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Badugi – Nach dem zweiten Draw

In diesem Strategieartikel zu Lowball Badugi Poker geht es um das Spiel nach dem zweiten Draw. Es stehen noch zwei Bietrunden an.

In Position

Draw vs. Draw

Wenn wir Position auf unseren Gegner haben, ist vieles einfacher und man hat eine komfortablere Entscheidungsbasis. Wenn unser Gegner drawt – in der Regel eine Karte –, und wir ebenfalls noch keinen Badugi haben, dann sollten wir versuchen einzuschätzen, wie stark unser One-Card-Draw im Vergleich zu seinem ist.

Dabei genügt es schon, einschätzen zu können, ob der Gegner dazu tendiert auch schlechtere One-Card-Draws zu spielen (looser Gegner), oder ob er nur die besten One-Card-Draws spielt (tighter Gegner).

Glauben wir, mit einer hohen Wahrscheinlichkeit einen besseren One-Card-Draw zu haben, dann sollten wir ebenfalls ziehen und setzen. Wir sind auf dem zweiten Draw gegen einen schlechteren One-Card-Draw weit genug vorne, um einen Value-Bet spielen zu können. Dem Gegner an dieser Stelle eine Free-Card zu geben, wäre ein Fehler. Viele Spieler glauben, dass zwei One-Card-Draws in etwa 50:50 stehen, aber das ist de facto nicht der Fall, wie das folgende Beispiel zeigt.

Beispiel: Wir sitzen am Button und halten A23K

Der Spieler im Hi-Jack raist und wir reraisen. Die Blinds folden und der Spieler im Hi-Jack callt.
Unser Gegner wirft eine Karte ab. Wir wir ziehen QA23.

Unser Gegner checkt und wir setzen, der Hi-Jack callt. Unser Gegner zieht eine Karte und wir tauschen ebenfalls. Nahezu unabhängig davon, welche Hand unser Gegner nun genau hat, wird er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen schlechteren Draw haben, als wir.

Gehen wir einmal davon aus, er habe den zweitbesten Draw mit etwas wie: A24J

Selbst in diesem Fall sind diese beiden Hände weit davon entfernt, einen Coin-Flip zu repräsentieren. Unsere Hand hat eine Gewinnwahrscheinlichkeit von etwa 67%, gegenüber den 33% unseres Gegners.

Die Odds liegen hier also bei 2 (also 2:1 für uns). Im Pot befinden sich 4,75 Big Bets. Rein mathematisch gesehen gehört uns aufgrund unserer Gewinnwahrscheinlichkeit schon ein Anteil von 2/3 des Pots, also knapp 3,2 Big Bets. Wenn wir unserem Gegner nun jedoch eine Free-Card schenken, dann machen wir gleich zwei Fehler zur selben Zeit:

Geben wir unserem Gegner kostenlos die Gelegenheit, uns auszudrawen.
Geben wir unserem Gegner keine Gelegenheit, einen Fehler zu begehen, indem wir setzen und er trotz profitabler Potodds gegebenenfalls foldet.

Fortgeschrittene Situationsanalyse

Es gibt Spieler, die argumentieren an dieser Stelle wie folgt. Wenn wir wissen, dass unser Gegner ohnehin callt, dann können wir auch check-behind spielen, um die Varianz (die Schwankungen) niedrig zu halten. Im Übrigen vermeiden wir dadurch einen Checkraise, den wir ja mit Sicherheit nicht sehen wollen.

Das Argument mag zunächst einleuchtend klingen, aber ich bin dennoch anderer Meinung. Die Begründung dafür ist zwar nicht ganz trivial, aber sie folgt einer mathematischen Logik. Selbst wenn unser Gegner weiß, dass wir nicht getroffen haben und dennoch anspielen, sodass er mit jeder Pat-Hand einen Checkraise spielt, dann geschieht das in etwa 20% der Fälle auf dem zweiten Draw. Wenn wir gecheckraist werden, verlieren wir einen zusätzlichen Big Bet. Da dies in etwa 20% der Fälle passiert, kostet uns dieser Checkraise bei optimalem Spiel unseres Gegners langfristig 0,2 Big Bets (20% x 1 Big Bet = 0,2 Big Bets).

