Saturday, 18th May 2024 07:52
Home / Lokalmatador Patrik Antonius gewinnt das EPT Monte Carlo €100.000 Super High Roller

Nicht viele Menschen nennen Monte Carlo ihr Zuhause. Andererseits sind auch nicht viele Menschen so erfolgreich beimn Pokern wie Patrik Antonius.

Während die meisten Leute im Salle des Etoile in dieser Woche nach einem unruhigen Hotelzimmerschlaf im Turniersaal eintreffen, macht Antonius einen kurzen Spaziergang von seiner Wohnung aus zu diesem Spielplatz der Millionäre.

Und heute Abend kehrt er mit einer riesigen PokerStars Super High Roller-Trophäe und fast 2 Millionen Euro Preisgeld nach Hause zurück.

Patrik Antonius – EPT Monte Carlo €100.000 Super High Roller Champion

Es ist ein sehr befriedigender Augenblick für Antonius – einer der dienstältesten und strahlendsten Stars der European Poker Tour, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert. Der mittlerweile 43-jährige Finne machte erstmals in der zweiten EPT-Saison mit zwei Finaltischen auf sich aufmerksam, und sein Sieg bei der EPT Baden war der Startschuss für eine der erfolgreichsten Pokerkarrieren aller Zeiten.

Antonius war nach seinem Sieg genauso zuvorkommend wie damals. Das Gleiche galt auch für Einschätzung über seine Position in einer Pokerwelt, die sich um ihn herum weiter entwickelt hat.

Antonius im Interview

„Ich weiß nicht genau, wo ich stehe“, sagte Antonius zu Joe Stapleton, kurz bevor er die EPT Super High Roller-Trophäe in Empfang nahm. „Ich war schon dabei, bevor die Solver ins Spiel kamen und es noch nicht einmal Handverläufe gab. Ich war also schon dabei, bevor irgendjemand wirklich wusste, wie man spielt – und dann hat sich das Spiel immer weiter entwickelt. Ich denke, es ist eine Menge Erfahrung, eine Menge natürlicher Fähigkeiten und natürlich das Studium und die Weiterentwicklung des eigenen Spiels. Aber ich weiß nicht, wo ich wirklich stehe.“

Er fügte hinzu: „Wir leben in einer interessanten Ära des Pokerns. Du kannst versuchen, wie ein Computer zu spielen, so viel wie möglich zu lernen, aber es gibt immer noch die menschlichen Elemente. Letztlich spielen wir alle wie Menschen. Ich glaube, ich habe eine ziemlich gute Balance zwischen diesen beiden Elementen.“

Er räumte ein, dass die EPT bei all diesen Entwicklungen eine wichtige Rolle gespielt hat: „Die EPT startete genau in den Jahren, in denen ich anfing, Turnierpoker zu spielen. Ich konnte in Baden gewinnen. Zwanzig Jahre, ich fühlte mich gut, jung. Später kamen diese High Roller-Turniere dazu – wirklich spannende und interessante Turniere, die ich sehr gern spiele.“

Das Turnier

Und dieses Turnier hier war besonders interessant für Antonius – das größte $100.000-Turnier, das jemals bei der EPT Monte-Carlo ausgetragen wurde. Der Finne setzte sich im härtesten Turnier der Woche gegen ein Feld von 72 Teilnehmern durch. Er strich den Löwenanteil des Preispools von €6.985.440 ein, nach einem Heads-up-Sieg gegen den deutschen High-Roller-Turnierspezialisten Christoph Vogelsang.

Antonius und Christoph Vogelsang vor ihrem Heads-up

Antonius ging mit deutlichem Chip-Vorsprung in den dritten Turniertag, nachdem er sich erst zu Beginn von Tag 2 zum ersten Mal an den Tisch gesetzt hatte. Und obwohl ein Pot Vogelsang vorübergehend die Chipführung einbrachte, war Antonius auch am Finaltag der dominierende Spieler.

Auch wenn die Besten der Welt kamen und gingen: Am Ende blieb nur der Lokalmatador übrig.

