Was du tun solltest und was nicht, wenn du deine Pokerergebnisse prüfst
Dein eigenes Spiel im Auge zu behalten, ist eine wertvolle Möglichkeit, um dein Können zu verbessern. Poketracking-Software, mit der du Hände aufzeichnen und Statistiken erstellen kannst, um deine Schwachstellen zu finden, ist dafür praktisch unerlässlich. Aber selbst heute unterläuft vielen Spielern der Fehler, dass sie zu sehr auf die Ergebnisse achten.
Je länger wir Poker spielen, desto mehr Handverläufe sammeln wir an. Je mehr Handverläufe wir angesammelt haben, desto weniger relevant wird der Glücksfaktor für unsere Ergebnisse. Auf kleine Stichproben bezogen spielt das Glück tatsächlich eine sehr große Rolle – was heutzutage immer noch eine der größten Herausforderungen für das „mentale Spiel“ ist. Viele Spieler stützen ihre Entscheidungen auf GTO statt darauf, wie sie die Spielweise ihrer Gegner am besten ausnutzen. Dies kann das emotionale Auf und Ab, das die kurzfristige Varianz mit sich bringt, noch schlimmer machen.
Im Folgenden findest du einige Tipps, wie du das meiste aus deiner Pokertracking-Software herausholst, ohne dich zu sehr auf deine kurzfristigen Ergebnisse zu fixieren.
WAS DU TUN SOLLTEST: Analysiere deine Spielsitzungen im Nachhinein
Das bedeutet: Schau dir die Hände noch einmal an, die dir am meisten Schwierigkeiten bereitet haben, und betrachte deine Spielweise objektiv. Versetz dich noch mal in die Situation am Tisch zurück und berücksichtige nur die Informationen, die du zu dem Zeitpunkt hattest. Es bietet sich an, deine aufgezeichneten Hände nach einem bestimmten System mit Labels zu versehen. Wenn du ein sehr detailorientierter Mensch bist, könntest du Screenshots von deinen analysierten Händen machen und sie dann zusammen mit deinen Anmerkungen dazu in ein Word-Dokument oder eine PowerPoint-Präsentation einfügen. Eine solche Aufzeichnung deiner analysierten Hände ist eine große Hilfe, um deine langfristigen Fortschritte zu festigen. Viele moderne Poker-Softwaretools bieten dir die Funktion, Hände mit bestimmten Labels zu markieren. Diese markierten Hände kannst du später exportieren und mit Freunden oder einer Lerngruppe aus der Community teilen, um deine Analyse noch effektiver zu machen.
WAS DU NICHT TUN SOLLTEST: Geh nicht davon aus, dass du verlorene Hände zwangsläufig falsch gespielt hast
Wenn du vergangene Spielsitzungen noch mal Revue passieren lässt, kann es verlockend sein, nachträglich alles geradebiegen zu wollen. Dazu gehört oft, dass du verlorene Hände durchgehst und versuchst, ein anderes Ergebnis zu erzwingen, indem du die Spielzüge änderst, die deiner großen Pleite vorausgegangen sind. Aber diese Denkweise bringt dich nicht voran. Oft verlierst du einen großen Pot einfach, weil die Varianz es nicht gut mit dir meinte. Vielleicht war dein Bluff auf dem River durchaus ein profitabler Spielzug basierend auf den Informationen, die du in dem Moment hattest – z.B. deine Annahme, dass die durchschnittliche Range eines erfahrenen Spielers in dieser Situation schwach ist und dein Gegner deshalb wahrscheinlich folden wird. Du darfst dir nicht die Schuld für etwas geben, was du nicht wissen konntest – z.B., dass dein Gegner auf dem Flop ein Underpair hatte, aber auf dem Turn ein Set damit bekommen hat.
Wenn du bei einer verlorenen Hand davon ausgehst, dass dir zwangsläufig ein Fehler in deinem Spiel unterlaufen ist, schaffst du eine gefährliche Assoziation zwischen einem unglücklichen Verlauf und mangelndem Vertrauen in dein Spiel. Und das sollte jeder Pokerspieler unbedingt vermeiden. Dein oberstes Ziel beim Poker sollte sein, dass du Spielzüge mit einem hohen positiven Erwartungswert (EV) machst, und nicht, dass du in jeder einzelnen Hand einen Profit erzielst. Stell dir die Varianz als den Preis für ein optimales Spiel vor.
WAS DU TUN SOLLTEST: Behalte zur langfristigen Analyse dein Diagramm im Auge
Wenn ein Trainee mir seine Aufzeichnungen schickt, schaue ich mir normalerweise als erstes sein Gewinn-/-Verlust-Diagramm für alle seine gespielten Hände an. Dies dient nicht nur dazu, ein Gefühl dafür zu bekommen, ob dieser Spieler auf seinem aktuellen Stake-Level langfristig gewinnt, sondern auch dazu, mir ein Bild von seinem Spielstil zu machen. Dein Diagramm lässt sich zusammen mit zwei zusätzlichen Linien anzeigen, denen du entnehmen kannst, wie deine gesamten Gewinne und Verluste (die grüne Linie) sich aufgliedern. Die eine (blaue) Linie zeigt an, wie viel Geld du auf dem Showdown gewonnen oder verloren hast. Die andere (rote) Linie zeigt an, wie viel Geld du gewonnen hast, indem du deine Gegner zum Folden gebracht hast, bzw. wie viel Geld du verloren hast, indem du selbst gefoldet hast.
