Badugi – Nach dem dritten Draw
In diesem Strategieartikel zu Lowball Badugi Poker geht es um das Spiel nach dem dritten Draw. Es stehen noch eine Bietrunden an.
In Position
Mit Position auf seinen Gegner, hat man auf dem dritten Draw einige zusätzliche Spieloptionen, die out-of-position eher unprofitabel wären.
Draw vs. Draw
Wenn wir auf dem dritten Draw davon ausgehen, den schlechteren One-Card-Draw zu halten und unser Gegner zieht eine Karte, dann sind wir mit etwa 20:80, also Odds von 4 gegen uns ein großer Außenseiter. Wir könnten nun, nachdem wir sehen, dass unser Gegner eine Karte zieht, einfach selber ziehen und hoffen, unseren Gegner auszudrawen, was uns in etwa 20% der Fälle gelingt.
Allerdings haben wir in Position eine Alternative dazu. Den Snow. Denn obgleich unser Gegner in etwa 80% der Fälle nach dem dritten Draw die stärkere Hand hält, macht er seinen Badugi im Schnitt nur in etwa 22% der Fälle. Wenn wir davon ausgehen, dass unser Gegner in den Fällen, in denen er seinen Badugi macht im Mindesten callt, oder gar raist, in welchem Fall wir folden würden, dann stellt sich für uns nur die Frage, wie er reagiert, wenn er gegen eine vermeintliche Pat-Hand auf dem dritten Draw steht und seinen Badugi verfehlt?
Wenn er grundsätzlich den letzten Bet callt, dann ist ein Snow immer unprofitabel. Wenn er immer wegwirft, wenn er nicht getroffen hat und sein Gegner auf dem dritten Draw stehen geblieben ist, dann ist der Snow immer profitabel. Die meisten Spieler werden sich jedoch in der Mitte zwischen 100% Fold und 0% Fold befinden. Ob ein Snow nun profitabel gespielt werden kann, hängt von mehreren Faktoren ab:
Die Fold-Wahrscheinlichkeit unseres Gegners
Unser Gegner sollte im Mindesten in 25% aller Fälle folden können, wenn er keinen Badugi gemacht hat und sein Gegner auf dem dritten Draw stehen geblieben ist.
Unser Image – Wenn wir kürzlich beim Snowen erwischt wurden, oder ein sehr looses Image haben, dann reduziert das die Wahrscheinlichkeit, dass unser Gegner speziell gegen uns folden würde.
Die Höhe des Pots – Es gilt: Je größer der Pot, desto seltener muss der Snow erfolgreich sein, um sich als profitabel zu erweisen. Ich möchte jedoch an dieser Stelle anmerken, dass diese Betrachtungsweise eine selten erwähnte Kehrseite hat. Je größer nämlich der Pot ist, desto besser sind auch die Potodds für unseren Gegner und desto mehr sinkt seine Fold-Wahrscheinlichkeit.
Je nachdem in welchem Limit wir spielen, oder wie erfahren unser Gegner ist, müssen wir uns fragen, ob der Pot unserem Gegner nicht so große Potodds geben würde, dass ein Call angesichts seiner Erfahrung eine obligatorische Entscheidung darstellt.
Wie gut wir die Alternative spielen – Die Alternative zum Snow, also das geradlinige Spiel, repräsentiert gewisser Maßen unsere Opportunitätskosten. Wir müssen also nicht nur danach fragen, ob ein Snow profitabel ist, sondern auch, ob er profitabler ist, als das straighte, geradlinige Spiel, da wir ansonsten mit einem Snow einen Fehler machen würden.
Für alle, die es noch genauer wissen wollen, sei hier die Formel für die Fold-Wahrscheinlichkeit angegeben, die wir benötigen, um profitabel snowen zu können:

Dabei ist: P(F) die benötigte Fold-Wahrscheinlichkeit, P die Größe des Pots in Big Bets und X die Anzahl der Big Bets, die wir durchschnittlich in der Alternative verlieren, wenn wir tatsächlich geschlagen sind. Wenn wir immer callen ist X=1. Wenn wir jedoch beispielsweise in der Lage wären, 50% der Hände, mit denen unser Gegner uns geschlagen hat, zu folden, dann wäre X=0,5. Je kleiner also X ist, desto effizienter spielen wir die geradlinige Alternative. Wer dies nicht abschätzen kann, sollte X=1 setzen.
Wenn wir einen sehr guten One-Card-Draw halten und davon ausgehen können, dass unser Gegner einen schlechteren One-Card-Draw hält, weil er vor uns ziehen muss und eine Karte drawt, dann sollten wir drawen. Wenn unser Gegner setzt, sollten wir callen. Wenn wer checkt, sollten wir setzen, wenn wir glauben, dass es genügend Hände gibt, mit denen er unseren Bet auch dann callen würde, wenn er geschlagen ist.
