Thursday, 23rd May 2024 13:01
Home / Berühmte Poker-Nicknames – gestern und heute

In den „guten alten Zeiten“ war man erst dann ein Pokerspieler, wenn man einen „Nickname“ hatte – eine Sitte, die die reisenden Pokerprofis in den USA scheinbar von den alten Revolverhelden übernommen hatten. Schließlich verdienten auch sie sich einen einprägsamen Spitznamen, weil sie über die Staatsgrenzen hinweg Angst und Schrecken verbreiteten.

Während es im Wilde Westen eine lange Liste von Bills gab – „Billy the Kid“, „Wild Bill“ Hickok und „Buffalo Bill“, um nur drei zu nennen – waren die Pokertische in und um Texas das Revier von Walter „Puggy“ Pearson, Jack „Treetop“ Straus und Doyle „Texas Dolly“ Brunson, während kurze Zeit später Brian „Sailor“ Roberts und Thomas „Amarillo Slim“ Preston dazu kamen. Stu „The Kid“ Ungar machte sich ein paar Jahre einen (Spitz)Namen, der deutlich von einem babygesichtigen Attentäter aus einer früheren Ära inspiriert war.

Damals, in der Frühzeit des organisierten Pokers (etwa 100 Jahre nach der Blütezeit des amerikanischen Westens), führte die World Series of Poker die Idee großer Pokerturniere ein, und ein Spitzname hatte in der Regel etwas mit der Heimatstadt, dem Beruf oder dem Aussehen des Trägers (oder der Trägerin) zu tun. Aber seit Poker zu einem globalen Sport geworden ist und im Internet von Millionen von Menschen gespielt wird, ist es genauso wahrscheinlich, dass die Leute jemandem unter seinem Online-Nickname kennen, bevor sie wissen, was auf dessen Geburtsurkunde steht oder woher er kommt.

Hier folgt ein Blick auf einige der berühmtesten Spitznamen im Poker, die die gesamte Geschichte des organisierten Spiels umfassen. Einige Spitznamen ergeben absolut Sinn. Einige folgen den Regeln der alten Zeiten. Und manche sind einfach nur skurril.

Woher kommst du?

„Minneapolis“ Jim Meehan – ein Spitzname der alten Schule

Wenn einem keine andere Möglichkeit einfällt, Pokerspieler*innen voneinander zu unterscheiden, ist es einfach sinnvoll, sie nach ihrem Heimatland, Bundesstaat oder ihrer Stadt zu benennen. Mittlerweile kann man anhand von Poker-Nicknames eine Reise durch ganz Nordamerika: von Paul „Eskimo“ Clark aus Alaska und „Yukon“ Brad Booth im hohen Norden Kanadas über „Minneapolis“ Jim Meehan, Tom „Grand Rapids“ McEvoy und „Akron“ John Francis bis hin zu „Oklahoma“ Johnny Hale, „Miami“ John Cernuto, Howard „Tahoe“ Andrew und „Hollywood“ Frank Henderson.

Natürlich ist Texas die Heimat der meisten legendären Roadgamblers der alten Schule, und sowohl Thomas „Amarillo Slim“ Preston als auch Doyle „Texas Dolly“ Brunson haben Namen, die ihre Herkunft aus dem Lone Star State repräsentieren.

„Spiele nie Poker oder Pool gegen jemanden mit dem Namen einer Stadt oder eines Landes.“
(Mein Vater)


Wenn du von außerhalb der Vereinigten Staaten kommst und versuchst, mit deinem komischen Akzent und deinen seltsamen Eigenheiten an den Pokertischen von New York bis Los Angeles akzeptiert zu werden, musst du damit rechnen, dass man dich mit deinem Heimatland identifiziert. Frag einfach Marcel „The Flying Dutchman“ Luske, Gus „The Great Dane“ Hansen und Patrik Antonius, der zu Beginn seiner Karriere einfach als „The Finn“ bekannt war. Zu diesem Zeitpunkt war „Nick The Greek“ Dandalos bereits tot, während „Jimmy The Greek“ Snyder immer noch Pokerpartien im Fernsehen kommentierte.

Gus „The Great Dane“ Hansen

Wie spielst du – und wie verhältst du dich am Tisch?

Mindestens eben so viele Spitznamen von Pokerspieler*innen beziehen sich auf ihr Verhalten am Tisch, ihre Heldentaten oder ihren Pokerstil. An erster Stelle fällt einem dazu natürlich der WSOP-Seriensieger Phil „The Poker Brat“ Hellmuth ein, der sich seit Mitte der 1980er Jahre immer wieder wie ein verwöhntes Kind am Pokertisch aufführt. Dann wünscht man sich doch lieber Jack „Gentleman“ Keller oder Liam „The Gentleman“ Flood als Tischnachbarn. David „Chip“ Reese, Layne „Back-to-back“ Flack und Men „The Master“ Nguyen leiten ihre Spitznamen von ihren Heldentaten am Tisch ab, und die Namen von Ian „The Raiser“ Frazer und „Action Dan“ Harrington sprechen für sich selbst – auch wenn Dan Harringtons Nickname nicht ohne gewisse Ironie ist.

