Wednesday, 17th April 2024 08:00
Home / Padraig O’Neill gewinnt das EPT Prag Main Event 2023 – und verwandelt 12 Big Blinds in €1.030.000

Der Weg zum Ruhm bei der PokerStars European Poker Tour (EPT) folgt immer vielen Wendungen und Abzweigungen – und das EPT Prag €5.300 Main Event 2023 war da keine Ausnahme.

Der Norweger Jon Kyte, der das neue Rekord-Turnier seit Tag 3 angeführt hatte, ging mit 229 Big Blinds und einer derart hohen Chipführung in das Finale, dass man ihn allgemein für uneinholbar hielt. Padraig O’Neill sah das anders – und gewann unerwartet die letzte EPT-Trophäe der Saison 2023, nachdem er den Norweger im Heads-up besiegen konnte.

Dabei wäre O’Neill beinahe das erste Opfer des Finaltags gewesen, nachdem er mit einem Paar Vierer einen Coinflip gegen Kytes Ass-König spielte. Ein König auf dem Flop ließ O’Neill wie den sicheren Verlierer aussehen, aber eine Vier auf dem Turn sicherte ihm das Überleben und leitete eine der besten Comeback-Storys des Jahres ein.

Smidge, der Shortstack

O’Neill, der in der irischen Pokerszene liebevoll „Smidge“ genannt wird, begann den Finaltag als klarer Shortstack und verwandelte seine 12 Big Blinds letztlich in ein Preisgeld von €1.030.000. Mit seinem Sieg wurde er zum zweiten irischen EPT Main Event-Champion aller Zeiten – elf Jahre nach Steve O’Dwyer, der 2013 in Monte-Carlo den Titel geholt hatte.

Der siegessichere Kyte landete nach einer turbulenten Session hart auf dem Boden der Tatsachen, kassierte aber für seinen zweiten Platz immerhin noch das beste Preisgeld seiner Karriere in Höhe von €643.000. Umberto Ruggeri aus Italien wurde Dritter, während Cheng Zhao und Adam Wagner auf den Plätzen vier und fünf landeten.

Das Event verzeichnete 1.285 Teilnahmen – eine Bestmarke in der tschechischen Hauptstadt. 191 Spieler:innen konnten sich einen Teil des Preispools von €6.101.300 sichern.

EPT 2023 Prag €5.300 Main Event – Ergebnisse am Finaltisch

Platz 1: Padraig O’Neill (IR) – €1.030.000
Platz 2: Jon Kyte (NO) – €643.000
Platz 3: Umberto Ruggeri (IT) – €459.240
Platz 4: Cheng Zhao (China) – €353.240
Platz 5: Adam Wagner (CZ) – €271.660
Platz 6: Grigorii Rodin (RU) – €209.000

Die Reaktion des Gewinners

O’Neill zeigte sich im Sieger-Interview überwältigt von seinem Erfolg: „Es fühlt sich unglaublich an. Es ist einfach passiert. Ich habe es noch nicht begriffen.“

„Ich hatte auf Platz vier gehofft“, erzählte „Smidge“, nachdem er zu Beginn des sechsten Turniertags der kleinste Stack gewesen war. „Ein dritter Platz wäre toll gewesen. Dass ich es ins Heads-up schaffe, hätte ich nie gedacht. Ich habe gestern Abend einen Flug für heute um 19:00 Uhr gebucht. So ‚optimistisch‘ war ich.“

Padraig O’Neill

Der frisch gebackene Champion lobte Kyte, nachdem die beiden fast fünf Stunden lang im Heads-up miteinander gekämpft hatten.

„Er spielt wirklich großartig. Ich möchte nicht gegen ihn um €300.000 oder €400.000 im Heads-up antreten müssen. Er hat mich in viele schwierige Situationen gebracht“, sagte O’Neill. „Er wäre ein wirklich würdiger Sieger gewesen.“

Der siebenstellige Betrag war das perfekte vorzeitige Weihnachtsgeschenk für O’Neill, der vor Kurzem zum ersten Mal Vater geworden ist.

„Ich werde mit dem Geld keine großen Sprünge machen, bestenfalls bei einigen Turnieren weniger von mir selbst verkaufen“, fügte er hinzu.

Seine derzeitigen Pläne sehen vor, so viel Zeit wie möglich mit seiner Familie zu verbringen und gelegentlich bei einem der EPT-Stopps 2024 aufzutauchen.

