Beim Main Event der World Series of Poker (WSOP) beendete Leo Margets im Juli 2025 eine drei Jahrzehnte währende Durststrecke. Die spanische Profispielerin war die erste Frau seit der Hall of Famerin Barbara Enright im Jahr 1995, die den Finaltisch des legendären $10.000 WSOP Main Events erreichte. Margets kämpfte sich unter den Augen der gesamten Pokerwelt durch ein Turnierfeld von 9.375 Teilnehmer:innen, belegte Platz sieben und verließ Las Vegas mit satten 1,5 Millionen Dollar.
Ihre Finaltisch-Teilnahme schlug hohe Wellen in der gesamten Pokerlandschaft. Und immer wieder war damit auch die Hoffnung verbunden, dass mit diesem Erfolg auch eine ganz neue Welle von Frauen ins Live-Poker einsteigen wollen.
Leo Margets
Neuentwicklung – oder nicht?
Ich würde an dieser Stelle anders argumentieren. Leo Margets‘ Erfolg ist nicht der Anfang einer neuen Entwicklung im Poker, sondern Ausdruck einer Entwicklung, die längst stattfindet – langsam, aber unaufhaltsam. Zwar sind Männer bei Live-Turnieren immer noch deutlich in der Mehrzahl, aber man sieht immer mehr Frauen an den Turniertischen. Und sie sind erfolgreich – nicht nur mit ihren Ergebnissen, sondern auch mit ihrem Selbstbewusstsein und ihrem Gemeinschaftsgefühl.
Schließlich geht es beim Poker nicht nur darum, seine Gegner zu lesen, Bluffs zu spielen und riesige Summen zu gewinnen. Es ist ein unkonventionelles, aber äußerst effektives Mittel, um Selbstvertrauen aufzubauen und Lebenskompetenzen zu entwickeln, die weit über den Pokertisch hinausgehen. Es ist ein Workshop in Resilienz und Entscheidungsfindung, den immer mehr Frauen gerne besuchen. Nicht nur, um zu gewinnen, sondern um zu wachsen.
Immer mehr Frauen lernen Poker und die dazugehörigen Strategien und gewinnen dabei Stärke und Selbstvertrauen – sowohl am Live-Pokertisch als auch innerhalb der Pokerszene. In gewisser Weise verändern sie das Spiel.
Poker im Wandel?
Poker galt seit seinen Anfangszeiten als „Männersache“. Wenn man jemanden auf der Straße fragte, was ihm zum Stichwort „Poker” einfiel, kamen unweigerlich Antworten, die mit Männern mit ausdruckslosen Gesichtern, Zigarren und Zigaretten, Bier und Whiskey in Hinterzimmern zu tun hatten.
Von einer solchen Umgebung würden sich selbst die hartgesottensten Spieler der heutigen Zeit einschüchtern lassen. Aber davon ist das Spiel im Jahr 2025 weit entfernt. Poker ist heute – sowohl online als auch live – ein lizensiertes, reguliertes und von sozialen Medien und Kameras auf Schritt und Tritt begleitetes Spiel, bei dem Wissen und Können und Ausdauer deutlich mehr Erfolg bringen als Trinkfestigkeit oder Tabakkonsum. In dieser „neuen Welt“ mögen die Männer zwar immer noch die meisten Erfolge verbuchen, aber die Zahlen weisen auf einen anderen Trend.
Pokerspielerinnen bei PokerStars
Allein bei PokerStars ist ein bemerkenswerter Anstieg der weiblichen Teilnahme an den Veranstaltungen weltweit zu finden. In den letzten zwei Jahren stiegen die Teilnahmezahlen bei Live-Turnieren nur für Frauen um 49 %, wobei einige Veranstaltungen ein dreistelliges Wachstum verzeichneten. Bei den Irish Open 2024 stieg die Teilnahme von Frauen im Vergleich zu 2023 um 116 %, und in diesem Jahr um weitere 20 %. Die North American Poker Tour (NAPT) in Las Vegas verzeichnete einen Anstieg von 94 %. Und die Veranstaltungen der European Poker Tour (EPT) in Prag, Zypern und Barcelona konnten durchweg zweistellige Zuwächse an Pokerspielerinnen verbuchen.
