Sechs häufige Fehler bei PLO – wichtige Tipps für neue Spieler
Pot Limit Omaha (PLO) erfreut sich immer wachsender Beliebtheit. Es ist leicht zu erkennen, warum. Im Vergleich zu seinem Verwandten Texas Hold’em bietet PLO dir eine Menge mehr Möglichkeiten, starke Blätter zu bilden. Der Grund dafür ist natürlich, dass Spieler hier mit vier statt nur mit zwei Startkarten spielen. Das führt zu mehr Action und mehr Spannung.
Dies zieht mehr Glücksspielfans und Freizeitspieler an, was das Spiel wiederum interessanter für die Spieler macht, die bereit sind, sich ernsthaft mit der Spieltheorie zu beschäftigen. Viele Spieler, die von Hold’em zu PLO wechseln, tappen anfangs in einige gängige Fallen. Heute wollen wir uns sechs häufige Fehler anschauen, die man häufig bei neuen und gelegentlichen PLO-Spielern sieht.
Das PLO-Spiel hat sich im Laufe der Jahre insofern weiterentwickelt, als dass du es heute tendenziell mit bedeutend aggressiveren Spielern mit mehr strategischer Expertise zu tun hast. An den Grundlagen des Spiels hat sich nichts geändert, doch der durchschnittliche Spieler weiß heutzutage sehr viel besser über die Blattwerte, Equity und Positionen Bescheid als noch vor einem Jahrzehnt. Dadurch hast du weniger Spielraum für strategische Schwächen, weil dich diese grundlegenden Fehler sehr viel schneller Geld kosten als früher.
Schlechte Auswahl von Startblättern
Auch wenn wir die Fehler hier in keiner bestimmten Reihenfolge auflisten, ist eine schlechte Auswahl von Startblättern wohl das Erste, woran du arbeiten solltest. Es ist eine Schwachstelle, die zu vielen weiteren Problemen und somit langfristig unweigerlich zu Verlusten führt.
Einer der größten Unterschiede zwischen dem PLO-Spiel heute und noch vor einem Jahrzehnt ist ein stärkerer Fokus auf die Kombinierbarkeit von Karten und das Potenzial für Spitzenblätter. Viele Freizeitspieler bewerten hohe Karten ohne Verbindung zueinander immer noch über. Die besten Spieler von heute priorisieren hingegen Blätter, die mehrere Kombinationen für ein Spitzenblatt ermöglichen und es ihnen somit erlauben, mit vielen verschiedenen Boardtexturen aggressiv fortzufahren.

Premium-Paare wie As-As und König-König überbewerten
Dies ist insbesondere unter neuen Spielern, die von NLHE gewechselt sind, ein häufiges Problem. As-As und König-König sind bei Hold’em sowohl vor als auch nach dem Flop extrem starke Blätter. Für As-As-X-X und König-König-X-X bei PLO gilt das weniger. Auch wenn es sich auf dem Flop nicht verbessert, hast du damit bei Hold’em immer noch eines der zwei stärksten One Pair-Blätter. Und das ist bei Hold’em oft gut genug, denn ein starkes Paar ist hier mit einiger Häufigkeit das Gewinnerblatt auf dem Showdown – nicht so bei PLO. Wenn du mit diesen Blättern eine All-in-Situation vor dem Flop herbeiführst, bist du der Favorit. Aber weil PLO heißt, dass für die Einsätze ein Pot Limit und nicht No Limit gilt, ist das gar nicht so einfach, wenn mit großen Stacks gespielt wird. Wenn du vor dem Flop knapp die Hälfte des effektiven Stacks oder mehr in den Pot bekommst, hast du anschließend auf vielen Flop-Strukturen gute Chancen, auch den Rest in die Mitte zu kriegen. Wenn das Stack-zu-Pot-Verhältnis aber höher ist und du auf dem gegebenen Board mit einem One Pair-Blatt und ohne zusätzlichen guten Draw weiter drauflosfeuerst, kann das für deinen Stack katastrophal enden.
In den heutigen Spielen sind die Spieler viel eher gewillt, Druck gegen begrenzte Ranges und gefährdete Overpairs auszuüben. Wenn du dich ständig weigerst, Asse oder Könige auf koordinierten Boards niederzulegen, machen aufmerksame Gegner dir dein Leben sehr schwer.
