Wie man Strip-Poker spielt

Juli 07, 2020

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Bei den Recherchen und der Arbeit an meinem Buch Poker & Pop Culture bin ich mit unzähligen Themen in Berührung gekommen. Ich habe die Geschichte des Spiels auf eine Weise kennengelernt, die mir sonst verschlossen geblieben wäre. Ein Beispiel: Ohne das Buch hätte ich mich wohl nie mit den Regeln befasst, wie man Strip-Poker spielt.

Ich habe das Gefühl, dass Sie, verehrter Leser, meinen Worten nicht glauben wollen. Wer weiß bitte nicht, wie man Strip-Poker spielt?

Ich habe Beispiele für Strip-Poker in Filmen gefunden, die bis in die Stummfilm-Ära zurückreichen – und selbst in der Zeit davor finden sich Referenzen zu Strip-Poker. In der heutigen Welt, die sich vor Webcams, Laptops und mobilen Geräten kaum retten kann, ist es ein Leichtes, online ein Strip-Poker-Spiel zu finden. Allerdings überlasse ich gerne anderen diesen Teil der Recherche.

Mit anderen Worten: Der Einfall, Poker mit Kleidungsstücken statt Chips oder Geld als Einsatz zu spielen, ist vermutlich so alt wie das Spiel selbst – schon kurz nach Erfindung des Spiels ließ man die Hüllen fallen. Aus diesem Grund ist es nur logisch, dass jeder, der weiß, wie man Poker spielt, auch weiß, wie man Strip-Poker spielt, oder?

Nun, lassen Sie sich eines gesagt sein … die Regeln sind viel komplizierter als Sie denken.

Der großartige Edwin Silberstang hat mehr als 50 Bücher über beliebte Glücksspiele geschrieben, einige von ihnen haben Poker als Thema. Bücher wie The Winner’s Guide to Casino Gambling und Winning Casino Craps galten als Bestseller, die hochgeschätzt waren und zu „Glücksspiel-Bibeln” erklärt wurden.

silberstang.pngZu den beliebten Büchern des Autors gehört auch das Playboy’s Book of Games, das zum ersten Mal 1972 veröffentlicht wurde und in mehreren Auflagen erschienen ist. Das Buch beschäftigt sich zu Beginn mit verschiedenen Kartenspielen, darunter Poker, Rommé, Bridge, Hearts und Blackjack. Silberstang geht auch auf Craps, Roulette, Sportwetten, Backgammon und mehr ein.

Wenig überraschend findet sich in einem Buch, das Playboy im Namen trägt, auch ein Kapitel zu Strip-Poker. Tatsächlich trennt der Autor den Abschnitt von einem längeren, in dem er populäre Poker-Spiele wie Five-Card Draw, Five- und Seven-Card Stud und Lowball behandelt. (Hold’em wird nicht erwähnt, da es Anfang der 1970er Jahre keine beliebte Variante war.)

Das Kapitel ist großartig, weil Silberstang recht trocken erklärt, was es mit den Strip-Poker-Regeln auf sich hat. Doch obwohl er das Thema sehr ernst nimmt, wird es klar mit einem Augenzwinkern behandelt. Die Stelle, an der etwa von Split-Pot-Spielen die Rede ist – es gibt wohl eine „beliebte Abwandlung”, bei der dem Gewinner des High-Pots „Ware von der Taille aufwärts” und dem Gewinner des Low-Pots „ein Kleidungsstück von der Taille abwärts” zustehen -, ist zum Schießen.

Er beschäftigt sich ausgiebig mit den Regeln des Spiels, dem Spielablauf, gibt Richtlinien vor, die das An- und Ausziehen betreffen. Es geht sogar um Strategie. Silberstang empfiehlt zum Beispiel allen Spielern, sich vor dem Spiel anzuschauen, was der Gegner trägt. „Lowball spiele ich nur gegen Spieler, die Strumpfhosen gegenüber Socken den Vorzug geben”, witzelt er.

Sie haben wahrscheinlich genug davon, dass ich mich ewig lang mit einer Einleitung abmühe. Lassen Sie mich deshalb auf die Eckpfeiler eingehen, die Silberstang im Zusammenhang mit Strip-Poker beschreibt.

Stellen Sie sicher, dass alle die Regeln kennen, bevor Sie Strip-Poker spielen

Noch bevor die erste Hand ausgeteilt wird, sollten alle Spieler zumindest die Grundlagen des Poker-Spiels beherrschen. „Bevor Sie Strip-Poker spielen, sollten Sie sicherstellen, dass alle Spieler mit den Regeln des Spiels vertraut sind”, empfiehlt Silberstang.

Strip-Poker ist kein Spiel für Menschen, die schüchtern oder reserviert sind. Sich ins Getümmel zu werfen, ohne zu wissen, wie man Poker spielt, erschwert den Spielablauf zusätzlich.

Spielen Sie Draw für Strip-Poker, kein Stud

Stud-Spiele bestehen aus zu vielen Setzrunden, wie Silberstang erklärt, Stud sei deshalb eine Qual für Strip-Poker. Bleiben die Spieler bis zum Showdown dabei, hätten die meisten einen Großteil ihrer Kleidung bereits nach ein paar Händen verloren.

