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Fünf Tipps für Progressive Knockout-Turniere

März 10, 2026
von PokerStars Learn

Bei einem Progressive Knockout-Turnier (PKO) fließt die Hälfte deines Buy-ins in den Gesamtpreispool, der genauso wie bei regulären Turnieren ausgeschüttet wird, während die andere Hälfte deine Bounty ergibt.

Das progressive Element der Bounty kommt ins Spiel, wenn du einen anderen Spieler aus dem Turnier wirfst, denn dann gewinnst du lediglich die Hälfte seiner Bounty. Die andere Hälfte wird deiner eigenen Bounty hinzugefügt. Das heißt: Je mehr Spieler du aus dem Turnier wirfst, ein umso attraktiveres Ziel wirst du für deine Gegner.

Dieses Format ist mittlerweile zur ersten Wahl bei großen Online-Turnierserien geworden, so auch bei der aktuellen SCOOP (Spring Championship of Online Poker), bei der PKO-Events regelmäßig die höchsten Garantiepreispools auf dem Spielplan bieten. Um in diesen Teilnehmerfeldern weit zu kommen, musst du den richtigen Mittelweg zwischen Aggression und Disziplin finden, um langfristig zu bestehen.

Es dreht sich alles ums Überleben

Wenn du früh jemanden rauswirfst, erhöhst du deine Bankroll sofort um 25% des Turnier-Buy-ins. Das ist jedoch nur ein kleiner Bruchteil des Gesamt-Preispools. In einer großen Onlinepoker-Serie wie der SCOOP sind die Bountys in der frühen Phase minimal im Vergleich zu den großen Preissprüngen im regulären Preispool, die es am Finaltisch gibt. Das große Geld ist auch hier in der Endphase des Events zu holen. Aus diesem Grund sollte dein Bestehen im Turnier nach wie vor höchste Priorität haben.

Vermeide es, in der frühen Phase einen großen Teil deines Chipstacks aufs Spiel zu setzen, wenn die Chancen nicht klar zu deinen Gunsten stehen. Wenn du schon früh im Turnier in einer Situation All-in gehst, in der dein Gegner und du beide ca. 50% Gewinnchance haben, hast du einen etwas höheren Erwartungswert als in einem regulären Turnier. Verglichen mit einem regulären Knockout-Turnier ist dieser Wert bei einem Progressive Knockout-Turnier jedoch niedriger, da du nur 25% statt 50% des Buy-ins gewinnst.

Deshalb solltest du in der frühen Spielphase immer noch vorsichtig mit All-ins in grenzwertigen Situationen sein. Die Bubble hinter dir zu lassen und die Preisgeldränge zu erreichen, bleibt das oberste Ziel.

In der späteren Phase des Spiels steigen die Bountys an, aber Vorsicht: Das Gleiche gilt für das damit verbundene Risiko!

Weil die Bountys in diesen Spielen progressiv ansteigen, lohnt es sich mehr, sie erst dann ins Visier zu nehmen, nachdem ein hübsches Sümmchen zusammengekommen ist. Mal angenommen, ein $44 PKO-Turnier hat 1.000 Teilnehmer. Wenn nur noch 100 Teilnehmer im Spiel sind, sind also schon 900 Teilnehmer ausgeschieden. Jeder davon hat 25% seines Buy-ins, also $10, zur Bounty des Spielers beigetragen, der ihn rausgeworfen hat. Seit Beginn des Turniers hat sich der Gesamtwert der Bountys aller verbleibenden Spieler also um ganze $9.000 erhöht. Es sind noch 100 Spieler übrig, d.h. die Bounty jedes Spielers hat sich um durchschnittlich $90 erhöht. Wenn du einen anderen Spieler aus dem Turnier wirfst, gewinnst du die Hälfte seiner Bounty. Im Durchschnitt erhältst du nun also $45 statt $10 dafür.

Dabei ist aber Vorsicht angesagt: Zu aggressives Jagen nach den Bountys in der späten Turnierphase hat auch eine große Kehrseite. Wie bei allen Multitisch-Turnieren werden die richtig großen Preisgelder erst am Finaltisch ausgeschüttet. Deshalb kann es ein schwerwiegender Fehler sein, deine Chancen auf einen Platz unter den 5 Besten zu gefährden, bloß um ein paar Turnier-Buy-ins in Form einer Bounty zu gewinnen. Wenn du dich in der intensiven Spielsituation an einem SCOOP-Finaltisch wiederfindest, ist eine hohe Bounty es durchaus wert, ein paar Extrarisiken einzugehen – aber nicht so sehr, dass du dadurch deine Chancen torpedierst, einen hohen Preisgeldrang zu erreichen. Bei PKO-Turnieren musst du Chip-EV und Bounty-EV ständig miteinander abwägen. Am Finaltisch ist aber oft ICM und der damit verbundene Druck ein noch wichtigerer Faktor als die beiden Vorgenannten.

