Wednesday, 17th April 2024 08:54
Home / Barny Boatman gewinnt EPT Paris Main Event – David Kaufmann auf Platz zwei

Da

Seit fast 20 Jahren ist die European Poker Tour (EPT) der Nährboden für die nächste Generation von Poker-Stars; junge Talente, die scheinbar ins Rampenlicht geboren werden und lebensverändernde Preise gewinnen, bevor ihr Leben überhaupt richtig begonnen hat.

Doch seit gestern in Paris gibt es einen neuen Namen auf der EPT-Siegerliste, der sogar älter ist als die European Poker Tour selbst.

Barny Boatman, einer der Pioniere des britischen Hendon Mob, die noch vor den Chris Moneymaker-Jahren viel dazu beigetragen haben, das europäische Pokerspiel in den Mainstream zu bringen, holte sich den EPT Paris Main Event-Titel – und den besten Zahltag seiner Karriere, mit 1.287.800 Euro Preisgeld.

Mit 68 Jahren ist Boatman der älteste Spieler, der jemals ein EPT Main Event gewonnen hat. Es war der Lohn für eine sechstägige Poker-Lehrstunde, in deren Verlauf Boatman ein Feld von 1.747 Teilnehmenden überlebte – darunter Dutzende von Spielerinnen und Spielern, die noch nicht einmal am Leben waren, als Boatman sein erstes Pokerturnier gewann.

Er überspielte sie. Er überlistete sie. Er war schneller und cleverer. Boatmans Sieg ist sicherlich ein Triumph fürs Oldschool-Poker und für alle Unverwüstlichen, aber auch für die Innovatoren und die Alterslosen.

Und wie nicht anders zu erwarten, tauften ihn die englischsprachigen Kommentatoren einfach um in „Barny GOAT-man“ – denn mit diesem Erfolg gehört er zu den „Greatest Of All Time“.

Barny GOAT-man

„Es hat alles gepasst“

„Diesmal hat alles gepasst“, sagte Boatman nach seinem Sieg. „Was willst du auch sonst machen? Du kannst nur dein Spiel spielen und hoffen, dass du dieses Mal an der Reihe bist.“

„Das Ganze fühlt sich nicht echt an“, fügte er hinzu. „Ich habe schon an einigen Finaltischen gesessen, war aber nie ganz bis zum Ende dabei. Doch dieses Mal ist es optimal für mich gelaufen, vor allem im Spiel zu dritt.“

Boatman war schon immer ein Anekdotenerzähler, ein Kommentator, ein Schriftsteller und ein kluger Beobachter. Aber im Verlauf der Woche hat er bewiesen, dass er immer noch ein brillanter Spieler ist – und im Finale ließ er zwei junge Superstars hinter sich.

Der Deutsche David Kaufmann, der ehemalige WCOOP Main Event-Gewinner aus dem Jahre 2013, wurde Zweiter und erhielt €804.750, während die lettische Nummer Eins, Aleks Ponakovs, Platz drei belegte und €574.850 gewann. Boatman räumte ein, dass dies die beiden härtesten Spieler waren, gegen die er in diesem Turnier antreten musste, aber selbst sie konnten dem äußerst beliebten Champion nichts entgegensetzen.

Das Spiel am Finaltisch

Spät in der Nacht des fünften Turniertags wurde der Finaltisch von acht auf sechs Spieler reduziert. Aber die verbleibenden Sechs trennte ein tiefer Graben: drei von ihnen schwebten in echter Gefahr, und die drei anderen hatten mehr als solide Chipstacks.

Der Finaltisch:

Platz 1: Owen Dodd, Vereinigtes Königreich, 2.950.000
Platz 2: Eric Afriat, Kanada, 2.525.000
Platz 3: David Kaufmann, Deutschland, 24.800.000
Platz 4: Aleksejs Ponakovs, Lettland, 10.050.000
Platz 5: Peter Jorgne, Schweden, 2.400.000
Platz 6: Barny Boatman, Vereinigtes Königreich, 9.675.000

Die sechs Spieler am Finaltisch des EPT Paris Main Events (v.l.n.r.): Aleks Ponakovs, Owen Dodd, Barny Boatman, Eric Afriat, David Kaufmann, Peter Jorgne.

