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Schwere Fehler auf dem Turn, die deine Gewinnquote verringern

Dezember 5, 2025
von PokerStars Learn

Viele Anfänger und fortgeschrittene Spieler haben Schwächen in ihrer Strategie auf dem Turn. Der Grund dafür liegt im Lernprozess. Die meisten Trainings-Websites, Videos und Artikel konzentrieren sich auf die optimalen Ranges vor dem Flop und Flop-Strukturen, um solide Grundlagen zu schaffen. Sobald sich jemand bei diesen Einsatzrunden sicher fühlt, ist der nächste Schritt für gewöhnlich die richtige Strategie auf dem River. Die vierte Einsatzrunde hingegen, also der Turn, wird oft vernachlässigt und ist sozusagen die vergessene Einsatzrunde.

Anfänger und Amateure machen ihre größten Fehler in der Regel auf dem Flop und auf dem River. Verständlicherweise wollen die meisten Spieler ihr Spiel also in diesen Situationen perfektionieren. Auch dadurch wird der Turn wieder übersehen. Diese Faktoren führen dazu, dass viele Spieler den Turn einfach nur „überleben“ wollen. Sie verfügen über zu wenig verlässliches Wissen und nur über geringe Erfahrung. Daher versuchen sie, schwächere Gegner in den anderen Einsatzrunden zu erwischen. Schauen wir uns mal einige der typischen Schwächen auf dem Turn an, die du vermeiden solltest.

„Automatisches“ Checken

Der häufigste Fehler auf dem Turn ist das fast automatische Checken. Ich beobachte das meist bei Spielern mit einer eher passiven „Fit-or-Fold“-Spielweise. Der zugrunde liegende Gedankengang könnte in etwa so lauten: „Ich habe ein starkes Blatt. Ich habe auf dem Flop was getroffen, also setze ich. Oh-oh, er hat gecallt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er auch was auf der Hand hat – ich sollte jetzt also besser vorsichtig weiterspielen. Vielleicht hat er ein stärkeres Blatt als ich, deshalb checke ich mal lieber auf dem Turn.“ Das ist ein klassischer Fall von angstbasiertem Poker.

Natürlich ist ein Check nach dem Turn in vielen Situationen der richtige Spielzug, aber keineswegs immer. Schauen wir uns mal ein alltägliches Beispiel an: Du sitzt in einer späten Position und erhöhst vor dem Flop mit KQ. Der Spieler im Big Blind ist der einzige, der callt. Der Flop bringt Q92. Dein Gegenspieler checkt, und weil du mit deinem Blatt auf dem Flop getroffen hast, machst du einen Einsatz von 3/4 des Pots. Dein Gegenüber callt und auf dem Turn kommt die 3. Nach einem weiteren Check deines Gegenspielers bist du an der Reihe. Viele Spieler gehen zu passiv mit diesem Turn um und checken. Ist das die optimale Spielweise?

Ein Pokerspieler entscheidet sich für einen Einsatz auf dem Turn, statt automatisch zu checken.

Nein, ist sie nicht. Die Bandbreite an Startkarten, mit denen unser Gegenspieler vor dem Flop mitgeht, enthält nach dem Flop eine Menge Draws Hierzu zählen viele Flush Draws, Bube-10, König-Bube, König-10 und manchmal Bube-8 und 10-8. Da er vor dem Flop gecallt hat, gibt es eine gute Chance, dass er eines dieser Startblätter hat. Es ist unnötig zu erklären, dass für uns ein Wertverlust entsteht, wenn wir auf dem Turn checken, denn er würde einen großen Einsatz wahrscheinlich callen. In diesem Fall wäre selbst ein kleinerer Einsatz besser als ein Check, um ihm Equity zu verwehren.

Falsche Einsatzhöhe: zu hoher Einsatz

Ein weiterer verbreiteter Fehler ist das Gegenteil vom Checken: zu hohe Einsätze auf dem Turn. Angenommen du bist in der mittleren Phase eines Online-Multitisch-Turniers mit einem ordentlichen Stack in Höhe von 40 bis 50 Big Blinds. Schauen wir uns dieselbe Hand und denselben Flop wie im vorherigen Beispiel an. Du raist mit KQ um 2,5 Big Blinds und es gibt nur einen Call. Der Flop ist wieder Q92. Wir fahren mit einem Einsatz von 3 Big Blinds fort, den unser Gegenspieler callt. Auf dem Turn kommt eine irrelevante Karte, 3, und unser Gegner checkt aufs Neue. Der Pot beläuft sich jetzt auf 12,5 Big Blinds. Was wird wohl passieren, wenn du als Nächstes einen Einsatz von 10 bis 12 BB auf dem Turn machst? Obwohl dein Gegenspieler vielleicht sehr gerne den River gesehen hätte, wird es ihm jetzt zu teuer und er foldet. Haben wir einen Fehler gemacht? Ja, das haben wir. In solchen Situationen sollten wir unserem Gegenspieler Pot Odds bieten, die zwar verlockend wirken, aber für einen Call eigentlich einen zu hohen Preis darstellen.

Panisches All-in (Overbet)

Ein extremes Beispiel eines zu hohen Turn-Einsatzes ist ein Overbet-All-in (eine Overbet ist ein Einsatz, dessen Höhe den aktuellen Pot übersteigt). Ein Paradebeispiel hierfür wäre, hohe Paare auf diese Art zu spielen. Nehmen wir mal an, wir haben Pocket Asse. Wir würden also auf jeden Fall vor dem Flop raisen. Ein Spieler geht mit, doch dieses Mal hat er den Positionsvorteil. Der Flop bringt König-Bube-7 in unterschiedlichen Farben. Wir machen eine C-Bet in Höhe von 3/4 des Pots, die unser Gegenspieler callt. Auf dem Turn kommt die Drei, eine irrelevante Karte. Wir gehen All-in mit dem Doppelten des Pots. Was erreichen wir mit diesem Spielzug? Würdest du sagen, dass dein Gegenspieler nun eine schwere Entscheidung zu treffen hat? Wenn ja, liegst du falsch, denn tatsächlich haben wir es ihm leichter gemacht. Wenn er ein beliebiges Two Pair-Blatt oder ein Three of a kind hat, wird er mitgehen. Mit allen anderen Händen wird er folden. Du hast ihn dazu gebracht, alle Hände niederzulegen, die du geschlagen hättest. Und du hast ihn auch um die Gelegenheit gebracht, einen Bluff zu versuchen. Du isolierst dich grundsätzlich nur gegen Blätter, die deines schlagen.

Ein Pokerspieler gewinnt den Pot nach einem erfolgreichen Einsatz auf dem Turn.

Zusammenfassung

Wie du siehst, ist eine zu passive oder zu aggressive Spielweise auf dem Turn katastrophal für deinen Erwartungswert (EV). Beim Poker kann man viele kleine Fehler machen, die auf lange Sicht einen Wertverlust für dich bedeuten. Mit der falschen Spielweise auf dem Turn wirst du nicht nur langfristig, sondern auch im Verlauf einzelner Hände bedeutende Summen verlieren.

Für das Spiel auf dem Turn gibt es meiner Meinung nach einen weiteren wichtigen Gesichtspunkt. Wenn wir erkennen, dass in dieser Einsatzrunde mehrere mittelmäßige Spieler die schwächsten Gegner sind, können wir als erfahrenere Spieler einen großen Vorteil daraus ziehen. Es lohnt sich also, dich einige Stunden mit der Analyse und der Verbesserung des Spiels auf dem Turn zu beschäftigen. Diese Mühe wird sich 2026 an den Tischen mit Sicherheit bezahlt machen.

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