfst du nicht kontinuierlich allzu viele dieser Blätter in deiner Bluff-Range haben.

Wähle für deine Lead Bet Range eher niedrige Einsätze, also 25 bis 33% des Pots, um Druck auf die mittelmäßigen Blätter deines Gegners auszuüben.

Zusammenfassung

  • Bei den meisten Flops wäre eine Donk Bet als BB-Caller strategisch unklug.
  • Da deine Range hier gewöhnlich einen niedrigen EV hat, solltest du in der Regel mit deiner ganzen Range erstmal checken.
  • Wenn unter den Flop-Karten ein niedriges Paar ist, holt deine Range als BB-Caller aber möglicherweise auf und hat nun einen guten EV. Und genau für solche Flops kannst du eine Donk Bet Range aufbauen.
  • Deine Donk Bet Range sollte polarisiert sein. Das heißt, sie enthält Trips und Overpairs auf der einen Seite und Flush Draws sowie hin und wieder auch schwächere Draws auf der anderen.
  • Feuere bei Flops mit niedrigen Paaren auf dem Board gern mal eine Donk Bet ab, aber verzichte bei anderen Flops, bei denen deine Range sehr schwach ist, lieber darauf.

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