So kämpfst du um kleine Pots mit mehreren Gegnern
Zu den Bereichen beim Poker, die mit am wenigsten Beachtung bekommen, obwohl du damit unzählige Big Blinds zu deiner Gewinnrate hinzufügen kannst, zählen die kleineren, wenig glamourösen Pots, um die sich niemand reißt. Wenn du einen Pot erlebst, den zwei oder mehr Gegner durchchecken, ist ein opportunistischer Bluff an der richtigen Stelle eine gute Möglichkeit, um dein Spiel zu verbessern.
Diese Pots sehen für sich genommen zwar sehr unspektakulär aus, treten aber sehr häufig auf. Wenn du in deiner Sitzung nur ein oder zwei dieser kleinen Pots mehr gewinnst, kann das überraschend große Auswirkungen auf deine langfristige Gewinnrate haben. Viele Spieler konzentrieren sich fast ausschließlich auf größere Pots und übersehen so diese regelmäßigen Gelegenheiten, mehr Big Blinds für ihre Ergebnisse zu verzeichnen.
Ein Pot, den keiner will
Du sitzt mit 9♦7♦ im Big Blind. Der Cut-off eröffnet auf 2 BB und der Small Blind callt. Du schiebst gern einen Extra-Big-Blind in die Mitte, um den Flop zu sehen, der J♥4♣4♠ bringt. Reihum wird gecheckt und der Turn kommt. Auch hier checken alle drei Spieler und der River bringt die 3♥. Der Small Blind checkt ein drittes Mal und du bist mit deinem erbärmlichen 9-hoch-Blatt an der Reihe – damit hast du ungefähr eine 0% Chance, auf dem Showdown zu gewinnen. Dann wollen wir mal etwas Blattdeutung betreiben und verstehen, was hier angesagt ist.
Der Cutoff (CO) hat wahrscheinlich nicht allzu oft einen Buben, oder zumindest keinen guten – sonst hätte er auf dem Flop nicht gecheckt. Mit einem Blatt wie dem Top Pair würde er in dieser Situation den Pot aufbauen und seinen Gegnern nicht eine kostenlose Karte mitgeben. Der Small Blind (SB) könnte einen Buben haben, würde aber in dieser Situation vor dem Flop wahrscheinlich nicht mit sehr vielen Bube-X-Blättern callen, sofern sie nicht suited sind. Mit einem As-X-Blatt hätte er auf dem River vermutlich einen Value-Einsatz versucht – das kannst du also auch so gut wie ausschließen. Beim CO sieht es genauso aus: Nach seinem Check auf dem Turn wäre es sehr unwahrscheinlich, dass er As-X hält. In den meisten Fällen haben beide Spieler hier etwas Schwächeres als das Second Pair. Natürlich solltest du nicht bei jedem durchgecheckten Pot bluffen. Passive Spielzüge sind manchmal auch Tarnung für starke Blätter, die Gegner als Slow Play spielen. Der Schlüssel ist, Situationen zu erkennen, in denen die Wahrscheinlichkeit dafür, dass Spieler dieses Teilnehmerpools schwache Showdown-Blätter haben, deutlich höher ist als die für Monsterblätter. Und damit wären wir bei der Mathematik des Bluffens.

Die Mathematik des Bluffens
Wenn du hier zwei Drittel des Pots setzt, um alle Blätter zum Folden zu bringen, die schlechter sind als Bube-X, riskierst du zwei Einheiten, um drei Einheiten zu gewinnen. Deine erforderliche Fold Equity-Rate – also wie oft beide Gegner an der Stelle folden müssen, damit dein Bluff keine Verluste macht – kannst du mit dieser Gleichung ausrechnen:
Erforderliche Fold-Equity = Risiko / (Risiko + Gewinn)
In diesem Fall: Erforderliche Fold-Equity = 4 BB / (4 BB + 6 BB) = 40%.
Wenn in 40% der Fälle beide Gegner folden, verlierst du hier mit einem Bluff kein Geld; und wenn sie häufiger folden, liegst du schon in der Gewinnzone.
