Die Pokerstrategie hat in den letzten zwei Jahrzehnten fast schon eine Revolution erlebt. Mit dem Aufkommen von Solvern (Lösungsprogrammen für Pokerfragen) und Poker-Tools gehen die Spieler:innen heute mit einem Wissensstand an das Spiel heran, der früher unvorstellbar war. (Die Liste der von PokerStars erlaubten Poker-Tools findet ihr übrigens hier.)
Im Folgenden wollen wir euch fünf wichtige GTO-Entdeckungen genauer vorstellen. Sie alle haben die Art und Weise verändert, wie man Poker auf höchstem Niveau studiert, lernt und spielt.
Push-Fold-Strategien
Einer der frühesten und wirkungsvollsten GTO-Durchbrüche kam mit der Entwicklung von Push-Fold-Strategien für das Shortstack-Spiel. Als Online-Turniere und Sit & Gos um 2005 herum immer beliebter wurden, kamen Tools wie SitandGo Wizard auf, die den Spielern einen großen Vorteil verschafften, indem sie ihnen zeigten, wann sie basierend auf dem Chip-EV All-in gehen oder folden sollten.
Anfang der 2010er-Jahre wurde das Verständnis der optimalen „Push-Fold-Range“ zu einem entscheidenden Vorteil für ernsthafte Grinder. Zu wissen, wann man mit 10 Big Blinds oder weniger genau All-in gehen oder folden sollte, war keine (reine) Instinktfrage mehr, sondern entwickelte sich zu einer Wissenschaft. Inzwischen sind diese Strategien noch weiter verfeinert worden. Moderne Solver ermöglichen ICM-Berechnungen in Echtzeit und je nach Platz am Tisch und Spielsituation.
Range Betting
Range-Betting stellte einen weiteren großen Sprung im strategischen Denken dar. Mithilfe von Post-Flop-Solvern (Lösungsprogramme für Spielsituationen nach dem Flop) entdeckten viele Spieler:innen, dass sie in bestimmten Situationen im Rahmen ihrer gesamten Range setzen konnten – oft mit kleinen Einsätzen, die ihre Gegner zu Fehlern drängten.
Dieses Konzept wurde besonders in Cashgames populär. Schließlich besteht dort das Ziel darin, die eingefleischten Unausgewogenheiten in den Reaktionen der meisten Spieler:innen auszunutzen.
Anstatt nur selektiv auf starke Hände zu setzen, begannen die Spieler, bei bestimmten Boards fast alle Hände zu setzen und nutzten dabei den Schutz und den Druck, den kleine Einsätze bieten. Range-Betting spielt heute eine grundlegende Rolle im von den Solvern empfohlenen Post-Flop-Spiel.
GTO-Tabelle (Raises für Hold’em-Starthände UTG)
Overbetting
Vor der Einführung von Solvern sah man Overbetting – also ein Einsatz von mehr als der Höhe des Pots – an den Pokertischen so gut wie nie. Aber seit GTO-Programmen den strategischen Wert aufgezeigt haben, ist Overbetting zu einem festen Bestandteil des modernen Pokerspiels geworden.
Solver haben nachgewiesen, dass Overbets den erwarteten Wert in polarisierenden Situationen maximieren können, in denen die Range eines Spielers entweder sehr stark oder sehr schwach ist. Heute sind große Overbets auf dem Turn und/oder River weit verbreitet. Dies gilt vor allem in Situationen, in denen Spieler:innen starke Value-Hände halten oder mit Händen bluffen, die die beste Calling-Range des Gegners blockieren.
Früher als unorthodox abgetan, gilt Overbetting heute als unverzichtbare Waffe im Arsenal jedes erfahrenen Pokerspielers.
Blocker
Das Konzept des Blockers war früher eine Randidee, aber die Solverprogramme haben diesen Move ins Rampenlicht gerückt. Ein Blocker ist eine Karte in deiner Hand, die die Wahrscheinlichkeit verringert, dass dein Gegner eine bestimmte Hand hält. Noch wichtiger ist, dass Solver gezeigt haben, dass bestimmte Blocker den Folding-Bereich deines Gegners öffnen – was sie zu erstklassigen Hilfsmitteln für Bluffs macht.
Zum Beispiel ist es oft besser, mit dem Herz-Ass auf einem Herz-lastigen Board mit Straight- oder Flush-Möglichkeiten zu bluffen, weil es die Wahrscheinlichkeit verringert, dass dein Gegner einen Flush hat – während es schwächere Hände, die er vielleicht folden würde, freigibt. Dieses nuancierte Verständnis der Blocker-Dynamik ist inzwischen unerlässlich für Entscheidungen auf hohem Niveau. Es gilt besonders bei Bluffs auf dem River und „turn barreling“ – Einsätzen auf dem Turn, nachdem man vorher einen Einsatz auf den Flop gemacht hat.
Equity Denial
Das Konzept des „Equity Denial“ hat die Herangehensweise der Spieler an Value Bets in frühen Runden verändert. Anstatt anfällige Value-Hände langsam zu spielen, empfehlen Solver höhere Einsätze. Damit sollen Händen mit Overcards, die eher folden als sich verbessern könnten, ein potenzielles Mitgehen (und damit ihre langfristige Equity-Gewinnerwartung) unattraktive gemacht werden.
Im Gegensatz zu traditionellen „Schutzwetten“ konzentriert sich Equity Denial darauf, Hände aus dem Spiel zu nehmen, die zwar aufholen könnten, aber angesichts eines aggressiven Gegners nicht weitermachen werden.
GTO-Tools helfen Spieler:innen, diese Gelegenheiten zu erkennen, indem sie zeigen, wann größere Einsätze auf dem Flop oder Turn Gegner davon abhalten, ihre Equity mit Händen zu realisieren, die ein All-in nicht callen würden, sie aber in späteren Runden schlagen könnten.
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