(Artikel urspünglich verfasst von Howard Swains.)
Es sind nicht mehr viele von uns übrig, aber eine Handvoll Leute im Saal der EPT Barcelona wird diesen Monat ihr 20-jähriges Jubiläum bei der European Poker Tour feiern.
Das ist wahr. Während die Tour selbst ihr drittes Jahrzehnt beginnt, gibt es ein paar Veteranen, die die ganze Zeit dabei geblieben sind. Wir spielen immer noch, handeln immer noch, senden immer noch oder schreiben immer noch. Und obwohl vieles von dem, was wir sehen, immer gleich bleiben wird, kann es bei Gelegenheiten wie dieser Spaß machen, einige der Dinge hervorzuheben, die sich verändert haben.
Wir haben miterlebt, wie aus jungen Talenten Superstars wurden und wie sich das organisatorische Chaos in eine gut geölte Maschine verwandelt hat. Wir haben gesehen, wie sich die Art und Weise, in der Poker gespielt und diskutiert wird, im Laufe der Jahre stetig und rasant entwickelt hat.
Im Folgenden findet ihr vier Dinge, die sich in 20 Jahren European Poker Tour grundlegend verändert haben (nicht notwendigerweise in dieser Reihenfolge):
Wo und Wann: Spielorte und Spielzeiten
Meine erste Begegnung mit der European Poker Tour fand direkt neben einem Bordell statt. Das ist leider wahr. Das Concord Card Casino, in dem die erste EPT Wien stattfand, befand sich in einem Außenbezirk von Österreichs ansonsten malerischer Hauptstadt. Im nächstliegenden Gebäude befand sich einer der lizenzierten „Erwachsenenclubs“ der Stadt.
Die Location hatte zwar keinen großen Einfluss auf das Pokerspiel, verdeutlicht aber eine zentrale Veränderung in den letzten 20 Jahren. Die EPT ist heutzutage eine prestigeträchtige Veranstaltung, die ihre Austragungsorte mit großer Sorgfalt auswählt. Aufgrund der Größe der Teilnehmerfelder müssen die Räumlichkeiten in der Regel groß sein, wobei Konferenzeinrichtungen von Hotels in der Regel am besten geeignet sind. Außerdem muss der Veranstaltungsort nahe genug an hochrangigen Hotels liegen, um die Spieler mit den Luxusansprüchen zu beherbergen, die den Standards der EPT entsprichen.
All dies mag heutzutage selbstverständlich erscheinen, war aber nicht immer der Fall. Viele EPT-Veranstaltungen der ersten Jahre fanden in beengten Kasinos statt. In den Räumen schwebte Zigarettenrauch, und zwischen den Tischen gab es kaum eine Haaresbreite Abstand. Man hatte Glück, wenn man in einer Turnierpause einen schnellen Burger essen konnte. Und wer auf die Toilette wollte, musste sich meistens in eine riesige Schlange einreihen.
Der European Poker Tour ist es zu verdanken, dass Poker heute in Veranstaltungsorten wie dem Palais des Congrès de Paris gespielt wird.
Verbesserung des Spielerlebnisses
All das ist in der Regel inzwischen Geschichte. Die EPT war die erste Turnierserie der Welt, die das Spielerlebnis an die Spitze ihrer Prioritäten gesetzt hat. Sie verlangte von den Austragungsorten, sich diesen Ansprüchen anzupassen – ansonsten würde die Umsätze woanders hingehen. Örtliche Lizenzbestimmungen machten die Organisation oft nicht einfach, aber mit geschickten Verhandlungen gelang es vielen Kasinobetreibern, ihre Lizenzen zu erweitern und größere Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. So zog beispielsweise die EPT Barcelona in die Konferenzräume des Hotel Arts ein. Die letzte EPT Paris fand im Palais des Congrès statt, und selbst in spektakulären Veranstaltungsorten wie der Wiener Hofburg wurden schon Pokerfestivals abgehalten.
