Wednesday, 17th April 2024 08:31
Home / Was ist Tilt beim Pokern – und wie man Tilt vermeiden kann

Was ist Tilt beim Pokern? Eine Phase, in der man wild und unbesonnen spielt und sozusagen mit seinen Chips um sich wirft. Hier ist der ultimative Leitfaden zum Thema „Tilt und wie man es vermeiden kann“.

Selbst wenn du nicht so recht weißt, was „Tilt“ bedeutet, stehen die Chancen gut, dass du Tilt bereits erlebt hast. Gesetzt den Fall, dass du häufig Poker spielst.

Und glaub uns: Tilt ist etwas, das du in Zukunft auf jeden Fall vermeiden willst.

„Auf Tilt“ zu sein – beim Poker oder im Leben – ist kein erstrebenswerter Zustand. Tilt kann dich Geld kosten. Tild kann dich dein Glück kosten. Und es kann dich sogar deine Freundschaften kosten.

In diesem Artikel erklären wir dir, was Tilt beim Pokern ist, welche verschiedenen Arten von Tilt es gibt und wie du Tilt vermeiden kannst.

Was ist Tilt beim Pokern?


Wenn ein Pokerspieler „auf Tilt“ ist oder „tiltet“, bedeutet das, dass er seine Emotionen nicht mehr im Griff hat und anfängt, schlechte, wilde und unbesonnene Entscheidungen zu treffen – sowohl am Pokertisch als auch im Leben

Wenn du nicht gut spielst, bedeutet das noch lange nicht, dass du „auf Tilt“ bist. Es ist durchaus möglich, dass du als Spieler Wissenslücken hast, die dich dazu verleiten, eine Hand falsch zu spielen oder einen haarsträubenden Move zu machen, der nicht deinem Charakter entspricht und auf einem unbedachten Instinkt beruht.

Wenn wir also sagen, dass ein Spieler „auf Tilt“ ist, meinen wir fast immer eine emotionale Reaktion.

Tilt tritt immer dann auf, wenn unsere Emotionen unsere Entscheidungen negativ beeinflussen. Diese Definition umfasst auch Emotionen wie Hochstimmung oder Langeweile, die beide zu Fehlern und schlechtem Spiel führen können.

Am häufigsten tritt Tilt aber auf, wenn wir uns ärgern. Vielleicht hast du gerade bei einem All-in mit 90% Wahrscheinlichkeit vorn gelegen, bist aber von einem Suck-out geschlagen worden. Vielleicht liegt es aber auch am Spieler links von dir, der auf jedes Open Raise von dir mit einem Three-Bet antwortet.

Die gängigste und nützlichste Definition von Tilt lässt sich als Formel zusammenfassen:

TILT = ÄRGER + SCHLECHTES SPIEL

Diese Definition von Tilt stammt aus dem brillanten Buch „The Mental Game of Poker“ von Jared Tendler und Barry Carter. Es ist eine Pflichtlektüre für alle, die dem Tilt auf den Grund gehen wollen und wissen wollen, wie sie ihn überwinden können.

Einen Auszug aus „The Mental Game of Poker“ findest du hier (in englischer Sprache)

Sieben Arten von Tilt


Im Folgenden beschreiben wir kurz du die sieben Arten von Tilt, die Tendler in seinem Buch aufführt.

Injustice Tilt


Der „Ungerechtigkeits-Tilt“ tritt dann auf, wenn dein Ärger aus einem Gefühl der Ungerechtigkeit heraus entsteht – normalerweise nach einem Bad Beat, oder zwei oder drei Bad Beats hintereinander.

Noch schlimmer fühlt sich ein Suck-out am River an – oder jeder andere Fall, in dem du das Gefühl hast, dass du den Pot hättest gewinnen „müssen“.

Wenn du wichtige Coinflips verlierst von einem Cooler erwischt wirst, kann das auch dein Gefühl der Ungerechtigkeit auslösen: „Wenn ich in dieser Hand nur nicht König-Dame bekommen hätte … wäre ich am Finaltisch gewesen.“

In solchen entscheidenden Bad Beat-Momenten die Ruhe zu bewahren (oder sich sofort wieder zu beruhigen), ist oft leichter gesagt als getan.

