Die European Poker Tour (EPT) feiert diese Woche in Tschechien still und leise einen wichtigen Meilenstein.
Das Festival hier in Prag ist die 150. EPT. Seit den bescheidenen Anfängen in Barcelona im Jahr 2004 hat die Tour einen langen Weg zurückgelegt.
Aber warum feiern wir das nicht mit einer Riesenparty? Warum lassen wir nicht die Korken knallen und hauen richtig auf den Putz?
Kurz gesagt: Das Ganze ist kompliziert – denn es hängt damit zusammen, wie wir die EPTs gezählt haben.
Die ausführliche Antwort (auf die wir weiter unten näher eingehen) berücksichtigt alle möglichen Aspekte, darunter Reisen über Kontinentgrenzen hinweg, die COVID-19-Pandemie und ein Jahr, in dem die EPT eigentlich gar nicht die European Poker Tour war.
All das macht es nicht gerade einfach, EPT-Events zu zählen. Und das sorgt dafür, dass wir lieber in aller Ruhe feiern.
Aber hier folgt die offizielle Begründung dafür, dass in Prag 2025 die 150. EPT stattfindet.
Eine Saison nach der anderen … oder?
In den Anfängen der European Poker Tour wurden die Turniere in Saisons unterteilt, und jede Saison endete mit dem Grand Final in Monte Carlo. Also begann eine Saison in der Regel im Spätsommer in Barcelona und endete im März in Monaco.
Mit geringen Abweichungen und verschiedenen neuen Stationen im Kalender blieb dieses Format zwölfeinhalb Jahre lang – also zwölfeinhalb Saisons – bestehen.
2014 feierte die EPT feierte in Barcelona ihr 100. Event (das Eröffnungs-Event der Saison 11), und einschließlich Prag 2016 wurden 115 EPT Main Events ausgespielt. Aber dann änderte sich die Lage …
Alexander Stevic – erster EPT-Champion
Die EPT wird Weltmarke
In den Anfangsjahren war die EPT als eine ganz auf Europa konzentrierte Pokertour gedacht, ähnlich wie bestimmte Touren in den USA. (Obwohl das „W” sowohl in WPT als auch in WSOP für „World” stand – wie in World Poker Tour und World Series of Poker –, fanden diese Touren nur in den USA statt.)
Im Jahr 2008 machte PokerStars jedoch das unglaublich beliebte PokerStars Caribbean Adventure (PCA) zur offiziellen Station der EPT. Obwohl niemand wirklich vorschlug, die Bahamas zu einem Teil Europas zu machen, ergab die Aufnahme des PCA in den EPT-Tourkalender durchaus einen Sinn.
Im Jahr 2016 gab es eine weitere Idee, mit ähnlicher Ausrichtung. Da auch die Asia Pacific Poker Tour (APPT) und die Latin America Poker Tour (LAPT) boomten, schlug das damalige Live-Event-Team von PokerStars eine neue weltweite Tour vor.
Die EPT sollte darin aufgehen, und wurde so Teil der PokerStars Championship, wobei Festivals nun auch in Macau, Panama und Sotschi sowie in Barcelona, Prag und Monte Carlo stattfanden.
Das „letzte” reine Event der European Poker Tour fand im Dezember 2016 in Prag statt, wobei Jasper Meijer van Putten der letzte EPT-Champion wurde. In einer emotionalen Präsentation auf der Bühne würdigte James Hartigan die EPT, während wir uns alle von einem alten Favoriten verabschiedeten.
Einschließlich neun PCAs hatte die EPT 115 Events gehabt – und damit war das Ende gekommen.
Auf Wiedersehen, EPT!
Nicht so hastig …
Die PokerStars Championship machte richtig Spaß. Das PokerStars Live Events-Team und die Spieler:innen genossen die Stationen in Panama, Macau und Russland sehr, zusätzlich zu unseren bekannten Lieblingsreisen nach Paradise Island, in den Salle des Etoiles nach Monaco, nach Barcelona und Prag.