Die European Poker Tour hat dazu beigetragen, dass Hotels und andere große Veranstaltungsorte erkannt haben, dass die Ausrichtung von Pokerveranstaltungen wichtiger Bestandteil ihres Jahresgeschäfts werden kann.
Dazu kommt, dass die EPT durch die Verkürzung der Turniertage die Anforderungen an Spieler:innen und Personal reduziert hat. Auch wenn es nach wie vor schwierig ist, die genaue Dauer eines Turniers vorherzusagen, müssen die Spieler:innen nicht mehr jeden Tag 13 oder 14 Stunden spielen. In der Anfangszeit war so etwas noch normal: Das erste EPT Wien-Event hatte ein Buy-in von €2.000 und 297 Teilnehmer – und wurde von Anfang bis Ende in zwei unglaublich langen Tagen gespielt.
Die EPT war wiederum eine der ersten Turnierserien, die in ihren Zeitplänen Vorkehrungen trafen, um sicherzustellen, dass Pokerturniere in einem einigermaßen annehmbaren Zeitrahmen beendet werden konnten. Dazu gehörten die Einführung von Zeituhren und die Reduzierung der Levels bei sinkender Spielerzahl. All diese Dinge wurden nach und nach eingeführt, als Reaktion auf die Beobachtungen der Organisatoren bei den Veranstaltungen. Mit 20 Jahren Erfahrung lässt sich leichter und schneller erkennen, wenn sich etwas ändern muss.
Die Pokersprache hat sich geändert
In den Anfangstagen der EPT, als wir in der Schlange vor der Toilette standen oder in den Pausen unser Bier tranken, sagten wir Dinge wie: „Er hat dreitausend reingeschoben, also habe ich erhöht, um herauszufinden, wo ich stehe“, oder „Ich dachte, er hätte genug, aber dann hat er die Erhöhung nochmal erhöht und ich wusste, dass es Asse waren.“
Bis ins fünfte Jahr der EPT redete niemand von Three-Bets oder Four-Bets. Und niemand definierte die Stackgröße damals in Big Blinds. Diese Art der Pokersprache war einfach noch nicht erfunden worden. Selbst wenn die Spieler:innen auf diese Weise über Strategie nachgedacht haben, war die dazugehörige Sprache noch nicht festgeschrieben worden.
Ich war schon immer von dem Begriff „aggressiv“ beim Poker fasziniert und habe beobachtet, wie sich seine Verwendung verändert hat. In den Frühzeiten der EPT betrachteten die Spieler:innen der alten Schule „aggressive“ Spieler als Nervensägen. Ihnen gefiel es nicht, wenn jemand raiste, re-raiste oder re-re-raiste (Erhöhungen, Three-Bets oder Four-Bets) – es sei denn, er oder sie hatte ein optimales Blatt.
Wer sind diese lästigen, jungen, „aggressiven“ Spieler?
Aggressiv oder einfach nur Standard?
Wenn man zu dieser Zeit jemanden fragte, was einen der „jungen Wilden“ so gut machte, kam die Antwort, dass er oder sie besonders „aggressiv“ sei. Spieler:innen wie Annette Obrestad, William Thorson, ElkY oder Jason Mercier waren gut, weil sie aggressiv waren. Das bedeutete, dass sie in der Regel mit einem Raise in die Hand einstiegen und jede Schwäche ausnutzten und bestraften.
Irgendwann wurde „aggressiv“ natürlich einfach zum Standard – denn es stellte sich schnell heraus, dass niemand ein Pokerturnier gewinnen konnte, weil er oder sie passiver war als alle anderen. Gelegentlich wird „aggressiv“ immer noch als Synonym für „rücksichtslos“ verwendet, aber in einem größeren Zusammenhang ist es kaum relevant. Jeder weiß, dass es beim Pokern darum geht, Situationen richtig einzuschätzen und den dafür angemessenen Druck auszuüben.