Den Stack mit einem guten, aber nicht ausgezeichneten Blatt verlieren
Spieler, die von Hold’em zu PLO wechseln, haben oft Schwierigkeiten mit der absoluten Stärke eines Blatts, das nicht das bestmögliche Blatt (die Nuts) ist. Wenn du bei Hold’em einen niedrigen Flush oder den zweitbesten Straight triffst, hast du ein sehr starkes Blatt, mit dem du auf dem Showdown oft gewinnst. Deshalb ist es langfristig profitabel, damit eine Menge Chips in den Pot zu schieben. Bei PLO hingegen kosten diese Blätter neue Spieler viel Geld. Weil Spielern hier vier Startkarten zur Verfügung stehen, treffen sie wesentlich häufiger ein Spitzenblatt. Und beim Spiel mit großen Stacks (Deepstack-Spiel) ist es ein Problem, wenn du ein gutes, aber nicht ausgezeichnetes Blatt hast. Neue Spieler tendieren dazu, damit aufs Ganze zu gehen, indem sie Einsätze und Raises in Pothöhe bringen. Das hat oft zur Folge, dass sie einen kleinen Pot gewinnen, wenn alle folden, und das Maximum verlieren, wenn sie gegen ein Spitzenblatt spielen.
Außer Position in Hände einsteigen
Der Positionsvorteil ist bei PLO sogar noch ausgeprägter als bei NLHE. Angesichts des stärkeren Fokus auf Spitzenblätter bei PLO hat der Spieler in Position mehrere deutliche Vorteile: Er verliert weniger mit dem Verliererblatt, gewinnt mehr mit dem Gewinnerblatt und er hat es leichter, das zweitbeste Blatt niederzulegen sowie profitable Gelegenheiten für Bluffs zu finden. Der Spieler außer Position checkt ungern ein Spitzenblatt, weil er sich den Value nicht entgehen lassen will. Und wenn er checkt, hat der Spieler in Position es leichter, glaubwürdig ein Spitzenblatt vorzutäuschen, weil sehr starke Blätter bei Omaha öfter vorkommen.
Außerdem sieht man in heutigen Spielen bedeutend mehr Aggression vor dem Flop und häufigere 3-Bets. Deshalb ist es ein großer Fehler, außer Position um einen aufgeblähten Pot zu spielen. Heutzutage gilt, dass du in den Blinds sehr viel wählerischer bei deiner Auswahl von Startblättern vorgehen musst als auf dem Button.
Beim Deepstack-Spiel mit gefährdeten Spitzenblättern ohne Redraws um den ganzen Stack spielen
Angenommen, du raist vor dem Flop mit A♣A♠J♦10♣ und ein kompetenter PLO-Spieler im Big Blind callt. Ihr habt beide große Stacks. Auf dem Flop kommen 7♦8♦9♥, womit du die Nuts, also das aktuell bestmögliche Blatt, hast. Der Gegner checkt und du setzt eine Continuation Bet in Pothöhe. Er bringt daraufhin ein Check/Raise. Du setzt ein weiteres Raise in Pothöhe. Auch er raist aufs Neue. Und schon bist du mit den Nuts auf dem Flop All-in. Ist doch super, oder etwa nicht? Nicht wirklich. Das Problem dabei ist: Wenn ein kompetenter Spieler bei großen effektiven Stacks und einem hohen Stack-zu-Pot-Verhältnis alles Geld in den Pot schiebt, hat er fast immer selbst die Nuts. Warum ist das ein Problem? Weil wir mit unserem Nut Straight keine Redraws haben. Redraws sind Karten, die dir bei bestimmten Turn- und River-Karten zu einem noch besseren Blatt verhelfen können. In diesem Fall bietet unser Blatt uns keine Redraws für ein besseres Blatt (abgesehen von einem äußerst unwahrscheinlichen Full House). Das bringt uns in eine sehr schlechte Lage, weil unser kompetenter Gegner wahrscheinlich Redraws mit seinem Nut Straight hat. Du hast deinen ganzen Stack in einer Situation aufs Spiel gesetzt, die praktisch nur zwei realistische Ausgänge hat: Entweder erhältst du dein Geld zurück (Split Pot) oder du verlierst alles (dein Gegner trifft ein besseres Blatt). So gesehen ist es also eine ziemlich schlechte Investition. Es wäre beispielsweise gut möglich, dass unser kompetenter Gegner die folgenden Startkarten umdreht: K♦Q♦J♥10♥. Hoppla! (Siehe auch das Beispiel unten). Derzeit steht es unentschieden auf dem Flop, aber er hat sämtliche Equity. Wenn das Board ein nutzloses Blatt bringt, wird der Pot geteilt, aber wenn eine Zehn, ein Bube, irgendeine Karo-Karte oder zwei Herz-Karten kommen, hat er das Gewinnerblatt. Wir brauchen hingegen eine von wenigen Kombinationen aus Turn- und River-Karte, um uns auf ein Full House zu verbessern. Obwohl wir derzeit die Nuts haben, haben wir also all unser Geld in einer äußerst ungünstigen Situation riskiert.
