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Chinese Poker – Regeln und Einführung

Für diejenigen, die etwas Hold´em-müde geworden sind oder die einfach mal den abenteuerlichen Duft einer anderen Pokervariante schnuppern möchten, wird hier ein Einblick in die faszinierende Welt jenseits des Texas Hold´em gegeben. Chinese Poker ist sehr beliebt und wird mit bis zu vier Teilnehmern gespielt. Wir erklären dir die Regeln und eine einfache Strategie.

Chinese Poker Spielablauf

Chinese Poker kann mit zwei bis vier Spielern gleichzeitig gespielt werden; es können jedoch auch fünf (oder mehr) Spieler teilnehmen, wobei dann der Spieler links vom Geber aussetzt und während des Legens der anderen Spieler bereits ein zweites Deck Karten mischt und zu vier Stapeln auslegt, um Zeit zu sparen. Jeder Spieler erhält einen verdeckten Stapel mit 13 Karten, die er verdeckt nach Belieben in zwei Hände à fünf Karten (Back-Hand und Middle-Hand) und eine Hand à drei Karten (Front-Hand) legt.

Hierarchie: Prinzipiell gibt es 72.072 verschiedene Möglichkeiten, seine Karten zu legen. Es gibt jedoch eine Regel, die beim Legen strikt zu beachten ist. Die Hände müssen immer so gelegt werden, dass die Back-Hand die stärkste, die Middle-Hand die zweitstärkste und die Front-Hand die schwächste ist.

Chinese Poker Regeln

Chinese Poker hat besondere Pokerregeln. Nachdem jeder Spieler seine Hände gelegt hat, werden alle Hände aufgedeckt und mit Punkten bewertet. Dabei vergleicht jeder Spieler mit jedem anderen Spieler seine drei Hände (Front, Middle und Back). Jeder Punkt steht für einen Einsatz, den die Spieler untereinander ausmachen. Das Besondere ist, dass jeder Spieler mit jedem anderen Spieler einen unterschiedlichen Einsatz vereinbaren kann. Spieler A und B könnten beispielsweise vereinbaren, um €1 pro Punkt zu spielen, während Spieler A und C ausmachen, dass jeder Punkt €100 wert ist. Wofür gibt es nun Punkte?

Basis-Punktesystem

Dieses System wird auch „2-4″ genannt, da jeder Spieler von jedem anderen in der Regel zwei oder vier Einsätze erhält oder zahlen muss, solange keine Hand unentschieden gewertet wird. Die folgenden Beispiele verdeutlichen das Punktesystem noch einmal:

Beispiel 1: Spieler A gewinnt gegen Spieler B alle drei Hände. Er erhält insgesamt vier Punkte (einen für jede Hand und einen „Overall“-Punkt dafür, dass er mehr Hände gewonnen hat) und sein Gegner null. Spieler A erhält also vier Einsätze von Spieler B.

Beispiel 2: Spieler A gewinnt gegen Spieler B die Front-Hand und die Middle-Hand, verliert jedoch die Back-Hand. Er erhält drei Punkte (einen für die Front-Hand, einen für die Middle-Hand und einen „Overall“-Punkt). Spieler B erhält einen Punkt für den Gewinn der Back-Hand. Somit erhält Spieler A unterm Strich zwei Einsätze von Spieler B.

Andere Basis-Punktesysteme

Andere Basis-Punktesysteme können von den Spielern nach Belieben vereinbart werden. Ein ebenfalls oft gespieltes System ist, dass die Middle-Hand zwei Punkte statt einem zählt.

Royalties

Royalties sind Extrapunkte, die für besonders starke Hände zusätzlich vergeben werden.

Natural Royalties

Natural Royalties werden für bestimmte Kartenkonstellationen pauschal abgerechnet, ohne Sieg und Verlust der jeweiligen Hände mit einzubeziehen. Natural Royalties müssen direkt beim Aufdecken der Karten angekündigt werden.

Surrender

Es gibt zwei unterschiedliche Möglichkeiten, eine Surrender-Regel mit einzubauen, die Spielern die Möglichkeit geben soll, ihre Blätter günstig aufzugeben und Verluste zu minimieren. Beim offenen Surrender kündigt ein Spieler vor dem Umdrehen der Karten den Surrender an. Beim verdeckten Surrender legt der Spieler seine Hände absichtlich falsch (z. B. Middle-Hand stärker als Back-Hand). Ein Surrender wird zumeist mit –2 Punkten gegen jeden anderen Spieler gewertet, der keinen Surrender genommen hat.
Tauschen

Beim Spiel mit drei Spielern werden vier Blätter mit je 13 Karten bereitgestellt, von denen nur jeweils drei in Verwendung sind. Spielt man mit der Tauschregel, dann darf der erste, der dies ankündigt, gegen Zahlung von einem Punkt an jeden Spieler (manchmal wird auch mit 1,5 Punkten pro Spieler gespielt) das verbleibende Blatt aufnehmen und muss nun dieses anstelle des ersten spielen.