An vielen EPT-Finaltischen hat es schon Comebacks wie bei Phönix aus der Asche gegeben – aber das galt für dieses Finale nicht. Die Shortstacks verabschiedeten sich einer nach dem anderen, bevor sie auch nur einen kompletten Orbit gespielt hatten.

Afriat verabschiedet sich als Erster

Eric Afriat, der „Bad Boy“ der EPT Paris, ging als Erster an die Rail. Sein zweitägiges Duell mit Barny Boatman hatte zu den unterhaltsamsten Nebenhandlungen der Woche gehört, und so war es nur passend, dass Boatman ihm auch die letzten Chips abnahm.

Boatman fand Pocket-Könige am Button und machte ein Standard-Raise. Afriat fand Q 8 im Big Blind und machte den Call, und der Flop mit 10 10 Q bedeutete nichts Gutes für den Shortstack, der nur noch fünf Big Blinds hatte.

„Ich checke zu dir, mein Freund“, sagte Afriat. Boatman machte eine kleine Bet, etwa ein Viertel von Afriats Stack. Der Kanadier ging sofort All-in, Boatman callte und auch der Turn und River konnten Afriat nicht retten.

Die beiden tauschten noch ein paar freundliche Worte, bevor Afriat mit €261.650 nach Hause ging. „Das hat heute nicht geklappt“, sagte Afriat lächelnd zum Abschied.

Das Ende von Eric Afriat

Back-to-back Jorgne muss gehen

Peter Jorgne hielt nicht viel länger durch. Er sah seinen Stack auf etwa fünf Big Blinds schrumpfen, und jeder seiner Gegner schien es auf seinen Mikro-Stack abgesehen zu haben. Dann fand Jorgne A 9 under the gun – also eine Hand, bevor er ohnehin die Hälfte seines Stacks hätte einsetzen müssen – und Ponakovs callte die zusätzlichen Chips mit 8 7im Big Blind.

Jorgne, der Zweitplatzierte des letzten Jahres, hatte bei diesem Duell einen deutlichen Vorsprung, aber der Flop sah gefährlich für ihn aus: 6 J 5. Und die 4 auf dem Turn war der Killer.

Back-to-back-Finaltische beim gleichen EPT-Event sind eine ziemlich sensationelle Leistung – und dieses Mal kassierte Jorgne immerhin noch €340.100 für einen weiteren unglaublichen Lauf.

Dodd klettert in der Rangliste – und stürzt ab

Owen Dodd hatte sich bis auf Platz vier vorgearbeitet, aber sein winziger Stack ließ ihm kaum noch Chancen. Er foldete ein Ass mit niedrigem Kicker under the gun und fand dann 2 2 im Small Blind. Das war ein klares All-in, und er erwischte einen Coinflip gegen Philip Kaufmanns A 10.

Dodd überlebte alle möglichen Outs am Flop und Turn, aber ein A auf dem River beendete sein Turnier. Dodd, der sich nach den überragenden kürzlichen Leistungen seiner Freunde Ian Hamilton und Carl Shaw hatte überreden lassen, das EPT Main Event in Paris mitzuspielen, war damit der Dritte aus diesem Freundeskreis, der ein EPT-Finale erreichte.

Er verließ das Turnier auf Platz vier und mit €442.150 in der Tasche. Zu diesem Zeitpunkt war der Finaltag gerade einmal eine Stunde alt.

Owen Dodd folgte seinen engen Freunden an einen EPT-Final Table

Der Aufstieg von Barny Boatman

Während die Shorties nun in die Bar gingen, hatten die drei verbliebenen Spieler alle noch reichlich Chips, mit denen sie manövrieren konnten. Kaufmann führte immer noch mit 21,5 Millionen, aber sowohl Ponakovs als auch Boatman lagen mit 15,8 Millionen bzw. 15,15 Millionen ebenfalls gut im Rennen.

Nach gängiger Expertenmeinung hätte Boatman nun der Köder für die beiden Online-Haie werden müssen, an dem sie sich laben konnten. Da er alt genug war, um der Vater beider Kontrahenten zu sein, hätte man annehmen sollen, dass sein Turnier an diesem Punkt sein logisches Ende finden würde.

Doch weit gefehlt. Der Brite kämpfte sich langsam nach vorn, indem er seine gesamte Trickkiste auspackte.