Mistake Tilt


Wider besseres Wissen einen Fehler zu machen, kann sich noch schlimmer auf deine Emotionen beim Poker auswirken als ein Bad Beat.

In diesem Fall kannst du nichts und niemanden verantwortlich machen außer dich selbst.

Du hast deine Chance mit einem dummen Move vertan. Es ist ein frustrierendes Gefühl, wenn eine kurze Unaufmerksamkeit einen Fehler verursacht oder wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass eine weniger verheerende oder effektivere Spielweise möglich gewesen wäre.

Wenn deine Fehler eine wütende Reaktion auslösen, ist dein „Fehler-Tilt“ da: Weitere Fehler folgen, und der Teufelskreis beginnt sich zu drehen.

Dabei sollte deine Reaktion eigentlich eher entgegengesetzt sein: Fehler sind Teil des Lernprozesses – und das musst du unbedingt akzeptieren. Denn nur so kannst du dich verbessern.

Entwickle eine Routine, um deine Entscheidungen zu analysieren, wenn du nicht mehr am Tisch sitzt. Das kann dir helfen, deinen Ärger in den Griff zu bekommen und die Kontrolle zurückzugewinnen – oder zumindest aus deinen Fehlern zu lernen.

Revenge Tilt


Hin und wieder trifft man auf Spieler, die einem so richtig auf die Nerven gehen.

Vielleicht haben sie zu viele Straights am River getroffen. Deine Blinds das eine Mal zu oft gestohlen. Oder zu viele beleidigende Wurfgegenstände in deine Richtung geworfen.

Oder vielleicht kannst du einfach ihren Avatar nicht leiden.

Was auch immer der Grund ist: Du sollest nie aus Ärger und Frustration Jagd auf deinen „Erzfeind“ zu machen.

Nach profitablen Situationen Ausschau halten? Ja, unbedingt. Vor lauter „Rache-Tilt“ dumme Moves versuchen und dabei erst richtig Chips verschwenden? Nein, auf keinen Fall.

Such dir die Momente, in denen du kontern willst, sorgfältig aus und lass deine Gefühle gegenüber einem anderen Spieler nicht in deine Entscheidungen einfließen.

Hate-losing Tilt


Jeder Spieler will gewinnen – aber jeder Spieler sollte auch darauf gefasst sein, zu verlieren. Es ist eine Fähigkeit, die man lernen muss.

Du solltest dich mit Zuversicht und Kampfgeist an den Pokertisch setzen – und nicht bereits im Vorhinein mit einer Niederlage rechnen. Aber selbst die besten Pokerprofis verlieren mehr Spiele als sie gewinnen. Nur mit einem kleinen, entscheidenden Unterschied: Wenn sie gewinnen, machen sie ihre Verluste mehr als wett.

Wie auch immer: Verlieren ist natürlich ein offensichtlicher Auslöser für Tilt beim Pokern.

Ein paar Faktoren können dieses „Ich-hasse-verlieren-Tilt“ noch verstärken:

  • Die Partie, in der spielst, ist sehr wichtig für dich (vielleicht ein Main Event oder ein großes Turnier, für das du dich qualifiziert hast)
  • Du bist weit ins Turnier vorgedrungen stehst kurz vor einem großen Erfolg
  • Du scheidest an der Bubble eines Turniers aus (kurz vor den Preisgeldern oder vor einem großen Preissprung)
  • Du hast viele Partien hintereinander verloren

Es lässt sich leicht erkennen, wie sich diese Erscheinungsform von Tilt mit anderen Formen mischen kann, z.B. mit dem so genannten „Entitlement Tilt“ (Anspruchsdenken-Tilt), das weiter unten behandelt wird.

Am einfachsten vermeidest du das „Hate-losing Tilt“, indem du immer innerhalb deiner Bankroll spielst – und damit innerhalb deines psychologischen Limits bleibst. Wenn du nicht darauf vorbereitet bist, ein Spiel zu verlieren, kannst du auch nicht um den Sieg mitspielen. Um langfristig Erfolg zu haben, musst du in der Lage sein, kurzfristige Verluste zu verdauen.

Entitlement Tilt


Das „Anspruchsdenken-Tilt“ ist dem „Ich-hasse-verlieren-Tilt“ sehr ähnlich. Beim Entitlement Tilt setzt ein Anspruchsdenken ein, das dir das Gefühl gibt, du hättest den Sieg verdient.

