So nutzt du Pokerspieler aus, die nicht aggressiv genug sind
Aggression ist ein Grundpfeiler der modernen Pokerstrategie. Zu passive Spieler lassen Chips liegen, weil ihnen Value entgeht, sie die Fehler ihrer Gegner nicht richtig ausnutzen und die Position nicht genug berücksichtigen. Damit werden sie zur leichten Beute für versiertere Spieler. Passive Spieler haben jede Menge Löcher in ihrer Strategie, die du ausnutzen kannst.
Bevor du passive Spieler ins Visier nehmen kannst, musst du aber erst mal einen Spieler erkennen, der nicht aggressiv genug ist.
Anzeichen für einen zu passiven Spieler
Alle Spieler sind einzigartig. Du solltest also nicht in die Falle tappen, alle Gegner anhand einer einzelnen Dimension einzuordnen. „Tight“ oder „loose“ bezieht sich beispielsweise auf die Blattauswahl, während „aggressiv“ oder „passiv“ die Einsatzmuster beschreibt. In diesem Artikel geht es insbesondere um passive Spieler – also Spieler, die zu oft checken und callen, statt zu setzen oder zu raisen. Wenn du das Spiel eines Gegners ausnutzen willst, solltest du versuchen, so viel wie möglich über seinen Spielstil und seine Spieltendenzen zu lernen.
Im Allgemeinen zeigen zu passive Spieler aber einige oder alle dieser Schwachstellen in ihrem Spiel:
- Sie verteidigen ihre Blinds nicht breit genug.
- Sie eröffnen die Einsatzrunde vor dem Flop mit einem Call (das nennt man auch „limpen“).
- Sie callen Raises eher und bringen selten eine 3-Bet.
- Sie checken und callen nach dem Flop.
- Sie lassen sich Gelegenheiten für minimalen Wert entgehen.
- Sie bluffen selten.
- Sie folden zu oft.
Du kannst zu passive Spieler daran erkennen, wie sie sich vor dem Flop verhalten. Beachte etwa, wie oft sie limpen bzw. callen, statt zu raisen.
Wenn du einen Spieler entdeckt und bemerkt hast, an welchen Stellen er nicht genug Aggression zeigt, kannst du dich daran machen, diese Schwächen auszunutzen, um ihm Chips abzunehmen.

Oft die Blinds stehlen
Passive Gegner verteidigen ihre Blinds nicht oft genug. Sie folden nach einem Raise vor dem Flop häufiger, als sinnvoll ist. Das bietet dir eine einfache Möglichkeit, ihr Spiel auszunutzen. Wenn sie im Big Blind sitzen, kannst du häufiger raisen.
So kannst du dir das „tote Geld“ in der Mitte oft kampflos schnappen. Wenn ein passiver Spieler doch mal seinen Blind verteidigt, macht er das gewöhnlich mit einem Call. So kannst du nach dem Flop in Position und mit der Initiative weitermachen.
Nach gegnerischen Limps raisen
Eine weitere schwache Aktion, die du von passiven Gegnern oft siehst, ist, vor dem Flop mit mittelmäßigen Blättern zu limpen. Das sind Blätter, mit denen sie sich nicht sicher genug fühlen, um zu raisen. Damit geben sie jedes Mal mehr „totes Geld“ in den Pot, den du womöglich stehlen kannst.
Manchmal kannst du den Pot völlig ohne Gegenwehr abräumen. In anderen Fällen isolierst du den Limper mit deinem Raise und zwingst ihn, mit einem schwächelnden Blatt gegen dich zu spielen.
Nach dem gegnerischen Raise eine 3-Bet bringen
Gegen sehr tighte Spieler, die nur mit Premium-Blättern raisen, musst du aufpassen, nicht zu viele 3-Bets zu bringen. Ihre Blattrange könnte deiner weit überlegen sein. Aber selbst die risikoscheuen Spieler haben heutzutage meistens gelernt, wie man in später Position raist, um die Blinds zu stehlen.