Spiele aggressiver mit einer kleinen Bounty und weniger aggressiv mit einer großen.

Wenn deine Bounty niedrig ist, weil du nur wenige Gegenspieler aus dem Turnier geworfen hast, hast du bessere Chancen, mit Eröffnungs-Raises mit weniger starken Blättern als gewöhnlich und 3-Bets als Re-Steals davonzukommen. Das liegt daran, dass deine Gegner nur einen minimalen zusätzlichen Anreiz haben, um mit mittelmäßigen Blättern in Pots gegen dich einzusteigen.

Beim Poker werden die Chancen, zusätzliche Chips zu gewinnen, wenn wir ein großes Blatt erzielen, im Verhältnis zu dem Preis, den wir für den Versuch bezahlen, als Implied Odds bezeichnet. Eine hohe Bounty bedeutet für deinen Gegner tatsächlich höhere Implied Odds. Schließlich versucht er nicht nur, deinen Chipstack zu gewinnen, indem er beispielsweise ein Set floppt, sondern auch den attraktiven Extragewinn einzuheimsen, den deine Bounty darstellt, denn damit würde er auf einen Schlag sein Buy-in und mehr wieder reinholen. Pokerspieler haben heutzutage im Allgemeinen ein besseres Verständnis von der Mathematik hinter solchen Risiko-Ertrags-Berechnungen als früher. Deshalb musst du darauf gefasst sein, dass du mit einer hohen Bounty selbst oft ins Visier genommen wirst. Umgekehrt gilt natürlich: Niedrige Bountys verringern die Implied Odds. Das bedeutet, wenn der Pot deinem Gegner nicht den richtigen Preis dafür bietet, sein Blatt zu spielen, wird er wahrscheinlich folden, sofern es sich um einen kompetenten Spieler handelt. Hinzu kommt, dass viele Spieler angesichts der steigenden Blinds ihren Chipstack, in den sie ihr Buy-in investiert haben, für solche Situationen aufbewahren wollen, in denen sie einen Teil ihres Stacks riskieren müssen, um eine große Bounty zu gewinnen. Die kleineren Bountys sind es weniger wert.

Aggressives Spiel mit einem großen Stack

Wenn du in der frühen bis mittleren Phase eine hohe Bounty auf deinem Kopf hast, hast du wahrscheinlich auch eine Menge Chips. Das wiederum bedeutet, dass die meisten anderen Spieler nur davon träumen können, dich rauszuwerfen, weil du ein Vielfaches ihres Chipstacks hast. Anders gesagt: Du kannst ihre Bounty gewinnen, aber sie nicht deine. Wenn du also einen großen Pot gegen sie gewinnst, bedeutet das für sie das Ende des Turniers und für dich eine weitere Bounty. Wenn sie diesen großen Pot gewinnen, kriegen sie dafür keine Bounty. Indem sie deinen Chipstack dezimieren, sorgen sie wahrscheinlich nur dafür, dass ein anderer Spieler das beendet, was sie angefangen haben, und sich die hohe Bounty auf deinem Kopf schnappt. Du hast also einen Anreiz, deine Gegenspieler unter Druck zu setzen – im beruhigenden Wissen, dass du die meisten anderen am Tisch rauswerfen kannst. Die anderen Spieler haben guten Grund, Konfrontationen mit dir zu vermeiden und ihre Chips stattdessen gegen Gegner zu riskieren, die sie tatsächlich rauswerfen können. Solange du die richtigen Situationen mit Bedacht auswählst, hast du somit die Chance, deinen ohnehin schon großen Chipstack weiter exponentiell ansteigen zu lassen: idealerweise so weit, dass du praktisch unantastbar wirst.

Das Spiel als gefallener Gigant

Ein gefallener Gigant ist ein Spieler, der zuvor einen großen Haufen Chips besaß, nachdem er eine Menge Gegner rausgeworfen hatte, dessen Chipstack nun jedoch am unteren Ende anzusiedeln ist. Sein Chipstack wurde so weit dezimiert, dass er jetzt zu den kleineren gehört, aber der Spieler dahinter hat immer noch eine sehr hohe Bounty auf sich ausgesetzt. Wenn du in der späten Phase des Turniers in diese Bredouille gerätst, wird es praktisch unmöglich, deine Gegner mit größeren Chipstacks zum Folden zu bringen. Deshalb solltest du dann dazu übergehen, mit einer breiteren Value Range All-in zu gehen, und nicht mit Blättern, mit denen du im Fall eines Calls der Underdog bist, wie z.B. 8-7 suited. Normalerweise kannst du in später Position mit solchen Blättern All-in gehen, weil sie dir eine gewisse Equity gegen sehr starke Blätter bieten. Wenn du aber mit dem Chipstack eines gefallenen Giganten spielst, solltest du statt dieser Blätter eher Karten wie König-Bube offsuit und As-9 offsuit in deine Range aufnehmen. Diejenigen Gegner, die genug Chips haben, um sich in Sicherheit zu wiegen, werden dich wahrscheinlich auch mit spekulativen Blättern angreifen, insbesondere, wenn sie allein gegen dich spielen können. Halte dich bei deinen All-ins also an die hohen Karten in später Position und hoffe darauf, dass dein Blatt das beste bleibt. In der mittleren bis späten Phase von SCOOP-Events kann dies besonders wichtig sein. Ein einziges ungünstiges Ergebnis kann den Jäger zum Gejagten machen.

