Badugi – Nach dem ersten Draw
In diesem Artikel zu Badugi Poker geht es um die Pre Draw-Strategie sowie die Auswahl der richtigen Starthände.
Fertiger Badugi gegen Draw
In der Setzrunde nach dem ersten Draw sollte man grundsätzlich sehr aggressiv spielen, wenn man seinen Badugi gemacht hat und die anderen Spieler ein oder mehrere Karten gezogen haben. Wenn alle aktiven Spieler vor einem noch auf einem Draw sind und mindestens eine Karte gezogen haben, ist man mit dem schlechtesten Badugi im Mindesten ein knapper 80/20-Favorit auf die nächste Karte und im Mindesten ein 60/40-Favorit bis zum Ende gegen jeden von ihnen. Die Odds liegen also bei 4 (also 4:1).
Wird der eigene Bet jedoch geraist, oder gereraist, sollte man die Stärke des eigenen Badugi und das Wissen über den anderen Spieler mit einbeziehen, um zu entscheiden, ob die eigenen Hand in einer solchen Situation noch oft genug gut sein kann, damit es sich unterm Strich lohnt, die Hand bis zum Ende durch zu callen.
Kommt man jedoch zu dem Ergebnis, dass man an dieser Stelle, angesichts der Action und des Spielstils der Gegner zu oft geschlagen ist, um den Badugi profitabel durch callen zu können, dann sollte man sich die schlechteste Karte wegdenken und die Hand wie einen One-Card-Draw handhaben, der weiter unten behandelt wird.
In einer solchen Situation wird auch deutlich, warum Position so wichtig ist. Wenn wir beispielsweise in früher Position einen K-Low-Badugi auf dem ersten Draw treffen, sollten wir dann stehen bleiben, oder ziehen? Ohne irgendwelche Informationen darüber, wie viele Karten die anderen aktiven Spieler ziehen, können wir uns an dieser Stelle nur auf den Informationsstand vor dem ersten Draw verlassen und hier lautet meine grundlegende Empfehlung:
Im Zweifel stehen bleiben, da die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass die Gegner nicht getroffen haben. Dennoch müssen wir hoffen, dass unsere Gegner keinen Badugi gemacht haben. Wenn einer unserer Gegner nach uns stehen bleibt, befinden wir uns in einer sehr unangenehmen Situation: Ein Gegner von uns ist stehen geblieben, nachdem er gesehen hat, dass wir bereits stehen geblieben sind. Haben wir jedoch Position auf unsere Gegner, dann brauchen wir weder zu hoffen, noch zu raten. Wir wissen dann, ob sie auf einem Draw waren, oder nicht.
Achte auf deine Potodds
Wenn man selbst noch eine Karte zieht, während der Gegner bereits „pat“ steht (d. h. keine Karte zieht), also vorgibt, einen Badugi zu haben, sollte man versuchen einzuschätzen, mit wie vielen der möglichen Badugis der Gegner wirklich „pat“ bleiben würde.
A23-Draw vs Badugi Odds – Wahrscheinlichkeit bei 2 verbliebene Draws

Vermutet man, der Gegner blufft häufig, benötigt man nicht ganz so hohe Potodds wie hier angegeben.
Badugi gegen Badugi
Wenn man mit dem ersten Draw getroffen hat und ein Gegner auf dem ersten Draw stehen geblieben ist, einen fertigen Badugi signalisierend, dann steht man vor einem Problem. Wie stark ist wohl der Badugi unseres Gegners im Vergleich zu dem eigenen? Wie sollen wir weiter spielen?

Die Tabelle gibt an, in wie vielen Fällen, der eigene Badugi (4-Low bis K-Low) besser ist, als der Badugi des Gegners. Hier muss man einschätzen, wie konservativ der Gegner ist. Sollte beispielsweise ein Gegner nur mit 9-Low oder besser pat bleiben und wir halten ein 8-Low, dann liegen wir in 72% aller Fälle vorne.
Entsprechend dieser Tabelle rate ich nun dazu, bei einer Wahrscheinlichkeit von unter 50% bis zum Showdown Check/Call zu spielen. Über 50% Gewinnwahrscheinlichkeit sollte man aggressiv spielen und Value-Bets in den Pot bringen, es sei denn, der Gegner reagiert mit ungewöhnlicher Aggression.
