Saturday, 18th May 2024 07:40
Home / Der Hijack beim Poker – das Spiel an sich reißen

Wenn du dich zum ersten Mal an einen Pokertisch setzt, achtest du wahrscheinlich nicht besonders darauf, welchen Platz du bekommst. Wahrscheinlich hat man dir den Platz entweder zufällig zugewiesen oder du hast ihn dir ausgesucht, weil du nicht neben dem Spieler mit dem üblen Körpergeruch sitzen wolltest (wer kennt das nicht?).

Und so lange keine Karten ausgeteilt werden, ist deine Position am Tisch auch nicht besonders wichtig. Bei einem No Limit Hold’em-Turnier mit mehreren Tischen oder bei einem Sit & Go-Format mit nur einem Tisch, wie du es wahrscheinlich aus deinen Homegames kennst, beginnen alle mit der gleichen Menge an Chips, jeder bekommt zwei Karten und jeder wechselt sich als Dealer ab.

In Wirklichkeit ist dein Platz am Tisch – und die Position, in der du dich während einer Hand befindest – beim Poker sehr wichtig und sollte theoretisch die Art und Weise beeinflussen, wie du von dieser Position aus spielst.

In diesem Artikel werden wir einen Blick auf die besondere Position am Pokertisch werfen, die man allgemein als „Hijack“ kennt, und über ihre Vor- und Nachteile sprechen.

Was ist der Hijack beim Poker?

An einem klassischen Pokertisch gibt es neun verschiedene Positionen. Diese sind:

Small Blind
Big Blind
Under the gun (UTG)
UTG+1
Mittlere Position
Lojack
Hijack
Cut-off
Dealer (auch bekannt als Button)

Die Positionen am Pokertisch

Wie du siehst, ist der Hijack die drittletzte Position in unserer Liste. Damit sitzt der Hijack in der Nähe der „späten Positionen“, ist also einer der letzten Spieler, die vor dem Flop bzw. (in späteren Runden) nach dem Flop handeln.

Der Hijack sitzt hinter dem „Lojack“ und vor dem „Cut-off“ – und damit zwei Plätze rechts vom Spieler mit dem Dealerbutton.

Um mehr über diese Pokerpositionen zu erfahren, lies dir bitte unsere Artikel über den Cut-off, den Dealerbutton und andere durch.

Warum spricht man von Hijack?

Um zu verstehen, warum diese Position „Hijack“ genannt wird, müssen wir zunächst über den Cut-off sprechen.

Der Cut-off ist die Position direkt rechts vom Dealer. Das bedeutet, dass der Cut-off (abgesehen von dem Spieler, der den Dealerbutton vor sich hat) immer als Letzter handelt- egal ob vor oder nach dem Flop, falls er sich entscheidet, das Blatt zu spielen.

Dies bringt enorme Vorteile mit sich: Je später ein Spieler handeln kann, desto mehr Informationen hat er. Schließlich kann er sehen, was die meisten seiner Gegner tun, bevor er selbst an der Reihe ist. Ein Beispiel: Wenn du am Cut-off sitzt und feststellst, dass viele Spieler vor dir erhöhen oder ein „Three-Bet“ platzieren (d.h. den ursprünglichen Raiser erhöhen), könntest du dich dazu entscheiden, eine Starthand zu folden, mit der du sonst selbst erhöhen oder callen würdest.

Wenn du aber im Cut-off an der Reihe bist und alle anderen vor dir gefoldet haben, kannst du mit einer breiteren „Range“ (d.h. einer größeren Anzahl von Starthänden) eröffnen. Schließlich dürfen jetzt nur noch drei Spieler nach dir handeln: der Dealer, der Small Blind und der Big Blind.

In diesem Fall hast du als Cut-off die Möglichkeit, zu erhöhen und möglicherweise die Blinds zu gewinnen, bevor es der Button tut – mit so wenigen Spielern nach dir hast du eine gute Chance, erfolgreich zu sein.

Selbst wenn du mit einem durchschnittlichen Blatt vom Cut-off aus ein Open-Raise machst und einer der Spieler in den Blinds dich callt, bist du in den Runden nach dem Flop nach ihm an der Reihe. Poker ist ein Spiel der unvollständigen Informationen. Wenn du also sehen kannst, wie dein Gegner agiert, bevor du an der Reihe bist, hast du automatisch einen Vorteil.

Der Cut-off und der Button sind also sehr starke Positionen am Pokertisch. Wäre es dann nicht großartig, ihnen diese Macht zu stehlen und sie an sich zu reißen?

