Friday, 12th December 2025 08:51
Home / News / EPT Barcelona: PokerStars kündigt Regeländerungen an

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der European Poker Tour (EPT) in Barcelona kündigte PokerStars mehrere Regel- und Verfahrensänderungen zur Wahrung der Spielintegrität an. Dazu gehören neue Regeln, die „Solver“ und Preflop-Charts für Spieler:innen und Zuschauer gleichermaßen verbieten.

Kenny Hallaert, ein langjähriger Pokerpro und Turniermitarbeiter, der kürzlich von PokerStars unter Vertrag genommen wurde, kündigte die Änderungen am Montag, 26. August – als die EPT Barcelona 2024 mit dem €1.100 Estrellas Poker Tour Main Event offiziell begann – in den sozialen Medien an. Dazu gehören die Verkürzung der Shot-Clock-Zeit, neue Richtlinien für Dealer und Änderungen beim Redraw-Prozess.

Im Interview mit PokerNews erläuterte Hallaert die Änderungen der Spielintegritätsregeln und erzählte, dass die meisten dieser neuen Regelungen in Barcelona und bei zukünftigen Turnierstopps in Kraft treten werden.

PokerStars und das Problem der Solver

Hallaert schrieb, dass ab der EPT Barcelona und bei zukünftigen EPT-Stationen „die Verwendung von GTO-Solvern/Charts oder Ähnlichem im gesamten Turnierbereich zu keiner Zeit erlaubt ist, auch nicht für Zuschauer“.

(Zur Erklärung: Ganz allgemein sind „Solver“ Softwareprogramme, die GTO-Strategien (Strategien für die optimale Spieltheorie) für Poker generieren können. Sie sind zurzeit nicht nur bei Online-Pokerspielern äußerst beliebt, sondern werden ebenfalls von Live-Spielern zum Lernen abseits der Tische verwendet.)

Die Solver-Regelung wird in einem neuen Zusatz zu den PokerStars Turnierpoker-Regeln beschrieben, der besagt, dass es „Spielern […] zu keiner Zeit gestattet [ist], am Tisch Game Theory Optimal (GTO) Solver-Software, GTO Charts (unabhängig davon, ob sie auf einem elektronischen Gerät oder anderweitig verwendet werden) oder ein KI-Tool oder ähnliche algorithmische Software zu verwenden, die dem Benutzer einen Wettbewerbsvorteil im Turnier verschaffen kann.“

„Wir erlauben auch keinem Zuschauer, elektronische Geräte mit Solvern innerhalb des Pokerturnierbereichs zu benutzen“, erklärt Hallaert weiter.

Diese Regelung entstand in Reaktion auf eine Kontroverse am Finaltisch des World Series of Poker (WSOP) Main Events in diesem Sommer, bei dem der spätere Champion Jonathan Tamayo beschuldigt wurde, Solver-Resultate auf einem Laptop zu konsultieren, der von seinen Helfern an der Rail benutzt wurde. Tamayo hat inzwischen erklärt, dass sein Team ihm nur bei „In-Game-Anpassungen“ geholfen hat und dass er sich keine Solver-Resultate angesehen hat.

Kenny Hallaert

Nach diesem „LaptopGate“ forderten mehrere bekannte Profis, darunter Daniel Negreanu, die Veranstalter von Pokerturnieren auf, ihre Solver-Richtlinien auf den neuesten Stand zu bringen und Regeln aufzustellen, die auch den Zuschauern die Verwendung von Solvern untersagen.

„Im letzten Monat nach dem Main Event gab es eine große Debatte über die Verwendung von Solvern“, so Hallaert über die Ursprünge der neuen Regel.

Reduzierung der Shot Clock

Eine weitere Änderung, die von PokerStars eingeführt wird, betrifft die Shot Clocks, die den Spieler:innen bisher 30 Sekunden Zeit zum Handeln gaben. Laut Hallaert wird diese Zeit auf 15 Sekunden gesenkt, wobei die Zeitkarten weiterhin 30 Sekunden wert sind.