Die Action am Finaltag

Die beispiellose Teilnehmerzahl bedeutete, dass der Finaltag mit mehr Spielern als üblich begann. Neun der Besten der Welt saßen am Fensehtisch, bereit für den Livestream um Millionen.

Natürlich hatten alle Teilnehmer am Finaltisch solche Situationen schon oft erlebt, so dass man davon ausgehen konnte, dass dies eher eine Poker-Lehrstunde werden würde als die manchmal unberechenbaren Ereignisse bei Events mit niedrigerem Buy-in.

Sie setzten sich wie folgt zusammen:

Platz 1: Jean-Noel Thorel, Frankreich, 775.000
Platz 2: Patrik Antonius, Finnland, 3.940.000
Platz 3: Byron Kaverman, USA, 2.085.000
Platz 4: Alex Kulev, Bulgarien, 425.000
Platz 5: Ben Heath, Vereinigtes Königreich, 2.480.000
Platz 6: Christoph Vogelsang, Deutschland, 2.390.000
Platz 7: Stephen Chidwick, Vereinigtes Königreich, 1.095.000
Platz 8: Juan Pardo, Spanien, 3.400.000
Platz 9: David Yan, Neuseeland, 1.425.000

Aber auch bei Poker-Lehrstunden ist die Anwesenheit von Jean-Noel Thorel natürlich immer für eine Überraschung gut, und der erfahrene Franzose überlebte an diesem Finaltisch immerhin noch Alex Kulev, Stephen Chidwick und David Yan.

Titelverteidiger Kulev versuchte schon früh,seinen Shortstack zu verdoppeln, ging mit Pocket-Neunen gegen Juan Pardo All-in … und verlor gegen dessen K 10. Auch Chidwick erlebte ein turbulentes Eröffnungslevel, in dem er zunächst mit Pocket-Assen keine Gegner fand, dann aber die beiden Pötte verlor, die zählten. Chidwick schied als Achter aus, und die letzten seiner Chips gingen an Byron Kaverman.

Yan überlebte nicht viel länger und wurde das erste Opfer von Antonius. Yan open-pushte vom Button aus mit A 9 und Antonius machte einen einfachen Call mit A Q und gewann das All-in.

Kulev gewann €218.300, Chidwick nahm €272.800 mit nach Hause und Yan erhielt €341.200. Das war zwar für keinen der drei auch nur annähernd einer der größten Gewinne ihrer Karriere – aber immerhin ein paar Buy-ins mehr für die nächsten High Roller-Events.

Vogelsang, Chidwick und Pardo

Niemand hatte Antonius bis zu diesem Zeitpunkt auch nur nervös machen können, aber ein paar seiner Gegner am Tisch bewegten sich in die richtige Richtung. Juan Pardo öffnete seine Trickkiste mit ein paar starken Power-Bluffs – und er war auch in der richtigen Position, um Thorel auszuschalten.

Thorel ging mit K Q All-in, und Pardo drehte A 10 um – was das Feld auf fünf reduzierte. Thorels sechster Platz brachte ihm €426.500 ein.

Kaum war Thorel vom Tisch aufgestanden, als auch für Ben Heath das Turnier zu Ende ging. Der zweite Brite im Finale ließ sich auf eine Pre-Flop-Raise-Schlacht mit Antonius ein und callte schließlich dessen All-in, nachdem Antonius mit K J einen Four-Bet-Shove gebracht hatte.

Heath hatte schwarze Pocket-Zehner, aber schon mit dem Flop erschien K – und das war das Turnierende für den Briten. Heath kassierte €536.500, denn die Auszahlungen erreichten langsam aber sicher beachtliche Höhen.

Ben Heath auf dem Weg zum Main Event

Antonius‘ Chipführung hatte sich nach dem K.o. von Heath nur noch vergrößert, und obwohl Kaverman, Christoph Vogelsang und Pardo weiterhin aggressiv spielten, war Antonius der Mann, der mit seinem gewaltigen Chipstack den größten Schaden anrichten konnte.