Aber dann zeigte sich, dass das Konzept nicht ganz so gut einschlug wie die EPT eingeschlagen war. Die Teilnehmerzahlen waren im Vergleich zu den entsprechenden EPT-Veranstaltungen rückläufig, und irgendetwas fühlte sich nicht richtig an …
Also kehrte die EPT 2018 in den Tourkalender zurück – auf vielfachen Wunsch. Ab jetzt gab es zwar keine Saisons mehr, aber viele der alten Favoriten waren wieder dabei. Es bestand kein Zweifel, dass unsere neuen Reisen nach Barcelona, Monte Carlo, Prag usw. die Gesamtzahl der veranstalteten EPT-Events erhöhen würden. Aber was war mit den PokerStars Championship-Events? Konnte man diese auch als EPTs zählen?
Darauf kommen wir später noch …
Eine neue Ära des Live-Pokers … oder so
Es wird kompliziert: Die Welt macht dicht
Es gab viele Dinge, die während einer Pandemie gestoppt werden mussten. Und Live-Pokerturniere, bei denen Tausenden von Menschen Schulter an Schulter in einem einzigen Raum hockten, waren auf dieser Liste ganz weit oben.
Und so legte die COVID-19-Pandemie nicht nur ganze Länder lahm, sondern brachte eben auch die EPT, wie wir sie kannten, zum Stillstand.
Aber PokerStars ist natürlich in erster Linie ein Online-Pokerraum. Und genau wie das Lernen an der Uni, geschäftliche Meetings und peinliche erste Dates ins Internet verlagert wurden, war es eine ziemlich einfache Entscheidung, die EPT online stattfinden zu lassen.
Zwar durften Spieler aus bestimmten Ländern nicht mitspielen, aber viele andere schon. Die EPT Online-Festivals im November 2020 und Dezember 2021 zogen 1.304 bzw. 402 Teilnehmer:innen an.
Das Bemerkenswerteste daran war, dass der Schwede „WhatIfGod” beide Events gewann.
Waren dies offizielle EPT Main Events? Konnten sie in die Wertung aufgenommen werden? Die Antwort bereitete ziemliches Kopfzerbrechen, aber beide Events erfüllten so ziemlich alle Kriterien. Also wurden die beiden Events mitgezählt.
Das machte aus „WhatIfGod“ (der später als Anton Bergstrom identifiziert wurde) sozusagen über Nacht einen zweifachen EPT-Champion.
Anton Bergstrom ist „WhatIfGod“ – und zweifacher EPT-Champion
Rechnen wir mal nach
Im März 2022 kehrte die European Poker Tour an die Live-Tische zurück. Und seitdem ist sie wieder ein fester Bestandteil im internationalen Pokerkalender (toi, toi, toi). Heutzutage gibt es – wieder mit leichten Abweichungen – fünf EPT-Events pro Jahr, darunter Barcelona im August, Monte Carlo im März und Prag im Dezember.
Also konnten wir wieder ganz normal EPT-Events zählen.
Allerdings war es nicht ganz einfach zu entscheiden, welche Events aus der Zeit der „EPT-Weltreisen“ als EPTs mitgezählt werden durften.
Die EPT kehrte 2022 an die Live-Tische zurück – mit Masken
Nach langem Hin und Her hinter den Kulissen, wo darüber diskutiert wurde, ob wir alle PCAs, die PokerStars Championships und die EPT Online mitzählen sollen, haben die Pokermanager bei PokerStars Folgendes entschieden:
- Alle Events, die von 2004 bis 2016 (115 Events) und von 2018 bis heute (30 vor Prag 2025) als offizielle EPTs gelten, werden gezählt. Dazu gehören auch die beiden EPT Online Main Events 2020 und 2021.
- Außerdem sind alle PCAs von 2008 bis 2016 dabei, die offiziell als EPT-Events anerkannt wurden.
- PokerStars Championship Events, die an bekannten europäischen Orten stattfanden, werden rückwirkend als EPT-Events gewertet. Das sind die PokerStars Championships in Monte Carlo, Sotschi, Barcelona und Prag – also vier Events. (ACHTUNG: Die PokerStars Championship-Events in Macau, Panama oder auf den Bahamas sind NICHT dabei.)
Damit kommen wir insgesamt auf 149 EPTs. Und das kann nur eines bedeuten Die EPT Prag 2025 ist OFFIZIELL das 150. EPT Main Event.
Aber egal ob kompliziert oder nicht: Die EPT ist offiziell 150. Herzlichen Glückwunsch, und auf die nächsten 150 ….
Mehr zur EPT
Alles zur EPT Prag 2025
EPT Prag – Informationsportal
EPT Prag – die großen Momente
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