Fünf Zeichen, dass du bereit bist, auf höheren Pokerstakes zu spielen
Zu höheren Stakes zu wechseln, zählt zu den spannendsten Momenten deiner Pokerkarriere. Aber wann kannst du dich sicher auf dem nächsten Einsatzlevel versuchen? In diesem Artikel beantworten wir diese Frage anhand von Cashgames, aber das Prinzip ist für Turnierspieler ähnlich. Hier sind fünf Zeichen dafür, dass es vielleicht sinnvoll ist, es auf den nächsthöheren Stakes zu probieren.
Die allgemeinen Grundsätze des Bankroll-Managements und der Gewinnrate gelten für alle Formate. In diesem Leitfaden gehen wir aber konkret auf No Limit Hold’em Cashgames ein (von Micro Stakes wie 5 NL bis Small Stakes von 50 NL). Wenn du Zoom spielst, solltest du einen noch strengeren Sicherheitspuffer einplanen.
1. Du hast eine starke Gewinnrate über eine große Anzahl an Händen hinweg
Völlig klar: Wenn du es bei 5 NL noch nicht geschafft hast, langfristig Profit zu erzielen, ergibt es wenig Sinn, dich auf 10 NL zu versuchen. Die bekannten Trugschlüsse wie „ich steige zu höheren Stakes auf, wo meine Bluffs respektiert werden“ oder „ich kann diese schwachen Spieler nicht schlagen, weil sie einfach zu schlecht spielen“, führen dich gern in die Irre. Wenn du gegen einen schwächeren Spielerpool nicht konsistent in der Gewinnzone bist, ist es sehr unwahrscheinlich, dass es dir hilft, gegen stärkere Gegner zu spielen.
Was ist BB/100?
Mit dem BB/100-Wert kannst du deine Gewinnrate ermitteln. Der Wert drückt aus, wie viele Big Blinds du in der analysierten Stichprobe pro 100 Hände gewonnen oder verloren hast.
Ein Beispiel: Wenn du 50.000 Hände auf 10 NL spielst und $200 gewinnst, macht das 2.000 Big Blinds. Weil du 500 Blöcke aus je 100 Händen gespielt hast, beträgt deine Gewinnrate somit 4 BB/100. Es empfiehlt sich natürlich, Pokertracker-Software zu verwenden, um diesen Wert im Auge zu behalten, damit du ihn nicht manuell ausrechnen musst.

Schauen wir uns mal an, wie eine signifikante Gewinnrate aussieht.
- 1 bis 2 BB/100 – niedrig. Wenn du mit einer solchen Gewinnrate zu den nächsthöheren Stakes wechselst, kommst du vermutlich gerade so auf plus/minus null oder rutschst sogar in die Verlustzone ab. Du solltest erst mal eine höhere Gewinnrate auf deinen jetzigen Stakes erzielen, bevor du aufsteigst.
- 3 bis 4 BB/100 – mäßig. Mit dieser Gewinnrate würdest du vermutlich auch auf den nächsten Stakes noch knapp in der Gewinnzone landen. So hast du Gelegenheit, dich mit dem neuen Einsatzlevel vertraut zu machen und dein Spiel weiter zu verbessern.
- 5 bis 6 BB/100 – hoch. Das ist eine sehr eindrucksvolle Gewinnrate nach heutigen Standards und auf jeden Fall genug, um aufzusteigen – sofern alle anderen Faktoren passen.
- 7 bis 8 BB/100 – riesig. Wenn du eine solche Gewinnrate über eine ausreichend große Anzahl an Händen hinweg erzielst, ist das ein großer Erfolg. In dem Fall solltest du sofort aufsteigen, solange dein mentales Spiel bereit für die nächsten Stakes ist.
Ganz wichtig: Über eine kleine Stichprobe von etwa 10.000 Händen oder selbst 30.000 Händen hinweg ist dieser Wert wenig aussagekräftig. Erst bei einem Volumen zwischen 50.000 und 100.000 Händen kannst du dich einigermaßen darauf verlassen. Die Varianz im Spiel bedeutet aber selbst dann noch, dass der Wert keine absolut sichere Maßgabe deines Könnens darstellt.
2. Dir fallen häufig Fehler der regelmäßigen Spieler auf
Wenn du regelmäßig verwundert bist, welche unlogischen oder schlechten Spielzüge deine Gegner zeigen, kann das ein Zeichen dafür sein, dass du den Mitspielern einen Schritt voraus bist. Du kannst dich objektiv und ohne Voreingenommenheit durch dein Ego zu den stärksten Spielern im Pool zählen? Dann wird es vielleicht Zeit, zu höheren Stakes zu wechseln.
Wenn du beispielsweise bemerkst, dass viele Stammspieler in deinem Spielerpool zu tight spielen, erkennst du zunehmend, wie du ihre Schwächen ausnutzt.
Viele Stammspieler bei 10 NL kommen vermutlich auf plus/minus null oder verlieren sogar langfristig. Das bietet stärkeren Spielern die Chance, wiederkehrende Schwächen im Spielerpool auszunutzen. Wenn du es genauso machen würdest, würdest du auch verlieren, also bleib den Gegnern einen Schritt voraus und lerne, die grundsätzlichen Fehler deiner Mitspieler zu erkennen, bevor du aufsteigst. Nur wenn du verstehst, wie viel du diesem Spielerpool abluchsen kannst, erreichst du eine solide Gewinnrate.
