Badugi – Die Predraw-Strategie
Als Pre Draw bezeichnen wir die Setzrunde vor der ersten Tauschrunde. Hier geht es primär um eine geeignete Starthandauswahl und darum, wie mit diesen Starthänden gespielt werden sollte. Die meisten Hände, die wir bereit sind zu spielen, spielen wir predraw aus später Position mit einem Open-Raise.
Das hat mehrere Gründe:
- Wollen wir mit unseren guten Händen Chips in den Pot bringen, solange wir Favorit sind.
- Ist es nicht schade, wenn die Blinds folden und uns diese kampflos überlassen.
Vor dem ersten Draw geht es prinzipiell darum, zwei Entscheidungen zu treffen:
- Möchte ich meine Hand in dieser Position und angesichts der Action vor mir überhaupt spielen?
- Welchen Plan verfolge ich mit dieser Hand?
Das wichtigste am Predraw-Spiel ist die Starthandauswahl. Hier wird der Grundstein für ein langfristig profitables Spiel gelegt. Im Folgenden werde ich erklären wie verschiedene Starthände einzuschätzen sind und wie sie in welchen Situationen und in Abhängigkeit der Position und den eigenen Fähigkeiten zu spielen sind.
Dealt Badugis
In etwas über 6% der Fälle – oder im Schnitt „alle 16 Hände“ – bekommt man einen fertigen Badugi gedealt. Aus der folgenden Tabelle ist zu ersehen, dass ein dealt Badugi fast immer ein Favorit gegen den besten One-Card-Draw (A23x) ist.
A23-Draw vs Badugi Odds – Wahrscheinlichkeit bei 3 verbliebene Draws

Ein Beispiel aus der Tabelle: A♠2♦3♥ gegen einen fertigen 8765-Badugi trifft in 25% aller Fälle nach 3 Draws einen besseren Badugi.
Heißt das nun, dass man jeden Badugi von Beginn an spielen sollte? Im Grundlagen-Artikel hieß die klare Antwort: Nein. Ich habe in den Grundlagen eine recht tighte Herangehensweise beschrieben, die nun etwas aufgelockert werden soll.
Es kommt also prinzipiell darauf an, wie gut man in der Lage ist, seinen Gegner zu lesen und einzuschätzen und wie man daraufhin sein Spiel auf den verschiedenen Draws anpasst.
Wenn jemand in der Lage ist, seinen Gegner so gut zu lesen, dass er immer dann seinen Badugi wegschmeißen kann, wenn er tatsächlich geschlagen ist und immer dann seinen Badugi behält, wenn er noch gut ist, dann kann er jeden Badugi profitabel spielen.
Es gilt also: Je besser man seinen Gegner lesen kann, desto mehr Hände kann man predraw profitabel spielen. Das ist an und für sich keine großartig neue Erkenntnis und gilt eigentlich für alle Pokervarianten. Wer jedoch nicht mit außergewöhnlichen Reading-Skills gesegnet ist, der sollte sich zunächst an die folgende Vorgehensweise halten.
Ten-Low-Badugi und besser
Eine Hand bis zum Ten-Low-Badugi kann aus jeder Position heraus profitabel gespielt werden, wenn zuvor alle Gegner gefoldet haben. UTG (Under-The-Gun) ist die Hand noch als marginal anzusehen. In späteren Positionen ist ein Ten-Low-Badugi und besser ein deutlich profitables Spiel, vorausgesetzt, die Gegner verfügen nicht über deutlich bessere Reading Skills, als man selbst.
Jack-Low-Badugi
Ein Jack-Low-Badugi lässt sich im Hi-Jack (zweite Position vor dem Button) und später profitabel spielen.
King-Low-Badugi
Jeder Badugi lässt sich in der Battle-of-the-Blinds gut spielen, also dann, wenn nur noch die Blinds im Spiel sind und alle anderen Spieler zuvor gefoldet haben. Auch vom Button aus empfehle ich einen Badugi immer zu spielen, da wir grundsätzlich mit einem Open-Raise in das Spiel einsteigen und so zusätzlich die Chance haben, dass wir die Blinds kampflos erobern (Fold-Equity).
Aggression
Wenn wir einen Badugi spielen, dann sollten wir ihn predraw mit maximaler Aggression spielen, also raisen, oder reraisen. Wurde der Pot bereits vor uns geraist, dann müssen wir uns in Abhängigkeit des Spielstils unseres Gegners überlegen, ob wir an dieser Stelle wahrscheinlich bereits geschlagen sind, beispielsweise, weil er so tight ist, dass er lediglich mit Badugis 8-Low oder besser in dieser Position open-raist, oder ob er so loose ist, dass er sogar mit Two-Card-Draws aus jeder Position heraus open-raist.
