Einladung erhalten? Einblicke in die exklusivsten privaten Poker-Runden

Juni 17, 2020

exclusive_private_poker_games.jpgWir blicken hinter die Kulissen der weltweit exklusivsten privaten Poker-Runden

Vor kurzem konnten bei einem Charity-Turnier auf PokerStars $1 Million für wohltätige Zwecke gesammelt werden – davon entfielen $500.000 auf unseren Charity-Partner CARE International. David Schwimmer, Liam Payne, Aaron Paul, Teri Hatcher, Lisa Kudrow, Amy Schumer, Neymar Jr., Edward Norton, Bryan Cranston, Don Cheadle und Macauley Culkin – und noch viele andere – ließen sich auf das virtuelle Poker-Spektakel ein.

Im April fand ein ähnliches Poker-Spiel statt, das viel Medien-Aufmerksamkeit auf sich vereinen konnten. Auch hier kam eine siebenstellige Summe zusammen, die für Feeding America bestimmt war – einer Non-Profit-Organisation, die Tafeln in den Vereinigten Staaten betreibt. Bei diesem Event waren Ben Affleck, Matt Damon, Tom Brady, Adam Sandler, Sarah Silverman, Cheryl Hines, Adam Levine, Jason Bateman, Jon Hamm, Tobey Maguire, Jason Mewes und Kevin Smith – neben anderen – mit von der Partie, um für einen guten Zweck zu pokern.

starscallforactionwrap-e1591702104385.jpgBei Stars CALL for Action kamen $1 Million für wohltätige Zwecke zusammen

Angesichts der vielen Promis, die bei diesen Events ein Interesse für Poker zeigen, stellt sich doch die Frage: Wo spielen die Stars normalerweise? Viele von ihnen haben gezeigt, dass sie unerwartet gut Poker spielen können – trotzdem bekommen wir sie bei Live-Poker-Events so gut wie nie zu sehen. Die Antwort liegt auf der Hand: Die Promis spielen private Homegames. Private Partien erfreuen sich bei allen Spielen großer Beliebtheit, vor allem aber bei Berühmtheiten. Manche Stars spielen gern um sehr hohe Beträge, sind aber nicht bereit, sich von Profis ausnehmen zu lassen – was unweigerlich passieren würde und dem Spaß am Pokern abträglich wäre.

Viele dieser privaten Poker-Runden sind genau das: Privat – eine geschlossene Gesellschaft. Wir wissen nicht, wer an ihnen teilnimmt. Nur hin und wieder erreichen Details über starbesetzte Poker-Runden die Öffentlichkeit. Im Folgenden werfen wir einen Blick auf die fünf faszinierendsten privaten High-Stakes-Partien – wir verraten, wer mitgespielt hat, wie teuer die Teilnahme war und was sie so besonders macht.

A-Promis unter sich – oder auch: Molly’s Game

Schon bevor es ein Enthüllungsbuch und einen Film gab, rankten sich Gerüchte um ein exklusives Poker-Spiel in Hollywood, das anscheinend nur A-Promis offenstand. Tobey Maguire, Ben Affleck und Leonardo DiCaprio sollen an den Runden teilgenommen haben. Es ging um so viel Geld, dass ohne regelmäßige Millioneneinkünfte nichts zu machen war.

mollys-game.jpgMolly Blooms Enthüllungsbuch diente als Grundlage für Aaron Sorkins Film Molly’s Game. Viele Details kamen so ans Tageslicht: Ursprünglich fanden die Partien im Nachtclub The Viper Room in West Hollywood statt. Bloom sollte das Zepter schließlich in die Hand nehmen und einen anderen Veranstaltungsort bestimmen. Zu Anfang lag das Buy-in bei $10.000, später bei etwa $250.000. Nach Blooms Angaben soll ein Spieler an einem einzigen Abend $100 Millionen verloren haben.

Was die Spieler betrifft: Nun, Maguire war vermutlich der zuverlässigste Regular. Vielfach wird er als Gastgeber genannt – auch wenn sein Verhalten dem Personal und seinen Gegnern gegenüber nicht immer rühmlich gewesen sein soll. Affleck und DiCaprio waren ebenfalls dabei. Wie auch Matt Damon und Macaulay Culkin, der Rapper Nelly und die Olsen-Zwillinge – sie alle ließen sich gelegentlich blicken. Die Sportler Pete Sampras und Alex Rodriguez sollen Berichten zufolge eine Runde in New York besucht haben – ob sie auch mitgespielt haben, ist nicht bekannt. Die Liste der Spieler enthält auch reihenweise Hedge-Fonds-Manager, Team-Besitzer (Sport) und Multimillionäre aus der Unterhaltungs-Branche.

