Vom TV zu Twitch: Wie Poker dem Fernsehen entwachsen ist

Dezember 22, 2021inPokerStars News

Viele von uns sind im Fernsehen zum ersten Mal auf Poker aufmerksam geworden. Übertragungen der World Series of Poker (WSOP) bei ESPN, Highlights der European Poker Tour (EPT) bei Eurosport und Sport1, oder nächtliche Cash-Game-Shows, die um die Welt gingen – im Laufe der Jahre gab es Unmengen Poker im TV zu bestaunen.

Wenn man allerdings außerhalb der Sendezeiten Poker schauen wollte, hatte man Schwierigkeiten. Poker war nicht so zugänglich wie heute. Die Poker-Bibliothek bei YouTube ließ sehr zu wünschen übrig. High Stakes Poker und andere Shows wurden – wenn überhaupt – nur vereinzelt online hochgeladen.

In den letzten zehn Jahren hat sich die Situation stark verändert. Poker-Inhalte sind bei Twitch rund um die Uhr verfügbar. Stream auswählen, berieseln lassen – fertig. Was haben wir heute für ein Glück?

In diesem Artikel schauen wir uns an, wie sich Poker vom Fernsehen losgesagt hat und wie der Sprung zu Twitch und Live-Streams gelang.

Hole-Card-Kameras und Charaktere bis zum Abwinken

Der einzige Poker-Content, den man sich anfangs im Fernsehen anschauen konnte, waren – einmal im Jahr – ein oder zwei Stunden bearbeitete WSOP-Hände bei ESPN. Als Late Night Poker 1999 in Großbritannien sein Debüt feierte, veränderte die Sendung ein für alle Mal, wie Poker im TV funktioniert.

Late Night Poker verwendete – damals neuartige – Hole-Card-Kameras, die unter dem Tisch angebracht waren. So wusste man als Zuschauer zu Beginn einer Hand, welche Karten die Spieler vor sich liegen hatten. Der Erfolg der Show war aber auch den schillernden Figuren zuzuschreiben, die am Tisch Platz nahmen. Berichten zufolge sollen unglaubliche 1,7 Millionen Zuschauer das Finale gesehen haben, aus dem David „Devilfish“ Ulliott als Sieger hervorging.

Sowohl die World Poker Tour als auch die WSOP übernahmen das Hole-Card-System 2003. Das Jahr, in dem ein Buchhalter und PokerStars-Online-Qualifikant – die Rede ist natürlich von Chris Moneymaker – das WSOP Main Event gewinnen konnte. Die Übertragung bei ESPN löste einen weltweiten Poker-Boom aus (den „Moneymaker-Effekt“). Blitzartig stieg das Interesse an Poker – sei es als Freizeitbeschäftigung oder TV-Sport.

Neue Touren wie die European Poker Tour (EPT) von PokerStars halfen, ein Band zwischen Online- und TV-Poker zu schmieden. Seit der ersten Auflage der EPT im Jahre 2004 war die Tour als Live-Turnier-Serie und TV-Show angelegt, um PokerStars und Poker auf der ganzen Welt bekannt zu machen.

Neue Poker-Sendungen sprießen hervor – etwa die National Heads-Up Poker Championship, Poker After Dark, PokerStars Big Game und Celebrity Poker Showdown.

Schließlich schaffte es High Stakes Poker – nach landläufiger Meinung die beste Poker-Show aller Zeiten –, uns einen Blick hinter die Nosebleed-Kulissen zu gewähren. Hier waren Poker-Stars wie Phil Ivey, Daniel Negreanu, Doyle Brunson, Phil Hellmuth, Tom Dwan und Patrik Antonius – um nur ein paar zu nennen – in ihrem Element: Astronomische Limits und ungeheuerlich große Pots.

Online Poker schauen

Erst 2011 hatte man erstmals die Möglichkeit, online Live-Poker zu schauen. PokerStars preschte voran und zeigte einen Teil vom Final Table beim PokerStars Caribbean Adventure (PCA) live bei PokerStars.TV.