Im ersten Fall sollten wir unsere schlechteren Badugis einfach aufgeben, während wir in letzterem Fall reraisen sollten, um mit dem loosen Spieler heads-up zu gelangen. Einem Badugi-8-Low sollte immer gespielt werden, ganz gleich wie tight ein Gegner ist.
One-Card-Draws
One-Card-Draws erhalten ihren Wert in erster Linie aus ihrem Potential, andere One-Card-Draws zu dominieren und nicht wie oftmals vermutet aus ihrem Potential, den besten Badugi machen zu können.
Der Vorteil, auf alle drei Draws gerechnet, einen fertigen Badugi zu schlagen, wenn die eigenen drei Karten zum One-Card-Draw besser sind, als die besten drei Karten des Gegners, der bereits einen fertigen Badugi hat, liegt gerade mal bei etwa 4-5%. Der Vorteil den ein smootherer One-Card-Draw gegenüber einem anderen rougheren One-Card-Draw genießt, liegt bei etwa 25-26%.
Der Wert eines smoothen One-Card-Draws, um einen fertigen Badugi zu schlagen:
Spieler 1: A♥2♣3♠K♦
Spieler 2: 10♣J♥Q♠Q♣
Spieler 2 hat 9 Outs (A♦ bis 9♦), um seinen Gegner auszudrawen. Damit liegt seine Gewinnwahrscheinlichkeit auf alle Draws gerechnet bei 51%.
Der Wert eines smoothen One-Card-Draws, um einen rougheren One-Card-Draw zu schlagen
Spieler 1: A♥2♣3♦3♠
Spieler 2: A♣2♥4♠A♠
Es gibt nun vier Ereignisse, die eintreten können:
- Beide treffen einen Badugi
- Spieler 1 trifft einen Badugi – Spieler 2 jedoch nicht
- Spieler 2 trifft einen Badugi – Spieler 1 jedoch nicht
- Beide verpassen ihren Draw
Etwas vereinfacht sei davon ausgegangen, dass beide Spieler in etwa 50% der Fälle treffen und in dem Fall, dass beide treffen, in 50% der Fälle Spieler 1 und in 50% der Fälle Spieler 2 gewinnt.
Jedes der vier Ereignisse hat eine Eintrittswahrscheinlichkeit von ¼, also 25%. Im ersten Fall gewinnt Spieler 1 zu etwa 12,5% und Spieler 2 zu etwa 12,5%. Im zweiten Fall gewinnt Spieler 1. Im dritten Fall gewinnt Spieler 2. Nun liegen beide Spieler bei 37,5% Gewinnwahrscheinlichkeit. Im vierten und letzten Fall allerdings gewinnt immer Spieler 1, sodass diese 25% Gewinnwahrscheinlichkeit in dem Fall, dass beide Spieler nicht treffen, immer zugunsten des Spielers mit dem smootheren Draw gehen.
Aus Gründen der Vereinfachung ist hier sowohl außer Acht gelassen worden, dass Spieler 1 im ersten Fall eigentlich eine höhere Gewinnwahrscheinlichkeit, als Spieler 2 hat, als auch, dass Spieler 2 im vierten Fall und einer anderen Kartenverteilung die Chance hätte, einen ebenso smoothen, oder manchmal gar smootheren Draw zu ziehen.
In Abhängigkeit des Gegners und de Action vor einem empfehle ich One-Card-Draws zu spielen, die aller Wahrscheinlichkeit nach smoother sind, als ein Großteil der One-Card-Draws, die die Gegner bereit sind zu spielen, die sich bereits im Pot befinden. Im Zweifelsfall sollte man sich an eine Smooth-7 und besser halten, also beispielsweise A27, A37, 237.
Eine smoothe One-Card-7 kann in jeder Position geopen-raist werden. Gegen einen Raise aus früher Position allerdings ist eine One-Card-7 in Abhängigkeit des Gegners eher zu folden. Ich habe einmal einen Gegner am Tisch gehabt, der so loose gespielt hat, dass er bereit war in jeder Position zu open-raisen, sobald er zwei Karten 3 oder besser hielt.
Einen solchen Gegner würde ich mit einer One-Card-Smooth-7 reraisen, um ihn zu isolieren. Gegen einen tighten Spieler, der aus früher Position raist, kann eine One-Card-7 problemlos gefoldet werden. In später Position kann man selbst mit einer One-Card-Ten die Gegner attackieren, um die Blinds zu „stehlen“.