Wer heutzutage versucht, an eine Einladung heranzukommen, hat ein Problem: Die Spiele finden nicht mehr statt. Blooms Vermögen ist vom FBI eingefroren worden, das Homegame ist wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen. Allerdings geht der Spaß am Pokern ja nicht verloren. Vielleicht zahlt es sich aus, bei Maguire anzuklopfen, wenn Sie bei der World Series of Poker (WSOP) auf ihn treffen – fragen Sie ihn einfach, wo er aktuell Karten spielt …

Triton Poker (Cashgames)

Fast zehn Jahre lang wurden die Gerüchte um Hinterzimmer-Poker-Runden im asiatischen Raum immer lauter. Berichten zufolge waren die Partien der Grund, warum Mainstream-Größen wie Tom „durrr” Dwan und Phil Ivey plötzlich wie vom Erdboden verschluckt waren. Die Spiele waren für Poker-Profis einfach zu reizvoll – vor allem, wenn man bereit war, die ungeheuerlichen Swings durchzustehen und die zum Teil eigentümliche Poker-Etikette einzuhalten. Klar: Wahrscheinlich waren die Gerüchte oft übertrieben, aber es lässt sich nicht abstreiten, dass reiche Geschäftsleute und Profis aus Asien eine Leidenschaft für High-Stakes-Poker entwickelt haben.

paul_phua_ept10_grand_final_shr_day2.jpgIn der jüngeren Vergangenheit ist die Szene ins Rampenlicht gerückt worden. Das haben wir vor allem Triton Poker zu verdanken – einer Poker-Tour, die die malaysischen Geschäftspartner Paul Phua (Foto) und Richard Yong auf die Beine gestellt haben. Vor der aktuellen Corona-Problematik fanden die Spiele auf der ganzen Welt statt. Außerdem gab es Super High Roller-Turniere, die in Südkorea, Montenegro, London und auf den Philippinen ausgetragen wurden – weitere Veranstaltungsorte sollten folgen. Am Ende eines Spieltages machten die Turniertische Platz für das Cashgame. Phua und Yong haben die Action oft selbst befeuert. Die Blinds lagen im Bereich zwischen $3.000 und $6.000. Meist hat man Short-Deck Hold’em gespielt. Am Tisch nahmen Geschäftsleute und vereinzelt auch Profis Platz. Dwan war sehr häufig zu sehen. Gern mit dabei sind auch Mikita Badziakouski, Jason Koon, Rui Cao, Andrew Robl und Ike Haxton.

Dass es in einzelnen Händen um hunderttausende Dollar geht, ist keine Seltenheit. Koon hat gegen Elton Tsang einen Pot gewonnen, der mehr als €2 Millionen wert war, Dwan hat gegen Phua mehr als $2,3 Millionen in einer Hand verloren. Ungeachtet dieser Summen brodelt die Gerüchteküche um sogar noch größere Partien – die aber erst starten, wenn die Kameras nicht mehr mitlaufen.

Das NetJets Poker Invitational

Wenn Sie als Kunde bei NetJets aufgenommen werden, sind Sie Teil einer erlesenen Gruppe. Bei Flugreisen sitzen Sie nicht nur bequem auf feinstem Leder, während Sie das Whiskyglas schwingen – nein, Ihnen gehört womöglich sogar ein Teil des Flugzeugs. Die NetJets-Mitgliedschaft hat aber noch einen weiteren, eher ungewöhnlichen Vorteil: Sie erhalten eine Einladung für das NetJets Poker Invitational, das einmal im Jahr in Las Vegas stattfindet. Warren Buffet (Foto) ist der Gastgeber.

warren_buffett.jpgDas Turnier ist auf 250 Spieler begrenzt und wird in erster Linie als Gelegenheit zum Netzwerken genutzt. Statt Geld wechseln hier vor allem Visitenkarten den Besitzer. Sponsoren stellen Berichten zufolge um die $2,5 Millionen für Sachpreise zur Verfügung, die von den Spielern am Final Table gewonnen werden können. Die Preise reichen von Sportwagen über Hotelaufenthalte bis hin zu sechsstelligen Gutscheinen. Bill Gates, Tom Brady, Matt Damon und George Lucas sollen bereits mitgespielt haben. Der Großteil der Teilnehmer ist allerdings eher auf der Vorstandsetage als im Boulevard zu Hause.

Forbes-Autor Randall Lane konnte sich einmal einen Seat sichern und ein paar Details, das Event betreffend, in Erfahrung bringen. So gibt es an jedem Tisch einen Spieler, auf den eine Bounty von $5.000 ausgesetzt ist. Basketballer Vince Carter trug ein auffälliges schwarzes Armband zur Schau, um klar anzuzeigen, dass er eine Bounty hatte. Lanes andere Gegner waren ein Unternehmer aus der Pharmaindustrie, ein Manager aus dem Private-Equity-Umfeld, ein Vermögensverwalter, der Sohn eines früheren New-Jersey-Gouverneurs, der einmal für Goldman Sachs gearbeitet hat, ein ehemaliger Yahoo-Vorsitzender und ein Vorstandsmitglied von Berkshire Hathaway. Phil Gordon kommentierte das Geschehen (das war 2012).

Im Prinzip kann jeder an diesem Turnier teilnehmen – solange man sich bei NetJets anmeldet. Die Kosten für eine Mitgliedschaft liegen allerdings zwischen $550.000 und $4,4 Millionen, wie Forbes 2017 berichtet hat.