Spieltaktik und Strategie

Chinese Poker ist ein Spiel mit einer endlichen Zahl an Möglichkeiten. Daraus folgt, dass es für jede Hand ein optimales Spiel gibt. Die Kunst liegt darin, das beste Spiel zu finden und im Verlauf des Spiels so wenige Fehler wie möglich zu machen. Hier nun einige Hilfestellungen zur Pokerstrategie, um das Blatt möglichst optimal zu legen:

  • Alternativen erkennen
  • Alternativen bewerten
  • Beste Alternative auswählen

Alternativen erkennen

Zunächst einmal muss ein Chinese-Poker-Spieler in der Lage sein, alle Möglichkeiten und Alternativen, die ihm ein Blatt vorgibt, auch zu erkennen. Ich rate deshalb dazu, die Karten nach bestimmten Kriterien zu ordnen (z. B. nach Farbe, um Flushmöglichkeiten zu erkennen, oder nach Wert, um Straight- Möglichkeiten, Paare, Drillinge und Quads zu erkennen).

Alternativen bewerten

Das Kerninstrument, um die verschiedenen Legemöglichkeiten zu bewerten, bildet folgende Tabelle:

Für jede Alternative sollte der GW-Wert für die Front-, Middle- und Back-Hand geschätzt und dann aufaddiert werden.

Beste Alternative auswählen

In der Regel sollte die Alternative gewählt werden, die in Summe den höchsten GW-Wert aufweist. Sie hat zusammengenommen unter allen möglichen Alternativen die höchste Wahrscheinlichkeit, die meisten Punkte zu machen. Ist eine Entscheidung zwischen zwei oder mehreren Alternativen marginal, dann sollte diejenige gewählt werden, bei der sich der GW-Wert möglichst deutlich auf zwei Hände verteilt.

Beispiel: AJJ5732AJ8742 – AAJJJ87754322

Alternative 4 hat den höchsten GW-Wert und sollte deshalb gespielt werden.

Weitere Taktiken

Auf drei besondere Situationen möchte ich an dieser Stelle noch eingehen:

  • die Platzierung der höchsten Kickerkarte bei Pair in der Middle-Hand und Pair in der Front-Hand
  • die Entscheidung, (X, Two Pair, High Card) oder (X, Pair, Pair) zu spielen
  • die Entscheidung, (X, Full House, High Card) oder (X, Trips, Pair) zu spielen

Bei der Platzierung der Kickerkarten in einer (X, Pair, Pair)-Alternative sollte wie folgt vorgegangen werden:

Manchmal befindet man sich in der Situation, für die Front- und Middle-Hand noch genau zwei Paare übrig zu haben. Folgende Regeln sollten bei der Aufteilung der Paare in Front- und Middle-Hand beachtet werden:

  • Ist das kleinere der beiden Paare JJ oder größer, so sollte dieses grundsätzlich in die Front-Hand gelegt werden.
  • Ist das kleinere Paar 66 bis TT, sollte es nur dann in die Front-Hand gelegt werden, wenn die mögliche High-Card-Kombination ansonsten kleiner wäre als KT9.
  • Ist das kleinere Paar 22 bis 55, sollte es nur dann in die Front-Hand gelegt werden, wenn die mögliche High-Card-Kombination ansonsten kleiner wäre als QT9.

Hin und wieder kann man sich den Luxus erlauben, darüber nachzudenken, ob man ein Full House in der Middle-Hand legen möchte und High-Card vorn, oder lieber Trips in der Mitte und ein Paar vorn. Hier die Regel:

Wenn das Paar, das zum Full House gehört, QQ, KK oder AA ist, sollte dieses in die Front-Hand gelegt werden, da dann eine gute Wahrscheinlichkeit besteht, zu scoopen. In allen anderen Fällen ist es sinnvoller, den Royalty-Punkt für ein Full House in der Mitte mitzunehmen.

Chinese Poker ist ein wunderbares Spiel, um sich die Zeit mit Gleichgesinnten zu vertreiben und es wird zurecht immer beliebter. Wer diesen Artikel sorgfältig gelesen hat, sollte in der Lage sein, gegenüber seinen Gegnern ein Edge zu erzielen. Viel Spaß bei dieser schönen und aufregenden Pokervariante!

 

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