Sunday, 23rd August 2026 08:15
Home / News / EPT-Turnierdirektor Toby Stone über Zeitkarten und Spielverzögerung

Eine frühere Version dieses Artikels erschien im August 2024.

Die perfekte Turnierorganisation der European Poker Tour (EPT) kommt nicht von ungefähr. Obwohl das Turnierteam aus erfahrenen Profis besteht, entwickelt sich das Management solcher Veranstaltungen stetig weiter. Die Turnierverantwortlichen hören sich die Probleme der Spieler:innen an, nehmen Änderungen vor und kümmern sich um alle Fragen, die auftauchen könnten.

Die Absicht ist immer dieselbe: Alles sollte so reibungslos und fair wie möglich verlaufen, damit die Spieler:innen ihre Pokerturniere bei der EPT einfacher und entspannter genießen können als anderswo.

EPT-Turnierdirektor Toby Stone ist immer bereit, Einblicke in die neuesten Verbesserungen zu geben, die sein Team vorgenommen hat, um die Events so gut und fair wie möglich zu gestalten. Wie immer legte Stone dabei seine Argumente offen dar und spricht offen eventuelle Probleme an.

Unter anderem ging Stone dabei auf das immer wieder heikle Thema „Stalling“ ein, also die Spielverzögerung mancher Spieler:innen bei Turnieren. Laut Stone ist dies kein großes Problem für das Turnierpersonal. Aber es ist ein Bereich, der immer wieder von Spieler:innen angesprochen wird, die sich vom Turniermanagement eine Lösung für dieses Problem wünschen.

Natürlich gibt es kein Patentrezept, das das Problem sofort aus der Welt schaffen würde. Aber die Einführung von „Shot Clocks“ (Zeituhren) und Zeitbankkarten hat geholgen. Stone verriet, dass sich die jüngsten Diskussionen sich auf die Anzahl der Zeitkarten konzentrieren, die allen Spieler:innen zugeteilt werden, und darauf, wann sie verteilt werden. Er sprach aber auch über eine Änderung des Verfahrens an den Finaltischen, wo die Uhr komplett abgeschafft und durch ein Hand-pro-Level-Verfahren ersetzt wird.

Im Folgenden findet ihr eine gekürzte Version der Interviews, die 2024 in Barcelona und 2025 in Monte-Carlo stattfanden.

Zeitbankkarten – wie viele gibt es und wann bekommt man sie?

Die EPT hat vor ein paar Jahren Shot Clocks eingeführt, die die Entscheidungszeit der Spieler auf 30 Sekunden pro Aktion beschränken. Außerdem erhalten sie eine Reihe von Zeitverlängerungskarten, mit denen sie zusätzliche 30 Sekunden Bedenkzeit beantragen können, wenn eine Situation dies erfordert. Seitdem hat die Frage, wie viele Karten jeder Spieler in verschiedenen Turnieren erhalten sollte, für einiges Kopfzerbrechen gesorgt.

Zeitbankkarten in Aktion

EPT-Turnierdirektor Toby Stone dazu: Das Problem mit den Zeitbankkarten war, dass der Umgang damit ziemlich verwirrend werden konnte. Wir hatten verschiedene Turniere, verschiedene Anzahlen von Zeitkarten, manchmal haben wir sie an einem neuen Tag ausgeteilt, und manchmal haben wir sie am Finaltisch ausgegeben. Hier und da war der Finaltisch der neue Tag, und dann stellte sich die Frage: Geben wir sie aus oder nicht? Die Turniermitarbeiter kamen ständig zu mir und fragten: „Wie viele Karten gibt es für das Turnier? Und wie viele für das andere?“ Selbst ich wusste es nicht manchmal nicht mehr genau.

Also haben wir das Ganze komplett vereinfacht. Es gibt verschiedene Turniere, bei denen Zeitkarten verwendet werden, darunter auch das Main Event ab Tag 3. Und ab dann bekommt man einfach für jeden Tag sechs Karten. Es spielt keine Rolle, wie viele Spieler sie haben. Es spielt auch keine Rolle, wann sie den Finaltisch erreichen. Wir teilen einfach sechs Zeitkarten aus, jeden Tag, ab Tag 3. Das ist ganz einfach.

