Connor McDavid? Nikita Kutscherov? Der deutsche Shootingstar Leon Draisaitl (Edmonton Oilers) katapultiert sich in seiner sechsten NHL-Saison in die Diskussion über DEN besten Spieler der Liga. Die Sky Bet-Redaktion befeuert diese durch drei Grafiken und dutzenden Argumenten.

Wie viele Weihnachtskarten der zuletzt in Russland tätige Craig MacTavish von den Fans der Oilers noch erhält, ist nicht überliefert. Als Spieler gewann er vier Stanley Cups mit der kanadischen Traditions-Franchise. Später war „MacT“ auch als Trainer sowie im Management tätig. Für die vielleicht unkonventionellste Entscheidung werden sie dem Vor-Vor-Vorgänger des aktuellen General Managers Ken Holland wohl ewig dankbar sein. April 2014: Der NHL Draft in Philadelphia! Mit dem 3. Pick entscheiden sich die Edmonton Oilers für… Leon Draisaitl.

Eine Mischung aus Applaus und Verwunderung erfüllt das Wells Fargo Center. Nie zuvor wurde ein deutscher Spieler früher gedraftet. Was MacTavish seinerzeit in Leon Draisaitl sah? Einen Center, der Größe und physische Attribute ins Team bringt. Einen, der vielleicht für 30 Tore pro Jahr gut ist. Draisaitl schießt seine Tore, aber auf dem linken Flügel. Die Frage, ob Draisaitl in seinem Draftjahrgang gegenüber Sam Reinhart (#2/Buffalo) der bessere Pick war, stellt sich nicht. Dafür zwei andere: Sticht er im Grunde auch all die 1050 Talente aus, die in den folgenden fünf Jahren bis heute über den Draft in die NHL gespült wurden? Und: Wo liegt überhaupt sein Limit?

Auf den Spuren des Vorjahres-MVPs

In der NHL-Saison 2018/19 bewegte sich der gebürtige Kölner bereits auf dem Niveau von Elite-Scorern wie Connor McDavid, Patrick Kane und Co. Am Ende standen 105 Scorer-Punkte. Ein Wert, den Leon Draisaitl voraussichtlich bereits nach etwas über 60 Spielen erreicht haben wird. Hochgerechnet auf 82 Partien reicht sein sagenhafter Schnitt von 1,7 Punkten pro Spiel sogar aus, um Nikita Kucherov zu toppen und an der 140er-Marke zu kratzen. 128 Punkten hatten dem Mann aus Tampa Bay sowohl die Art Ross Trophy als auch den MVP-Award (Hart Memorial Trophy) eingebracht.

Will der Oilers-Stürmer den Russen ablösen, muss er in diesem Jahr außerdem Nathan MacKinnon (Colorado Avalanche) sowie das Boston-Duo Brad Marchand und David Pastrnak hinter sich lassen. Gerade MacKinnon profitiert davon, in Andre Burakovsky und Joonas Donskoi zwei Flügelstürmer an seiner Seite zu haben, die ihn immer wieder mustergültig in Szene setzen. Und Draisaitl? Einerseits harmoniert er mit Connor McDavid. Gleichzeitig bleibt sein zwei Jahre jüngerer Sturmpartner, dessen Speed auf dem Eis allenfalls eine Handvoll Verteidiger mitgehen können, der wohl größte Konkurrent im MVP-Rennen.

Career High und Entwicklung zum Two Way-Player

Wie es „LEE-awn DRIGH-zigh-tuhl“, wie ihn die amerikanischen Kommentatoren aussprechen, immer öfter schafft, aus McDavids Schatten herauszutreten, zeigt ein Blick auf unsere zweite Grafik. Nicht nur, dass er für seine Tore weniger Chancen benötigt. Draisaitl hat sich zu einem Two Way Player á la Patrice Bergeron (Boston Bruins) oder Anže Kopitar (LA Kings) entwickelt. Also einem Stürmer, der sowohl offensiv in Puckbesitz als auch in der eigenen Zone dominiert. Bei 3 gegen 5-Unterzahl setzt sein Coach Dave Tippett immer öfter auf den Deutschen statt Connor McDavid als einzigen Stürmer.

Als Spiegelbild der bisherigen Oilers Saison dient der 6:2-Heimsieg über Colorado Mitte November. Sich dabei nur auf Draisaitls neues Career High (Fünf Scorer-Punkte) zu versteifen, greift nicht weit genug. Entscheidend für den Erfolg war viel mehr die Powerplay-Statistik. Fünfmal war der Gegner in Überzahl. Fünfmal hielt Edmonton eine der besten Powerplay-Reihen in Schach und gewann ein Spiel, das man im Vorjahr wohl noch abgegeben hätte. Die Folge: Durch den Rogers Place hallten MVP-Rufe, die nicht McDavid galten.

Den Vergleich mit den letzten vier Gewinnern muss der 24-Jährige ebenfalls nicht scheuen. Die Größe mal außen vorgelassen, ähnelt Draisaitl von der Spielweise her vor allem Chicagos Patrick Kane: Technisch 1a, schwer von der Scheibe zu trennen und das Gespür für den richtigen Moment beim Abschluss. Die drei noch fehlenden Gamewinner scheinen für den Kölner weniger ein Hindernis als die Playoffs, die er in sechs Jahren bei den Edmonton Oilers nur einmal erreichen konnte.

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