Zunächst drängte Vogelsang Kaverman mit einem Paar Pocket-Siebener aus einem Four-Bet-Pot. Kurze Zeit später sah Kaverman sich erneut mit einem Four-Bet konfrontiert – doch dieses Mal kam es von Antonius. Kaverman callte mit A 8 und lag gegen Antonius‘ A J deutlich zurück.

Platz vier brachte Kaverman, der bei der EPT in regelmäßigen Abständen große Erfolge feiert, immerhin €697.500 ein.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Pokergötter kaum eingegriffen – zumindest nicht, um die Odds auf den Kopf zu stellen. Doch das änderte sich in einem Pot, der das Turnier für Pardo beendete und Vogelsang einen satten Chipstack einbrachte.

Pardo fand Pocket-Queens und eröffnete. Vogelsang bekam Q 6 im Big Blind und machte einen Standard-Call. Und dann wurde es düster für Pardo: Der Flop brachte 6 6 5.

Vogelsang check-raiste den Flop, checkte den K am Turn und check-jammte die 9 am River – was Pardo vor die Entscheidung über sein Turnierleben stellte. Er callte nach langem Nachdenken und bekam sofort die schlechte Nachricht. Die drei Sechsen reichten aus, um den 7-Millionen-Pot in Vogelsangs Richtung zu schicken, und Pardo kassierte €906.700 für den Platz drei.

Im Heads-up

Zu Beginn des Heads-up lag Antonius mit knapp 10 Millionen Chips deutlich vor Vogelsang mit 7 Millionen Chips. Doch das änderte sich schon in der ersten Hand: Vogelsang traf das Board mit K 7 etwas besser als Antonius mit A 6, als der Dealer 4 5 9 7 6 aufdeckte.

Der Verlust von 2,5 Millionen Chips bedeutete, dass Antonius zum ersten Mal seit dem Vortag die Chip-Führung abgab.

Aber die Situation änderte sich schnell wieder. Antonius fand Pocket-Queens und callte ein Raise von Vogelsang, der A 9 hatte. Der Flop brachte Q A K – ein ideales Szenario für Antonius.

Als die 8 am Turn und die 2 am River auf den Tisch kamen, waren längst schon alle Chips in den Pot gewandert. Antonius verdoppelte seinen Stack – und gab seinen Vorsprung nie wieder ab. Obwohl Vogelsang noch einmal verdoppeln konnte, kam es schon kurz vor 19:00 Uhr zur letzte Hand des Turniers.

Vogelsang ging mit A 5 All-in und traf auf Antonius‘ A 9. Das Ass mit besserem Kicker setzte sich durch, und damit war das Turnier beendet. Vogelsang kassierte €1.269.300 für seine Bemühungen, musste sich aber mit dem zweiten Platz begnügen.

Damit gehört Patrik Antonius zu den wenigen Spieler:innen, die neben einem Erfolg beim Main Event auch ein EPT Super High Roller gewinnen konnten – aber die 1.967.440 Euro sind natürlich auch nicht zu verachten.

„Ein siebenstelliger Betrag ist immer etwas ganz Besonderes“, sagte Antonius – denn selbst für einen Einwohner von Monaco ist diese eine gewaltige Summe.

Es ist Patrik Antonius‘ Welt … wir leben nur in ihr.

EPT Monte Carlo €100.000 Super High Roller
Termine: 27. bis 29. April 2024
Teilnahmen: 72 (inkl. 24 Re-Entries)
Preispool: €6.985.440

Ergebnisse am Finaltisch
1 Patrik Antonius (Finnland) €1.967.440
2 Christoph Vogelsang (Deutschland) €1.269.300
3 Juan Pardo (Spanien) €906.700
4 Byron Kaverman (USA) €697.500
5 Ben Heath (Vereinigtes Königreich) €536.500
6 Jean-Noel Thorel (Frankreich) €426.500
7 David Yan (Neuseeland) €341.200
8 Stephen Chidwick (Vereinigtes Königreich) €272.800
9 Alex Kulev (Bulgarien) €218.300

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