Saturday, 18th May 2024 07:03
Home / Umgang mit Höhen und Tiefen beim Low-Stakes-Poker

Eines der schwierigsten Dinge, mit denen man beim Pokern an Tischen mit niedrigen Einsätzen umgehen muss, ist die „Varianz“ – oder das ständige Auf und Ab. Es kann extrem frustrierend sein, immer wieder einen Schritt nach vorne zu machen und dann gleich wieder einen Schritt zurück – vor allem, wenn die Einsätze so niedrig sind.

Tatsache ist, dass die Low-Stakes-Games heutzutage nicht mehr so einfach zu spielen sind wie noch vor einigen Jahren. Also gehört diese Varianz für viele Spielerinnen und Spieler heute zum Pokeralltag.

In diesem Artikel versuchen wir zu erklären, wie du an den Low-Stakes-Tischen die Nerven behältst, wenn du einen schlechten Lauf hast. Außerdem werden wir dir zeigen, dass du viel mehr Kontrolle über deine eigene Varianz hast, als dir vielleicht bewusst ist. Und dazu wollen wir dir einige Möglichkeiten aufzeigen, wie du die Kontrolle übernehmen und daran arbeiten kannst, diese Schwankungen zu verringern.

„Manchmal hat man kein Glück – und dann kommt auch noch Pech dazu“

Es ist wichtig, sowohl deine guten als auch deine schlechten Phasen am Pokertisch aus der richtigen Perspektive zu betrachten. Beides ist nicht normal.

Wir neigen dazu, zu denken, dass dieses Spiel uns etwas schuldig ist – besonders wenn wir einen guten Lauf haben und unsere Asse zum Beispiel „endlich halten“. Leider stimmt das nicht: Wenn deine Asse immer gewinnen, ist auch das außerhalb der Norm. Denn eigentlich müssen sie gelegentlich verlieren – rein rechnerisch in etwa 20% der Fälle.

Du solltest nie vergessen, dass du beim Poker sowohl Phasen mit guter als auch mit schlechter Varianz haben wirst – und dass dieses Auf und Ab nie enden wird. Wenn du einen wirklich guten Lauf hast, wird das irgendwann durch eine Serie von Bad Beats korrigiert. Und natürlich ist auch das Gegenteil der Fall.

Poker mit Perspektive

Entscheidend ist jedoch, dass wir in diesem Spiel auf lange Sicht spielen. Wir spielen nicht über Tage oder Wochen, sondern über Monate oder Jahre. Nicht Hunderte oder Tausende von Händen, sondern Zehntausende und Hunderttausende von Händen.

Erst über diese Zeiträume und Stichprobengrößen beginnt sich die Varianz endlich abzuschwächen. Das bedeutet, dass der wichtigste Schlüssel zum Umgang mit den ständigen Höhen und Tiefen des Spiels darin besteht, zu erkennen, dass sie nur eine Illusion sind. Die Chancen werden sich ausgleichen und du wirst auf lange Sicht einen „normalen Lauf“ haben.

Mehr Hochs als Tiefs haben

Viele Pokerspielerinnen und Pokerspieler verstehen nicht, dass man beim Pokern die Kontrolle über seine eigene Varianz hat. Je höher die eigene Gewinnquote, desto weniger Abschwünge oder schlechte Phasen wird man erleben.

Manche Spieler sind dafür bekannt, dass sie Millionen von Händen Low-Stakes Online-Poker gespielt haben, mit verrückten Gewinnquoten von 20 BB/100 (Big Blinds pro 100 Hände) und sogar 30 BB/100. Weil die Gewinnquoten bei ihren Einsätzen so hoch waren und weil auch ihr Volumen so hoch war, erlebten diese Spieler nur äußerst selten einen Tag im Minus.

Es versteht sich von selbst, dass so etwas nicht geschehen wird, wenn du online mit höheren Einsätzen spielst, wo die Gewinnquoten viel niedriger sind. Und wenn du live spielst, ist es unmöglich, an einem Tag genug Hände zu spielen, um einen solchen Abschwung zu überstehen.

Aber ich hoffe, du hast es verstanden: Entgegen der landläufigen Meinung hast du die Kontrolle über deine eigene Varianz. Es gibt drei Möglichkeiten, dies zu erreichen.