Vielleicht glaubst du, dass du besser bist als der Rest deiner Gegner – und auf dem Papier mag das möglicherweise auch so sein.

Wenn du bei den Sit & Gos oder den Turnieren, für die du dich anmeldest, eine bestimmte Gewinnquote erwartest, ist die Chance groß, dass du dich ärgerst, wenn du diese „Winrate“ nicht erreichst.

Grundlegend für diese Denkweise ist der Glaube, dass einem der Sieg gewissermaßen gehört. Wenn du nicht gewinnst, hast du das Gefühl, als ob dir etwas weggenommen wurde. In diesem Fall gibt es keine einfache, schnelle Hilfe: Du musst lernen, dich mit den tatsächlichen Wahrscheinlichkeiten beim Poker abzufinden.

Desperation Tilt


Der Drang, dein Geld (oder deinen Stolz) zurückzugewinnen, kann dich dazu bringen, alle möglichen Fehler zu machen.

Diese negative Gefühlslage wird mit dem Begriff „Verzweiflungstilt“ umschrieben.

In dieser Abwärtsspirale willst du nicht feststecken. Es ist das Gleiche, als ob du Roulette spielst, ständig verlierst, aber immer wieder „noch eine Runde“ spielen willst.

Beim Poker kann das so aussehen:

  • Du erzwingst Action
  • Du machst zu grße Einsätze
  • Du gehst wütend ohne starke Hand All-in
  • Du spielst zu lange, obwohl du weißt, dass du aufhören solltest
  • Du spielst um höhere Einsatze oder schnellere (Fast Fold-)Spiele als gewöhnlich, in der Hoffnung auf schnellen Gewinn

Spiele immer verantwortungsbewusst und versuche nie, auf diese Weise Geld zurückzugewinnen. Am besten vermeidest du den Desperation Tilt, indem du nur um Geld spielst, das du verlieren kannst, und ein solides Bankroll-Management einhältst.

Running Bad Tilt

Dieses „Es-läuft-schlecht-Tilt“ wird durch eine Serie von schlechten Karten über einen längeren Zeitraum hinweg verursacht.

Manchmal kann es vorkommen, dass du keine Hände zum Spielen bekommst, alle deine Coinflips verlierst oder wochen- oder sogar monatelang nicht gewinnst.

Eine Pechsträhne ist eigentlich keine eigenständige Form von Tilt. Es ist eher eine Kombination aus anderen Tilt-Formen, die in schneller Folge oder über einen längeren Zeitraum auftreten.

Dein Verstand kommt mit dieser Pechsträhne nicht zurecht und kann sich vor dem nächsten Spiel oder der nächsten Session nicht mehr erholen – was zu einem langfristigen Tilt-Zustand führt, aus dem du nur schwer wieder herauskommst.

Diese Form von Tilt ist am häufigsten anzutreffen unter Profis und Langzeit-Pokergrindern. Bei Freizeitspielern, die Poker als Entertainment ansehen, kommt dieser Tilt seltener vor. Profis können wochen- oder monatelange Downswings erleben und müssen die mentale Stärke entwickeln, damit umzugehen.

Auswirkungen von Tilt


Die oben genannten Erscheinungsformen von Tilt gehen auf die Ursachen für die Emotionen und den Ärger ein, die zu schlechtem Pokerspiel führen. Aber die Auswirkungen auf die Spieler können je nach Spielertyp unterschiedlich sein.

Herauszufinden, wie du reagierst und wie sich dein Spiel verändert, wenn du wütend bist, ist ein guter Schritt, um deine Emotionen besser zu kontrollieren und Tilt zu vermeiden.

Tilt kann sich folgendermaßen bemerkbar machen

Du spielst zu loose

Manche bekannte Profis, wie Gus Hansen oder Lex Veldhuis, sind als „loose“ bekannt. Aber das ist etwas ganz Anderes, als beim Tilten mit Chips um sich zu werfen.

Da Tilt beim Poker meist mit Wut oder Ärger in Verbindung gebracht wird, ist ein übermäßig lockeres Spiel, bei dem man seine Chips förmlich wegwirft, eine der typischen Auswirkungen.

