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Drei Tipps, um dich an Microstakes-Cashgames anzupassen

August 14, 2025
von PokerStars Learn

Es gibt eine Menge Lernmaterial, das dir die Grundlagen des konventionellen guten Pokerspiels beibringt. Darin lernst du zum Beispiel, wie du Bluff-Ranges auf dem River konstruierst, wie du anhand von Blockern bestimmte Einsatzhöhen wählst oder wie du eine solide 4-Bet-Range für die späte Position in Konfrontationen vor dem Flop entwickelst. Das Problem dabei ist, dass diese theoretischen Aspekte der Spieltheorie auf niedrigeren Stakes in gewisser Weise am Ziel vorbeischießen, da die durchschnittlichen Spieler auf diesen Stakes noch am Beginn ihrer Pokerlaufbahn stehen.

In diesem Artikel befassen wir uns mit drei verlässlichen Konzepten, um die Spielweise deiner Gegner auszunutzen. Diese können dir auf den kleinsten Online-Stakes einen großen Vorteil verschaffen. Solche Anpassungen können dir helfen, die niedrigen Anfänger-Stakes schnell hinter dir zu lassen, sodass du die umfassenderen theoretischen Aspekte dann in Spielen nutzen kannst, in denen es um mehr als Micro-Stakes geht.

Ein Spieler gibt auf dem River einen hohen Einsatz in einen Micro Stakes-Cashgame-Pot.

Bei bedeutungslosen Turns und Rivers auf Value setzen

„Auf Value setzen“ bedeutet, dass deine Range für Einsätze und Raises hauptsächlich aus starken Blättern besteht. Weil es bei 2NL bis 5NL Cashgames um mehr oder weniger unwesentliche Geldbeträge geht, sind viele Freizeitspieler nur zum Spaß dabei. Im Allgemeinen folden diese Spieler nur ungern – und wer könnte es ihnen verdenken? Das wird schließlich schnell langweilig! Diese Geringschätzung des Geldwertes der Chips in Kombination mit der Lust auf Action und mangelndem Spielverständnis bedeutet, dass diese Spieler lieber nicht folden – es sei denn, sie haben einen sehr guten Grund.

Ein solcher Grund könnte für diese Spieler eine Overbet oder ein River sein, der Flushes möglich macht, oder eine Overcard, die ihr Paar schlagen könnte. Es gibt Situationen, in denen bestimmt nichts davon gegeben ist, wie eine bedeutungslose Karte auf dem Turn oder River, nachdem dieser Gegner in den vorherigen Einsatzrunden gecallt hat.

Ein Beispiel: Du raist in einem 5NL Spiel von Under the Gun (UTG) auf $0,15 mit K Q und wirst von einem Freizeitspieler im Big Blind gecallt. Auf dem Flop kommen 8 7 4 und du setzt eine C-Bet von $0,15 in den Pot von $0,35. Der Big Blind callt und der Turn bringt 4. Selbst ein schlechter Spieler weiß, dass du mit der Karte fast nie was getroffen hast.

Das stimmt zwar, doch könntest du dich auf diesem Turn mit einer Menge Overpairs und Sets dazu entscheiden zu setzen, während du viele deiner Bluffs zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich aufgeben würdest. Schlechte Spieler denken aber nicht so weit. Für gewöhnlich sehen sie nur, dass sich nichts geändert hat, und sie deshalb immer noch keinen Grund haben zu folden. Diese Denkweise ist ein weitverbreiteter Trugschluss auf diesen Stakes. Es wäre eine überaus schlechte Idee, gegen den Spielerpool bei diesen Stakes auf diesem Turn zu bluffen.

Das richtige Vorgehen wäre wahrscheinlich, auch mit einigen deiner besseren potenziellen Bluff-Blätter wie J9 hinterher zu checken – einfach, weil du nicht genug Fold Equity hast.

Limper isolieren und oft C-Bets in Heads-Up-Pots setzen

Es ist nicht überraschend, dass Limping, also Calls vor dem Flop, auf diesen Stakes wesentlich öfter vorkommen als sonst. Wenn ein schlechter Spieler in diesen Spielen limpt, gibt er damit in der Regel quasi bekannt, dass seine Range schwach ist und er vorhat, sie passiv zu spielen. Um unseren Erwartungswert (EV) gegen diese Spielweise zu maximieren, lohnt es sich für uns, zu raisen, um sicherzustellen, dass wir so oft wie möglich allein gegen diese Spieler spielen. Anschließend können wir versuchen, mit unseren guten Blättern Value rauszuholen, und eine Menge Pots mit C-Bets zu gewinnen, wenn der Flop beiden Spielern nichts gebracht hat.