Steigere dein relatives Skill-Level

Wie bereits erwähnt, hängt die Häufigkeit der Höhen und Tiefen, die du in diesem Spiel erleidest, direkt mit deiner Gewinnquote zusammen. Ein intensives Studium der Low-Stakes-Games und die Entdeckung oder Entwicklung besserer Strategien sind die ersten Schritte auf diesem Weg.

Dazu kommt die Nutzung von Lernhilfen wie Büchern, Artikeln, Trainingsseiten, Foren, Tracking-Programme und so weiter. Im Grunde genommen solltest du versuchen, der beste Spieler im Spiel (an den Low-Stakes-Tischen) zu werden – und dadurch an jedem dieser Tische von Anfang an einen Vorteil gegenüber allen Gegnern zu haben. Mit anderen Worten: Wenn du deine relative Spielstärke verbesserst, wirst du viel mehr Höhen als Tiefen erleben.

Schneller die langfristige Perspektive erreichen

Eine andere Möglichkeit, die Häufigkeit von Hochs und Tiefs zu verringern, besteht darin, einfach mehr zu spielen als alle anderen – also möglichst viele Hände an möglichst vielen Tischen zu absolvieren.

Auf diese Weise kommt man natürlich viel schneller als die meisten anderen in die „Phase der langfristigen Perspektive“. Das hat gleichzeitig den Vorteil, dass sich das eigene Können verbessert, weil man die gleichen Szenarien immer wieder sieht – und sein Spiel dementsprechend anpassen kann.

Es gibt einen Grund, warum die besten Pokerspieler fast immer am Pokertisch sitzen: Erfahrung ist in diesem Spiel ein sehr realer Mehrwert. Je mehr Hände du spielst, desto mehr wirst du lernen und dich verbessern.

Spiele gegen Spieler:innen, die deutlich schlechter sind als du

Die dritte und letzte Möglichkeit, die eigene Varianz zu verringern und mehr Höhen als Tiefen zu haben, besteht darin, gegen schwache Gegner zu spielen – und damit meine ich vorzugsweise gegen viel schwächere Gegner.

Die verrückten Gewinnraten, die manche Spieler in den Low Stakes online erzielen konnte, sind bei Spielen mit mittleren oder hohen Einsätzen nicht möglich, weil die meisten Spieler dort viel kompetenter sind und deutlich weniger Fehler machen.

Es geht aber nicht immer nur um die Stakes. Manchmal findest du ein wirklich einfaches Spiel an einem Tisch mit einem relativ hohen Limit – und gelegentlich ein schwieriges Game an einem Low-Limit-Tisch.

Für mich persönlich gilt: Wenn es nicht mindestens eine Person im Spiel gibt, die deutlich schlechter ist als ich, setze ich mich nicht an den Tisch. Dabei spielt es keine Rolle, wie hoch die Einsätze sind.

Im Endeffekt sind Können und Erfahrung eine solide Grundlage, die du für ein erfolgreiches Poker einfach brauchst – aber letztendlich ist Poker ein Spiel, bei dem Menschen gegen andere Menschen spielen. Wenn du nicht zumindest gegenüber einigen deiner Mitspieler:innen einen großen Vorteil hast, wirst du nie eine hohe Gewinnquote erzielen können.

Gedanken zum Abschluss

Das ständige Auf und Ab an den unteren Limits kann gelinde gesagt frustrierend sein. Die Einsätze (und Gewinne) sind nicht sehr groß, und es kann sich manchmal so anfühlen, als würdest du nicht weiterkommen.

Doch man sollte sich klarmachen, dass sowohl die guten als auch die schlechten Phasen am Ende nicht „echt“ sind, oder zumindest in einem realistischeren Kontext betrachtet werden sollten. Langfristig werden sich diese Phasen von selbst ausgleichen.

Außerdem hast du die Kontrolle über deine eigene Varianz. Du musst kein Sklave des ständigen Auf und Ab sein. Spieler:innen, die mehr Erfahrung haben, mehr Geld einsetzen und gegen schwächere Gegner spielen, erleben deutlich mehr Höhen als Tiefen.

Im Endeffekt ist Poker ein Spiel mit ständigen Schwankungen – und das muss auch so sein, sonst würden die schwächeren Spieler nicht immer wieder zurückkommen. Lerne, diese Schwankungen in Kauf zu nehmen, aber arbeite auch immer daran, deinen relativen Vorteil gegenüber deinen Gegnern zu verbessern, dann wirst du mehr profitieren.

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