Du spielst zu tight

Für die Spieler, die beim Tilten eher zu loose spielen, mag dies widersinnig klingen, aber ein Bad Beat oder eigenen Fehler können auch dazu führen, dass man Angst hat, weitere Chips zu verlieren.

Im Grunde ist es nachvollziehbar: Du willst schließlich vermeiden, dass deine Gegner (oder deren Karten) wieder gegen dich gewinnen.

Aber wenn du zu tight spielst, wirst du lukrative Spots verpassen, kaum noch Gegenwert für deine Gewinnhände bekommen, deine Chips passiv wegcallen oder einfach zulassen, dass die Blinds deinen Stack auffressen.

Fancy-Play-Syndrom

Das „Fancy-Play-Syndrom“ bedeutet, dass du anfängst, zu viel nachzudenken, zu kompliziert zu spielen und deine Pokerhände zu überspielen.

Was auch immer deinen Ärger ausgelöst hat: Du willst dich beweisen und versuchst jede noch so ausgefallene Setzlinie, um das zu erreichen.

Es gibt nur ein Problem dabei: Du triffst andere Entscheidungen als die, die du normalerweise machen würdest. Ärger und Tilt haben die Kontrolle über deine Reaktionen übernommen.

Gerade hast du noch solide und vorausschauend gespielt. Jetzt planst du Bluffs gegen Spieler, die niemals folden. Und eine Sekunde später bist du aus dem Turnier ausgeschieden.

Wenn du dich wirklich wütend fühlst, und dein Spiel von deinen Emotionen beeinflusst werden könnte, gibt es ein kurzfristiges Gegenmittel gegen das „Fancy-Play-Syndrom“: Du spielst die nächsten Hände langweilig und vorhersehbar – so lange, bis du dich wieder gefangen hast.

Wie man Tilt vermeidet

Wer Tilt vermeiden will, muss lernen, den eigenen Ärger oder die eigene Wut zu zähmen und darf nicht zulassen, dass diese Gefühle Entscheidungen beeinflussen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan – und lässt sich auch nicht über Nacht erreichen.

Die Session langsamer zu spielen oder zu beenden, wirkt dem Ärger entgegen und begrenzt den Schaden, den Tilt anrichten kann. Das ist eine kluge Strategie, bis du in der Lage bist, deine Emotionen unter Kontrolle zu behalten – aber der Ausstieg ist kein Heilmittel und auch die Idee eines „Neuanfangs“ am nächsten Tag ist ein Mythos.

Pausen zu machen oder aufzuhören ist eine sehr gute Idee, wenn dich deine Emotionen übermannen, aber langfristig musst du Ursachenforschung betreiben und lernen, deinen Ärger zu kontrollieren.

Das beginnt damit, dass du dir über dein „Tilt-Profil“ Gedanken machst:

  • Was bringt dich zum Tilten?
  • Wie reagieren dein Körper und dein Geist auf Tilt?
  • Wann verlierst du die Kontrolle und lässt dich von deinen Gefühlen leiten?
  • Wie gehst du im Augenblick mit solchen Situationen um?

Die Antworten auf diese Fragen helfen dir zu verstehen, wie Tilt dich als Person und als Spieler beeinflusst. Dieser Ansatz ist allen schnellen Lösungen weit überlegen, die die Ursachen nicht bekämpfen.

Wissen ist ein weiteres Mittel, um Tilt beim Pokern zu überwinden – Wissen über die Spielabläufe und die statistische Varianz beim Pokern sowie die Erkenntnis, dass sich nicht alles so entwickelt, wie du es erwartest, selbst wenn die Chancen zu deinen Gunsten stehen.

Letztlich ist der Ausbildung deiner mentalen Stärke eine ebenso große Herausforderung wie das Erlernen verschiedener Strategien beim Poker. Dafür musst du dir einfach Zeit nehmen und daran arbeiten.

Wir empfehlen dir, weitere Artikel zum Thema zu lesen, dir Videos anzuschauen, Foren zu besuchen und all dieses Wissen mit einem guten Verständnis für deine eigenen Tilt-Auslöser und Reaktionen zu kombinieren. Damit schaffst du dir eine gute Grundlage, um Tilt langfristig zu vermeiden.

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Zum Weiterlesen: Häufige Fehler beim Poker – und wie man sie korrigiert

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