In diesen Fällen sollte man zwar dafür Sorge tragen, dass in jeder Runde ein Bet in den Pot gelangt, aber man sollte vermeiden, dass der Pot in jeder folgenden Setzrunde gecapt wird. Ab einer Gewinnwahrscheinlichkeit von 90% kann man relativ sorgenfrei den Pot cappen, da es in der Regel immer noch genügend schlechtere Badugis gibt, mit denen der Gegner den Pot ebenfalls cappen würde, um die Fälle auszugleichen, in denen er tatsächlich eine Monsterhand getroffen hat.
Wenn man seinen Gegner allerdings schon etwas besser kennt und ihn für sehr passiv hält, der nur dann im Heads-up den Pot cappt, wenn er die Nuts hält, oder zumindest eine Hand, die nahezu unschlagbar ist, dann sollte man sich natürlich anpassen und gegebenenfalls auch sehr starke Hände nur bis zum Showdown check-callen.
Draw gegen Badugi
In den meisten Fällen werden wir weder vor noch nach dem ersten Draw einen Badugi auf der Hand halten. Oben wurde bereits erwähnt, dass die Odds eines Badugi über einen One-Card-Draw auf die nächste Karte bei etwa 4 liegen. Daraus leitet sich ab, dass man selbst mit dem besten One-Card-Draw gegen einen Spieler, der einen fertigen Badugi hat nur dann mitgehen sollte, wenn man mindestens Potodds in Höhe von 4 (also 4:1) bekommt.
Der Einfachheit halber vernachlässige ich an dieser Stelle sowohl die Implied Odds, die wir bekommen würden, wenn wir unseren Draw treffen und damit noch zusätzliche Bets gewinnen könnten, die sich augenblicklich nicht im Pot befinden, also auch die Möglichkeit, dass unser Gegner nicht den schlechtesten, sondern einen besseren Badugi hält, in welchem Fall wir weniger Outs hätten und höhere Potodds benötigen würden. Ich will also zur Vereinfachung annehmen, dass sich diese Vor- und Nachteile ausgleichen.
Wurde der Pot bereits vor dem ersten Draw erhöht und/oder sind mehr als ein Gegner eingestiegen, dann sollten wir an dieser Stelle genügende Potodds bekommen, um weiter zu spielen. Lediglich wenn der Pot noch sehr klein ist, weil vor dem Flop nur ein Gegner eingestiegen ist und wir uns beispielsweise im Bigblind befinden, kann man darüber nachdenken, die Hand schon nach dem ersten Draw gegen einen Bet aufzugeben. Folgende Kriterien begünstigen also das Weiterspielen:
- Ein Multiway-Pot
- Ein sehr loose-aggressiver Gegner
- Position
- Ein Gegner der gerne snowt, oder vor dem ersten Draw bereit ist, jeden Badugi zu spielen.
- Potoods von 4 oder besser (also 4:1 oder besser)
Diese Kriterien werden in den kleinen Limits so regelmäßig erfüllt, dass ein obligatorischer Call nach dem ersten Draw mit einem sehr guten Draw keinen großen Fehler darstellt. In den höheren Limits allerdings mit erfahreneren Gegnern sollte man diese Kriterien im Hinterkopf behalten und anwenden, da hier in der Regel keine so großen Spielfehler mehr begangen werden und sich auch kleine Fehler in Relation zum eigenen Vorteil stärker auswirken können.
Cleveres Tauschen
Auch wenn dies für die meisten selbstverständlich sein sollte. Hat man die Wahl zwischen zwei Karten, sollte man jene Karte discarden (abwerfen), dessen Farbe einem mehr Outs gibt, um einen Badugi zu machen.
Beispiel: Wir halten pre-draw A♥3♠7♦K♦ und erhalten nach dem ersten Draw 7♣A♥3♠7♦. In der zweiten Tauschrunde sollten wir die 7♣ wegwerfen und nicht die 7♦.
Der Grund hierfür ist simpel, durch den weggelegten K♦ haben wir nur 9 Outs für Karo, doch 10 Outs für Kreuz:
- A♥3♠7♣: 2♦4♦5♦6♦8♦9♦10♦J♦Q♦
- A♥3♠7♦: 2♣4♣5♣6♣8♣9♣10♣J♣Q♣K♣