Bei optimalem Spiel unseres Gegners unterstellen wir weiterhin, dass er in der oben beschriebenen Situation immer unseren Bet callt, wenn er noch nicht getroffen hat, da die Potodds in Höhe von 5,75 einen Call mathematisch erzwingen. An diesem Einsatz (=1 Big Bet) unseres Gegner gehört uns jedoch aufgrund unserer Gewinnwahrscheinlichkeit 1/3 Big Bet mehr, als ihm. Somit hat das Anspielen bei optimalem Gegenspiel unseres Gegners einen Erwartungswert von +0,33 Big Bet – 0,2 Big Bet = +0,13 Big Bet.

Wir haben also, indem wir Setzen, einen positiven Erwartungswert, selbst wenn unser Gegner optimal dagegen spielt. Macht unser Gegner jedoch Fehler, indem er auch mal foldet, wenn er aufgrund der Potodds eigentlich callen müsste, oder indem er uns nicht immer dann checkraist, wenn er tatsächlich vorne liegt, dann erhöht sich unser Erwartungswert weiter. Hinzu kommt, dass wir ebenfalls getroffen haben könnten, was die Situation für unseren Gegner noch schwieriger macht, da er nicht davon ausgehen kann, bei jedem Anspiel von uns mit jeder Pat-Hand vorne zu liegen.

Wenn wir hingegen glauben, einen schlechteren One-Card-Draw zu halten, dann haben wir in Position auf unseren Gegner zwei Möglichkeiten.

Die erste besteht darin, relativ banal gemäß der Potodds eine Entscheidung zu treffen, ob sich ein Call lohnt. In diesem Fall würden wir ganz normal unsere Karte ziehen, hoffen dass wir treffen und weiterhin hoffen, dass unser Gegner nicht besser trifft, was immerhin in etwas über 20% der Fälle geschieht.

Eine zweite, und nebenbei bemerkt wesentlich kreativere Variante, besteht darin, bereits an dieser Stelle einen Snow gegen unseren Gegner einzuleiten, indem wir mit unserem One-Card-Draw pat bleiben und setzen sofern unser Gegner checkt.

Ein Snow, der auf dem zweiten Draw eingeleitet wird, gehört mit zu den glaubwürdigsten seiner Art, da wir in den Augen unseres Gegners weder „zu schnell“ die passende Karte bekommen haben, oder gar eine perfekte Hand gedealt bekommen haben, noch unser Snow nach einer Verzweiflungstat auf dem letzten Draw aussieht, auf dem unser Gegner uns allein deshalb callen könnte, weil er glaubt, dass wir keine andere Chance mehr gesehen haben, um die Hand noch gewinnen zu können. Auch beim Snowen gilt es, keinen zu übermäßigen Gebrauch davon zu machen, da ansonsten das eigene Image so „snowy“ wird, dass wir keinen Snow mehr profitabel spielen können, weil wir in den meisten Fällen down gecallt werden.

Darüber hinaus sollte man seine Snow-Patterns (Snow-Muster) auch mal variieren, um den aufmerksamen Gegnern keinen Hinweis auf das bevorzugte Snow-Pattern zu liefern.

Badugi vs. Draw

Haben wir einen Badugi gemacht und unser Gegner hat gecheckt, dann sollten wir setzen. In den meisten Fällen liegen wir vorne und wollen an dieser Stelle einen Value-Bet spielen. Wenn wir wider erwarten gecheckraist werden, oder unser Gegner out-of-position anspielt, dann sollten wir in Abhängigkeit der Spielweise unseres Gegners und der Höhe des Badugi, den wir gemacht haben, callen oder reraisen. Wenn der Pot sehr klein ist und unser Gegner sehr tight und wir einen King-Low-Badugi gemacht haben, könnte auch ein Fold in Frage kommen.

Draw vs. Badugi

Ist unser Gegner auf dem zweiten Draw pat geblieben und wir haben nicht getroffen, dann sind wir in der Regel im Mindesten ein 40:60-Außenseiter. Durchschnittlich sind wir sogar in etwa ein 30:70-Außenseiter, je nachdem, wie loose oder tight unser Gegner spielt und wie snowy er ist, das heißt, wie häufig er Snows spielt.