Das Spiel am Finaltisch

Adam Wagner

Der erste Verlierer des Tages war Wagner, der letzte Tscheche im Wettbewerb. Sein Stack ging an O’Neill, der seinen Stack in der Anfangsphase der Session zweimal verdoppelt hatte und damit in der Rangliste nach oben schoss. Wagner ging mit Ass-Fünf All-in und traf auf ein Paar Zehner des Iren – und damit standen die letzten vier Spieler des Turniers fest.

Ruggeri verdoppelte zweimal gegen Kyte und blieb dadurch im Turnier, bevor Zhao auf dem vierten Platz ausschied. Zhao begann den Tag als Zweiter in Chips, verlor aber einen Großteil seines Stacks, als O’Neill einen unglaublichen Bluff mit dem Nut-Flush-Blocker durchzog. Der in Griechenland lebende Chinese wurde danach schnell von Kyte vom Tisch genommen, nachdem er mit Ass-Dame All-in ging … und auf den Big Slick des Chipleaders traf.

Das Spiel zu dritt

Nach der ersten Pause gewann O’Neill Pötte gegen Ruggeri und Kyte und überschritt so die Zehn-Millionen-Chipmarke. Ruggeri konnte danach drei Mal gegen Kyte verdoppeln, um im Rennen zu bleiben und die Chipstapel nahezu auszugleichen. Als Erstes gewann er mit Ass-Zwei gegen Zehn-Fünf; danach fand er auf dem Turn einen Flush und knackte Kytes zwei Paare. Und als Kyte kurz danach mit einem All-in auf Ruggeris Full House traf, war das Feld nahezu ausgeglichen.

Umberto Ruggeri

In der Folge fand O’Neill bessere Karten, kam in Schwung und übernahm die Führung. Dagegen lag Kyte kurz vor der zweiten Pause am Ende des Chiprankings: Ruggeri hatte dem Chipstack des Norwegers einen Schlag versetzt, als er Kytes Triple-Barrel-Bluff mit seinem Top-Paar abfing.

Nach der Pause setzte sich O’Neill mit einer Reihe von Value Bets und erfolgreichen Bluffs weiter von seinen Gegnern ab. Nachdem er Ruggeri auf dem dritten Platz aus dem Turnier schickte, kam es zum Heads-up mit Kyte: O’Neill hatte auf dem River ein Paar getroffen und so das Main Event auf die letzten beiden Teilnehmer geschrumpft.

Im Heads-up

Padraig O’Neill – Jon Kyte

„Smidge“ ging mit einem Chipvorteil von mehr als 4:1 gegenüber Kyte ins Spiel zu zweit. Vor der Endphase des Turniers gab es Gespräche über einen Deal, aber es kam zu keiner Einigung zwischen O’Neill und Kyte. O’Neill sagte, er würde einem ICM-Chop zustimmen, aber Kyte verlangte zusätzliche €15.000, was sein Gegner ablehnte.

O’Neill hatte Kyte in den Seilen, nachdem er sich im ersten Teil des mehrstündigen Duells als überlegener Spieler erwiesen hatte. Doch Kyte konnte sich zurückkämpfen und die Chip-Lücke schließen. Zur Essenspause hatte Kyte nach einem Riesenbluff mit einem verpassten Flush Draw die Chipführung zurückerobert und war wieder der Favorit. Hätte O’Neill gecallt, wären Kyte nur noch ein paar Big Blinds übrig geblieben.

Eine Hand mit Top-Paar gegen Top-Paar ermöglichte es O’Neill, wieder in Führung zu gehen. Beide Spieler trafen einen Buben, aber Kyte hatte den schlechteren Kicker und konnte sich nicht mehr von seiner Hand lösen. Allerdings dauerte es nicht lange, bis Kyte die Führung zurückeroberte. Erst fand er drei Könige, dann zog er einen eigenen großen Bluff durch, um erneut den Großteil aller Chips in seinen Besitz zu bringen.

Die Chipführung wechselte weiter – aber schließlich musste jemand nachgeben. O’Neill gelang es schließlich, Kyte ohne größere Gegenwehr in die Defensive zu drängen. Sein König-Zehn besiegelte letztlich sein erstaunliches Comeback gegen Kytes Zehn-Fünf, nachdem beide Spieler ihre Stacks vor dem Flop eingesetzt hatten.

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