Eine geringe Fold Equity in den späteren Einsatzrunden bedeutet nicht, dass wir nicht häufig Pots auf dem Flop einsacken können. In dieser frühen Phase der Hand bleibt die Range unserer Gegner quasi ungefiltert. Mit anderen Worten: Alle Blätter, mit denen dein Gegenüber überhaupt nichts getroffen hat, sind immer noch in seiner Range. Das ändert sich erst, wenn er in der Hand bleibt, nachdem du einen Einsatz gemacht hast.

Deshalb ist es auf den meisten Flops ein guter Plan, deinen Gegner stark unter Druck zu setzen, nachdem er gelimpt ist und dein Raise gecallt hat. Eine Ausnahme zu dieser Faustregel sind niedrige koordinierte Flops (niedrige Flop-Karten, die eine gewisse Verbindung zueinander haben), auf denen die Limping-Range deines Gegners leicht etwas getroffen haben kann. Hier sind einige Beispiele solcher Flops, auf denen du deine Blätter mit niedrigerer Equity gegen einen Limper bzw. Caller vielleicht am besten hinterher checkst:

9 7 6

oder 5 4 2

oder J 9 7

oder Q 10 8

Fast alles auf ein Raise auf dem Turn oder River hin folden

Wenn Gegenspieler bei Micro Stakes auf dem Turn oder River raisen, ist das in der Regel ein Anzeichen dafür, dass sie eine sehr starke Range haben. Zum einen hat der Gegner eine gefilterte Range, wenn er an diesem Punkt ankommt, da er meistens vor dem Flop gecallt oder geraist hat und dann auf dem Flop (und vielleicht dem Turn) fortgefahren ist. Das heißt, nachdem er mit einem zweiten oder dritten Einsatz konfrontiert wurde, ist seine Range ein gutes Stück stärker, als sie es zu Beginn des Flops war. Anders gesagt: Mit vielen der Blätter, mit denen er hätte bluffen können, hätte er dies bereits getan oder gefoldet. Hinzu kommt, dass dein Gegenspieler es jetzt mit einem Einsatz von einer stärkeren Range zu tun bekommt. Da wir zum zweiten oder dritten Mal einen Einsatz gemacht haben, ist unsere Range zu diesem späteren Zeitpunkt in der Hand ebenfalls stärker, und es wäre für die meisten Gegenspieler kontraintuitiv, mit einem schlechten Blatt ein Raise dagegen zu setzen.

Ein Spieler foldet nach einem hohen Einsatz in einem Micro Stakes-Cashgame.

Lass uns ein Beispiel dazu anschauen: Du setzt ein Eröffnungs-Raise von UTG mit A A und ein unbekannter Gegenspieler callt auf dem Button (BU). Es kommt also Heads-up zum Flop, der Folgendes bringt: 7 5 3. Du setzt des Values halber einen Einsatz in Höhe von 2/3 des Pots, den dein Gegner callt.

Auf dem Turn kommt 9 und du setzt wieder eine Value Bet. Diesmal kontert dein Gegenspieler mit einem Raise auf das 3,5-Fache. Wie sieht die wahrscheinliche Range von durchschnittlichen Spielern dieses Spielerpools in dieser Situation aus?

Es kann schon mal vorkommen, hier einige Semi-Bluffs wie z.B. Q J zu sehen, allerdings hätte dein Gegner mit diesen Blättern wahrscheinlich auf dem Flop als Bluff geraist oder auf dem Turn wieder bloß gecallt. In einer früheren Einsatzrunde zu callen und dann in einer späteren zu raisen, ist für schlechtere Spieler eine sehr intuitive Art und Weise, ihre Value-Blätter zu spielen.

Zunächst sind sie besorgt, dass ihr Gegner foldet, aber dann wird ihnen klar, dass sie nicht mehr viel Zeit haben, um einen großen Pot aufzubauen, also springen sie schließlich mit einem Raise in Aktion. Eine solch tückische Spielweise deutet fast immer auf eine nicht ausbalancierte Range mit überwiegend sehr starken Blättern hin. Ein Paar wird hier schnell zum Bluff Catcher, wenn du es mit einem Spielerpool zu tun hast, in dem in dieser Situation nicht genug geblufft wird. Du solltest an dieser Stelle also folden, wenn du keine genaueren Kenntnisse über diesen Gegner hast.

Zusammenfassung

  • Wenn du es mit dem besagten Spielerpool zu tun hast, sieh davon ab, in späteren Einsatzrunden, in denen die Gemeinschaftskarten irrelevant erscheinen, zu bluffen. In diesen Situationen hast du nur sehr wenig Fold Equity.
  • Isoliere oft die Limper und fahre dann aggressiv mit C-Bets fort.
  • Folde alles bis auf die stärksten Blätter gegen Raises auf deine Einsätze in späteren Einsatzrunden hin. Dahinter stecken einfach viel zu oft sehr starke Blätter.
  • Und vor allem: Hab keine Scheu, die Spielweise deiner Gegner auf diesen Stakes auszunutzen. Es geht hier nicht darum, auf balancierte Art und Weise zu spielen.

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