Two-Card-Draws
Two-Card-Draws sollten eigentlich nur in später Position gespielt werden, um die Blinds zu stehlen, das heißt die Spieler in den Blinds sollten auch dazu in der Lage sein, ihre Karten wegschmeißen zu können, wenn sie aus einer Stealing-Position heraus attackiert werden. Eine zweite Möglichkeit, Two-Card-Draws zu spielen besteht dann, wenn man selbst im Blind sitzt und vom Button oder gegebenenfalls noch vom Cut-off geraist wird und seine Blinds verteidigen möchte.
Hier rate ich jedoch dazu, nur mit Two-Card-Draws zu einer 5-Low oder bei einem sehr loose-aggressiven Gegener noch bis zu einer 6-Low den Blind zu verteidigen. In diesem Fall ist es jedoch besser, zu callen statt zu raisen, da der vermeintliche Blindstealer in den meisten Fällen einen Raise callen würde und uns reraist, falls er eine wirklich gute Hand hat.
Predraw-Snow
Ein Raise mit einer schlechten Starthand würde dann in Frage kommen, wenn man vor hat, einen Snow von Beginn an zu spielen. Dieses Spiel sollte allerdings nicht übertrieben werden, da auch die Gegner wissen, dass man nur relativ selten eine Pat-Hand gedealt bekommt und in vielen Fällen selbst dann versuchen werden, einen auszudrawen, wenn sie bereit sind die gedealte Pat-Hand zu glauben.
Im Übrigen muss man für solch einen Move keinen One-Card, oder Two-Card-Draw auf der Hand halten, sondern kann dies mit jeder beliebigen Hand machen, sodass man dafür lieber die passende Situation mit dem passenden Gegner (z.B. keine Calling Station) wählen sollte, als eine bestimmte Hand.
Ein tighter Gegner, der auch oft die Bereitschaft zeigt, in späteren Setzrunden einen One-Card-Draw nieder zu legen, ist ein geeignetes Opfer für einen solchen Snow.
Position
Ich bin in den Grundlagen bereits darauf eingegangen, dass Position das wichtigste Element im Badugi (wie meiner Ansicht nach in allen Lowball Games) ist. Dafür gibt es zahlreiche Gründe, von denen ich die wichtigsten im Folgenden aufführen und gegebenenfalls genauer erläutern möchte.
Durch Position habe ich den Vorteil, sehen zu können, wie viele Karten meine Gegner ziehen, bis ich mich selbst entscheide.
In Position erhalte ich in der Setzrunde Informationen über die Stärke der Hände meiner Gegner, bevor ich mich entscheide, ob und wie ich meine Hand spielen möchte.
Beispiel: Wir halten A♣A♥5♣7♠ und sitzen Under-The-Gun (UTG). Gemäß unserem Plan und mangels weiterer Informationen raisen wir.
Im Pott befinden sich 10,5 SB und wir müssten noch 2 SB setzen um zu callen. Vermutlich wird auch der 3-Better callen, sodass wir Pott Odds von 11,5:2, bzw. 5,75 bekommen. Das wäre ein vernünftiger Call, wenn wir damit entweder all-in wären, da wir dann bis zum Ende drawen könnten, ohne nachlegen zu müssen, oder aber davon ausgehen könnten, dass unsere Gegner so loose spielen, dass entweder beide Gegner bestenfalls einen schlechteren One-Card-Draw, als den unseren hätten, oder ein Ten-low-Badugi ausreichen würde, um jeden der beiden Gegner zu schlagen, der eine Pat-Hand (also einen Badugi) bereits auf der Hand hält.
Wenn mindestens einer unserer Gegner einen fertigen Badugi auf der Hand hält, was in etwas mehr als 6% der Fälle, oder durchschnittlich in etwa alle 16 Spiele der Fall ist.
Das bedeutet wir brauchen in diesem Fall 7 Outs und keiner unserer Gegner darf eines unserer Outs haben. Da jedoch auch diese Annahme unwahrscheinlich ist, müssen wir realistischer davon ausgehen, dass wir mindestens ein Out weniger haben.
Wir müssten unsere beiden Gegner also mit einem Jack-low-Badugi schlagen, was sicherlich in einer solchen Situation, außer mit besonders loosen Gegnern nicht in einer genügend großen Anzahl der Fälle passieren wird, um einen Call profitabel zu machen.
Für den Augenblick sei erst einmal festgehalten, dass wir die Wahl haben, die Hand out-of-position gegen zwei Hände zu spielen, die möglicherweise bereits jetzt stärker sind, als wir und zwei Dinge zu hoffen: Erstens, dass wir treffen und zweitens, dass unsere Hand im Showdown die beste ist. Die Alternative ist natürlich ein Fold. In diesem Fall haben wir einfach einen Big Bet (= 2 SB) verloren und lassen uns auf keine weiteren qualvollen Entscheidungen ein.