Genau aus diesem Grund bezeichnet man den Platz rechts vom Cut-off als „Hijack“. Das Langenscheidt Wörterbuch Englisch-Deutsch übersetzt das Wort „Hijack“ mit „entführen, an sich reißen, stehlen, berauben“ – und genau so hat ein Spieler auf der Hijack-Position die Chance, dem Cut-off und dem Button ihren Positionsvorteil wegzunehmen.

Wie sollte man am Hijack spielen?


Deine Strategie auf der Hijack-Position hängt von einigen Faktoren ab.

Als Erstes solltest du dir die Action ins Gedächtnis rufen, die während der Hand bereits stattgefunden hat. Wie bereits erwähnt, kannst du davon ausgehen, dass es vor dir einige starke Starthände am Tisch gibt, wenn bereits mehrere Spieler vor dir gesetzt oder erhöht haben. In so einem Fall solltest du auf Nummer sicher gehen und alle mittelmäßigen Starthände wegwerfen.

Wenn aber zu dir gefoldet worden ist, oder wenn nur ein Spieler ein Raise gebracht hat, solltest du von allen späten Positionen aus aggressiv spielen – und das gilt auch für den Hijack, da du oft den Positionsvorteil hast, wenn es zum Flop kommt.

Es gibt keine exakte Methode, wie man vom Hijack aus spielen sollte, aber hier folgen einige Beispiele für verschiedene Spielsituationen:

Wenn es bereits viel Action gegeben hat, bevor du an der Reihe bist:

Passe deine durchschnittlichen Starthände und spiele nur mit deinen stärksten Händen weiter.

Wenn es vor dir nur einen Raise gegeben hat:

Spiele auf jeden Fall mit deinen stärksten Starthänden weiter, aber versuche gelegentlich einige Bluff-Raises mit mittelmäßigen Händen. Damit übst du Druck auf den früheren Raiser aus, und selbst wenn dieser mitgeht, hast du beim Flop einen Positionsvorteil.

Wenn es keine Action gegeben hat:

Erweitere die Auswahl deiner möglichen Starthände – und bring häufiger einen Raise, da du so möglicherweise die Blinds und Antes direkt gewinnen kannst, ohne den Flop zu sehen.

Wenn du ein Open-Raise bringst, aber der Button, der Small Blind oder der Big Blind ihrerseits erhöhen:

Es liegt an dir zu entscheiden, ob dein Blatt stark genug ist, um weiterzumachen. Aber denk daran: Wenn ein Spieler aus den Blinds erhöht und der Button gefoldet hat, bist du nach dem Flop garantiert in Position, handelst also nach den Spielern in den Blinds.

Raise, Call oder Fold – alles eine Frage der Position

Wie sollte man gegen den Hijack spielen?

Da der Hijack zu den späten Position gehört, in denen eine aggressive Spielweise angeraten ist, hat dies Auswirkungen auf die Art und Weise, wie man von anderen Positionen aus gegen den Hijack spielen sollte.

Wenn dir zum Beispiel auffällt, dass der Hijack häufig Three-Bets bringt, und du glaubst, dass er damit versucht, die Spieler in den früheren Positionen unter Druck zu setzen, solltest du den Spieß umdrehen, indem du aggressiver gegen seine Erhöhungen spielst – und damit seinerseits Druck auf ihn ausübst.

Sitzt du dagegen im Cutoff, am Button, im Small Blind oder im Big Blind, weißt du jetzt, dass der Hijack wahrscheinlich eine große Bandbreite an Starthänden spielt, um die Blinds und Antes zu „stehlen“. Also kannst du deine eigene Auswahl an Starthänden erweitern und so die Aggression erwidern.

Aber vergiss nicht: Wenn du dich entscheidest, von den Blinds aus vor dem Flop gegen den Hijack zu raisen, solltest du einen größeren Einsatz wählen, als du normalerweise raisen würdest. Der Grund dafür ist, dass du nach dem Flop nicht mehr in Position bist – also als Erster handeln musst, wenn dein Gegner deinen Raise callt. Wenn du also raist, solltest du den Einsatz deutlich erhöhen und es so für deinen Gegner im Hijack weniger attraktiv machen, mitzugehen und einen Flop mit einer durchschnittlichen Starthand zu sehen.

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Spiele verantwortungsbewusst! Für weitere Informationen zum verantwortungsbewussten Spielen besuche unsere Webseite: https://www.pokerstars.de/about/responsible-gaming/#over18

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Zum Weiterlesen: Der Cut-off beim Poker

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