Cashgame im Silicon Valley

Es ist schwierig, mit den Entwicklungen der Tech-Branche Schritt zu halten. Firmen werden aus dem Boden gestampft, boomen, florieren – und werden fast so schnell wieder fallen gelassen wie ein Spieler in einem Hyper-Turbo-Turnier. Das macht es schwierig, herauszufinden, wer die Poker-Runden im Silicon Valley ausrichtet – einen Monat später könnte es ein völlig anderer sein. Jedoch wird es immer jemanden geben, der die Aufgabe übernimmt. Im Laufe der Jahre haben Zeitungen und Poker-Medien über die Spiele im Valley berichtet. David Einhorn und Roger Sippl sollen mit dabei gewesen sein – beide sind Geschäftsleute, die in Kalifornien wohnhaft sind und gelegentlich auch in der Poker-Öffentlichkeit von sich reden machen.

phil_hellmuth_pca.jpg2008 hat ein Wired-Artikel jungen Unternehmern nahegelegt, Poker zu lernen, wenn sie vorhätten, Risikokapitalgeber zu treffen. Der Artikel nimmt Bezug auf Zach Coelius, der Triggit gestartet hat, nachdem er zuvor bei einem Poker-Spiel mit Investoren ins Gespräch gekommen war. „Wenn man wollte, könnte man jeden Abend zu einer Poker-Runde aufbrechen”, sagte Coelius.

2014 hat der Business Insider die Poker-Runde im Zuhause von Chamath Palihapitiya verortet. Palihapitiya ist Risikokapitalgeber und Gründer sowie CEO der Firma Social+Capital – früher war er in verantwortlicher Position bei Facebook tätig. Die Stakes des Poker-Spiels sollen „relativ bescheiden” gewesen sein – anders als die Vermögenswerte der involvierten Spieler. Laut Business Insider haben David Sacks, der Gründer von Yammer, Jason Calacanis, der sein Start-up Weblogs, Inc. für $25 Millionen an Time Warner verkaufen konnte, Dave Goldberg, der CEO von Survey Monkey, und Mark Pincus, ein Mitgründer von Zynga, Interesse an der Poker-Runde gezeigt.

Der einzige Profi, der im Zusammenhang mit Poker im Silicon Valley immer wieder auftaucht, ist Phil Hellmuth (Foto). Der 15-malige WSOP-Bracelet-Champion wohnt in Palo Alto und gehört zu den Sharks, mit denen es auch die Geschäftsleute im Silicon Valley gern aufnehmen.

Die Privatrunde des Bill Perkins

Die Poker-Gerüchteküche kam vergangenen Monat mächtig ins Brodeln, als Super High Roller-Regular Bill Perkins (Foto) auf Twitter behauptete, beim Pokern betrogen worden zu sein. Aus verschiedenen Gründen hat Perkins fast alle wesentlichen Details ausgelassen. Allerdings hat er angegeben, dass sich der Betrug in einer regelmäßigen Privatrunde mit unglaublich hohen Stakes ereignet haben soll.

bill_perkins.jpgEs ergibt natürlich Sinn, dass einer der größten Poker-Liebhaber, der zugleich zu den reichsten Menschen in Amerika gehört, eine Super-High-Stakes-Poker-Runde abhält. Mit Gleichgesinnten, die ähnlich gut Poker spielen und ebenfalls reich sind. (Zu dem Betrug soll es gekommen sein, nachdem die Partie infolge der Covid-19-Maßnahmen nicht mehr wie gewohnt stattfinden konnte – stattdessen kam eine nicht regulierte App zum Einsatz, und Profis sollen mindestens einen Account fremdgesteuert haben.) Uns liegen nicht genug Informationen vor, um festzustellen, was sich im Einzelnen abgespielt hat. Wir wollen den Fall auch nicht moralisch beurteilen – vielmehr sind wir an der Runde interessiert, bei der Perkins regelmäßig mit von der Partie ist. Es muss eine der teuersten Privatrunden der Welt sein. Hin und wieder bekommen wir kleine Informationshäppchen serviert – zum Beispiel wissen wir, dass auch der berüchtigte Poker-Sprücheklopfer Dan Bilzerian zu den Teilnehmern gehört.

Es ist nahezu unmöglich, Bilzerians Behauptungen auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen, aber der Instagram-Star will durchs Pokern Millionen gewonnen haben – allein an einem Abend $10,8 Millionen. Perkins bekräftigte, dass die Stakes der Poker-Runde so hoch waren, dass selbst jemand, der so reich ist wie er, von den Verlusten getroffen war. Und auch Bilzerian, dessen ganzes Image darauf fußt, sorglos zu erscheinen und gegen Poker-Downswings immun zu sein, war nicht zum Lachen zumute. Wir können also davon ausgehen, dass sich an Perkins Tisch, sofern er wieder zusammenkommt, haufenweise Wale mit Geld wie Heu tummeln werden.

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