Überbewertete Startblätter bei Pot Limit Omaha
Einer der Bereiche, in denen sich Hold’em-Spieler besonders schwertun, wenn sie sich an PLO (Pot Limit Omaha) versuchen, ist die Auswahl der Startblätter.
Blätter, die für Spieler mit jahrelanger Texas Hold’em-Erfahrung verlockend aussehen, können hier oft gefährlich oder einfach schlecht sein. Im Folgenden wollen wir uns einige Kategorien von Blättern anschauen, die du in den meisten Situationen vermeiden solltest, bis du eine gewisse Erfahrung bei Omaha gesammelt hast.
Auch wenn bei Pot Limit Omaha keine Kategorie von Startblättern völlig unspielbar ist, gibt es doch einige Blätter, die kontinuierlich schlechte Ergebnisse einbringen: weil sie wenig Kombinierbarkeit, Nut-Potenzial oder Spielbarkeit bei vielen verschiedenen Boardtexturen aufweisen. Unten findest du einige Beispiele von Blättern, die neue Omaha-Spieler regelmäßig überschätzen – oft, weil sie Spitzenblättern bei Hold’em ähneln. Es ist viel wichtiger, zu verstehen, warum diese Blätter zu so vielen Problemen führen, als einfach nur auswendig zu lernen, welche Blätter es zu vermeiden gilt.

Einfache mittelhohe Paare
Ein einfaches mittelhohes Paar ist so etwas wie J♠J♦5♦X. Ein solches Blatt ist bei PLO deshalb problematisch, weil du damit so gut wie gar nichts auf dem Flop treffen kannst, wenn du nicht gerade ein Set Buben erwischst. Im Gegensatz zu Hold’em wird ein Overpair Buben bei Omaha leicht zu einem schwachen Blatt, mit dem du oft meilenweit unterlegen bist, wenn es zu einem niedrigen Flop kommt, auf dem jede Menge Two-Pair- und Straight-Kombinationen möglich sind. Ein weiterer Aspekt ist, dass ein Set Buben auf vielen Boardtexturen zwar durchaus ein starkes Omaha-Blatt ist, du es damit aber viel öfter mit einem gegnerischen Flush oder Straight zu tun bekommst, als du es von Hold’em gewohnt bist. Und erschwerend hinzu kommt, dass Omaha ein Spiel der vielen Möglichkeiten ist. Es ist hier also leichter, die Nuts bzw. eines der bestmöglichen Blätter zu bekommen. Deshalb solltest du Startblätter, die dir gleich eine ganze Reihe verschiedener Möglichkeiten für ein Spitzenblatt bieten, immer vorziehen. Das besagte mittelhohe Paar bietet dir nur eine Möglichkeit für ein sehr starkes Blatt, und diese Option ist praktisch nur auf einem trockenen Board umsetzbar, auf dem es schwierig sein kann, Value zu generieren. Womit genau würden deine Gegner wohl ihren ganzen Chipstack aufs Spiel setzen, wenn der Flop etwas bringt wie: J♥7♦2♠?
In später Position kannst du mit diesen Blättern ruhig manchmal ein Eröffnungs-Raise bringen, sofern die Umstände am Tisch günstig und die Stacks groß genug sind, dass sich ihre Implied Odds realisieren lassen. Aber wenn deine zwei weiteren Startkarten nicht miteinander verbunden oder suited sind und auch keine hohen Ränge aufweisen, bieten sie dir einfach nicht genug Möglichkeiten, um nach dem Flop ein starkes Blatt zu bilden. Grundsätzlich solltest du einfache mittelhohe Paare eher als spekulative Blätter denn als Value-Blätter behandeln.