Damit in 40% der Fälle beide Gegner folden, müssen sie für sich genommen in ungefähr 63% aller Fälle folden. Das klingt durchaus realistisch. Ich würde sogar eher schätzen, dass die Gegner jeweils in 70% und mehr der Fälle die Waffen strecken. Ein Bluff sollte dir also ordentlich Geld einbringen.
Halte dich mit Showdown-Wert zurück
Having showdown value means being able to win the pot a reasonable amount of the time unimproved at showdown. In order for this to be true on the checked down J♥4♠4♣3♥ board, you will need to have some kind of pair. Let’s imagine that you get to this same spot, but instead of the 9♠7♠, you hold 9♦9♣. You have showdown value with this hand, and quite a lot of it.
Beim anfänglichen Beispiel würdest du den Pot immer verlieren, wenn du checkst. Das bedeutet, der Erwartungswert (EV) deines Checks war 0. Deshalb war die Sache klar: Wenn ein Einsatz irgendeinen positiven EV hat, ist er sinnvoller als zu checken – und wie wir festgestellt haben, war der EV vermutlich positiv, weil du mit deinem Einsatz von zwei Dritteln des Pots wahrscheinlich das erforderliche Fold Equity-Ziel erreichst.

When you hold the 9♦9♣, however, you expect to win the pot a good amount of the time by checking. You might have the best hand here about 50% of the time. In this case, the EV of checking could be as much as 50% of the pot, or +3BB. This is now the target that you should try to exceed when you consider betting. Are you going to make more than 3BB by betting? The answer is certainly not. Actually, you are going to make less. Why is this the case?
With 9♦9♣, when you are called by either player, you expect to lose almost always, just like when you had the 9♠7♠. If you are to suppose that you get each player to fold 70% of the time, they will both fold 0.70 x 0.70 = 0.49 or 49% of the time. Let’s round this up and call it 50% for simplicity. When you bet the 9♦9♣ for two thirds of the pot, you win 6BB 50% of the time when both players fold, and lose 4BB (your bet) 50% of the time when someone calls. The EV of betting is, therefore, 6BB + -4BB = +2BB.
Wenn diese Annahmen ungefähr hinkommen, ist ein Check also einen ganzen Big Blind mehr wert als ein Einsatz. Diese Analyse zeigt, wie wichtig es ist, dass du Blätter mit Showdown-Wert nicht in einen Bluff verwandelst: Ein Einsatz könnte profitabel sein, aber ein Check deutlich mehr.
Profitipp
Wenn du überlegst, ein fertiges Blatt in einen Bluff zu verwandeln, stell dir die Frage: „Wie oft gewinne ich erwartungsgemäß, wenn ich checke?“ Wenn die Antwort „ziemlich häufig“ lautet, müsste der Bluff den bereits profitablen Check noch übertreffen. Wenn du dir diesen kurzen Gedankengang angewöhnst, vermeidest du viele unnötige Bluffs.
Spielertendenzen zählen
Die Konzepte in diesem Artikel funktionieren am besten gegen Gegner, die routinemäßig mittelstarke Blätter checken und auf dem River nach passiver Action übermäßig folden. Gegen Spieler, die besonders neugierig sind oder sich beim Folden schwertun, solltest du entsprechend weniger bluffen. Pass dich immer an die Spieltendenzen des Spielerpools an, mit dem du es gerade zu tun hast.
Zusammenfassung
- Kleine Pots mit mehreren Gegnern werden oft vernachlässigt. Wenn du beim Showdown nicht gewinnen kannst, staube den Pot vorher ab.
- Versuch nicht, Pots mit einem Bluff abzuräumen, wenn du gegen die Blätter, die deine Gegner folden würden, sowieso auf dem Showdown gewinnst.
- Dein Ziel ist nicht nur, einen positiven Erwartungswert zu erreichen, sondern den höchstmöglichen Erwartungswert zu wählen. Checken kann oft die noch bessere Wahl sein, selbst wenn ein Einsatz langfristig auch profitabel ist.
- Bevor du bluffst, vergleiche den EV deines Einsatzes immer mit dem EV eines einfachen Checks. Ein profitabler Bluff ist nicht unbedingt die profitabelste Entscheidung.