Dann haben wir noch die Events mit Buy-ins von €10.000 oder mehr. Dort gibt es von Anfang an Zeitkarten. Dort teilen wir zu Beginn vier oder sechs Karten aus. Danach gibt es alle zwei Stunden eine Karte, und das war’s. Es spielt keine Rolle, um welche Art von Turnier es sich handelt, es ist immer dasselbe. Der einzige Unterschied besteht darin, dass man zu Beginn vier oder sechs Karten bekommt.

Zeitbank-Regeln für High Roller-Events

Bei den Turnieren mit Buy-ins von €25.000 oder mehr bekommen die Spieler sechs Karten, weil sie mir gesagt haben, dass sie etwas mehr Zeit brauchen, um ihre komplizierten strategischen Entscheidungen zu treffen. Sie brauchen einfach ein bisschen mehr Zeit, also haben wir damit kein Problem. Wir hören auf sie.

Früher haben wir bei allen Turnieren sechs Karten ausgegeben. Aber in Paris [2024] haben wir erstmals beim €10K High Roller [zu Beginn] sechs Karten ausgegeben, plus eine zusätzliche Karte pro Stunde. Das führte dazu, dass viele Spieler:innen kurz vor der Bubble 20 oder 25 Karten hatten. Also haben wir zu viele Karten ausgegeben. Und das erhöhte natürlich die Gefahr, dass es zum Stalling kam. Das war bereits vorher schon ein Problem, und wir haben es nur noch verschlimmert.

Also mussten wir auch das ändern. Jetzt bekommen alle Spieler:innen zu Beginn vier Zeitbankkarten und alle zwei Stunden eine weitere Karte – was wahrscheinlich genau richtig ist.

Wir haben uns überlegt, den Spieler:innen eine Maximalzahl an Karten vorzugeben. Aber wie soll man das überprüfen? Dafür müssten wir herumlaufen und ständig alle Karten zählen. Wir haben nach Lösungen gesucht, aber die einzige Lösung, die wir gefunden haben, besteht darin, einfach weniger Karten auszugeben.

Weitere Änderungen

Als direkte Folge des Feedbacks der Spieler vor der EPT Monte Carlo 2025 wurden in einigen Turnierformaten auf Level 11 Shot Clocks eingeführt, wobei die Spieler:innen zu Beginn dieses Levels zwei 10-Sekunden-Zeitbankkarten erhalten. Zwei weitere Karten werden den Spieler:innen in der nächsten Pause ausgehändigt, wobei in den meisten Turnieren maximal vier Zeitbankkarten ausgegeben werden.

Das aktuelle Feedback zeigt, dass der 10-Sekunden-Countdown etwas zu schnell ist. Wahrscheinlich werden wir ihn daher künftig auf 15 Sekunden ändern. Das ist keine große Änderung, zeigt aber einmal mehr, wie schnell das EPT-Team auf fundiertes Feedback reagiert.

Ist Stalling immer noch das größte Problem?

Für mich ist Stalling kein Problem. Es geht um die Spieler:innen – sie verlieren die Zeit.

Aber es ist ein Ärgernis. Die Spieler:innen beginnen, sich zu beschweren. Sie sehen es als unser Problem an und sagen: „Ihr müsst das in Ordnung bringen!“ Ständig rufen sie nach dem Floormanager, und das sorgt nur für Chaos und Ärger. Aber was können wir tun – außer allen die Zeit zu begrenzen, die sie haben? Also verringern wir die Anzahl der Zeitkarten, die ihnen zur Verfügung stehen, und die Anzahl der Karten, die sie bei einer Aktion verwenden können.

Das ist alles in den SOP [Standard Operating Procedures, im Wesentlichen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der EPT] festgelegt. In jeder SOP steht: „Wir können jederzeit die Anzahl der Zeitbanken oder die Zeitdauer begrenzen.“. Wenn wir also das Gefühl haben, dass jemand das Spiel unnötig hinauszögert und stört, dann können wir uns an diesen Spieler oder diese Spielerin wenden.

Bei den €25K-Events ist das in Ordnung. Diese Spieler:innen stört das nicht wirklich. Für sie ist das alles kein Problem – sie machen das alle, es ist Teil ihrer Strategie. Stalling verschafft ihnen einen kleinen Vorteil, und sie machen es alle. Für sie ist es also kein wirklich großes Problem. Aber für alle anderen Turniere schon. Wir haben das also in der SOP verankert und wenden es gelegentlich an, wenn wir es für angemessen halten.