PokerStars Women’s Winter Festival 2024 in London
Bei den offenen/gemischten Events stieg die Zahl der Teilnehmerinnen bei der EPT Prag 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 40 %. Und die Anzahl der Spielerinnen bei der EPT Monte Carlo nahm in diesem Jahr um fast 19 % zu.
Die Antwort auf die Frage nach dieser Entwicklung liegt in den lokalen Cardrooms, Kasinos und Social-Media-Communitys. Poker-Communitys mit und für Frauen bieten inwzischen Trainings-Sessions und Unterstützungsnetzwerke in einer viel einladenderen Umgebung als je zuvor. Und das sorgt zum Beispiel dafür, dass deutschsprachige Poker-Communitys wie GRNDpoker bei ihren Live-Pokernächten die ersten Siegerinnen feiern können. (Glückwunsch an „MuffinLotte“!)
Unterstützung statt Konkurrenz
Auf internationaler Ebene erfolgreich ist „Ladies that poker at the Hippodrome” unter der Leitung von Kerryjane Craigie, der PokerStars-Botschafterin für Frauen im Poker.
Kerryjane Craigie
„Es gibt schwierige Momente am Pokertisch, wenn sich jemand in der Minderheit fühlt – nicht nur aufgrund des Geschlechts. Aber das sollte eigentlich der Vergangenheit angehören”, meint Craigie. „Ich kann bestätigen, dass ich einige Teilnehmerinnen in unserer Gruppe habe, die es einschüchternd finden, gegen Männer zu spielen. Wir haben gemeinsam absolute Neulinge in die Welt des Pokers eingeführt. Und wir unterstützen sie bei ihren ersten großen Turnieren wie stolze Eltern.”
Die von Kerryjane Craigie veranstalteten Turniere, wie etwas das kommende PokerStars Women’s Summer Festival, das vom 12. bis 17. August 2025 in London stattfindet, haben sich seit ihrer Premiere als echte Hits erwiesen. So war das Women’s Winter Festival 2024 das größte Frauen-Poker-Event außerhalb von Las Vegas (und das bisher größte in Europa).
Dazu kommt, dass diese Turniere etwas mehr tun, als nur Poker-Events zu veranstalten. So bietet das kommende PokerStars Women’s Summer Festival in London Mentoring und Workshops rund ums Pokern an. Und dazu kommen günstige Satellites für die Live-Qualifikation.
Ausdruck einer langjährigen Entwicklung
Aber wie oben schon gesagt: Was wir heute in ansteigenden Spielerinnenzahlen sehen, ist auch Ausdruck einer langjährigen Entwicklung. Denn wer nach Vorbildern für erfolgreiche Frauen im Poker sucht, der wird inzwischen weltweit fündig. Hier sind nur ein paar Namen und Erfolge aus der Pokerszene (angefangen mit zwei deutschen Namen):
Katja Thater – Poker-Weltmeisterin im Seven Card Razz bei der WSOP 2007
Sandra Naujoks – Gewinnerin der EPT Dortmund 2009
Maria Lampropulos – Gewinnerin des PokerStars Caribbean Adventure (PCA) 2018 und der PartyPoker Millions. Über $3,8 Millionen Turnierpreisgelder im Verlauf ihrer bisherigen Karriere
Maria Lampropulos
Victoria „Vicky“ Coren-Mitchell – Mitglied der „Women in Poker Hall of Fame“, erste zweifache EPT Main Event-Gewinnerin (London 2006, Sanremo 2014). Über $2,5 Millionen Turnierpreisgelder im Verlauf ihrer bisherigen Karriere
Leo Margets – Platz Sieben beim $10.000 NLHE WSOP Main Event 2025. Über $3,5 Millionen Turnierpreisgelder im Verlauf ihrer bisherigen Karriere
Jennifer Harman – Mitglied der „Poker Hall of Fame“ seit 2015, zwei WSOP-Bracelets. Rund $2,8 Millionen Turnierpreisgelder im Verlauf ihrer bisherigen Karriere
Ganz zu schweigen von Barbara Enright, Kathy Liebert, Liv Boeree, Vanessa Selbst, Maria Ho und vielen, vielen anderen Spielerinnen, die dem Spiel im Verlauf der Zeit ihren Stempel aufgedrückt haben – und weiterhin aufdrücken werden.
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