Heutzutage sind die besten Spieler:innen alle gleichermaßen „aggressiv“. Inzwischen ist es wichtiger geworden, den richtigen Weg durch eine Hand zu finden und seine Einsätze entsprechend zu bemessen.
Die neue Definition des Shortstacks
Schau im Glossar eines deiner alten Pokerbücher nach (vielleicht eines der Bücher, die dir deine Mutter zu Weihnachten geschenkt hat, als sie hörte, dass du jetzt Poker magst), und du wirst vielleicht den seltsamen Eintrag „Broomcorn’s Uncle“ finden. Das war früher eine abwertende Bezeichnung für jemanden, der seinen Shortstack so sehr hütete, dass er keinen einzigen Chip setzte, bis die Blinds und Antes ihm alles abgenommen hatte.
Heute findet man in fast keinem Turnier mehr einen „Broomcorns Onkel“ – und wenn doch, dann wird der Begriff nicht als Schimpfwort gebraucht. Wenn du dir die Action bei den Super-High-Stakes-Turnieren ansiehst, die heutzutage mit zunehmender Regelmäßigkeit stattfinden, wirst du feststellen, dass es absolut nichts Schlimmes mehr ist, sich an einen Shortstack zu klammern. Im Gegenteil: Es gilt als cleveres Poker.
Früher galt ein Stack von etwa 15 Big Blinds als „double up or bust“-Grenze. Die besten Spieler:innen der damalligen Zeit sprachen öffentlich davon, dass sie nur an einem Turniersieg interessiert waren. Sie setzten ihre Chips lieber mit marginalen Chancen ein, als sich zu ausblinden zu lassen im Versuch, ins Geld zu kommen.
Shortstacks sind nicht mehr das, was sie einmal waren.
ICM hat das Pokern verändert
Wer damals dachte, das sei Unsinn, hatte völlig Recht. Heutzutage diktieren ICM-Erwägungen (Independent Chip Model – noch ein Denkmodell, das 2004 noch nicht definiert war), dass jeder Chip heilig ist. Kein Stack ist so klein, dass man ihn nicht wieder aufstocken kann.
Die heutigen Pokerspieler:innen sind viel versierter im Hinblick auf Preisgeldstufen, und vor allem das Spiel an der Bubble hat sich dramatisch verändert. Obwohl „Stalling“ nach wie vor umstritten ist und in vielen Diskussionen zwischen Turnierdirektoren auftaucht, wird es weithin als solide Spielweise angesehen. Es gab einmal eine Zeit, in der Dauer-Staller als Ausgestoßene angesehen wurden, die allen anderen den Spaß verdarben. Das stimmt zwar zum Teil immer noch, aber heute sieht jeder ein, dass es beim Poker darum geht, das meiste Geld zu verdienen. Einen Shortstack zu pflegen und daran festzuhalten, ist oft der beste Weg zu diesem Ziel.
Broomcorns Onkel hatte also doch Recht.
Das Verfolgen der Action hat sich geändert
Und schließlich haben sich hinter den Kulissen so viele Dinge geändert, dass die meisten Spieler nicht glauben würden, wie locker es früher zuging. PokerStars und die EPT sind führend darin, das Spiel für die Fans zuhause so zugänglich zu machen wie möglich. Die Tour tut alles in ihrer Macht stehende, um sicherzustellen, dass die Berichterstattung über ihre Events klar, zugänglich und genau ist und zeitnah präsentiert wird.
Wer in den Anfangsjahren der EPT wissen wollte, wer überhaupt an einem Pokerevent teilnahm – geschweige denn, wer Chipleader war – mit ziemlicher Sicherheit jemanden im Saal kennen, der die Chipstapel der Spieler:innen gut im Blick hatte. Gelegentlich klebten die Organisatoren handgeschriebene Spielerlisten an eine Tafel innerhalb des Turniersaals, auf der neben den Namen eine ungefähre Schätzung der Stacks stand. Und wer versuchte, über das Turnier und die Identitäten der Spieler:innen zu berichten, war kaum in einer besseren Position als irgendeiner Fremder, der einfach von der Straße hereinspazierte.