Mit einer gut getimten 3-Bet kannst du diesen Versuch oft ins Leere laufen lassen. Da diese Gegner wahrscheinlich risikoscheu sind, callen sie selten und trauen sich nur mit einem Premium-Blatt eine 4-Bet. Diese Art, tighte Spieler auszunutzen, ist etwas gewagter, aber du solltest sie nicht außer Acht lassen – insbesondere wenn dein Gegner vor dem Flop auch mit einer engen Blattrange spielt.
Häufiger Continuation Bets setzen
Es gibt viele Möglichkeiten, einen passiven Spieler vor dem Flop auszunutzen. Trotzdem wird er nicht immer sofort folden. Manchmal will er den Flop sehen, weil er auf ein starkes Blatt hofft.
Das Gute ist, dass ein Blatt ohne Paar nur in einem von drei Fällen tatsächlich einen guten Flop erwischt. In zwei von drei Fällen bringt der Flop deinem Gegner nichts. Da passive Spieler selten raisen und zu häufig folden, wenn sie nichts getroffen haben, solltest du auf dem Flop häufiger eine Continuation Bet setzen.
Ganz wichtig: Das gilt für ein trockenes Board (mit wenigen verbundenen oder gleichfarbigen Karten). Bei gefährlichen Boards mit mehreren möglichen Draws oder denkbaren Kombinationen erwischt dein Gegner häufiger etwas Gutes, also pass die Häufigkeit deiner Continuation Bets entsprechend an.
Mehr bluffen
Passive Spieler folden zu oft, statt dich auf die Probe zu stellen. Das gibt dir grünes Licht zum Bluffen. Wir haben bereits erwähnt, wie du kleine Pots gewinnen kannst, indem du Blinds stiehlst und mit Continuation Bets auf dem Flop Druck ausübst.
Diese Gegner folden aber nicht unbedingt nach einem einzigen Einsatz, insbesondere wenn sie auf dem Flop zumindest irgendwas getroffen haben – sei es ein Paar oder einen Draw. Sie tun sich jedoch sehr schwer damit, auf mehreren Streets hintereinander deine Einsätze zu callen, oder ein großes Re-Raise nach einer gefährlichen Turn-Karte. Sei bereit, größere Bluffs zu spielen, um maximalen Druck auszuüben.

Value finden
Zu passive Spieler sind enorm anfällig für Bluffs und lassen sich oft bereitwillig die Blinds stehlen, aber es kann schwer sein, Value aus jemandem rauszuholen, der tendenziell nur starke Blätter spielt. Da sie zu oft folden, ist es schwieriger, ihnen Chips abzunehmen, wenn du tatsächlich starke Karten hast.
Das ist das Value-Paradox bei passiven Spielern: Sie folden nach Aggression zu oft, aber callen selten hohe Einsätze mit mittelmäßigen Blättern. Halte also Ausschau nach Situationen, in denen sie wahrscheinlich etwas Starkes halten – etwa wenn sie gecheckt und dann gecallt haben, statt sofort zu folden – und passe deine Einsatzhöhe dann so an, dass sie hoffentlich weiter mitgehen, statt die Waffen zu strecken.
Keine Chips verschenken
Passive Gegner setzen und raisen nicht genug. Sie lassen jede Menge Value liegen und wagen in der Regel keine großen Bluffs. Wenn so ein Spieler also anfängt, viele Chips in die Mitte zu werfen, kannst du dir ziemlich sicher sein, dass er ein ordentliches Blatt hat. Wenn er auf dem River All-in geht, hat er wahrscheinlich die Nuts oder zumindest fast.
Du musst die Stärke deines Blatts gegen seines abwägen. Denk dran: Eine der besten Möglichkeiten, passive Spieler auszunutzen, besteht darin, ihnen keine Chips zu schenken.
Fazit
Um Chips aus Spielern rauszuholen, die zu wenig Aggression zeigen, kannst du dich an ein Prinzip halten: Übe unerbittlich Druck aus. Die hier beschriebenen Strategien – Blinds stehlen, 3-Bets, Continuation Bets und Bluffs – funktionieren gut, weil passive Spieler vorhersehbar und risikoscheu sind. Denke jedoch daran, deine Spielzüge basierend auf den individuellen Tendenzen und der Tischdynamik anzupassen. Nicht alle passiven Spieler spielen gleich, also bleib aufmerksam und wähle die jeweils optimale Strategie.