Das Problem stellt sich vor allem bei unseren sehr großen Turnieren. Da müssten wir eigentlich an bis zu 15 Tischen gleichzeitig eine Person an jedem Tisch haben, die die Spieler:innen beobachtet. Sobald man einer Person gesagt hat, dass sie keine Zeitbankkarten mehr benutzen darf oder dass sie nur noch 10 Sekunden Zeit hat, muss man hinter dieser Person stehen, um sicherzustellen, dass sie sich daran hält.

Was empfehlen Sie den Dealern? Machen sie auf Stalling aufmerksam?

Bis zu einem gewissen Grad, ja. Aber wir wollen nicht, dass sie in dieser Frage die Polizei am Tisch spielen, denn das würde die guten Beziehungen zwischen den Dealern und den Spieler:innen vergiften. Wir versuchen, das zu einer Entscheidung des Floor-Personals zu machen. Die Dealer werden also nicht dazu angehalten, so etwas zu rufen wie: „Diese Person schindet Zeit!“. Das ist wirklich Sache der Spieler:innen: Sie müssen uns mitteilen, wenn ein Spieler das tut.

Aber alles hat Grenzen. Wenn wir wegen derselben Person zwei- oder dreimal zu einem Tisch gerufen werden, werden wir mit ihr reden. Wir würden sagen: „Hören Sie, es sieht wirklich so aus, als würden Sie Zeit schinden. Sie vergeuden Zeit im Turnier, deshalb werden wir Ihnen die Zeit verkürzen, die Sie für Ihre Aktion haben.“

Sobald diese Person anfängt, wieder in einem vernünftigen Tempo zu spielen, lassen wir sie in Ruhe. Aber wenn jemand einfach weiter macht, verkürzen wir seine oder ihre Zeit und reduzieren sie immer weiter. Wenn wir also die Zeit auf 15 Sekunden reduzieren und sie die vollen 15 Sekunden brauchen, und dann wieder die vollen 15 Sekunden brauchen, reduzieren wir sie auf 10. Dann reduzieren wir sie auf fünf.

Aber das ist natürlich nervig. Stellen Sie sich vor, Sie müssten das mit sechs, sieben, acht oder 15 Leuten machen! Wir können nur versuchen, unser Bestes zu geben.

Manchmal startet ihr etwas früher als sonst die Hand-für-Hand-Phase. Warum?

Wenn ein Event im Fernsehen übertragen wird – also wenn neben dem Live-Stream auch eine TV-Sendung produziert wird –, ist es für das Fernsehen wichtig, dass die „Bubble Hand“ gezeigt wird.

Hochbetrieb an der Bubble

Manchmal scheiden zwei oder sogar mehr Spieler in der gleichen Hand aus, sodass die Bubble platzen kann, ohne dass Hand-für-Hand gespielt werden muss. Und wenn es im Stream so geschieht, spielt das auch keine Rolle. Dort muss diese Hand nicht genau gefilmt werden. Die Kameras sind da draußen im Saal und versuchen, alles einzufangen, was sie einfangen können, sodass wir ohne Probleme bis zur Bubble spielen können. Aber wenn es im Fernsehen übertragen wird, müssen sie die eigentliche Hand erwischen.

Manchmal gehen wir Hand-für-Hand vor, weil gerade niemand spielt und wir den Ablauf nicht kontrollieren können – schließlich können wir nicht alle Spieler:innen überwachen. Aber ich versuche, das zu vermeiden. Für mich ist die Bubble die Bubble.

Mehr über den Hands-per-Level-Prozess

Bei einer traditionellen Turnierstruktur werden die Blinds am Ende eines festgelegten Zeitraums erhöht. Beim EPT Main Event zum Beispiel dauern die Levels entweder 60 Minuten (am ersten Tag) oder 90 Minuten (danach). Aber andere Turniere haben Blind-Level von unterschiedlichen Dauer, bis hin zu fünfminütigen Levels in sogenannten „Super-Hyper-Turbo”-Events.

Eine Regeländerung in Monte Carlo im Jahr 2025 hat diesen Ablauf jedoch geändert, sobald das Turnier sein Finale erreicht hat. Anstelle einer Zeitbegrenzung endet ein Level, wenn die Spieler:innen eine bestimmte Anzahl von Händen gespielt haben.

Im EPT Main Event dauert ein Level am Finaltisch 30 Hände. Im High Roller und Super High Roller, wo es früher eine 60-Minuten-Begrenzung gab, dauert ein Level 24 Hände. Verschiedene Turniere haben unterschiedliche Hand-Anzahlen. Das geht bis zu den Super-Hyper-Turbos, bei denen die Spieler:innen am Finaltisch vier Hände sehen, bevor die Blinds erhöht werden.