Doch die Verantwortlichen der EPT erkannten schon früh, dass das Interesse am Zuschauen und am Turnierpoker allgemein rapide zunahm. Die Fernsehübertragungen waren eine Sache, aber die Leute wollten auch die Handverläufe lesen (wie sie es an den Online-Tischen tun konnten), und sie wollten in Echtzeit wissen, wer in Führung lag. Daher stellte die EPT einen eigenen Medienkoordinator ein, der den Reportern dabei half, ihren Lesern aktuelle Informationen auf verschiedenen Websites in zahlreichen Sprachen zu liefern.
Medien-IDs veränderten die Berichterstattung
Die EPT war die erste Tour, die Medien-ID-Karten einführte – im Wesentlichen eine Identifikationsnummer für Spieler:innen, die neben einen Chipstapel gelegt wurde. Die Reporter konnten diese Nummer dann mit den Spielerlisten abgleichen und in ihren Berichten einen Namen verwenden, anstatt „den Spieler mit dem schwarzen Kapuzenpulli“ oder „den Spieler im Big Blind“ zu nennen. Und für die PokerStars-Reporter war es Ehrensache, den Chipleader für die Nacht zu finden, egal wie groß das Feld war, damit sie ihren täglichen Bericht mit dieser wichtigen Information einleiten konnten.
Danach blieben die unermüdlichen Medienkoordinatoren (ursprünglich die legendäre Madeline „Mad“ Harper, dann Jan Kores und jetzt eine Reihe ebenso unermüdlicher Kollegen) bis spät in die Nacht auf, um Daten einzugeben und Spielerlisten zu formatieren, damit bei Spielschluss die vollständigen Chipstände verfügbar waren.
Nach und nach verlagerte sich der Schwerpunkt der EPT-Medienarbeit auf den Livestream, und inzwischen sind die Kameras nun auch regelmäßig an den äußeren Tischen zu finden, um alle größeren Ereignisse dort aufzunehmen. Doch wenn man sich ein umfassenderes Bild vom Verlauf eines Turniers machen will, sind die Textreporter – ergänzt durch eine Reihe hervorragender Fotografen – immer noch die wichtigsten Personen im Saal.
Und dank der Innovationen der EPT können sie ihre Arbeit wirklich effizient erledigen.
*****
Und so geht die European Poker Tour in ihr drittes Jahrzehnt und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sie aufhören wird. Zweifelsohne werden sich viele Dinge weiter verändern, aber die Grundprinzipien bleiben bestehen: Die EPT ist nach wie vor eine der prestigeträchtigsten, am besten geleiteten und erfolgreichsten Poker-Turnierserien der Welt, mit Titeln, von denen alle Pokerspieler träumen.
Natürlich gibt es inzwischen andere Touren und viele andere Möglichkeiten für Spieler:innen, an anderen Orten und unter der Schirmherrschaft anderer Veranstalter. Die EPT wäre nachlässig, wenn sie nicht anerkennen würde, dass sich die Prioritäten einiger Spieler geändert haben, oder wenn sie sich auf ihren Lorbeeren ausruhen würde. Aber das Engagement für die Spielererfahrung bleibt unverändert stark – und diese Tour hat gelernt, mit allen Widrigkeiten umzugehen.
Ein Prost auf weitere 20 Jahre.
Mehr von der EPT Barcelona
EPT Barcelona 2024 – Berichterstattung
EPT Barcelona 2024 – Zeitplan
————————————
Spiele verantwortungsbewusst! Für weitere Informationen zum verantwortungsbewussten Spielen besuche unsere Webseite: https://www.pokerstars.de/about/responsible-gaming/#over18
————————————–