Trainees, die eine ansehnliche blaue Linie haben, sind in der Regel gut darin, Value aus ihren starken Blättern rauszuholen, und haben normalerweise kein großes Problem damit, den Fold-Button zu finden, wenn es erforderlich ist. Sie stehen mit ihrem Blatt gut da, wenn eine Menge Geld in den Pot wandert. Dies ist eine solide Grundlage, auf der man aufbauen kann, während man nach und nach mehr Aggression in sein Spiel bringt. Eine gute blaue Linie ist allerdings nicht immer ein gutes Zeichen. Manchmal sind Spieler viel zu tight. Ihre blaue Linie sieht stark aus, weil sie nicht bereit sind, Geld in den Pot zu geben, wenn sie nicht gerade ein sehr gutes Blatt haben. Dies führt dazu, dass ihre rote Linie stark absinkt, weil sie zu oft folden, und dass sie auf eine schlechte Gesamt-Gewinnrate (die grüne Linie) kommen.
Eine starke rote Linie ist ein Anzeichen dafür, dass ein Spieler gewillt ist, Pots zu stehlen, zu bluffen und höhere Einsätze zu machen. Dies sind alles essenzielle Dinge, um ein gewinnender Spieler zu werden. Wenn die rote Linie aber einen zu hohen Gewinn darstellt, bedeutet das, dass der Spieler es mit der Aggression übertreibt und in schlechten Situationen Einsätze macht, in denen ein Check der Spielzug mit dem höheren Erwartungswert wäre. Es kann auch bedeuten, dass er nicht gewillt ist, in Situationen zu folden, in denen ein Call eine sehr schlechte Equity am Pot mit sich bringt. In diesen Fällen absorbiert die blaue Linie des Trainees den gesamten Schaden.
Letztendlich zählt die grüne Linie, aber eine Auswertung der beiden anderen Linien kann sehr nützlich bei der Analyse sein, um diese zu verbessern.
WAS DU NICHT TUN SOLLTEST: Schiele nicht mitten in einer Spielsitzung auf dein Diagramm oder deine Bankroll
Dies ist eine der größeren Schwachstellen, die du in deinem mentalen Spiel zeigen kannst, denn sie kann sich schnell zu einer zerstörerischen Gewohnheit entwickeln. Spieler, die nach jedem großen gewonnenen oder verlorenen Pot auf ihr Diagramm schauen, erleben unnötige emotionale Schwankungen, die völlig außerhalb ihrer Kontrolle sind. Wir können nicht bestimmen, wie wir uns auf kurze Sicht schlagen. Während des Spielens die Höchst- und Tiefpunkte eines Diagramms für eine Spielsitzung anzuschauen, wäre eine sichere Methode, um dich von Poker verrückt machen zu lassen. Damit bringst du deinem Gehirn bei, starke positive Emotionen auszulösen, wenn das Glück auf deiner Seite ist, und dort Fehler zu vermuten, wo es keine gibt.
Eine wesentlich bessere Praxis ist es, dir anzugewöhnen, dein Diagramm bzw. deine Bankroll nur dann zu prüfen, wenn du erwägst, in den Stakes auf- oder abzusteigen oder wenn du eine Langzeitanalyse wie oben beschrieben durchführst. Wusstest du, dass du deine Bankroll in der PokerStars-Lobby ausblenden kannst, indem du oben rechts neben deinem Guthaben auf das kleine Augensymbol klickst? Solange du mit einem vernünftigen Bankroll-Management spielst, gibt es keinen Grund, immer zu wissen, wie viel Guthaben auf deinem Konto ist. Spieler, die während ihrer Spielsitzung darauf achten, sind ständig auf den Glücksfaktor fixiert statt auf die richtige Entscheidungsfindung, die die wahre Grundlage für ihre langfristige grüne Linie ist. Vielleicht empfindest du es als beruhigende und erfrischende Abwechslung, nicht zu wissen, wie gut eine Spielsitzung gemessen am Geldgewinn oder -verlust läuft.
Fazit
Um das meiste aus der Technologie rauszuholen und uns am Pokertisch weiter zu verbessern, sollten wir alle unsere Ergebnisse nachverfolgen. Zu wissen, wie du das auf objektive und analytische Weise machst, ist eine entscheidende Voraussetzung, um Erfolg zu haben und die typische Falle zu vermeiden, die eine Besessenheit mit den Ergebnissen darstellt.
