Drei Wochen nach der hiesigen DEL wird es in der stärksten Liga der Welt wieder heiß auf dem Eis. Die Kufencracks aus der NHL füllen wieder die Hallen. 1271 Spiele umfasst die am 2. Oktober startende Hauptrunde (alle NHL-Wetten). In der Rolle des Gejagten: Die St. Louis Blues, deren Cinderella-Story aus dem Vorjahr womöglich noch nicht auserzählt ist. Mögliche Nachahmer finden sich in New York, während die deutsche Hoffnung Leon Draisaitl mit den Edmonton Oilers mal wieder eine Zitterpartie bevorsteht. Unseren NHL-Saisonausblick gibt es hier zum Nachlesen.

Das Objekt der Begierde misst exakt 89,54 Zentimeter. Aus Silber und Nickel bestehend, wird der Stanley Cup als eine Art Heiliger Gral im Eishockey angesehen. Mit Blick auf den Favoriten tappen die Buchmacher vor der NHL-Saison 2019/20 etwas im Dunkeln. Also nähern wir uns der Frage aller Fragen, wer den über 15 Kilo schweren Pokal in die Höhe stemmen wird, diesmal auf eine andere Art und Weise an.

Central-Division mit breiterer Spitze als Atlantic

Stolze 45 Titel verteilen die acht Teams der Atlantic Division auf sich. Ist diese damit automatisch die stärkste Division? Im Vorjahr hatten sich die favorisierten Tampa Bay Lightning bekanntlich sang- und klanglos in der ersten Playoff-Runde verabschiedet. Der letzte Titelgewinn der Atlantic Division liegt nunmehr schon zehn Jahre zurück – und die Pittsburgh Penguins mitsamt Superstar Sidney Crosby wurden 2013 in die Metropolitan Division umgesiedelt.

Auch das Division-Ranking in der Grafik spricht eine etwas andere Sprache. Im Schnitt brachten es die Teams aus der Central Division auf 41,8 Siege. Der Bestwert lässt auf ein insgesamt höheres Niveau und eine breitere Spitzengruppe schließen. Am Ende der Regular Season trennten die drei Top-Teams Nashville, Winnipeg und St. Louis lediglich zwei Siege. Lag hier – neben Rookie-Sensation Jordan Binnington im Tor – einer der Gründe für den Playoff-Run der Blues?

Colorado und Grubauer kratzen an 40 Siege-Marke

Das Franchise aus dem US-Bundesstaat Missouri hatte nach 37 Spieltagen den letzten Platz belegt. Es folgte ein unerwarteter Siegeszug, der eine Eigendynamik in Gang setzte und St. Louis Blues auf dem Weg zum ersten Stanley-Cup-Triumph durch zwei Krimiserien (Dallas Stars, Boston Bruins) tragen sollte. Mögliche Theorie: Angeführt vom russischen Torjäger Nikita Kucherov distanzierte Tampa Bay (62 Siege, 16 Niederlagen) in der Regular Season zwar die Konkurrenz, war aber unterkühlt in die Playoffs gegangen.

Gut möglich, dass die Central-Teams in der NHL-Saison 2019/20 noch einen Tick enger zusammenrücken. Colorado Avalanche kratzt nach einer 38:30-Saison an der Marke von 40 Siegen. Oder auch noch mehr? Pierre-Edouard Bellemare (Vegas Golden Knights) bringt als Center auch Defensiv-Qualitäten mit, der per Trade aus Washington losgeeiste Andre Burakovsky sogar Championship-DNA mit nach Colorado, wo sich der deutsche Torhüter Philipp Grubauer als klare Nummer 1 etabliert hat. Weitere Gewinner der Off-Season: Die New York Rangers, die trotz Star-Goalie Henrik Lundqvist in den vergangenen beiden Spielzeiten die Playoffs verpasst hatten, sowie die westlich des Hudson River beheimateten New Jersey Devils.

Top-Talent Jack Hughes auf den Spuren von Kane und Co.

In Jack Hughes hat der mit 18 Jahren jüngste WM-Teilnehmer der USA sowie ein weiterer Absolvent des renommierten US-Hockey-Development-Programms, den Weg zum im Neuaufbau befindlichen Stanley-Cup-Sieger von 2003 gefunden. Zahlreiche seiner Vorgänger, darunter Patrick Kane (Chicago Blackhawks), legten eine große NHL-Karriere hin und führten ihre Teams zum Titel. Am Draftabend wählten die Devils jedoch nicht nur Hughes als Nummer-1-Pick aus, sondern fädelten außerdem einen Trade für P.K. Subban (Nashville) ein, der als dreimaliger All-Star-Verteidiger die Löcher im Defensivverbund (275 Gegentreffer in der Vorsaison) stopfen soll.

Wer über Abo-All-Stars und Torjäger spricht, landet fast automatisch bei der Pacific Division. Hier tummelt sich ein Trio (Connor McDavid, Leon Draisaitl, Johnny Gaudreau) unter den Top 8-Scoren der Vorsaison. Aber was heißt das schon? In Edmonton steckt Draisaitl in einer Art Teufelskreis fest. Jahr für Jahr schraubt der als „German Gretzky“ gefeierte Kölner seine Werte nach oben, hat mit McDavid einen kongenialen Sturmpartner – dazu in der Blütezeit der Karriere – an seiner Seite. Die Playoffs müssen sie in der Regel aber oft vorzeitig abschreiben. An diesem Dilemma und der Grundsatzfrage, ob McDavid und Draisaitl dem Team in einer Reihe oder getrennt mehr nützen, versucht sich nun Dave Tippett und damit der 10. Head Coach seit 2008.

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