Wie immer gab es einen guten Grund für diese Änderung.

Feedback bewirkt Regelverbesserungen

„Einige Spieler:innen hatten mich Ende letzten Jahres darauf angesprochen“, erklärt Stone. Er erzählt, dass manche Spieler:innen und Turnierleiter beobachtet hatten, wie Spieler absichtlich auf Zeit spielten. Damit wollten sie sicherstellen, dass ein bestimmter Gegner einen höheren Big Blind zahlen musste.

Wenn zum Beispiel zwei Spieler:innen mit wenigen Chips am Finaltisch sitzen, könnte einer davon sicherstellen wollen, dass der andere einen möglichst hohen Big Blind zahlen muss. Wenn nur noch wenige Minuten bis zum Ende des Levels verbleiben und dieser Gegner bald am Big Blind sitzt, könnte der Spieler so tun, als hätte er eine schwierige Entscheidung zu treffen, die Zeit herunterlaufen lassen und sicherstellen, dass er das Ende des Levels erreicht, bevor der Button weitergegeben wird.

Die neue Regel „verhindert, dass Leute Zeit schinden, um andere dazu zu bringen, einen höheren Blind zu zahlen”, sagt Stone. „Das finde ich wirklich nicht gut.”

Stalling ist eine häufige Ursache für Regeländerungen. Und obwohl es der eigentliche Auslöser für diese Änderung war, sagt Stone, dass die Änderung auch ein paar unerwartete Vorteile mit sich gebracht hat.

Kampf gegen Stalling – mit unerwarteten Vorteilen

„Man kann jetzt besser strategisch vorgehen, weil man weiß, wie viele Hände man spielen wird“, sagt er. „Das kam auf Empfehlung der Spieler:innen und weil unser Team verhindern wollte, dass jemand seinen Gegner dazu zwingt, einen höheren Blind zu zahlen. Der zusätzliche Vorteil besteht darin, dass die Spieler:innen so besser strategisch vorgehen können.“

Er fügt hinzu, dass dies auch den Organisatoren hilft, Turnierpausen zu strukturieren. Schließlich können diese nun im Grunde genommen in der Mitte eines Levels eingelegt werden, ohne dass dies spürbare Auswirkungen auf das Spielgeschehen hat. Die Anzahl der ausgeteilten Hände wird über nummerierte Chips erfasst, die im Dealer-Well aufbewahrt werden und für alle Spieler jederzeit sichtbar sind. Wenn das Turnier also unterbrochen wird, muss nicht die Uhr angehalten werden. Die Dealer können einfach den gleichen Chip sichtbar lassen, und die Spieler:innen können nach der Unterbrechung an den Tisch zurückkommen und sofort weitermachen.

Stone hatte vor, die Änderung Anfang 2025 bei der EPT Paris einzuführen, musste aber wegen der Absage der Veranstaltung bis Monte Carlo warten. „Ich wollte es lieber bei einer EPT als bei einer regionalen Veranstaltung einführen“, sagt Stone. Er fügt hinzu, dass es sich zwangsläufig um einen fortlaufenden Prozess handelt, da sein Team die relative Geschwindigkeit der Turniere verfolgt und das Feedback der Spieler sammelt.

Er hat methodisch herausgefunden, wie viele Hände er pro Level zuweisen sollte – basierend auf der bestehenden Level-Länge und der durchschnittlichen Zeit, die zum Spielen einer Hand benötigt wird. Die Turniermitarbeiter haben die Daten in Monte Carlo aufgezeichnet. Dadurch konnten noch mehr Infos gesammelt werden, um vor den nächsten Events notwendige Änderungen vorzunehmen.

Bei der EPT Barcelona 2025 werden wir uns wieder bei Stone melden, um zu erfahren, wie viele Hände nun gespielt werden.

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Written By
Heinrich Koop

Heinrich ist schon seit den 1980er-Jahren bekennender Pokerfan. Anfang der 2000er stieg er dann ins „Pokergeschäft” ein, zuerst als freiberuflicher Übersetzer von Pokerbüchern und für (längst vergessene) Poker-Websites wie Pokerroom, Ultimate Bet und Fulltilt Poker. Seit 2007 arbeitet er hauptsächlich als Übersetzer und Content Creator bei PokerStars und PokerNews DE.

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