A23-Draw vs Badugi Odds – Wahrscheinlichkeit bei 1 verbliebenen Draw

Da wir den Einsatz nur für die nächste Karte bezahlen und nicht für den dritten Draw und den anschließenden Showdown mit, müssen wir auf die Odds schauen, die wir haben, unseren Gegner auf der nächsten Karte auszudrawen.

Diese liegen sogar bei 4 bis 5 gegen uns, sodass wir ungeachtet der Implied Odds in etwa Potodds in Höhe von 4 bis 5 haben sollten, um einen Call rechtfertigen zu können. Es gibt in dieser Situation wiederum zwei gangbare Spielalternativen.

Wir callen, oder folden, je nach den zugrunde liegenden Potodds und hoffen gegebenenfalls darauf, unseren Gegner auf dem dritten Draw auszudrawen. Dies stellt wiederum eine gute Alternative für jene Gemüter dar, die eher risikoscheu sind. Alternative 2 ist etwas spannender, hat eine deutlich höhere Varianz. Dafür gewinnen wir mehr Informationen und wissen eher woran wir sind.

Wir raisen und achten darauf, wie unser Gegner auf diesen Raise reagiert. Wenn er uns reraist, können wir callen und versuchen unseren Gegner auszudrawen, oder gleich folden, wenn unser Draw zu schlecht ist, da unser Gegner an dieser Stelle mit einem schlechten Badugi möglicherweise nicht gereraist hätte.

Wenn unser Gegner jedoch einfach nur callt, können wir davon ausgehen, dass er einen eher schlechten Badugi K-Low, Q-Low oder vielleicht J-Low hält. Dadurch erhöhen sich unsere Odds, unseren Gegner auszudrawen, da wir über mehr Outs verfügen. In jedem Fall haben wir eine genauere Vorstellung von der Hand unseres Gegners und können unser Spiel entsprechend anpassen.

Es wäre sogar möglich, dass wir durch ein solches Spiel einen vermeintlichen Snow-Versuch unseres Gegners im Keime ersticken und er seinen Snow abbricht, bevor dieser richtig teuer wird, da es für ihn so aussehen könnte, als hätten wir bereits eine Pat-Hand. Wenn unser Gegner mutig genug ist, einen vermeintlichen Snow doch weiter zu spielen, dann ist das für ihn ein sehr riskantes Spiel, da ein erfolgreicher Snow immer ein aggressives Spiel voraussetzt.

Badugi vs. Badugi

Wenn der Gegner auf dem zweiten Draw stehen geblieben ist, und wir ebenfalls einen Badugi gemacht haben, dann sollten wir grundsätzlich stehen bleiben und abwarten, was der Gegner macht. Wenn er checkt, können wir mit den schlechtesten Badugis check-behind spielen, um die Varianz gering zu halten.

Ansonsten ist der Check des Gegners angesichts der Tatsache, dass er gesehen hat, dass wir nach ihm ebenfalls pat geblieben sind, eher als Zeichen der Schwäche zu interpretieren. Wir sollten also mit unseren mittelstarken und starken Badugis anspielen, um Chips for Value in den Pot zu bringen. Werden wir geraist, sollten wir mit unseren mittelstarken Badugis downcallen und mit unseren sehr starken Badugis reraisen.

Out-of-Position

Out-of-Position sieht die Situation leider etwas anders aus. Wir haben nicht den Vorteil, sehen zu können, ob unser Gegner drawt, oder nicht, sodass wir beispielsweise nicht die Möglichkeit haben, mit unseren schlechteren One-Card-Draws pat zu bleiben, um unseren Gegner zu snowen.

Er könnte bereits pat sein und diese Möglichkeit würde unseren Snow wesentlich unprofitabler machen. Dies ist auch einer der Gründe, warum wir davon Abstand nehmen sollten, out-of-position marginale oder schlechte Hände zu spielen.

Mit einem guten One-Card-Draw gegen einen One-Card-Draw in Position, sollten wir ebenfalls value-betten, werden aber langfristig weniger Bets gewinnen, als in Position.

Wenn wir einen Badugi gemacht haben, können wir zwar ebenso straight forward spielen, wie zuvor, aber wir werden auch hier auf lange Sicht weniger Bets gewinnen, als in Position.

 

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