Diese Änderung ist der jüngste Versuch, das Problem des Zeitschindens bei Pokerturnieren anzugehen. Das so genannte „Stalling“ kann den Spielverlauf drastisch verlangsamen, wenn Spieler:innen versuchen, sich ins Geld zu schleichen oder Gewinnsprünge zu machen.

EPT Shot Clock

„Uns ist aufgefallen, dass viele Spieler:innen versuchen, das Spiel absichtlich aufzuhalten, indem sie fast die gesamte Zeit vor dem Flop oder bei jeder Entscheidung zur Zeit der Bubble oder vor einem Payjump schinden“, erläutert Hallaert. „Um das Spieltempo zu verbessern, haben wir beschlossen, auf 15 Sekunden zu gehen.“

Laut Hallaert steht die 15-Sekunden-Regelung „mehr im Einklang mit dem, was andere Veranstalter derzeit bereits tun.“

Keine Redraws mehr

Eine weitere Maßnahme gegen das Stalling bei Turnieren ist die Abschaffung der Redraws bei drei und zwei Tischen auf EPT-Veranstaltungen.

Stattdessen wird es ab fünf Tischen eine zufällige Breakdown-Reihenfolge geben (bei der die Spieler:innen zufällig einem Tisch zugeteilt werden).

Laut Hallaert konnte das alte Redraw-Verfahren dazu führen, dass Shortstacks in früher Position das Spiel verzögerten – weil sie wussten, dass sie den Big Blind nicht spielen mussten, wenn ein Spieler ausschied und die Tischpositionen im „Redraw“ neu ausgelost werden würden.

Übergang zum „Sliding“

EPT Dealer

Eine Änderung, die in Barcelona noch nicht in Kraft ist, aber schrittweise eingeführt wird, betrifft die Methode, mit der die Dealer den Spieler:innen Karten aushändigen.

Die meisten Dealer werfen den Spieler:innen die Karten zu – wobei gelegentlich die Unterseite der Karten sichtbar werden kann. Hallaert sagte, dass er und andere Turniermitarbeiter kürzlich darauf aufmerksam gemacht wurden, dass Spieler:innen möglicherweise versteckte Kameras in Gegenständen wie AirPod-Gehäusen benutzen, um die Unterseite der Karten einzusehen und „sich einen illegalen Vorteil zu verschaffen“.

Um dies zu verhindern, werden die EPT-Dealer den Spieler:innen in Zukunft die Karten zuschieben. „Dadurch ist die Unterseite der Karte, die an jeden Spieler ausgeteilt wird, immer geschützt.“

Hallaert fügte hinzu, dass die EPT-Offiziellen darüber nachgedacht haben, elektronische Geräte an den Tischen und an den Rails komplett zu verbieten, sich aber letztendlich dagegen entschieden. „In 99,99% der Fälle haben die Spieler keine bösen Absichten, wenn sie elektronische Geräte benutzen.“

Die meisten Spieler:innen haben laut Hallaert positiv auf die vorgeschlagenen Regeländerungen reagiert. Dazu gehören auch Stars wie Steve O’Dwyer, der EPT Monte Carlo-Champion 2013, der sich seit langem für den Wechsel vom Pitching (Werfen) zum Sliding (Zuschieben) einsetzt.

„Endlich“, schrieb O’Dwyer auf X, „Ich setze mich seit über einem Jahrzehnt für diese Änderung ein.“

Aber nicht alle Spieler waren mit den Änderungen einverstanden. Der deutsche Profi Dominik Nitsche, der im Mittelpunkt der Solver-Kontroverse beim WSOP Main Event stand, kritisierte die neue Solver-Regelung als „schlecht geschrieben“ und argumentierte, dass sie schwer oder gar nicht durchsetzbar sei.

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