Wer benutzt Spitznamen heute noch?

Der Pokerboom Mitte der 2000er Jahre brachte Poker auf die Fernsehbildschirme der ganzen Welt – und die Spieler, deren Karriere zu dieser Zeit ihren Höhepunkt erreichte, konnten sich glücklicher schätzen als fast jede andere Generation. Sie bekamen Sponsorenverträge, Auftrittshonorare und Buy-ins für jede Menge Turniere, die für das Fernsehen produziert wurden. Im Gegenzug mussten sie ihr früheres Leben nach einer unterhaltsamen Hintergrundgeschichte durchforschen und gleichzeitig eine unterhaltsame Fernsehpersönlichkeit entwickeln und darstellen.

Dave „Devilfish“ Ulliott – einer der bekanntesten Spitznamen im Poker

Spitznamen waren ein fester Bestandteil dieses Prozesses, und fast niemand aus dieser Zeit kam ohne einen Nickname davon. Während einige Namen schon vor der Zeit der Fernsehturniere existierten – Chris Ferguson war schon längst als „Jesus“ bekannt gewesen, und Dave Ulliott bekam seinen Spitznamen „Devilfish“ 1997 -, schienen andere nur den Kameras zuliebe erfunden worden zu sein. Phil Laak trug ein Hoodie und eine Sonnenbrille, um sein Gesicht zu verbergen, und ähnelte damit der Polizeiskizze des berüchtigten „Unabomber“. Der junge Amir Esfandiari kannte ein paar Kartentricks, bevor er aus dem Iran in die Vereinigten Staaten kam. Aber dann tauschte er Amir gegen Antonio aus und nahm seinen Beinamen „The Magician“ an.
Die beiden fanden sich häufig an Tischen mit Spieler*innen wieder wie Mike „The Mouth“ Matusow, Erick „E-Dog“ Lindgren, Isabelle „No Mercy“ Mercier und Howard „The Professor“ Lederer – wobei letzterer Spitzname, wie Lederer zugab, von TV-Moderator Jesse May „aus dem Nichts“ erfunden wurde und schließlich hängen blieb.

Der kanadische Emporkömmling Daniel Negreanu passte damals perfekt zu seinem Spitznamen „Kid Poker“ – und dieser Name hat sich bis heute gehalten, auch wenn Daniel längst den Status eines Veteranen hat. Barry Greenstein wird inzwischen nur noch selten als „The Robin Hood of Poker“ bezeichnet. Am anderen Ende des Spektrums gibt es jedoch wahrscheinlich viele Menschen, die „The Grinder“ kennen, ohne ihn jemals als Michael Mizrachi gekannt zu haben.

Spitznamen aus dem Internet

Im Internet ist jeder anonym … bis er es nicht mehr ist.

In den letzten 15 Jahren haben die meisten Pokeranfänger ihre erste Runde online gespielt. Das bedeutet, dass sich neue Spieler*innen einen Spielernamen ausdenken mussten, bevor sie die Regeln überhaupt richtig gelernt hatten – und die wenigsten ahnten, wie wichtig diese frühe Entscheidung für einen Nickname sein würde.

Mindestens zwei Größen des modernen Pokerspiels, Shaun Deeb und Bryn Kenney, scheinen sich über ihren Benutzernamen nicht lange den Kopf zerbrochen zu haben. Sie nennen sich „shaundeeb“ bzw. „BrynKenney“. Ganz einfach. Aber für andere – darunter Spieler, die früher Bertrand, Tom, Viktor und Dan hießen – wurden ihre Online-Nicknames auch in der realen Welt zu ihrem Markenzeichen.

Bertrand „ElkY“ Grospellier – oder ElkY „Bertrand“ Grospellier?

Daher wird Monsieur Grospellier fast immer „ElkY“ genannt – und nie Bertrand. Mister Dwan heißt immer noch häufiger „durrr“ als Tom. Herr Blom ist häufiger „Isildur“, als dass man ihn Viktor nennt. Und Mister Cates spricht sogar von sich selbst als „Jungle“ – kurz für „Jungleman“ -, wenn er in der dritten Person postet. Man könnte auch Mike „Tîmex“ McDonald auf die Liste setzen, denn dieser Spitzname wurde zu seiner Pokerzeit sicherlich häufiger verwendet als Mike. Aber nicht vergessen: Der Punkt oben auf dem „i“ ist eigentlich ein Sonderzeichen, das er bei der Einrichtung des Kontos verwendet hat.

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Zum Weiterlesen: Neun Pokerskills, die das Leben verbessern

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