Bonustipp: PKO-Dynamik bei großen Turnierserien wie der SCOOP

Wenn du eine große Turnierserie wie die SCOOP spielst, verändert sich das Spiel etwas. Die Garantiepreispools sind riesig und die Teilnehmerfelder bestehen tendenziell aus deutlich schwierigeren Gegnern. Deshalb kannst du nicht die übliche Dynamik in regulären täglichen Turnieren erwarten. Bei der SCOOP passen die anderen Spieler ihre Spielweise im Allgemeinen sehr viel schneller an deine an als in den Turnieren des täglichen Spielplans. Was in einem x-beliebigen anderen PKO-Turnier funktioniert, wird bei einem Event mit $1 Mio. Garantie vielleicht schnell mit Gegenmaßnahmen gekontert.

Erwarte nicht, dass deine Gegner die Mathematik des Spiels außer Acht lassen. Auch hier spielen Freizeitspieler mit, die mit ihren Chips nur so um sich schmeißen in der Hoffnung, eine Bounty zu gewinnen. Doch die erfahrenen Spieler in Events dieser Turnierserie wissen genau, wie viel Risiko eine Bounty wert ist. Dies führt in der mittleren Phase zu einem deutlich aggressiveren Spiel. Wenn die Stacks im Verhältnis zu den Blinds klein werden, wirst du feststellen, dass die Leute sehr viel härter um All-in-Situationen kämpfen als beispielsweise in einem regulären $22 Bounty Builder-Turnier.

Auch die Preisgeldsprünge an einem SCOOP-Finaltisch ändern die Prioritäten. Der Unterschied zwischen den Preisgeldern für Platz 5 und 4 kann erheblich mehr wert sein als jede einzelne Bounty am Tisch. Auch wenn es sich vielleicht falsch anfühlt zu folden, ist es oft die richtige Entscheidung, nicht einer mittelmäßigen Bounty hinterherzujagen, um dir dafür die Chance auf die Preise für die 3 Bestplazierten zu bewahren. Wenn du deinen ganzen Chipstack riskierst, nur um eine Bounty zu kassieren, wirfst du Geld aus dem Fenster.

Achte auch auf die Teilnehmer, die erst sehr spät während der Anmeldephase dazukommen. Diese Leute kommen mit frischen Chipstacks an die Tische und es gibt keine Spielgeschichte zwischen ihnen und dir. Oft haben sie den Plan, bei der nächstbesten Gelegenheit gegen einen Spieler mit hoher Bounty wie dich All-in zu gehen, um ihren Stack zu verdoppeln. Dabei gehen sie mit einer sehr viel breiteren Range gegen dich mit deinem Stack vor, weil sie weniger zu verlieren haben. Nimm es nicht persönlich und lass dich nicht auf Ego-Schlachten mit ihnen ein – gestalte stattdessen deine Range tighter und warte auf die richtige Gelegenheit, um sie nach Hause zu schicken. In einer großen Turnierserie ist es genauso wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren, wie gute Karten zu bekommen.

Zusammenfassung

  • Zu Beginn des Turniers sind die Bountys klein. Zu diesem Zeitpunkt sollte deine oberste Priorität sein, in die spätere, lukrativere Phase weiterzukommen.
  • In der späten Spielphase steigen die Bountys deutlich an. Nun ist es Zeit, Jagd darauf zu machen. Behalte das im Hinterkopf, während du im SCOOP-Spielplan nach attraktiven Turnieren stöberst.
  • Mit einer niedrigeren Bounty kannst du ruhig ein Stück weit aggressiver beim Stehlen von Pots vorgehen.
  • Mit einem richtig großen Stack bietest du praktisch niemandem die sofortige Chance, eine Bounty zu gewinnen. Diese Situation solltest du so weit wie möglich ausnutzen, wann immer sie sich dir bietet.
  • Wenn du einen großen Stack hattest, der auf einen kleinen geschrumpft ist, gleichzeitig aber eine hohe Bounty auf deinem Kopf ist, musst du mit weniger Fold Equity rechnen und deine Ranges entsprechend anpassen.

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