Wenn wir unseren Gegner also als neugierige Calling Station einschätzen, dann ist unser Bet obligatorisch. Wenn wir ihn als tighten Spieler einschätzen, dem wir auch durchaus ein Slowplay zutrauen, dann sollten wir behind checken, da wir, selbst wenn wir uns nicht verbessert haben über Showdown-Value verfügen und so die Gefahr eines Checkraise umgehen.
Badugi vs. Draw
Wenn wir bereits einen Badugi auf der Hand halten und unser Gegner zieht, dann sollten wir pat bleiben und anspielen. Werden wir von unserem Gegner geraist, dann sollten wir in Abhängigkeit der Höhe unseres Badugi und des Image unseres Gegners entweder callen, oder reraisen. Ein Fold auf dem dritten Draw mit einem fertigen Badugi in der Hand ist langfristig immer ein Fehler.
Draw vs. Badugi
Wenn unser Gegner pat geblieben ist, also signalisiert hat, dass er einen Badugi hält und wir einen One-Card-Draw halten, dann sollten wir ziehen und abhängig von unserer Hand, den Potodds und dem Image unseres Gegners callen, folden, oder raisen. Je looser unser Gegner spielt und je öfter er vorgibt, einen Badugi gemacht zu haben, desto wahrscheinlicher ist es, dass er in einer gegebenen Hand snowt.
Wir sollten versuchen sein bevorzugtes Snow-Muster zu finden. Einen Spieler, den wir unter Verdacht haben, zu snowen, sollten wir callen und uns sein Draw-Muster, z.B. 1-1-0 für eine Karte auf dem ersten, eine Karte auf dem zweiten und pat auf dem dritten Draw, merken. Vielleicht haben wir bereits sein bevorzugtes Snow-Muster gefunden. Ab Potodds von 6 sollte ein Call obligatorisch sein, da wir unserem Gegner dann generell eine Bluff-Wahrscheinlichkeit von etwa 14% unterstellen. Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn wir gegen jemanden spielen, von dem wir wissen, dass er so gut wie nie blufft.
Badugi vs. Badugi
Wenn sowohl wir, als auch unser Gegner eine Pat-Hand signalisiert haben, dann sollten wir in erster Linie darauf achten, wie unser Gegner seine Pat-Hand spielt, oder gespielt hat, sofern er schon zuvor pat stand, und wie hoch unser Badugi ist. Hat unser Gegner seine Hand eher passive gespielt, dann sollten wir mit unseren mittelstarken und starken Badugis, also etwa ab T-Low anspielen. Auf einen Checkraise sollten wir mit unseren mittelstarken und starken Badugis callen und mit unseren sehr starken und Monster-Badugis (also 7-Low und besser) reraisen.
Wenn wir einen schlechten Badugi (K-Low bis J-Low) halten, sollten wir check-behind spielen, oder bei einem Bet unseres Gegners einfach callen. Ein Fold wäre hier prinzipiell falsch, es sei denn, wir halten einen schlechten Badugi und wissen, dass unser Gegner niemals snowt und so passiv ist, dass er nur dann von sich aus anspielt, wenn er eine sehr starke bis Monsterhand hält.
Out-of-Position
Wenn wir keine Position auf unseren Gegner haben, sind wir in der Regel dazu gezwungen, unser Blatt geradlinig zu Ende zu spielen, da im Falle eines Snow zusätzlich der Fall eintreten könnte, dass unser Gegner hinter uns ebenfalls pat bleibt. In diesem Fall hätten wir eine Fold-Equity nahe Null, was unseren Snow langfristig zu einem Verlustspiel machen würde.
Mit den meisten Händen sollten wir an dieser Stelle Check-Call, oder Bet-out spielen. Ein Checkraise sollte nur dann in Betracht gezogen werden, wenn unser Gegner sehr aggressiv spielt und nahezu jede Schwäche, die er wittert, versucht auszunutzen. In der Regel wird auf dem letzten Draw wird in zu vielen Fällen mit einem Check-behind geantwortet, sodass wir mit allen Badugis und gegebenenfalls mit den stärksten One-Card-Draws for Value betten sollten. Gerade gegenüber loosen Calling Stations sollten wir mit unseren starken One-Card-Draws noch einmal setzen, da wir auf lange Sicht mehr Calls von schwächeren Händen gewinnen werden, als wir Bets durch einen vermeintlichen Raise, den wir callen, verlieren.