Boatman (rechts) zeigte sich während des gesamten Turniers von seiner schlitzohrigsten Seite

Er brachte seine Gegner dazu, seine kleinen Value Bets mitzugehen, wenn sie im Rückstand lagen, und er wartete nur darauf, dass sie ihn zu bluffen versuchten – um sie dann gnadenlos zu erwischen. Vor der ersten Pause des Tages ging Boatman schließlich in Führung, dank eines Full House mit 10 7 und einem Bluff von Kaufmann – der natürlich erfolglos war.

Boatman lag 12 Millionen vorn. Dann lag er 15 Millionen vorn. Und irgendwann waren es über 20 Millionen. Ponakovs war der Shortstack, konnte zwei Mal gegen Boatman verdoppeln und sich so immer wieder retten – aber zwischen diesen Händen gewann Boatman einen beträchtlichen Pot mit drei Fünfen, der seine Führung sicherte.

Kurz vor der nächsten Pause hatte Boatman 70 Prozent aller Chips im Spiel.

Kaufmann verabschiedet Ponakovs

Ponakovs hatte sich lange geschickt über Wasser gehalten, auch wenn Boatman weiterhin den Tisch dominierte. Aber bei der ersten Hand, die er gegen Kaufmann spielte, halfen ihm all seine Überlebenskünste nicht mehr. Ponakovs hielt A 8, als Kaufmann mit Pocket-Dreien aus dem Small Blind shovte.

Ponakovs callte, verpasste das Board aber völlig – und so blieben ihm zum Schluss Platz drei und €574.850.

Einer der besten Jungstars, Aleks Ponakovs, wurde Dritter

Kurzlebiges Heads-up

Obwohl der Sieg gegen Ponakovs Kaufmann genug Chips einbrachte, um im Heads-up einigermaßen gute Chancen zu haben – die Stacks lagen zu Beginn bei 35,6 Millionen (71 Big Blinds) gegen 16,775 Millionen (33 BB) -, konnte der deutsche Spieler Boatmans Siegeszug nicht aufhalten.

Boatman meinte, er hätte bei diesem Finale optimale Karten bekommen, und dagegen ließ sich sicherlich nichts einwenden. Den Grundstein für diesen „gottgleichen Lauf“ hatte er jedoch in den Tagen zuvor gelegt, vor allem als er am Feature-Tisch saß und die Zuschauer mit besonders gut getimten Bluffs und Hero-Calls begeisterte.

In der zweiten Hand des Heads-ups kam Boatman sofort zur Sache. Kaufmann eröffnete mit A 9 und Boatman brachte ein Three-Bet mit J 2. Kaufmann callte, und der Dealer teilte den Flop aus.

Dieser zeigte 9 J 6 – und Boatman, mit seinem Top Paar, schob 2 Millionen in die Mitte. Kaufmann, mit mittlerem Paar, machte den Call.

Selbst David Kaufmann konnte Boatman nicht aufhalten

Nach der 5 auf dem Turn ging Boatman All-in, und Kaufmann musste eine Entscheidung um sein Turnierleben treffen. Im Verlauf der Woche hatte Boatman einen unglaublichen Hero-Call gegen Afriat gemacht und daraufhin gemeint: „Es ist nur mein Turnierleben, nicht mein wirkliches Leben. Es gibt immer ein anderes Turnier.“

Vielleicht hatte Kaufmann diesen Spruch noch in den Ohren, denn auch er machte den Call. Der Unterschied bestand nur darin, dass er dieses Mal weit hinten lag.

Boatman überlebte Kaufmanns Out am River – und damit war sein Job war erledigt, die Poker-Lehrstunde beendet.

„Das ist das beste Turnierergebnis, das ich je hatte“, sagte Boatman. „Das Ganze fühlt sich nicht real an.“

Da die EPT in ihr zwanzigstes Jahr geht, ist dies ein Sieg für die Ewigkeit. Barny Boatman? Nein. Ab jetzt Barny Goatman.

EPT Paris €5.300 Main Event – Ergebnisse am Finaltisch

Platz Spieler Land Preisgeld
1 Barny Boatman Vereinigtes Königreich €1.287.800
2 David Kaufmann Deutschland €804.750
3 Aleksejs Ponakovs Lettland €574.850
4 Owen Dodd Vereinigtes Königreich 442.150
5 Peter Jorgne Schweden €340.100
6 Eric Afriat Kanada €261.650

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