3. Du hast 50 Buy-ins für die nächsten Stakes
No Limit Hold’em ist ein Spiel mit sehr hoher Varianz. Es ist durchaus möglich, dass ein Spieler mit einer tatsächlichen Gewinnrate von 4 BB/100 über eine begrenzte Stichprobe von 20.000 bis 50.000 Händen hinweg verliert. Infolge davon könntest du auf dem nächsten Stake-Level kurzfristig sogar 10 bis 20 Buy-ins abstürzen, obwohl du langfristig positive Erwartungen hast. Deshalb ist es sinnvoll, deine Bankroll gut zu polstern, dein Risiko des Totalverlusts zu verringern und dich auf die Stürme aus negativer Varianz gefasst zu machen, die jeder Spieler in seiner Pokerkarriere hin und wieder durchmacht. Eine Bankroll von rund 50 Buy-ins wird gemeinhin als Richtschnur empfohlen, um es auf dem nächsten Stake-Level zu versuchen.
Denk aber dran, dass sich die Spielauswahl und das Format stark auf deine Varianz auswirken. Fast Fold-Formate wie Zoom haben im Allgemeinen tightere Spielerpools und geringere Gewinnspannen. Das bedeutet, dass Downswings länger und härter sein können. Wenn Zoom dein Hauptformat ist, solltest du eher mit 60 bis 80 Buy-ins planen, um die zusätzliche Varianz aufzufangen, ohne deine Bankroll zu riskieren.
Wenn du das mentale Spiel voll im Griff hast und auch bei einer langen Verlustserie die Nerven behältst – oder wenn du einfach etwas aggressiver in den Stakes aufsteigen willst -, könntest du es auch mit 30 bis 40 Buy-ins wagen. Es kommt ganz drauf an, welches Risiko des Totalverlusts für dich noch hinnehmbar ist. Wenn dein mentales Spiel noch Schwächen zeigt oder du mit Tilt zu kämpfen hast, empfiehlt sich hingegen ein konservativerer Ansatz. Warte in dem Fall also lieber, bis du 60 bis 80 Buy-ins für das neue Stake-Niveau auf der hohen Kante hast, damit du ruhigen Gewissens aufsteigen kannst.

4. Du beutest Schwachstellen deiner Mitspieler routinemäßig aus
Wenn du regelmäßig Fehler erkennst, die Mitspieler auf deinem derzeitigen Stake-Level machen, und deine Strategie entsprechend anpasst, um sie auszunutzen, ist das ein klares Zeichen dafür, dass du bereit bist, aufzusteigen. Der Schlüssel ist, diese Muster in einer Reihe von verschiedenen Situationen zu erkennen, statt nur zu versuchen, eine bestimmte Schwäche auszunutzen. Wenn du die Fehler deiner Gegner bei jeder Gelegenheit eiskalt ausbeutest, kannst du eine hohe Gewinnrate erzielen. Um am Pokertisch zu gewinnen, reicht es nicht mehr, ein solides Spiel an den Tag zu legen. Du musst erkennen, wo Mitspieler dir profitable Gelegenheiten bieten, und sie dann konsistent, wieder und wieder ausnutzen.
5. Du zeigst keinen Tilt aus Angst
Tilt aus Angst ist eine Schwachstelle in deinem mentalen Spiel, weil du fürchtest, Geld zu verlieren. Dadurch foldest zu oft an Stellen, an denen du genug Equity für einen Call hast, und versäumst, profitable Value-Einsätze zu bringen, wenn es auch nur eine geringe Chance gibt, dass jemand raist. Wenn du diese Art von Tilt erlebst, sobald es nicht gut läuft, wird es womöglich noch schlimmer, wenn du zu höheren Stakes wechselst. Das macht es dir umso schwer, dein volles Potenzial zu verwirklichen. Ist dein Pokerspiel emotional anfällig, sobald es um größere Summen geht? Dann arbeite erstmal an deinem mentalen Spiel, bevor du aufsteigst – selbst wenn du auf deinen aktuellen Stakes eine ordentliche Gewinnrate erzielst.
Ein Wechsel zu höheren Stakes vergrößert die Schwachstellen deines mentalen Spiels wie eine Lupe. Wenn du bemerkst, dass Ängste deine Entscheidungen auf den niedrigeren Stake-Levels beeinflussen, dann wird das Problem nur schlimmer, wenn du es auf Teufel komm raus versuchst. Deine grundlegenden Tilt-Muster aufzulösen und mentale Resilienz auf deinen aktuellen Stakes aufzubauen, bietet dir immer einen hohen Erwartungswert, bevor du deine Bankroll noch höherem finanziellen Druck aussetzt.
Fazit
Die Entscheidung, in den Stakes aufzusteigen, liegt allein bei dir. Wir hoffen, dass diese Leitlinien dir helfen zu erkennen, wann der Aufstieg dir den besten Erwartungswert bietet, und wann es vielleicht besser ist, auf deinen aktuellen Stakes zu bleiben, weil du noch nicht alles fürs nächste Level mitbringst.