„Nach hinreichenden Erfahrungen und als Ergebnis langanhaltender Studien”, sagt Silberstang (und die Eröffnung trieft bereits vor Witz), „empfehle ich Ihnen, Strip-Poker mit Draw-Poker, Jacks or Better, zu spielen.”

Hold’em ist aller Voraussicht nach genauso problematisch, da es vier Setzrunden gibt. Draw hat nur halb so viele (das Ante könnte einen weiteren Einsatz mit sich bringen). Die Spieler (und Stripper) sollten bei der Wahl des Spiels also Vorsicht walten lassen.

Kein Anziehen nach dem Ausziehen

„Sobald ein Kleidungsstück ausgezogen wurde, kann es nicht wieder angezogen werden”, bekräftigt Silberstang. Anders ausgedrückt: Sie können Ihre Kleidung zurückgewinnen, aber Sie können sie nicht erneut überstreifen. Stattdessen haben Sie die Produkte vor sich liegen, um sie im Falle des Falles setzen zu können.

Das ist meiner Meinung nach eine Regel, die nach Bedarf abgewandelt werden kann. Sicherlich ist es aber ein Umstand, der vor dem Spiel geklärt werden sollte.

Nur echte Kleidung zählt beim Strip-Poker

Silberstang befasst sich mehrmals mit diesem Problem, um folgende Frage zu beantworten: „Was zählt als Kleidung?” Kleidung sind „Kleidungsstücke, die vom Spieler getragen werden”. Das heißt, „ein Schuh erfüllt die Kriterien, ein Pflaster jedoch nicht.” Ausgeschlossen sind demnach auch „Brillen, Haarklammern, Ohrringe, Uhren, Ringe, Armbänder, Perücken und Toupets.”

Später erweitert er die Liste um weitere Gegenstände wie Manschettenknöpfe, Krawattenhalter, Lockenwickler, Suspensorien, Hörgeräte und Zahnprothesen. Zahnprothesen!

Sie müssen irgendwo eine Grenze festlegen. „Wer würde mit außerordentlichem Geschick einen Bluff riskieren, um bloß eine von 28 Haarklammern aus dem Haar des Gegners zu erhalten?”, fragt sich Silberstang. Zurecht, wie ich finde.

Weitere Regeln und Richtlinien zu Strip-Poker

Es gibt noch mehr zu sagen, etwa zur Reihenfolge, in der Kleidungsstücke entfernt werden müssen. Silberstang sagt, die Kleidung sollte von unten nach oben ausgezogen werden (außer in den High-Low-Spielen, die weiter oben Erwähnung gefunden haben). So sollen Spielverzögerungen vermieden werden, weil Spieler Hemmungen zeigen und sich zieren, bestimmte Kleidungsstücke anzutasten.

„Wenn nach dem ersten Ante vier Spieler übrig sind, sollten sich vier Schuhe im Pot befinden”, schreibt er. „Die einzige Regel, die befolgt werden muss, ist, dass außenliegende Kleidung vor der darunter befindlichen an der Reihe ist.”

Silberstang rät dazu, mit einer Art „Rake” zu spielen. Das heißt, dass das „Haus” Anspruch auf ein Kleidungsstück im Pot hat. So stellt man sicher, dass das Spiel auf ein Ende zusteuert, weil den Spielern irgendwann die Kleidungsstücke ausgehen, die gesetzt werden können.

Wo wir gerade auf das Ende des Spiels zu sprechen kommen, da gibt es mehrere Möglichkeiten. Dass am Ende alle ohne Klamotten dastehen (oder vielmehr dasitzen) kommt wohl am häufigsten vor. Silberstang hat noch eine andere Idee: „Wenn das Spiel seit zwei Stunden läuft und die meisten Spieler es beenden wollen, müssen alle strippen.”

Dieser Tipp erinnert mich an den Film Zeta One, den ich für das Buch geschaut habe. Dabei handelt es sich um eine psychedelisch angehauchte Science-Fiction-Spionagefilm-Parodie aus den späten 1960er Jahren. In diesem Film fassen Alien-Frauen auf dem Planeten Angvia den Plan, Frauen vom Planeten Erde zu entführen, um ihren Planeten zu bevölkern – und nur ein James Bond-Verschnitt von einem Geheimagenten kann diesen Schrecken aufhalten.

Das klingt doch nach einem gelungenen Film, oder? Nun, leider ist er das nicht, und zu Beginn des Films – deshalb komme ich darauf – gibt es das längste und langweiligste Strip-Poker-Spiel in der Geschichte des Kinos zu sehen.

„Wir spielen seit zwei Stunden und stehen wieder am Anfang!”, bringt der aufgebrauchte Bond-Typ endlich hervor. (Für den Zuschauer ist deutlich mehr Zeit vergangen.)

Natürlich hat man sich hier nicht an Silberstangs Regeln gehalten, um die Sache etwas aufregender zu gestalten.

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