„Im Laufe der Jahre ist die Grenze zwischen klassischem Fernsehen und Serien oder Filmen auf dem Computer und anderen Geräten aufgeweicht“, schreibt Martin Harris in seinem letzten Artikel: „Poker als TV- und Streaming-Spektakel“. „Ähnliches ist mit Live- und Online-Poker geschehen – ehemals getrennt verschwimmen die Grenzen immer mehr.“

Es war nur eine Frage der Zeit, bis Online-Poker in den Mittelpunkt rücken würde. Man brauchte lediglich ein passendes Ventil. Mit anderen Worten: Twitch – einen US-amerikanischen Streaming-Anbieter für Live-Streams von Videospielen.

Wenn man von Doyle Brunson als „Godfather of Poker“ spricht, müsste man Jason Somerville richtigerweise als „Godfather of Twitch-Poker“ bezeichnen.

Somerville war bereits ein begabter und erfolgreicher Pokerspieler, noch bevor er seine Webcam einschaltete. Der frühere PokerStars Team Pro entdeckte Poker 2004, während der Poker-Boom in vollem Gange war. Er fing an, online Freerolls zu spielen und baute eine sechsstellige Bankroll auf, ohne jemals eine Einzahlung vorgenommen zu haben.

2011 – im gleichen Jahr, als Twitch seine Pforten öffnete – gewann Somerville bei der World Series of Poker ein Bracelet. Bei einem $1.000 No-Limit Hold’em-Event setzte er sich gegen 3.175 Entries durch und gewann $493.091. Online-Turniere hatten ihm bereits Millionen eingebracht, und Somerville hatte mit Trainingsvideos und Poker-Dokus Erfahrung vor der Kamera gesammelt.

Kurzum: Somerville war prädestiniert, Poker auf Twitch erfolgreich zu machen. Unter dem Alias JCarver begann er 2014 zu streamen. Seiner Community verpasste er den Namen RunItUp (heute eine der wichtigsten Triebfedern, die Twitch-Poker wachsen lassen). Somervilles Streams waren extrem erfolgreich. Er war der erste Pokerspieler, der bei Twitch 10 Millionen Aufrufe für sich verbuchen konnte.

„Ich erinnere mich noch an die Zeit, als die Poker-Kategorie nur aus Jaime Staples und mir bestand“, erzählte Somerville blog.twitch.tv 2018. „Jetzt ist daraus eine riesige Community mit hunderten Streamern geworden, die rund um die Uhr unterhaltsamen Content produzieren. Als ich meinen Vertrag als Twitch-Partner unterzeichnet habe, war das Streamen von Poker ausdrücklich verboten! Es ist irre, dass nicht nur Twitch selbst, sondern die ganze Poker-Branche die Plattform schätzen gelernt haben. Und das ist noch längst nicht das Ende.“

Erfahren Sie mehr in unserem: Twitch-Poker-Guide – alles, was Sie wissen müssen

Wenn man im Jahr 2021 einen neuen Twitch-Poker-Stream sucht, hat man die Qual der Wahl. Lex Veldhuis ist aktuell der bekannteste Twitch-Streamer, aber auch Benjamin „Spraggy“ Spragg, Fintan „easywithaces“ Hand, Parker „Tonkaaaa“ Talbot, in Deutschland Felix „xflixx“ Schneider und unzählige andere Poker-Streamer haben ihre Anhänger.

Auf dem PokerStars-Twitch-Kanal kann man sich ein paar der größten Online-Poker-Turniere kommentiert anschauen. Das Beste: Die Hole Cards aller Spieler sind für den Zuschauer offen sichtbar. Jedes Jahr werden Streams zur WCOOP, SCOOP und anderen Turnier-Series live übertragen.

Nie war es lehrreicher und leichter, Poker-Turniere online zu schauen.

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