Die möglichen Ergebnisse und ihre durchschnittliche Häufigkeit pro 1.000 Fälle auf dem Flop:
Der Flop: 9♥8♦7♦.
Dein Blatt: A♣A♠J♦10♣ hat eine Equity von 26,4%, ist in 34 Fällen das Gewinnerblatt und führt in 460 Fällen zum Unentschieden.
Das gegnerische Blatt: K♦Q♦J♥10♥ hat eine Equity von 73,6%, ist in 506 Fällen das Gewinnerblatt und führt in 460 Fällen zum Unentschieden.
Diese Zahlen bedeuten, dass du deinen ganzen Stack riskierst und dabei nur eine Chance von 3,4% hast, als klarer Gewinner hervorzugehen. Dein Gegner hat hingegen eine recht gute Chance von 50,6%, seinen riesigen Equity-Vorteil zu verwirklichen und die Hand ganz zu gewinnen (man spricht hier auch von einer Freeroll-Situation für ihn).

Equity-Realisierung ignorieren
In der modernen PLO-Spieltheorie geht es nicht nur um die rohe Equity. Viele Blätter, die vor dem Flop stark aussehen, machen es dir schwer, ihre Equity zu verwirklichen, wenn du sie außer Position oder gegen aggressive Gegner spielst. Neuere Spieler konzentrieren sich oft auf Equity-Kalkulationen und ignorieren dabei, wie schwierig sich bestimmte Blätter nach dem Flop spielen lassen.
Ein nicht miteinander verbundenes Startblatt kann in der Theorie eine anständige Equity gegen eine bestimmte Range bieten. Aber in der Praxis kann es auf vielen Boardtexturen extrem schwierig werden, damit weiterzuspielen.
Ein gutes Beispiel wäre ein Blatt wie A♣A♠7♦2♥: Basierend auf der Kalkulation der rohen Equity stehst du damit gut dar, aber wenn mit großen Stacks gespielt wird und deine Gegner Druck ausüben, kann es auf vielen unterschiedlichen Boards ziemlich knifflig werden, damit profitabel zu agieren.
Gute PLO-Spieler sind sich darüber bewusst, dass die Verwirklichung von Equity oft wichtiger ist, als einfach nur Equity zu haben.
Ein Verständnis der Equity-Realisierung ist eines der Schlüsselkonzepte geworden, mit denen sich erfolgreiche Spieler von Spielern, die auf plus/minus null kommen, in den heutigen Spielen unterscheiden.
Pot Limit Omaha macht nicht nur Spaß, sondern kann auch ein sehr profitables Spiel für einen versierten Spieler sein. Neue Spieler können sich bei diesem Format etwas verloren fühlen – insbesondere wenn sie von Hold’em kommen und davon ausgehen, dass PLO eine ähnliche Strategie erfordert, ohne zu realisieren, wie viele Unterschiede es angesichts der vier Startkarten beim Spiel auf dem Flop gibt. Informiere dich im Vorfeld etwas mehr über die richtige Strategie, spiele mit Stakes, mit denen du dich wohlfühlst, und vielleicht wird PLO sogar dein neuer Favorit.