Beispiel: Wir halten A♣A♥5♣7♠ und sitzen auf dem Button. UTG+1 raist und der Cut-off macht daraus einen 3-Bet. Was machen wir?
Fold! Verlust = 0 SB. Warum?
Im Pot sind 6,5 SB und wir müssten 3 SB callen. Die Potodds locken uns in diesem Fall nicht in die Hand, zumal der erste Raiser nach uns noch an der Reihe ist. Jeder der anderen beiden Spieler könnte leicht eine bessere Hand, als die unserige halten.
In diesem Fall läge unsere Overall-Gewinnwahrscheinlichkeit auf drei Draws in etwa bei 12,5%. Das sind Odds von 7, die unsere Potodds beim besten Willen nicht ausgleichen können. Wir entscheiden uns also gleich von vorn herein dazu, unsere Hand zu folden und auf eine bessere Gelegenheit zu warten.
Beispiel: Wir halten A♥2♣3♦4♦ in der Position UTG und open-raisen. Der Button callt. Die Blinds folden.
Erster Draw: 5♣A♥2♣3♦
Unser Gegner zieht eine. Wir setzen und unser Gegner callt.
Zweiter Draw: 5♥A♥2♣3♦
Unser Gegner zieht abermals eine Karte. Wir setzen und unser Gegner callt.
Dritter Draw: Wir entscheiden uns für einen Snow und bleiben pat.
Doch unser Gegner bleibt überraschend auch pat. Was nun?
Aufgrund des schwachen Calls in der letzten Setzrunde wird unser Gegner vermutlich einen mittelmäßigen bis schlechten Badugi gemacht haben und wird die Hand runter callen. Wir haben hier keinerlei vernünftige Optionen mehr. Der Pot geht in den meisten Fällen verloren.
Beispiel: Angenommen wir hätten A♥2♣3♦4♦ auf dem Button gehalten. Wir open-raisen und der Bigblind callt. Unser Gegner zieht eine Karte.
Erster Draw: Unser Gegner zieht eine Karte, wir ziehen die 5♣.
Unser Gegner checkt. Wir setzen und unser Gegner callt.
Zweiter Draw: Unser Gegner zieht abermals eine Karte, wir ziehen die 5♥.
Unser Gegner checkt. Wir setzen und unser Gegner callt.
Dritter Draw: Unser Gegner bleibt pat.
Wir wollten eigentlich einen Snow spielen und pat bleiben, aber da unser Gegner pat geblieben ist und nur Check/ Call gespielt hat, vermuten wir, dass er einen mittelmäßigen bis schlechten Badugi getroffen hat. Also tauschen wir erneut.
- Wenn wir gar nicht treffen, folden wir auf einen Bet hin, es sei denn, dass wir glauben, dass unser Gegner noch in der Lage ist, seine Hand auf einen Raise hin wegzulegen.
- Wenn wir schlecht treffen, Check/ Callen wir und werden vermutlich in etwa 50% der Fälle den Pot gewinnen.
- Wenn wir richtig gut treffen, können wir gegebenenfalls noch einen Extra-Bet herausholen, wenn unser Gegner seinen Vorteil, bereits auf einer Pat-Hand zu sein ausnutzen möchte und bettet. In diesem Fall raisen wir ihn und er wird sich vermutlich die Hand ansehen müssen. Falls er auf einen Raise hin seine Hand noch folden kann, gewinnen wir zwar an dieser Stelle etwas weniger, dafür haben wir jedoch die Möglichkeit eines Bluff-Raise gewonnen, der nun profitabel wird.
- Wenn unser Gegner Check/ Call spielt, verlieren wir mit unseren schlechteren Händen keinen Bet mehr und gewinnen noch einen mit unseren guten Catches!
- Gegebenenfalls sind bestimmte Plays in Position überhaupt erst möglich, bzw. effektiver.
Es sollte deutlich geworden sein, wie wichtig Position in diesem Spiel ist. Bei der Entscheidung, eine Hand zu spielen, oder nicht, spielt die Position eine maßgebliche Rolle. Das ist auch der Grund dafür, warum ich empfehle, die Blinds, insbesondere den Small Blind nur mit sehr starken bis Premiumhänden zu verteidigen.
Unter Abwägung der genannten Einflußfaktoren sollte nun jeder eine gewisse Vorstellung davon haben, wie er sein Predraw-Spiel gestaltet und welche Blätter er profitabel spielen kann.
Weiter geht es mit dem Spiel auf nach dem ersten Draw.
