Bist du ein zäher Pokerspieler?
Manche Spieler bleiben Poker treu und haben schließlich großen Erfolg damit, während andere das Streben nach Pokerruhm irgendwann aufgeben.
Worin unterscheiden sich diese beiden Gruppen von Spielern? Bis zu einem gewissen Grad sind es Faktoren wie die natürliche Problemlösungsfähigkeit, die verfügbare Freizeit, mentale Stabilität und einige andere. Aber was den wirklichen Unterschied zwischen den erfolgreichen und den erfolglosen Pokerspielern ausmacht, ist letztendlich ihre Zähigkeit.
Was ist Zähigkeit?
Zähigkeit ist die Fähigkeit eines Spielers, über einen längeren Zeitraum hinweg optimale Leistung zu bringen und sich nicht von Rückschlägen aus der Bahn werfen zu lassen.
Es gibt ein inspirierendes Buch dazu von Angela Duckworth, Ph.D., mit dem Titel: GRIT – Die neue Formel zum Erfolg: Mit Begeisterung und Ausdauer ans Ziel. Darin beschreibt sie Zähigkeit („Grit“) als eine Kombination aus zwei Faktoren:
- Beständige Leidenschaft
- Durchhaltevermögen
Eine der zentralen Aussagen dieses Buches ist, dass diese Eigenschaften verbessert werden können und dass sie in der Regel wichtiger für den Entwicklungsweg der erfolgreichsten Menschen sind als jede natürliche Veranlagung bzw. einfaches Talent.

Der Grund, warum Zähigkeit als der wichtigste aller Faktoren erachtet wird, liegt auf der Hand. Nichts Gutes kommt im Leben leicht. Der Pokererfolg ist hierbei keine Ausnahme.
Angehende Pokerspieler, die keine beständige Leidenschaft haben, verfügen nicht über die Willenskraft, einen großen Teil ihrer Zeit dem Spiel zu widmen und alles daran zu setzen, besser zu werden. Diese Leute erreichen meistens nicht ihr Ziel, weil sie sich immer wieder ablenken lassen und zeitweise das Interesse am Spiel verlieren. Dies führt dazu, dass sie stagnieren und ihre bisherigen Fortschritte zu einem großen Teil zunichte gemacht werden.
Diejenigen, denen es an Durchhaltevermögen mangelt, können nicht mit den vielen Rückschlägen umgehen, die angehende Pokerspieler zu erwarten haben: sowohl in Form von Downswings als auch der immensen Komplexität des zu Lernenden. Das Ergebnis ist, dass sie aufgeben, bevor sie genug vom Erfolg gekostet haben, um eine widerstandsfähigere Haltung aufzubauen.
Nachhaltige Leidenschaft beim Poker
Wie kannst du eine beständigere Leidenschaft für Poker entwickeln? Zuallererst muss klargestellt werden, dass es keine nachhaltige Leidenschaft ist, sich die World Series im Fernsehen anzuschauen und sich dabei von dem erfolgreichen Hero Call eines berühmten Profis inspirieren zu lassen. Was ein Amateur dabei erlebt, ist eher lediglich ein schlagartiger Motivationsschub. Ein solcher inspirierender Impuls kann durchaus hilfreich sein, um den Anfang zu machen. Häufig jedoch verblasst er wieder oder verschiebt sich auf ein anderes Interessengebiet. Um die Leidenschaft für Poker aufrechtzuerhalten, musst du ein langfristiges Ziel haben, das dir wirklich etwas bedeutet. Dies könnte darin bestehen, eines Tages ein professioneller Spieler und dein eigener Boss zu werden und die Freiheit zu haben, Urlaub zu machen, wann du willst. Oder vielleicht willst du ein ausreichend großes Nebeneinkommen verdienen, um deine andere Hälfte mit einem exotischen Urlaub zu überraschen. Genauso gut könnte es dein Ziel sein, eine Karriere aus einer Aktivität zu machen, die dir Spaß macht, statt tagein tagaus einen Job zu verrichten, der dich nicht glücklich macht. Zähe Pokerspieler haben ein langfristiges Ziel, das ihnen am Herzen liegt.