Doppelter Suited-Schrott
Für einen angehenden Omaha-Spieler mag es verlockend erscheinen, zwei Chancen auf einen Flush zu haben. Aber ein Blatt wie Q♣10♠4♣2♠ ist bei Weitem nicht so gut, wie es aussieht. Auf dem Turn könntest du 18 Outs haben, um einen deiner beiden Flush Draws zu treffen! Es gibt dabei aber nicht nur einen Haken, sondern gleich zwei: Zum einen gibt es, wenn du einen Flush triffst, eine sehr realistische Chance, dass du auf einen höheren triffst. Und auf einem gepaarten Board wird es sehr schwierig, schlechtere Blätter in der Hand zu behalten, während du leicht haushoch von einem Full House geschlagen werden kannst. Zum anderen kommen Flushs nicht sehr oft vor, selbst wenn du mit zwei verschiedenen Farben die Chance hast. Wenn dein Flush sich nicht materialisiert, hast du mit deinem Blatt in den meisten Fällen höchstens ein schlechtes Top Pair oder zwei schlechte Paare. Spiele diese Blätter nur in Positionen ab dem Button oder auch dem Cut-off, sofern der Tisch harmlos erscheint. Vermeide sie in Händen mit mehreren Gegnern, denn einen Flush zu floppen, der leicht einem stärkeren unterlegen sein kann, wäre in einem Multiway-Pot ein Rezept für ein Desaster. Diese Blätter sind nur spielbar, wenn du Fold Equity vor dem Flop hast und die Chancen gut stehen, dass du in Position Heads-up weiterspielst.
Es ist ein häufiger Anfängerfehler, doppelten Suited-Blättern zu viel Gewicht beizumessen. Karten der gleichen Farbe sind nur dann effektiv, wenn das Blatt zusätzlich Möglichkeiten für den Nut Straight, ein starkes Two Pair oder Outs für andere hohe Kombinationen bietet. Zweimal zwei schwache Karten der gleichen Farbe ohne eine andere Kombinierbarkeit sind und bleiben ein schwaches Startblatt.
As-König und sonst nichts
Erfahrene Hold’em-Spieler tun sich oft schwer damit, das beste nicht gepaarte Blatt in einem negativen Licht zu betrachten. Doch wenn dein Omaha-Blatt außer As-König keine weitere Kombinierbarkeit aufweist, bringt es dir nicht viel, was seine Spielbarkeit angeht. Nehmen wir beispielsweise A♥K♦9♠2♠. Auch dieses Blatt kannst du auf dem Button spielen, aber gerade mal so. Der Grund dafür ist einfach: Ein Top Pair mit Top Kicker, das bei Hold’em auf vielen Boards praktisch zu den bestmöglichen Blättern zählt, ist bei Omaha allenfalls ein Bluff Catcher, mit dem du vielleicht in anderthalb Einsatzrunden Value generieren kannst. Damit ein Paar bei Omaha ein anständiges Blatt wird, muss das Board schon extrem trocken sein. Es ist ganz einfach: Omaha-Blätter, die weder ein hohes Paar beinhalten noch eine Chance auf Straights oder auf gute Flushs bieten, sind einfach nur Schrott. Welche Chance denkst du, hast du damit gegen Blätter, die mehrere Möglichkeiten für ein Spitzenblatt auf den verschiedensten Boards bieten?
Ein weiterer Fallstrick ist, mit einem gefloppten Top Pair zu sehr an seinem Blatt zu hängen. Bei Hold’em ist das Top Pair mit Top Kicker oft gut genug, um aggressiv weiterzuspielen. Bei Omaha ist das Top Pair auf einem koordinierten Board jedoch selten mehr als ein Bluff Catcher, insbesondere wenn mehrere Gegenspieler zum Flop kommen.
Drei Broadway-Karten
Blätter mit drei Broadway-Karten haben den Schwachpunkt, den Omaha-Spieler gern als „Dangler“ bezeichnen.
Was bedeutet „Dangler“ bei PLO?
Als Dangler bezeichnet man die vierte Karte auf der Hand, die nicht gut zu den ersten drei passt. Bei PLO bedeuten nicht miteinander verbundene Karten weniger Flexibilität für dein Blatt und weniger mögliche gute Draws bzw. weniger potenzielle superstarke Kombinationen auf dem Flop.