Es ist sinnvoll, eine Aufgliederung zwischen einem solchen bedeutenden, übergeordneten Ziel und einer Reihe von mittelfristigen Zielen, die schneller zu erreichen sind, vorzunehmen. Sich auf Ziele in realistischer Reichweite zu konzentrieren, ist eine gute Methode, die Leidenschaft auf lange Sicht aufrechtzuerhalten. Für dich als Spieler könnte ein mittelfristiges Ziel beispielsweise wie folgt aussehen:
„Ich lerne in diesem Monat zehn Stunden Pokertheorie und fasse meinen Fortschritt dabei in einem Dokument zusammen.“
Dies unterstützt die Umsetzung deines langfristigen Ziels, ein starker Pokerspieler zu werden. Mittelfristige Ziele können wiederum aus vielen kurzfristigen Zielen bestehen. Vielleicht sagst du dir morgens: „Heute ist es mein Ziel, ein bis zwei Stunden zu schreiben.“ Das wäre einer von einer Reihe von Schritten, wenn es dein mittelfristiges Ziel ist, ein Buch zu schreiben. Das kurzfristige Ziel eines angehenden Spielers könnte auch darin bestehen, ein Video auf PokerStars Learn anzuschauen und sich Notizen dazu zu machen.
Um mehr Struktur in das Gesamtbild zu bringen, kannst du deine Ziele in stündliche, tägliche, wöchentliche und langfristige Ziele unterteilen. Alle diese Schritte bringen dich bei deiner ultimativen Mission weiter. Das Gesamtbild sieht also wie folgt aus:

Durchhaltevermögen beim Poker
Durchhaltevermögen bedeutet im Kontext von Poker, Downswings wegzustecken, mangelnde Motivation, zu lernen oder zu spielen, zu überwinden, mit Störfaktoren des Alltags umzugehen usw.
Das Hauptproblem, mit dem Spieler beim Poker konfrontiert werden, ist, dass ihr Unterbewusstsein sich oft weigert, eine Sitzung, einen Tag oder eine Woche mit Gesamtverlust hinzunehmen. Sie denken, dass sie es verdienen, dass sie gewinnen, und lassen sich von einer Pechsträhne leicht irritieren.
Jeder weiß, dass man im echten Leben mal angeschlagen sein kann. Es kann jederzeit zu Zahnschmerzen, einer Erkältung oder ähnlichem kommen. Weil solche Beschwerden unvermeidlich sind, empfindet man sie als etwas Alltägliches und hält den Blick nach vorn, wenn sie eintreten. Kaum jemand würde deshalb einen Wutanfall bekommen oder sich weigern, morgens aufzustehen, weil er sich am Vortag unwohl gefühlt hat. Jeder ist mal angeschlagen oder einfach nicht in bester Form, doch bringt das niemanden dazu, ganz aufzugeben.
Das ist vergleichbar mit den Phasen negativer Varianz, die jeder Pokerspieler früher oder später durchmacht. Genauso, wie sie nicht erwarten würden, niemals krank zu werden, können Spieler lernen, sich damit abzufinden, dass sie auch Sitzungen mit schlechten Ergebnissen haben, und das Beste daraus zu machen.
Eine längere Verlustserie ist schwerer zu verkraften, könnte aber auch ein Anzeichen dafür sein, dass du immer noch zu viele Schwachstellen hast, um profitabel zu spielen. Ein wirklich zäher Spieler analysiert die Fakten, um daraus zu lernen und sich zu verbessern. Ein Verlust kann für diesen Spieler insofern positiv sein, als dass er ihm klarmacht, dass er noch eine Menge zu lernen hat, und dies ihm die Motivation gibt, noch intensiver an seinem Spiel zu arbeiten.
Vielleicht sagt er sich „Ich gewinne also immer noch nicht. Wow, das ist schwierig, aber ich schaffe es, komme, was wolle!“
Manchmal lässt die Motivation nach. Das ist ganz natürlich und angesichts von Geschehnissen am Pokertisch und abseits davon unvermeidlich. Ein zäher Pokerspieler lässt sich vielleicht für eine kurze Zeit von seinem Weg abbringen, während er die Herausforderungen des Alltags bewältigt oder sich von einem Downswing erholt. Aber er kommt schon bald mit neuer Kraft und Entschlossenheit zurück.
Wie finden solche zielstrebigen Spieler die Willenskraft, in schwierigen Zeiten immer wieder aufzustehen? Sie haben ein Endziel im Blick, das ihnen wirklich wichtig ist. Dir das richtige Endziel zu setzen, hilft dir nicht nur, die Leidenschaft für Poker aufrechtzuerhalten, sondern auch dabei, mit Rückschlägen umzugehen. Nur sehr wenige Menschen haben großen Erfolg in irgendeinem Bereich, für den sie sich nicht begeistern.
Zusammenfassung
- Zähigkeit ist eine entscheidende Eigenschaft für den Erfolg im Pokerspiel.
- Sie besteht aus beständiger Leidenschaft und Durchhaltevermögen in schwierigen Zeiten.
- Wir können diese Eigenschaften verstärken und sie befeuern, indem wir ein für uns bedeutendes Endziel definieren.