Gemeint sind Blätter wie A♥Q♥J♦4♣ oder K♦J♠10♠6♥. Solche Blätter sind bei Omaha in früher Position ziemlich wertlos. Der eine Pluspunkt dieser Blätter ist, dass du damit die besten zwei Paare floppen kannst (leider wären drei Paare unmöglich). Aber Two Pair ist einfach kein besonders gutes Omaha-Blatt. Das erstgenannte Blatt hat eine Equity von nur 51% gegen ein Blatt aus niedrigeren, verbundenen Karten mit jeweils zwei gleichen Farben. Das heißt: Selbst gegen niedrige Karten bist du damit nicht der Favorit. Und wenn du etwas triffst, foldet dein Gegner diese Draw-Blätter höchstwahrscheinlich, wenn der Flop ihm nichts gebracht hat, oder er hat etwas Stärkeres getroffen als du. Das Hauptproblem mit diesen Blättern sind also die umgekehrten Implied Odds. Diese Blätter bringen außerdem die Schwierigkeit mit sich, dass sie den gegnerischen 3-Bet-Ranges stark unterlegen sind. Sie gehören tatsächlich zu den wenigen Omaha-Blättern, die du vor dem Flop auf eine 3-Bet hin am besten folden solltest. Aus diesen Gründen solltest du drei Broadway-Karten erst ab dem Cut-off spielen. Und wenn du damit auf dem Cut-off eröffnest, ist es am besten, wenn Karten der gleichen Farbe dabei sind.
Doppelt gepaarte Blätter
8♦8♣6♥6♠ ist ein schreckliches Startblatt bei Omaha, das sich nur für einen Versuch eignet, aus später Position die Blinds zu stehlen. Bei Hold’em lassen sich diese Blätter gut spielen, um damit immer mal wieder ein Set zu bekommen (Set Mining genannt), was bei Hold’em praktisch ein Spitzenblatt ist. Wenn du damit aber bei Omaha mit einem Limp in einen 4-Spieler-Pot einsteigst oder ein Eröffnungs-Raise callst, während noch einige Spieler nach dir dran sind, besteht das reale Risiko, dass du in die missliche Lage kommst, ein Set zu floppen und damit schließlich gegen ein höheres zu verlieren. Es fühlt sich für Hold’em-Spieler kontraintuitiv an, dass diese Startblätter umgekehrte Implied Odds haben, was bedeutet, dass du damit unterm Strich wahrscheinlich große Pots verlierst und kleine gewinnst. Ein stärkeres Omaha-Blatt wäre so etwas wie J♦J♥10♠10♦, das mehr Kombinierbarkeit sowie gleiche Farben aufweist und dir eine bessere Gewinnchance bietet, wenn mehrere Spieler ein Set treffen. Dieses Blatt kannst du in allen Positionen spielen.
Seine Kombinierbarkeit und sein zusätzliches Potenzial für Straights machen es bedeutend stärker, und es ist an einem üblichen Tisch in den meisten Positionen ein sehr gutes Startblatt.

Berücksichtige immer, wie viel Spitzenpotenzial ein Blatt hat
Eine der größten Umstellungen in der Denkweise, die ehemalige Hold’em-Spieler vornehmen müssen, ist, die Stärke ihres Blatts nicht ausschließlich anhand seines aktuellen Status zu bewerten. Beurteile stattdessen jedes Startblatt basierend darauf, wie viele Möglichkeiten es bietet, sich zu einem Spitzenblatt zu entwickeln. Verbundene Karten, koordinierte Farben und die Kombinierbarkeit der Nebenkarten können allesamt zu profitablen Situationen auf verschiedenen Boards führen, während Blätter ohne eine Verbindung zueinander dir oft nur ein einziges, angreifbares Blatt ermöglichen. Je mehr Möglichkeiten ein Blatt dir bietet, sich zu verbessern, desto leichter wird es, nach dem Flop Entscheidungen zu treffen.
Fazit
Das wiederkehrende Thema dieses Artikels war, Startblätter mit begrenzter Flexibilität zu vermeiden, die das Risiko mit sich bringen, dass du damit selbst dann weit unterlegen bist, wenn der Flop gut für dich war. Spiele Startblätter, die Vielseitigkeit bieten und es dir ermöglichen, deine Optionen offen zu halten. Priorisiere gleichfarbige Karten mit Spitzenpotenzial, miteinander verbundene Karten und sehr hohe Pocket-Paare. Als Hold’em-Spieler musst du deine Intuition erst einmal ignorieren, wenn du zum ersten Mal zu Omaha wechselst, denn diese Instinkte stammen aus der Welt des Zwei-Karten-Spiels, in der ein Paar ein Superblatt sein kann.
